Tangermünde

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Tangermünde
Tangermünde
Deutschlandkarte, Position der Stadt Tangermünde hervorgehoben
52.54083333333311.96888888888943Koordinaten: 52° 32′ N, 11° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Höhe: 43 m ü. NHN
Fläche: 89,87 km²
Einwohner: 10.495 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 117 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39517 (Bölsdorf, Buch)
39579 (Grobleben)
39590 (Hämerten, Langensalzwedel, Miltern, Storkau, Tangermünde)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 039322, 039321 (Storkau), 039362 (Buch)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 550
Adresse der
Stadtverwaltung:
Lange Str. 61
39590 Tangermünde
Webpräsenz: www.tangermuende.de
Bürgermeister: Rudolf Opitz (CDU)
Lage der Stadt Tangermünde im Landkreis Stendal
Aland Aland Altmärkische Höhe Altmärkische Wische Arneburg Bismark (Altmark) Bismark (Altmark) Eichstedt Goldbeck Hassel Havelberg Hohenberg-Krusemark Hohenberg-Krusemark Iden Kamern Klein Schwechten Klietz Osterburg Rochau Sandau (Elbe) Schollene Schönhausen (Elbe) Stendal Stendal Stendal Stendal Seehausen Seehausen Tangerhütte Tangermünde Werben (Elbe) Wust-Fischbeck Zehrental Sachsen-AnhaltKarte
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Tangermünde ist eine Stadt an der Elbe im Süden des Landkreises Stendal im nördlichen Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt Tangermünde liegt südöstlich von Stendal in der Altmark auf einer Hochfläche, die durch eine eiszeitliche Endmoräne gebildet wurde. Sie liegt am linken Ufer der Elbe direkt an der Mündung des Tangers in die Elbe, woher auch der Name Tangermünde stammt. Der historische Stadtkern, Stephanskirche und Burg sind durch ihre Hochlagen vor Hochwasser sicher. Die Stadt Tangermünde ist durch die gut erhaltene Altstadt mit vielen Fachwerk- und Backsteinbauten sowie durch die recht vollständig erhaltene Burg Tangermünde und Stadtbefestigung in Backsteinbauweise bekannt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Neben den Stadtteilen Kehrs Ziegelei und Pappelhof gehören seit dem 1. Januar 2010[2] folgende Ortschaften und Ortsteile (OT) zu Tangermünde:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Burg von Tangermünde wird erstmals vom Chronisten Bischof Thietmar von Merseburg im Jahre 1009 als civitate Tongeremuthi erwähnt, da hier die Tongera in die Elbe mündet. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt selbst datiert aus dem Jahr 1275. Die Lage auf einer felsigen Endmoräne hoch über der Elbe machte die Stadt zum Erhebungsplatz der Elbzölle und zur markgräflichen Residenz.

Im 14. Jahrhundert war Tangermünde von 1373 bis 1378 der Zweitsitz von Kaiser Karl IV. Unter ihm sollte die Stadt zur Hauptstadt der mittleren Provinzen aufsteigen. Aus der alten Burg wurde eine Kaiserpfalz. Nach dem Tod Kaiser Karls IV. kam es zu einer unruhigen Entwicklung in der Mark, bis die Hohenzollern 1415 von Kaiser Sigismund als Kurfürsten mit der Mark belehnt wurden und zunächst in Tangermünde residierten.

Die Blütezeit der Hansestadt war das 15. Jahrhundert, in der die Stadttore und das Rathaus im Stil der norddeutschen Backsteingotik entstanden. Die St. Stephanskirche wurde in dieser Zeit zur gotischen Hallenkirche ausgebaut. Die Gunst des Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg verlor die Stadt nach der Rebellion von 1488, bei der es um die Biersteuer ging. Die Residenz wurde in der Folge nach Cölln verlegt.

Am 13. September 1617 brannte die Stadt fast vollständig ab. Die Schuld daran gab man der Waisen Grete Minde, die aus Rache für das ihr vorenthaltene Erbe gehandelt haben sollte. Sie wurde zum Tode verurteilt und 1619 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Theodor Fontane inspirierte dieses Ereignis zu seiner 1880 erschienenen Novelle Grete Minde.

