Asow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tanais)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Asow (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadt
Asow
Азов
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Vorlage:Infobox Ort in Russland/Wartung/AltFöderationskreis Südrussland
Oblast Rostow
Rajon Asow
Oberhaupt Sergei Leonidowitsch Besdolny
Erste Erwähnung 1067
Stadt seit 1708
Fläche 66 km²
Höhe des Zentrums 40 m
Bevölkerung 83.009 Einw. (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte 1.258 Ew./km²
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7)86342
Postleitzahl 34678x, 346799
OKATO 60 404
Website http://www.azov.info
Geographische Lage
Koordinaten 47° 6′ N, 39° 25′ O47.139.41666666666740Koordinaten: 47° 6′ 0″ N, 39° 25′ 0″ O
Asow (Russland)
Red pog.svg
Asow (Oblast Rostow)
Red pog.svg
Oblast Rostow
Liste der Städte in Russland

Asow (russisch Азов) ist eine Stadt in der Rostower Oblast im Südwesten von Russland mit 83.009 Einwohnern (Berechnung 2010). Frühere Namen sind Tanais, Tana und Azak.

Asow liegt am Don, 7 km vor dessen Mündung ins Asowsche Meer.

Asow
Klimadiagramm (Erklärung)
J F M A M J J A S O N D
 
 
47
 
-1
-7
 
 
37
 
0
-6
 
 
31
 
6
-1
 
 
43
 
16
6
 
 
53
 
23
12
 
 
67
 
27
16
 
 
51
 
29
18
 
 
37
 
28
17
 
 
36
 
23
12
 
 
30
 
15
6
 
 
46
 
8
1
 
 
61
 
3
-3
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Asow
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −0,9 0,3 6,2 16,3 22,8 26,5 28,7 27,9 22,5 14,6 7,5 2,5 Ø 14,6
Min. Temperatur (°C) −7,2 −6,4 −1,3 6,4 12,3 16,3 18,1 16,8 11,9 5,8 1,4 −2,9 Ø 5,9
Niederschlag (mm) 47 37 31 43 53 67 51 37 36 30 46 61 Σ 539
Regentage (d) 9 7 6 7 7 7 6 5 5 5 8 10 Σ 82
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−0,9
−7,2
0,3
−6,4
6,2
−1,3
16,3
6,4
22,8
12,3
26,5
16,3
28,7
18,1
27,9
16,8
22,5
11,9
14,6
5,8
7,5
1,4
2,5
−2,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
47
37
31
43
53
67
51
37
36
30
46
61
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: Roshydromet

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Frühe Besiedlung durch griechische Kolonisten

Schon früh existierte eine antike griechische Siedlung, die nach dem griechischen Namen für den Fluss Don Tanais genannt wurde. Sie war eine griechische Kolonialstadt und der nordöstlichste Vorstoß der Griechen. Ursprünglich wurde sie von Siedlern aus Milet gegründet. Es war laut Strabon (Strab 11,2,2) ursprünglich eine von asiatischen Nomaden und griechischen Kaufleuten gleichermaßen genutzte Hochebene im Flussdelta des Don. Von hier aus trieben die Kaufleute Handel mit den weiter nordöstlich gelegenen Steppengebieten. In kurzer Zeit entwickelte sich hier eine Fluss- u. Seehafenstadt

Die Gründung des Emporion Tanais dürfte in die Regierungszeit des bosporanischen Königs Peirisades II (284-250 v. Chr.) gefallen sein. Dennoch war die Stadt keine bosporanische Kolonie sondern griechisch. Das bosporanische Reich hatte bei Elizavetovka ebenfalls eine Kolonie im Delta des Don, die jedoch kurz nach der Gründung von Tainas von den Sarmaten völlig zerstört wurde. Bereits rund fünfzig Jahre nach der Gründung entstand oberhalb des Hafens eine Polis, die von einer etwa 2,5 m breiten Mauer geschützt wurde. Seit dem Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. dürfte Tanais dem Pontischen Königreich unterstanden haben. Um die Jahrtausendwende, vermutlich im Jahr 8 v. Chr. wurde Tanais von Polemon I. zerstört. In den folgenden hundert Jahren blieb nur eine geringe Restbevölkerung ansässig.[1]

