Tanach

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Tanach
Tora

Bereschit („Im Anfang“)
Schemot („Namen“)
Wajikra („Er rief“)
Bemidbar („In der Wüste“)
Devarim („Worte“)

Nevi'im: Propheten

Buch Josua
Buch Richter
Erstes und Zweites Buch Samuel
Erstes und Zweites Königsbuch
Jesaja
Jeremia
Ezechiel
Zwölfprophetenbuch

Ketuvim: Schriften

Buch der Psalmen
Ijob
Buch der Sprichwörter
Buch Rut *
Hoheslied *
Kohelet *
Klagelieder Jeremias *
Buch Ester *
Buch Daniel
Buch Esra und Nehemia
Erstes und Zweites Chronikbuch
(* = Die fünf Megillot)

Als Tanach oder Tenach [taˈnaχ] oder [təˈnaχ] (hebräisch ‏תנ״ךTNK) bezeichnet das Judentum die Bibeltexte, die als normativ für die eigene Religion gelten. Der Tanach besteht aus den drei Teilen Tora („Weisung“), Nevi'im („Propheten“) und Ketuvim („Schriften“). TNK ist das Akronym der Anfangsbuchstaben dieser Teile. Sie enthalten insgesamt 24 in hebräischer Sprache verfasste Bücher; zwei davon enthalten einige aramäische Textpassagen. In der jüngeren Sekundärliteratur wird der Tanach oft als „jüdische Bibel“ oder „hebräische Bibel“ bezeichnet.

Das Christentum hat alle Bücher des Tanach übernommen und in etwas anderer Anordnung als sein Altes Testament kanonisiert. Es umfasst in der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche auch die deuterokanonischen Schriften.

Namen[Bearbeiten]

„TNK“ ist ein aus den hebräischen Initialen der drei Hauptteile zusammengesetztes Akronym. Die Konsonanten Taw (ת), Nun (נ) und Kaph (כ; Schlussform ך) werden vokalisiert zu Tanakh oder Tenakh (IPA: [taˈnax] oder [təˈnax]); der Schlusskonsonant wird als Reibelaut [χ] ausgesprochen.

Weitere hebräische Bezeichnungen für die Bibel sind Miqra (‏מקרא‎) oder Tora, nach seinem für das Judentum wichtigsten Teil (pars pro toto).

Entstehung und Einteilung[Bearbeiten]

Seite eines Targums, 11. Jahrhundert

Der Tanach entstand als Sammlung verschiedenster, religiöser und profaner jüdischer Schriften in einem komplexen Prozess von ca. 1200 Jahren innerhalb der Geschichte Israels. Seine ältesten Bestandteile sind mündlich überlieferte Sagenkränze, ätiologische Erzählungen und Herkunftssagen einzelner Sippen und Stämme, die allmählich zusammenwuchsen, später aufgezeichnet und in eine theologisch konzipierte Heilsgeschichte integriert wurden und so gesamtisraelitische Bedeutung erhielten.

Die Tora entstand seit der Staatsbildung in Israel und lag schon in vorexilischer Zeit in Teilen als schriftliches Gesetzbuch und Grundlage des Jerusalemer Tempelkults vor. Sie wurde bis 250 v. Chr. endgültig fertiggestellt und dann ins Griechische übersetzt und bildete so die Grundlage für die Septuaginta.

Seit etwa 400 v. Chr. wird die Tora in fünf Bücher eingeteilt. Dies hing mit theologischen Gründen und dem Umfang von zusammengerollten Pergamentschriften zusammen. Darum wird die Tora auf Hebräisch auch Chumasch [חומש] („die Fünf“) und auf Griechisch auch Pentateuch („Fünf-Schriftrollen-Behälter“) genannt.

Die Schriftbücher der Propheten und das Zwölfprophetenbuch lagen großenteils bis 200 v. Chr. vor. Im um 190 v. Chr entstandenen Buch Sirach wird erstmals eine dreiteilige Sammlung heiliger Schriften vorausgesetzt. Damals war nur noch der dritte Teil unabgeschlossen.