Elbtor und St.-Stephanskirche
Der Stadtbrunnen vor dem Portal der St. Stephanskirche
Stadtbrunnen, Detail Grete Minde

Nach dem Brand entstanden viele prächtige Fachwerkhäuser, deren geschnitzte Portale und Schmuckformen sich bis heute erhalten haben. Die Stadt konnte jedoch, auch bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg, ihre Bedeutung als Handelszentrum nicht behaupten und wurde zu einer recht unbedeutenden Landstadt.

Nach dem Frieden von Tilsit war die Stadt 1807–1813 Teil des Königreichs Westphalen. Während der Gründerjahre des 19. Jahrhunderts entstanden im Norden der Stadt neue Wohn- und Industriegebiete. Der Altstadtkern mit Befestigung wurde in dieser Zeit, im Gegensatz zu den meisten Städten in Europa, nicht angetastet - auch da die Stadtmauer gleichzeitig als Böschungsmauer an der steil abfallenden Elbseite dient.

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus im August 1933 wurden etwa 100 Mitglieder von Arbeiterorganisationen im Rathaus von SA-Männern zusammengetrieben und misshandelt. Ein kommunistischer Bürger erlag den Misshandlungen.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ im Stadtzentrum relativ wenige Spuren; durch US-amerikanischen Artilleriebeschuss wurden einige wertvolle Fachwerkhäuser zerstört. Im Norden der Stadt wurde die 1933 fertiggestellte Elbbrücke im April 1945 zerstört. Sie konnte daher von den Einheiten der 12. Armee (Armee Wenck) auf ihrem Rückzug Richtung Westen nicht mehr genutzt werden, nachdem diese ihren Angriff Richtung Berlin eingestellt und die Reste der 9. Armee aufgenommen hatte.

In der Zeit der DDR blieb die Altstadt unverändert. Zwar verschlechterte sich der Zustand der Bausubstanz, aber die wichtigsten Denkmale wurden zumindest gesichert. So konnte nach der Wende die Stadt schrittweise restauriert werden. Der 2006 errichtete Stadtbrunnen vor der St. Stephanskirche ist der vorläufige Abschluss dieser Stadtsanierung. Auf sieben von acht Tafeln des Brunnens, die die Bildhauerin Karolin Donst gestaltete, werden Personen und Ereignisse aus der Geschichte Tangermündes gewürdigt.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[3]
Wahlbeteiligung: 33,5 %
 %
50
40
30
20
10
0
42,5 %
20,2 %
14,8 %
11,1 %
7,5 %
3,8 %
Das historische Rathaus von Tangermünde

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Tangermünde setzt sich aus 20 Stadträten und dem Bürgermeister zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Der Eulenturm, im Hintergrund St. Stephan
Das Schloss(-Hotel)

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 8. September 1995 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Silber ein golden bewehrter, rot gezungter roter Adler, die Sachsen besteckt mit je einer silbernen Rose mit goldenem Butzen.“

Die Stadt Tangermünde führt dieses Wappen seit ihrer Gründung. In seiner heutigen Darstellung ähnelt es der Form, wie sie im ausgehenden Mittelalter dargestellt wurde. Den brandenburgischen Adler zeigt auch das älteste Siegel um 1300. Die beiden heraldischen Rosen sind als Unterscheidungsmerkmal Zufügungen späterer Zeit.

Die Flagge ist Rot - Weiß (1:1) gestreift mit dem aufgelegten Stadtwappen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Tangermünde unterhält Städtepartnerschaften mit Lich in Hessen, Minden in Nordrhein-Westfalen, Tavarnelle Val di Pesa in Italien und Wissembourg (dt. Weißenburg) im Elsass in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Tangermünde um 1650
St. Stephanskirche bei Nacht (2005)
Panorama bei Nacht (2010)
  • Burganlage mit dem ehemaligen Tanzhaus (aus dem 14. Jahrhundert zur Zeit Kaiser Karl IV.), Kapitel- und Gefängnisturm
  • Das ab 1430 erbaute historische Rathaus Tangermünde auf dem Marktplatz mit seiner spätgotischen Schauwand gilt als Paradestück deutscher Baukunst der Backsteingotik. Darin befindet sich auch das Heimatmuseum. Es veranschaulicht unter anderem die Geschichte der Grete Minde, die die Stadt 1617 angezündet haben soll und dafür zwei Jahre später auf dem Scheiterhaufen starb.
  • St. Stephanskirche mit der Orgel des Hamburger Orgelbaumeisters Hans Scherer d. J., dem gotischen Dachgewölbe und dem höchsten der zwölf Türme der Stadt
  • Die Sankt-Elisabeth-Kapelle, auch Salzkirche genannt, soll bereits unter Markgraf Johann I. gegründet worden sein. 1456 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie als königliches Salzmagazin und als Kornspeicher genutzt. Heute ist sie Veranstaltungsraum.
  • Die fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit Hünerdorfer Tor, Neustädter Tor und Elbtor
  • Eulenturm
  • Schrotturm
  • Putinnen
  • Rossfurt
  • Steigberg

In der Altstadt befinden sich zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude, darunter das ehemalige, heute als Gaststätte genutzte Schulhaus Kirchstraße 40.

Museen und weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Burgmuseum im ehemaligen Wohnhaus des Schlosshauptmannes, dem ältesten erhaltenen Wohnhaus in der Stadt, erbaut 1453
  • Die Salzkirche ist heute ein Veranstaltungsraum für Musik und Kunst.
  • Das Stadtgeschichtliche Museum im historischen Rathaus
  • Das Museum Zeitzeug am Eulenturm widmet sich dem Alltag der Menschen in der Altmark in den letzten 200 Jahren.
  • In einer über 300 Jahre alten, funktionstüchtigen Kupferschmiede finden Schauvorführungen statt.
  • Stadtbrunnen an der St. Stephanskirche

Denkmäler und Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Denkmal des Kaisers Karl IV. auf der Burganlage, überlebensgroße Bronzeplastik von Ludwig Cauer, Einweihung 1900
  • Denkmal des Kurfürsten von Brandenburg Friedrich I. auf der Burganlage, überlebensgroße Bronzeplastik von Ludwig Manzel, Einweihung 1912
  • Denkmal der Grete Minde am historischen Rathaus, lebensgroße Bronzeplastik von Lutz Gaede, Einweihung 2009
  • Denkmal zur Erinnerung an die Soldaten und zivilen Flüchtlinge, die mit dem Übergang über die Trümmer der am 12. April 1945 zerstörten alten Elbbrücke der Roten Armee entkamen
  • Gedenkstein auf dem Stadtfriedhof für die Mordopfer Ernst Drong und Fritz Schulenburg, die bereits 1933 dem Naziterror zum Opfer fielen
  • Gedenktafel am Rathaus zur Erinnerung an die 100 misshandelten politischen Gegner des NS-Regimes unter Hervorhebung der beiden oben genannten Toten, deren Namen auch zwei Straßen tragen
  • Gedenkstein im Ortsteil Billberge zur Erinnerung an zwei namentlich bekannte Polen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt wurden und Zwangsarbeit verrichten mussten. Wegen verbotener Kontakte zu deutschen Frauen wurden sie 1942 erhängt.

Sport[Bearbeiten]

Mit rund 200 Mitgliedern verfügt die Stadt mit dem 1907 gegründeten FSV Saxonia Tangermünde über einen traditionsreichen Fußballverein.

Seit 2008 findet jährlich im April der Tangermünder Elbdeichmarathon statt, bei dem neben dem Marathonlauf auch ein Halbmarathon und ein 10-km-Lauf veranstaltet werden. Mit über 1000 Läufern gehört er zu den großen Laufveranstaltungen in Sachsen-Anhalt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

1826 gründete Friedrich Theodor Meyer die Zuckerraffinerie Tangermünde. Sie stellte seit 1910 die Schokolade Feodora her, die heute von Hachez in Bremen weiterproduziert wird. Das Zuckergeschäft wird von der Firma Zertus in Hamburg betrieben. Die ehemalige Schokoladenfabrik wurde im Jahr 2007 abgerissen.