[Bearbeiten] Das römische Tanais

Das Bosporanische Reich und damit auch Tanais waren seit dem Ende der Mithridatischen Kriege von Rom abhängig. Seit dem Beginn der Herrschaft des bosporanischen Königs Sauromates I. (93-123 n. Chr.) wurde Tanais wieder zur bedeutenden Handelsstadt ausgebaut. Breite Gräben wurden zur Befestigung angelegt. Dahinter wurde eine bis zu 12 m hohe Mauer aus relativ brüchigem Kalk- und Sandstein errichtet. Im Keller unter einem Eckturm wurden Amphoren mit Erdöl gefunden, die vermutlich dazu verwendet wurden, um ein Leuchtfeuer auf dem Turm zu entzünden. Dies stellt den frühesten Nachweis für die Verwendung von Erdöl im nördlichen Schwarzmeergebiet dar. Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl stark zu. Seit dieser Zeit scheint die Stadt aber auch verstärkt von Unruhen heimgesucht worden zu sein. Brände erfassten sogar die Stadtbefestigungen. Möglicherweise lagen diesen Ausschreitungen sarmatische Aufstände zugrunde, denn wenig später erscheinen auf Inschriften, die Beamten bezeichnen, zahlreiche barbarische Namen. Auch im Fundgut treten von da an verstärkt Formen der Steppenkulturen auf.[1]

[Bearbeiten] Zerstörung im Gotensturm

Um das Jahr 250 n. Chr. wurde Tanais von den Goten zerstört, die sich vorher von der Weichsel her kommend nach Süden ausgebreitet hatten. Während die kleineren Siedlungen im Umland von Tanais schon seit dem Beginn des 3. Jahrhunderts zunehmend ausgeplündert und zerstört wurden, konnte sich die Stadt offenbar noch einige Zeit lang verteidigen. So wurde um diese Zeit eine Ehrenstehle errichtet, die auf einen Sieg hindeutet. Auch ein Depot mit 17 Schwertern, die anscheinend von einem Schlachtfeld eingesammelt und in die Stadt gebracht wurden, verweist auf einen Sieg. Etwas später fiel jedoch auch Tanais den Angriffen zum Opfer und die Bewohner räumten die Stadt. Es kam anscheinend nicht zu Kampfhandlungen, doch die Stadt wurde völlig geplündert und niedergebrannt. Einige Kellerräume wurden jedoch von den Plünderern nicht entdeckt und liefern heute wichtiges Fundmaterial. Nach der Plünderung blieb das Stadtgebiet für über hundert Jahre verödet.[1]

[Bearbeiten] Neubesiedlung und Ende der Antiken Stadt

Um die Mitte des 4. Jahrhunderts wurde die Stadt erneut besiedelt. Dabei sind neue Hausformen typisch, die an germanische Langhäuser mit vereinten Wohn- und Wirtschaftsräumen erinnern. Die Keramik ist zum Teil der Tschernjachow-Kultur zuzuordnen, die man mit Ostgermanen beziehungsweise Goten verbindet. Daneben bleiben sarmatische und alanische Formen sowie Rotlackgeschirr aus antiken Zentren bestehen. Die planvolle Anlage der neuen Siedlung zeigt, dass es sich nicht um eine zufällige Neubesiedelung handelt. Sie deutet vielmehr darauf hin, dass der erstarkte gotische Stammesverband, wohl unter Einbeziehung von Alanen und Sarmaten, daran interessiert war, ein Handelszentrum zu Gründen um die alten Verkehrswege zu reaktivieren. Um das Jahr 375 drangen die Hunnen in die Region und erreichten den Don. In Tanais stieg seit dem letzten Viertel des 4. Jahrhunderts die Bebauungsdichte, was damit zu erklären sein dürfte, dass die Landbevölkerung in der Stadt Schutz vor den hunnischen Angriffen suchte. Diese Phase der dichten Besiedlung setzte sich bis etwa 425 n. Chr. fort. Von da an war die Bevölkerungszahl zunächst rückläufig. Nach und nach verließen zahlreiche Bewohner die Siedlung, die aufgelassenen Häuser verfielen. Dieser Bevölkerungsrückgang dürfte mit dem Sog zu erklären sein, den die Westwärtsbewegung der Hunnen und anderer Barbarenvölker auslöste. Schließlich kam es um die Mitte des 5. Jahrhunderts nochmals zu einer Neubelebung des spätantiken Tanais. Während dieser kurzen Phase wurden in die verfallenen Mauerreste der ehemaligen Häuser neue, kleinere Behausungen eingebaut. Diese Häuser besitzen auffällig abgerundete Ecken und erinnern im Baustil an die Jurten der Steppenvölker. Der Boden der ehemals größeren Hausfläche diente den neuen Bewohnern als Hof für ihre Wirtschaftstätigkeiten. Wenig später wird die die Siedlung jedoch endgültig verlassen.[1]