Um 90 teilte Flavius Josephus den Tanach gemäß der Buchstabenzahl des hebräischen Alphabets in 22 einzelne Bücher (griech. biblia) ein. Dabei zählte er die Bücher Samuel, Könige, Chronik, Esra/Nehemia, die zwölf „kleinen“ Propheten, Richter/Rut und Jeremia/Klagelieder als je ein Buch. Das 4. Esrabuch dagegen teilte den Tanach in 24 Bücher ein, indem es Richter, Rut, Jeremia und Klagelieder einzeln zählte. Es erreichte so eine Analogie zu den Zwölf Stämmen Israels und dem in zwölf Monate geteilten Jahreszyklus.

Umfang und Einteilung des Tanach wurden im Judentum gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. endgültig festgelegt. Die Abfolge der Bücher im Propheten- und Schriftenteil und die Aufnahme und Zuordnung weiterer Bücher zum Schriftenteil blieb bis etwa 200 umstritten. Als eins der letzten Bücher wurde das um 165 v. Chr. entstandene Buch Daniel aufgenommen, aber den Schriften, nicht den Propheten zugeordnet.[1]

Aufbau[Bearbeiten]

Die drei Hauptteile des Tanach (Tora, Nevi'im und Ketuvim) sind in der Reihenfolge ihrer Kanonisierung angeordnet. Ihre Rangfolge spiegelt nach orthodox-jüdischem Glauben einen abnehmenden Grad an Inspiration: Die Tora beruht demnach auf direkter Zwiesprache Mose mit Gott, die Nevi'im beruhen auf gottgesandtem Wortempfang, Träumen und Visionen, und die Ketuvim beruhen auf indirekter Beeinflussung der menschlichen Autoren durch den Ruach HaQodesh, wörtlich „Heiliger Atem“, auch als Ruach JHWH „Atem Adonais“ bezeichnet. In dieses abgestufte Ordnungsschema wurden weitere biblische Bücher nach der angenommenen oder tatsächlichen Entstehungszeit und aus theologischen Gesichtspunkten eingeordnet.

Tora[Bearbeiten]

Die Tora enthält JHWHs bleibend gültige Erwählung des Gottesvolks und Offenbarung seiner Rechtsordnung, auf die die Schöpfung der Welt von Anfang an zielt: Darum ist dieser erste zugleich der theologisch wichtigste Hauptteil des Tanach, auf den die beiden später entstandenen Teile bezogen bleiben.

Nevi'im[Bearbeiten]

Unter dem Titel Nevi'im verbinden sich zwei Teile. Die sogenannten vorderen Propheten enthalten die Aufzeichnungen der Geschichte Israels, die heute in der Wissenschaft als deuteronomistisches Geschichtswerk angesehen wird. Zu den hinteren Propheten gehören die Bücher der klassischen Prophetie im Tanach. Diese deuten die Geschichte Israels von vornherein nicht als bloße Erinnerung an Vergangenes, sondern als Zukunfts-Verheißung. Damit erscheinen die vorderen Propheten, deren Verkündigung nicht in eigene Bücher gefasst wurde, als legitime Nachfolger des Toraempfängers und Propheten Mose (Dtn 18,18; 34,10) und als Wegbereiter der Schriftprophetie, deren Theologie das Geschichtswerk entscheidend beeinflusste. So stellen Samuel, Natan, Ahija von Schilo, der Gottesmann aus Juda, Micha ben Jimla, Elija, Elischa und die Prophetin Hulda in den Königsbüchern immer wieder die Weichen für die Zukunft der Königreiche Israel und Juda, indem sie oft an den in der Tora geoffenbarten Gotteswillen erinnern und ihr Eingreifen damit begründen.

Ketuvim[Bearbeiten]

Der dritte Hauptteil enthält vor allem Bücher, die die menschliche Antwort auf Gottes Offenbarung (Teil 1) und seine Selbstauslegung in der prophetisch gelenkten Geschichte Israels (Teil 2) behandeln und spiegeln. Deshalb enthält er sowohl vorexilisch entstandene Teile wie die gesammelten Psalmgebete als auch spät und auf Aramäisch abgefasste Bücher wie das apokalyptische Buch Daniel. Das zweigeteilte Chronikbuch, das dieselbe Zeit wie die Königsbücher behandelt, aber über das Ende des ersten Jerusalemer Tempels hin fortsetzt, wurde an das Ende des dritten Hauptteils gestellt. So bildet das Cyrusedikt zur Freilassung der exilierten Juden mit der Erlaubnis zum Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels um 539 v. Chr. den programmatischen Abschluss des Tanach: Die Heilsgeschichte JHWHs zielt auf ein erneuertes Leben seines erwählten Volkes im gelobten Land und die Wiederherstellung seines Heiligtums, auf Israels Frieden (Shalom) mit seinen Nachbarn und Gott.[2] Zu den Ketuvim zählen auch die fünf Megillot, das sind die Bücher Rut, Hoheslied, Kohelet, Klagelieder und Ester, die an den Festen Schawuot, Pessach, Sukkot, Tischa beAv und Purim gelesen werden.

Inhalte[Bearbeiten]

Der Tanach erzählt die Geschichte der Schöpfung und des Volkes Israel unter JHWHs gnädiger Führung über einen Zeitraum von etwa 1300 Jahren. Er enthält verschiedenste Traditionen der einzelnen Stämme von Halbnomaden, die sich um den Glauben an den Gott JHWH im Raum des heutigen Palästina/Israel zu einem Volk vereinten. Dazu gehören Ortsätiologien, Kultsagen, Erinnerungen an Siege und Niederlagen aller Art und Gebotssammlungen. Sie wurden von verschiedenen Autoren redaktionell zu einer Gesamtgeschichte Israels verbunden.

Ein Teil dieser Gebote spiegelt längst vergangene, bis ins Einzelne geregelte vorantike Lebensverhältnisse. Solche Gebote sind heute schwer verständlich und müssen vor dem Hintergrund der damaligen Lebensverhältnisse verstanden und für die heutige Zeit neu interpretiert werden.

Wesentliche Kernbestandteile der jüdischen Tora sind jedoch in das kulturelle Erbe der Neuzeit eingegangen: Dazu gehören vor allem der Dekalog und die Menschenwürde jedes Einzelnen. Sie wird im Tanach mit der Befreiung Israels aus der in der Antike allgemein üblichen Sklaverei, die als Erwählung eines Volkes zum Segen für alle Völker verstanden wird, und der Gottebenbildlichkeit des Menschen begründet.

Einige Schichten des Tanach spiegeln andere als die jahwistische Tradition. Bei der Einwanderung der Halbnomaden-Stämme in das Kulturland Kanaan brachte jeder Stamm seinen Sippengott mit. Diese wurden erst miteinander und dann mit der Gotteserfahrung der Hebräer aus dem Raum Ägyptens und der Sinaihalbinsel verschmolzen (Ex 3), zum Teil aber auch zusammen mit Gottheiten der Kanaanäer synkretisch verehrt. Während etwa die Schöpfergottheit des kanaanäischen Pantheons El problemlos mit JHWH identifiziert werden konnte (Gen 14,17 f.), wurden Fruchtbarkeits- und Astralgötter wie Baal, Astarte, Marduk u. a. als der eigenen Glaubensidentität fremd abgelehnt. Die einheitsstiftende Rolle des Monotheismus des 1. Gebots setzte sich erst allmählich in Israel durch.

Textgeschichte[Bearbeiten]

Kompletter Schriftrollensatz des Tanach

Die hebräische Schrift eignet sich nicht für Tontafeln, die sonst im Alten Orient in Keilschrift beschrieben wurden. Auch mit sakralen Texten beschriebene Tonscherben (Ostraka) wurden in Israel bisher nicht aufgefunden. Das übliche Schreibmaterial waren handgefertigte Papyrus-, vereinzelt auch Lederrollen, mit Tinte aus rußigem Olivenöl oder Eisengallustinte beschrieben.

Die ältesten bekannten zusammenhängenden Bibeltexte sind die Schriftrollen vom Toten Meer, entstanden ungefähr zwischen 250 v. und 100 n. Chr. Sie umfassen die meisten Bücher der ersten beiden Hauptteile, darunter eine fast 7,5 Meter lange Rolle des vollständigen Jesajabuchs (66 Kapitel). Diese weicht nur minimal von den 1100 Jahre jüngeren mittelalterlichen Bibelhandschriften des masoretischen Textes ab, so dass von einer enormen Disziplin und Texttreue bei der generationenlangen Abschrift von Bibeltexten ausgegangen wird.

Seit dem 1. Jahrhundert löste Pergament allmählich Papyrus als Schreibmaterial ab: Nun wurde es möglich, mehrere umfangreiche Schriftrollen zu einem „Kodex“ zu bündeln. Der älteste erhaltene hebräische Bibelkodex ist der Codex Cairensis aus dem Jahr 895; er enthält nur die Bücher der 12 „kleinen“ Propheten.

Der 1616 wiederentdeckte samaritanische Pentateuch weicht in etwa 6000 Fällen meist nur orthografisch vom bis dahin bekannten Masoretentext ab, stimmt aber in einem Drittel dieser Fälle mit der Septuaginta überein. Ab 1896 kamen Funde aus einer Geniza (versiegelte Kammer zur Entsorgung nicht mehr verwendeter Texte) in Kairo hinzu, die von Solomon Schechter aufbereitet und veröffentlicht wurden. Dadurch weiß man heute, dass die bis 1945 bekannte Textversion überwiegend die palästinische Tradition überliefert hat, die vor dem Jahr 135 nicht die einzige war.

Der Konsonantentext vor allem der Tora wurde um 135 – nach der Niederlage des Simon Bar Kochba im letzten jüdischen Aufstandsversuch gegen das Römische Reich – festgelegt. Dass er dabei alter vorchristlicher, jedoch noch nicht kanonisierter Überlieferung folgte, ist durch die Funde in Qumran und den Papyrus Nash (um 170 v. Chr. entstanden) erwiesen. Bis dahin gab es mehrere Versionen der Hebräischen Bibel nebeneinander: die Septuaginta, den samaritanischen Pentateuch und hebräisch-aramäische Vorformen des Tanach mit leichten Abweichungen, auf die innerbiblische Paralleltexte hinweisen: zum Beispiel Psalm 18 und 2. Samuel 22 oder Jesaja 2,2–4 und Micha 4,1–3.

Nach Festlegung des Konsonantentextes begann die 1000-jährige „Masora“ (philologische Arbeit) der danach genannten „Masoreten“: jüdischen Schriftgelehrten in Palästina – hier besonders in Tiberias – und Babylonien, die mit dem Sammeln, Kopieren und Redigieren von biblischen Handschriften befasst waren. Zu ihren Aufgaben gehörten die Punktierung des festgelegten Konsonantentextes durch Vokalzeichen, Akzente, Satzzeichen und Verseinteilungen. Ferner mussten nach ihren strengen Vorschriften ältere, von der als gültig vereinbarten Textversion abweichende Abschriften vernichtet werden.

Der Konsonantentext enthält einige uneinheitlich gebrauchte Buchstaben als Vokalisierungshilfe, die matres lectionis (lat. „Mütter der Lesung“). Im Frühmittelalter codifizierten die Masoreten die mündliche Tradition der Lesung des Tanach, indem sie zwei zusätzliche Zeichensysteme einführten:

Das eine ist Nikud (hebr. נִקּוּד), ein System von Punktierungen oder Vokalzeichen, das zur Darstellung von Vokalen in der hebräischen Schriftsprache dient. Das andere ist die Kantillation (hebr. ta`amei ha-mikra oder kurz te`amim; Jiddisch trope, auch im Englischen gebräuchlich) die den Text um Vortragshinweise ergänzt etwa zu Tonhebungen und Satzende. Einige dieser Zeichen wurden auch in den mittelalterlichen Handschriften der Mischna benutzt. Danach lautete zum Beispiel der Beginn des 1. Buch Mose:

בְּרֵאשִׁ֖ית בָּרָ֣א אֱלֹהִ֑ים אֵ֥ת הַשָּׁמַ֖יִם וְאֵ֥ת הָאָֽרֶץ׃
Bereshit bara Elohim et hashamayim ve'et ha'arets
Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde

Bis etwa zum Jahr 1000 vereinheitlichten die Masoreten den Text des Tanach. Der älteste vollständig erhaltene Textzeuge ist der Codex Leningradensis (Handschrift B19) aus dem Jahr 1008. Dieser hebräisch-aramäische Masoretentext wurde erst im Zeitalter der Renaissance und der Reformation von Christen wiederentdeckt und dann zur Grundlage ihrer Bibelübersetzungen, besonders der von Martin Luther (1534). Diese seit dem Mittelalter bekannten masoretischen Bibelhandschriften galten lange Zeit als „Urtext“ der Bibel. Auf ihren Kodizes beruhen alle modernen Ausgaben des Tanach, so die Biblia Hebraica (Herausgeber Rudolf Kittel) und Biblia Hebraica Stuttgartensia (Herausgeber Karl Elliger und Wilhelm Rudolph).

Verwendung im Gottesdienst[Bearbeiten]

Der Tanach wird im jüdischen Gottesdienst am Schabbat in der Synagoge regelmäßig für Schriftlesungen verwendet und dann als Mikra (מִקְרָא: „Lesung“) bezeichnet. Aus der Tora wird fortlaufend in Wochenabschnitten (Parascha) vorgelesen, so dass im Laufe eines Jahres die gesamte Tora vorgetragen wird; zu jedem Tora-Wochenabschnitt gehört ein ausgewählter kürzerer Prophetentext (Haftara), der jeweils anschließend vorgetragen wird. Aus dem dritten Teil, den Schriften, werden besonders die Psalmen liturgisch verwendet sowie die fünf Festrollen zu den fünf Festen Pessach (Hohes Lied), Schawuot (Ruth), 9. Av (Klagelieder), Laubhüttenfest (Kohelet), Purim (Esther).

Verhältnis zum Alten Testament[Bearbeiten]

Im Christentum wurden alle Bücher des Tanach zusammen mit einigen weiteren der Septuaginta seit etwa 190 als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) gegenübergestellt und um 400 endgültig kanonisiert. Damit lehnten die Kirchenväter die Trennung des Schöpfergottes der Bibel von Jesus Christus, dem Erlöser, als Häresie ab, die Marcion um 150 vertreten hatte.

Der Tanach blieb somit vollgültiger Teil des Bibelkanons und damit normatives Wort Gottes. Seine Bücher wurden in ihrem gesamten Textbestand übernommen, aber anders angeordnet und anders in drei Hauptteile eingeteilt: Der erste Teil umfasst die „Geschichtsbücher“ (1. Mose bis Buch Esther), der zweite Teil „Dichtung“ bzw. „Weisheit“ (Hiob, Psalmen, Sprüche Salomos, Prediger, Hoheslied) und der dritte Teil umfasst die „Propheten“.[3]

Zuordnung und Reihenfolge der übernommenen Schriften unterscheiden sich je nach christlicher Konfession. Das evangelische AT enthält ausschließlich die Schriften des Tanach. Die Schriftpropheten wurden von den Geschichtsbüchern unterschieden und ans Ende gerückt. Darin zeigt sich bereits, dass Christen die jüdische Geschichte eher als abgeschlossene Vergangenheit sahen und die prophetischen Zukunftsverheißungen auf Jesus Christus bezogen, während für Juden die ganze fortlaufende Geschichte Israels eine prophetische Dimension behielt: Geschichtserinnerung war für sie zugleich aktuelle Zukunftsverheißung.

Die Tora eröffnet die Bibel in beiden Religionen. Im AT bildet sie aber keinen eigenen Teil, sondern steht mit den Büchern Josua, Richter, Samuel, Könige, Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester in einer Reihe. Damit wird der in der Tora geoffenbarte Wille Gottes in gewisser Weise zu einer Erinnerung an vergangene Geschichte. Auch die übrigen Schriften (Ketuvim) sind anders zugeordnet. In der Reihenfolge der sogenannten „hinteren“ Propheten (Nevi'im) stimmen beide Versionen überein.

Die römisch-katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher Tobit und Judit, die nicht Teil des Tanach sind.

Im Christentum werden die fünf Bücher Mose also hauptsächlich als geschichtliche Zeugnisse des Volkes Israel gelesen und weniger als aktuelle Lehre oder Unterweisung, abgesehen von den Zehn Geboten, frühen Verheißungen an die Erzväter und messianischen Weissagungen der Propheten Israels. Die Kirchenväter setzten die Aufnahme des AT in den christlichen Bibelkanon durch, deuteten aber viele prophetische Verheißungen, Psalmgebete und Schöpfungserzählungen allegorisch oder typologisch als Hinweise auf das Kommen Jesu Christi.

Die Bezeichnung „Altes Testament“ geht auf die Rede vom „Alten“ und „Neuen“ Bund im Hebräerbrief zurück. Sie wurde oft irrtümlich als Ablösung des Bundes Gottes mit Israel durch das neue Gottesvolk, die Kirche, aufgefasst, so dass „alt“ als „veraltet“ oder „überholt“ gedeutet wurde. Damit war die „theologische Enteignung“ des Judentums in der Substitutionstheologie verbunden.

Um diese traditionelle Abwertung zu vermeiden, nennen manche Christen, Theologen und Kirchen den Tanach bzw. das AT heute Erstes Testament, hebräische Bibel oder hebräische Schriften. Damit grenzen sie sich vom christlichen Antijudaismus ab und betonen die gemeinsame Grundlage beider Religionen. Denn das NT verkündet den „neuen Bund“ als endgültige Bekräftigung des ersten Bundes Gottes mit seinem Volk Israel (Röm 11,2), der nun allerdings auch alle übrigen Völker einschließt (Joh 4). An der lebendigen Beziehung des einen Gottes zu seinem zuerst und bleibend erwählten Volk halten bekennende Juden und Christen nach der Erfahrung des Holocaust gemeinsam fest.

Literatur[Bearbeiten]

Historische Übersetzungen des Judentums
  • Annette M. Böckler (Hrsg.): Die Tora. Die fünf Bücher Mose in der Übersetzung von Moses Mendelssohn. Mit den Prophetenlesungen im Anhang. (1783) Jüdische Verlagsanstalt, Berlin 2004, ISBN 978-3-9346-5810-3.
  • Samson Raphael Hirsch: Die fünf Bücher der Tora. Pentateuch mit Haftarot übersetzt und erklärt, neu gesetzt. Der klassische Kommentar des deutschen orthodoxen Judentums, Deutsch, Hebräisch. (1867-1873) Fünf Bände, Morascha, Basel/Zürich 2008-2011, ISBN 978-3-0330-2899-9.
  • Samson Raphael Hirsch: Sefer Tehilim - Die Psalmen. Ein klassischer Psalmenkommentar, übersetzt und erläutert. (1883) Morascha, Basel/Zürich 1995.
  • Naftali Herz Tur-Sinai: Die Heilige Schrift. (1935-37) R. Brockhaus, 2013, ISBN 341725180X.
  • Martin Buber, Franz Rosenzweig: Die Schrift Verdeutscht - mit Bildern von Marc Chagall. (1961) Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007, ISBN 978-3-5790-6448-2.
  • Leopold Zunz: Die Heilige Schrift: Tanach. Torah - Newiim -Ketuwim. Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift. Hebräisch-Deutsch. Nach dem Masoretischen Text. Goldschmidt Verlag, Basel, 1997, ISBN 978-3-8570-5042-8.
  • Hanna Liss, Annette M. Böckler, Bruno Landthaler: Tanach. Lehrbuch der jüdischen Bibel. (2005) 3. Auflage, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5904-1.
Christliche Rezeption

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tanach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Zenger: Einleitung in das Alte Testament. Kohlhammer, 6. Auflage 1995, S. 23
  2. Zu Aufbau und Hermeneutik des Tanach: Erich Zenger: Einleitung in das Alte Testament, Kohlhammer, 6. Auflage 1995, S. 21–26
  3. Adolf M. Ritter: Zur Kanonbildung in der Alten Kirche, in: Charisma und Caritas. Aufsätze zur Alten Kirche, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1997, ISBN 3-525-58160-2, S. 273 ff.