Tamale (Gericht)

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Tamale und Kürbissuppe

Die Tamale oder Tamal (aus dem Nahuatl Tamalli) (Plural Tamales) ist ein traditionelles mesoamerikanisches Gericht, bestehend aus Masa (Maisteig), der mit Fleisch, Käse oder anderen Zutaten gefüllt und in Pflanzenblätter eingehüllt gedämpft wird. Die Zubereitung durch Mayas und Azteken Mitte des letzten Jahrtausends ist nachgewiesen.[1]

Zubereitung[Bearbeiten]

Die Zubereitung von Tamales ist relativ arbeitsintensiv. In Zentral- und Nordmexiko wird der Maisteig, der oft mit Schmalz (meistens vom Schwein) versetzt ist, wie Butter auf ein Pflanzenblatt (meist Mais- oder Bananenblätter) geschmiert. Anschließend wird die Füllung der Länge nach in der Mitte des Blattes platziert; Fleisch als Bestandteil der Füllung sollte bereits vorgekocht sein. Die Seiten des Blattes werden zur Mitte hin gefaltet und anschließend 45 bis 60 Minuten lang gedämpft, bis der Teig eine kuchenähnliche Konsistenz aufweist. Das Mengenverhältnis der Füllung zum Teig ist stark vom persönlichen Geschmack abhängig. Einmal zubereitet, können die Tamales problemlos tiefgefroren (die Blätter verhindern ein Zusammenfrieren) und je nach Bedarf aufgewärmt werden. Die Zubereitung ist oft ein geselliges Ereignis, bei dem sich Freunde und Verwandte treffen, um hunderte Tamales zuzubereiten, die anschließend aufgeteilt werden.

Mittlerweile bieten auf lateinamerikanische Speisen spezialisierte Lebensmittelhersteller wie Goya Foods oder Catalina Finer Foods in Lateinamerika, den USA und Spanien Tamales als tiefgefrorene Fertiggerichte an, auch getrocknete Maisblätter (hojas de tamal) werden von der Industrie abgepackt angeboten.

Mexikanische Varianten[Bearbeiten]

Tamales im Topf mit Gareinsatz, einer Tamalera

In Mexiko sind Tamales ein häufig zum Frühstück serviertes Gericht, das von Straßenhändlern in großen Töpfen (Tamaleras) angeboten wird. An manchen Orten, wie Zacatecas, wird die Tamale oft in kleine Weizenbrote gelegt und wird so zur Torta de tamal. Übliche Füllungen sind Schweine-, Lamm- oder Hühnerfleisch mit entweder roter oder grüner Salsa oder Mole. Eine oft als Frühstück verwendete Variante ist es, der Maismischung Zucker hinzuzufügen und sie mit getrockneten Früchten, Nüssen, süßen Bohnen und/oder Karamell zu füllen und somit eine süße Tamale (Tamal de dulce) herzustellen. Eine einfache, vegetarische Alternative ist die Tamal de elote (Mais-Tamale). Anstatt der Maisblätter werden in den tropischen Teilen des Landes, wie den Anrainerstaaten des Golfes von Mexiko, Oaxaca, Chiapas und der Halbinsel von Yucatán Bananenblätter verwendet. Diese Tamales haben eine eher quadratische Form, sind meist sehr groß (~40 cm) und dick. Eine typische Variante, besonders in Chiapas, ist Tamal de chipilin (mit würzigen Chipilinkräutern gefüllt; ein für diese Tamales in Süd-Tamaulipas gebräuchlicher Name ist Zacahuil). In den im Süden Mexikos angrenzenden Ländern Mittelamerikas sind diese Bananenblatt-Tamales auch sehr verbreitet. Um eine vollwertige Mahlzeit zu erhalten, werden Tamales oft mit Atole, heißer Schokolade, oder Champurrado serviert.

Verbreitung in Mittel- und Südamerika[Bearbeiten]

Gedämpfte Tamales

Die in Nicaragua übliche Form der Tamales heißen Nacatamales. In El Salvador und Honduras werden die Tamales wie in Süd-Mexiko und Nicaragua auch in Bananenblättern serviert. Es gibt verschiedene Varianten wie Tamal de gallina (Huhn), Tamal pisque (Fisch), und Tamal de elote. In Guatemala gibt es zusätzlich zu den in El Salvador vorkommenden Varianten Tamales ohne Füllung, die als „Brot“ oder sättigender Bestandteil einer Mahlzeit serviert werden wie beispielsweise Tamal blanco (weiße Tamal mit Mais hergestellt). Peruanische Tamales sind meist sehr scharf gewürzt, größer und in Bananenblätter eingewickelt. Gewöhnlich sind sie mit Hühnchen oder Schwein gefüllt und werden zusammen mit gekochten Eiern, Oliven, Erdnüssen oder einem Stück Chilischote serviert. Kleinere Tamales, in Maisblätter eingewickelt, werden Humitas genannt und sind normalerweise süßer.

Auch in Kolumbien gibt es Tamales. Dort gibt es verschiedene Sorten, wie Boyacense und Santandereano. Ecuador serviert auch verschiedene Tamales und Humitas, die mit frischem Käse, Schwein, Hühnchen oder Rosinen gefüllt sind. Normalerweise sind die ecuadorianischen Tamales in Mais- oder Achirablätter gewickelt. In Belize sind Tamales auch sehr verbreitet. Dort kennt man sie auch unter dem Namen bollo. Unwissenheit der englischsprachigen Bevölkerung hat dazu geführt, dass in Belize manchmal der Plural auch als Singular verwendet wird: „a tamales“.

Tamales in den USA[Bearbeiten]

Der englische Plural ist Tamales, dies ist auch die häufigste Form, die man in den USA in der spanischstämmigen Bevölkerung hört. Der Singular ist Tamale bzw. Tamal. Mittlerweile haben Tamales in den USA große Popularität erreicht, und somit haben sich auch andere Füllungen, beispielsweise mit Rindfleisch oder zerkleinerten Maiskörnern, entwickelt. Außerdem sind Tamales im Südwesten der Vereinigten Staaten ein beliebtes Weihnachtsgericht.

Das Tamale ist auch ein gängiges Essen in der Lower Mississippi Delta Region. Seine Popularität wuchs im frühen 19. Jahrhundert, als sie mexikanische Erntehelfer unter den schwarzen Arbeitern auf den Baumwollplantagen im Süden der USA einführten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ernährungsgeschichte Mesoamerikas auf Foodtimeline.org