Heutige wirtschaftliche Standbeine der Stadt sind der Tourismus, die Lebensmittelindustrie sowie der Maschinen- und Schiffbau.

Verkehr[Bearbeiten]

Elbbrücke (2010)

Nördlich der Stadt verläuft die Bundesstraße 188 (B 188), die Tangermünde mit Stendal und Rathenow und über die B 189 auch mit Wittenberge sowie Magdeburg und der Autobahn A 2 Richtung Berlin und Hannover verbindet. Bis 2001 führte diese Bundesstraße mitten durch die Stadt, was zu erheblichen Verkehrsproblemen führte, da es bis dahin bei Tangermünde nur eine einzige Straßenbrücke über die Elbe zwischen Magdeburg und Wittenberge gab. Durch den Bau der neuen Elbebrücke und der nördlichen Ortsumfahrung in den Jahren 1997 bis 2001 konnten diese Probleme gelöst werden.

Östlich der Stadt verläuft die B 107 zwischen Genthin und Havelberg bzw. Pritzwalk, über die auch die A 2 Richtung Berlin und die A 24 in Richtung Hamburg erreicht werden können.

Es verkehren Linienbusse der Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus. Außerdem gibt es in Tangermünde die Haltepunkte Tangermünde und Tangermünde West an der Bahnstrecke Stendal–Tangermünde. Er wird mit Regionalbahnen im Stundentakt bedient. Die Verbindung zum Knotenpunkt Stendal mit ICE/IC-Halt stellt seit 1886 eine Bahnlinie der ehemaligen Stendal-Tangermünder Eisenbahn-Gesellschaft her, an der die Stadt bis 1945 maßgeblich beteiligt war. Heute betreibt die Deutsche Bahn den Verkehr. Auf dieser Strecke kam bis 2003 ein moderner Doppelstock-Schienenbus zum Einsatz, der von der Waggonbau Dessau GmbH und der Deutschen Waggonbau AG (DWA) Halle-Ammendorf gebaut worden war und auf den Namen „Alma“ getauft wurde. Heute verkehren auf dieser Strecke Regionalbahnen im Stundentakt mit ebenfalls modernen Dieseltriebwagen der BR 642. Bis kurz nach der politischen Wende gab es einen Güterbahnhof im Tangermünder Hafen.

Außerdem war die Stadt von 1903 bis 1917 durch die Kleinbahn Tangermünde–Lüderitz mit ihrem westlichen Hinterland verbunden.

Religionen[Bearbeiten]

Katholische Kirche

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Tangermünde gehört zum Kirchenkreis Stendal, zu ihr gehört in Tangermünde die Kirche St. Stephan. Eine Landeskirchliche Gemeinschaft der evangelischen Kirche hat ihren Sitz an der Albrechtstraße.

Die katholische Pfarrei St. Elisabeth hat ihren Sitz in Tangermünde, sie gehört zum Dekanat Stendal. Zu ihr gehört in Tangermünde die 1924-26 im Baustil der Neoromanik errichtete Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit an der Arneburger Straße. Zuvor wurde von 1891 bis 1926 die heute profanierte Kirche St. Elisabeth am Zollensteig genutzt.

Das Vaterhaus Tangermünde einer freien christlichen Gemeinde befindet sich an der Arneburger Straße, eine Neuapostolische Kirche befindet sich an der Heerener Straße.

Die historische Nikolai-Kirche neben dem Neustädter Tor wurde profaniert, in ihrem Gebäude befindet sich heute eine Gaststätte mit mittelalterlichem Ambiente.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tangermünde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Tangermünde – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  3. http://www.statistik.sachsen-anhalt.de/wahlen/gw09/erg/gem/gw.15090550.ergtab.frametab.html