[Bearbeiten] Mittelalter

Asow auf einer 10 Rubel-Münze aus dem Jahr 2008

Unter der Herrschaft der Kyptschaken wurde der Ort 1067 als azak (d. h. Tiefland) erwähnt, wovon sich der heutige Name ableitet. Während der Zeit der Goldenen Horde im 13. und 14. Jh. erblühte die Stadt. Venezianische und genuesische Kaufleute gründeten einen Handelsplatz, den sie Tana nannten. Über die im 14. und 15. Jahrhundert venezianisch dominierte Handelskolonie wurden große Teile des Handels mit tatarischen und russischen Sklaven abgewickelt, obwohl die ständige Konkurrentin Kaffa auf der Krim, von Genua kontrolliert, diesen Handel in noch größerem Umfang betrieb. Daneben war Tana ein wichtiges Zentrum für den Handel zwischen nördlichem und südlichem Schwarzen Meer und ein Umschlagplatz für Handelsgüter aus dem fernen Osten, da die Stadt am Ende der sog. via mongolica (einem Arm der Seidenstraße) lag und während der Herrschaft der Goldenen Horde relativ sicher war.

1471 wurde Asow von den Türken erobert und in eine Festung umgewandelt (türkisch Azak).

[Bearbeiten] Die Festung Asow

Die Schlacht von Asow 1696. Holländischer Stich aus dem 17. Jh.

Ein erster Angriff russischer Kosaken auf Asow scheiterte 1559. Im Sommer 1637 eroberten die Don-Kosaken die Festung, die von 4.000 osmanischen Soldaten mit 200 Geschützen verteidigt wurde. Im Juni 1641 widerstanden sie einer langen Belagerung durch die osmanische Armee. 1642, nach dem Rückzug der Türken, beschloss Zar Michael I., die Festung zu übergeben, um einen Konflikt mit dem Osmanischen Reich zu vermeiden. Bevor sie die Festung verließen, zerstörten die Kosaken sämtliche Verteidigungsanlagen.

In der ersten erfolgreichen Schlacht seiner Regierungszeit eroberte Peter I. am 28. Juli 1696 die Festung Asow zurück, aber nach der Niederlage in der Schlacht am Pruth im Jahr 1711 musste er sie den Türken zurückgeben. Im Frieden von Belgrad 1739 fiel die Stadt wieder an Russland, was während der Herrschaft von Katharina II. 1774 endgültig bestätigt wurde.

Sieben Jahre lang war Asow die Hauptstadt eines eigenen Gouvernements, aber mit dem Wachstum von Rostow am Don verlor die Stadt an Bedeutung.

[Bearbeiten] Archäologie

Die Festung Asow heute

Die Gegend zwischen der späteren Stadt Taganrog und Rostow am Don wird vom DAI in Zusammenarbeit mit der russischen Archäologie untersucht (siehe Weblink).

Bereits 1823 wurden die damals noch sichtbaren archäologischen Überreste von I. A. Stempkovskij mit dem antiken Tanais in Verbindung gebracht. P. M. Leontev bestätigte dies wenige Jahrzehnte später durch Probegrabungen. Seit 1955 einsetzende und von D. B. Selov bis 1993 fortgeführte systematische größere Grabungen konnten weiteren Einblick in die Struktur der antiken Stadt erbringen. Das Hauptinteresse galt dabei im Wesentlichen der römischen Stadtgeschichte. Erst die Untersuchungen des DAI führte zu Erkenntnissen über die archaische Siedlung. Auch die Agora der hellenistischen Zeit wurde gefunden, dabei konnte der in der Art eines Propylons angelegte Torbau erschlossen werden, der zweihundert Jahre lang den Zugang zur Agora vom Hafen aus bildete. Auch die Umgestaltungen bis in römische Zeit konnten genauer untersucht werden. Die spätantike Bebauung entsprach einem durchdachten, städteplanerischen Schema.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen von Asow 1885–2010 in tausend
Jahr 1885 1913 1939 1959 2004 2005 2007 2010
Zahl 16,6 26,5 25,0 39,9 82,9 82,6 82,8 83,0

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c d Burkhard Böttger, Jochen Fornasier, Tat´jana M. Arsen´eva: Tainais am Don: Emporion, Polis und bosporanisches Tauschandelszentrum. In: Jochen Fornasier, Burkhard Böttger: Das Bosporanische Reich. Zabern, Mainz 2002. ISBN 3-8053-2895-8

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Asow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen