Tankstelle

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Typische moderne Tankstelle 2007
Deutschland: Richtzeichen Tankstelle (Ottokraftstoffe, Diesel)
Österreich: Hinweiszeichen Tankstelle
Schweiz, Liechtenstein: Hinweissignal: Tankstelle

Eine Tankstelle (auch Versorgungsanlage, ursprünglich Zapfstelle) ist eine Anlage, an der Kraftfahrzeuge mit den Kraftstoffen Benzin und Diesel, teilweise auch mit Flüssiggas, Erdgas, Wasserstoff oder Strom, versorgt werden können. Die Abgabe der Stoffe erfolgt an so genannten Zapfsäulen.

BW

Geschichte und Beruf des Tankwarts[Bearbeiten]

Erste Tankstelle der Welt, die Stadt-Apotheke (Wiesloch) mit Bertha-Benz-Denkmal im Vordergrund
Gedenkschild der ersten Tankstelle der Welt, gelegen an der Bertha Benz Memorial Route
1926 erbaute Tankstelle in Mount Olive, Illinois, an der Illinois Route 66 Scenic Byway[1]

Als die ersten Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, gab es Benzin und andere Treibstoffe, wie Petroleum, nur in Apotheken. Als erste „Tankstelle“ der Welt wird deshalb die Stadt-Apotheke in Wiesloch genannt, wo Bertha Benz bei ihrer Automobil-Überlandfahrt Anfang August 1888 von Mannheim nach Pforzheim, an die seit 2008 die offizielle deutsche Ferienstraße Bertha Benz Memorial Route erinnert, das Leichtbenzin Ligroin einkaufte. Ligroin diente damals in erster Linie der Reinigung von Kleidung (Waschbenzin).

Etwa ab 1900 entstanden auch andere Verkaufsstellen für Treibstoffe. Das erste Tankstellenverzeichnis in Deutschland stammt aus dem Jahr 1909. Es handelt sich um eine Aufstellung von ca. 2500 Drogerien, Kolonialwarenhändlern, Fahrradhandlungen, Hotels und Gaststätten, die Benzin bereithielten.[2]

Das zur damaligen Zeit verkaufte Benzin wurde in beliebige Behälter abgefüllt, die den heutigen Sicherheitsvorschriften in keiner Weise entsprachen. Häufig dienten nicht mehr benötigte Milchkannen oder Flaschen diesem Zweck. Die Folge waren schwere Unfälle durch Entzündung des Treibstoffs, vor allem wenn beim Umfüllen in den Fahrzeugtank geraucht wurde. Erst langsam etablierten sich die heute gültigen Normen wie beispielsweise die Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten (TRbF).

Mit verstärktem motorisierten Verkehr entstanden dann die ersten Zapfstellen, oft im Zusammenhang mit Autowerkstätten, die sich oft aus einer Schmiede oder Schlosserei entwickelten. Dabei handelte es sich in den ersten Jahrzehnten oft um Fasspumpen, wie sie lange auch noch in der heimischen Garage benutzt wurden (Fasstankstelle).

Später kamen Handpumpen-Säulen mit unter der Straßen- oder Bürgersteigdecke eingelassenen Benzintanks. Die Standard Oil of Indiana stellte 1917 den Einheitstyp der Tankstelle vor, der unter Abwandlungen bis heute besteht, damals „Großtankstelle“ genannt. Die Zapfsäulen und die tankenden Kunden werden von einem frei stehenden Dach, unter das mit dem Kraftfahrzeug gefahren werden kann, gegen Regen geschützt. Das zu den Zapfsäulen hin voll verglaste Kassenhäuschen befindet sich einige Meter abseits und ein Preismast bewirbt die Preise an der Straße. Tankstellen in dieser Bauart entstanden seit den 1920er Jahren. Die erste Tankstelle im Deutschen Reich wurde Ende 1922 von der Mineralölfirma OLEX am Raschplatz in Hannover eröffnet. Die gleiche Firma errichtete in ihrem Geschäftshaus in Berlin-Schöneberg an der Mühlenstraße eine Tankstelle. Am 11. August 1927 konnten die Autofahrer nach dem US-amerikanischen Vorbild (wo dies bereits seit 1907 möglich war) erstmals in Hamburg an einer Zapfsäule tanken. Jetzt betankte man die Autos direkt durch den Füllrüssel, so dass der Tankwart nicht mehr umständlich mit den Kanistern zu hantieren brauchte.

Der Tankwart wurde 1952 in der Bundesrepublik zum "Lehrberuf" mit einer dreijährigen Lehrzeit erklärt.[3][4] Damit griff das Bundesverkehrsministerium eine Idee von 1942 wieder auf, die damals wegen des Krieges nicht mehr umgesetzt wurde. Die Nationalsozialisten hatten den Tankwart als "Anlernberuf" definiert.

Das Sortiment der ersten Tankstellen beinhaltete – neben dem Treibstoff – Schmieröle, Reifen, Zündkerzen und Zubehör, bei manchen war auch eine Werkstatt angegliedert. Später kamen noch Autoradios dazu.

Treibstoffarten[Bearbeiten]

Historische Zapfsäule

Klassische Treibstoffe[Bearbeiten]

Zunächst wurden an den Tankstellen Leichtbenzin und Petroleum angeboten, Benzol und Benzin und Superbenzine. Dieselkraftstoffe gehörten lange nicht zum Angebot, da Selbstzündungsmotoren nur in LKW verwendet wurden, die meist auf einem Betriebshof betankt wurden.

Siehe auch: Kraftstoff

Herkömmliche Treibstoffe[Bearbeiten]

Tankstellen bieten heute unterschiedliche Kraftstoffe an. Benzin, Superbenzin (unterschiedliche Oktanzahl) und Dieselkraftstoff sind am meisten verbreitet. Im landwirtschaftlichen Bereich kann es vorkommen, dass nur Dieselkraftstoff angeboten wird.

Lange Zeit wurden allen Benzinsorten noch Bleiverbindungen zugesetzt, um die Klopffestigkeit des Benzins zu erhöhen und die Ventilsitze der Motoren zu schonen. Bei der Verbrennung dieser Additive im Motor entstanden giftige Bleirückstände. Das Weglassen der Additive führte aus Rücksicht auf ältere Autos mit ungehärteten Ventilsitzen in den 1990er Jahren dazu, dass verbleites und unverbleites Benzin zeitweise nebeneinander angeboten wurde.

Neue Treibstoffe[Bearbeiten]

Zu dem Angebot traten ab den 1980er Jahren Autogas, Erdgas und Wasserstoff für entsprechende Antriebsarten hinzu. Mit Biodiesel kam erstmals ein Kraftstoff hinzu, der einen anderen Kraftstoff (Diesel) ersetzen sollte. Neu sind jetzt Kraftstoffe, die pur oder mit klassischen Treibstoffen vermischt, getankt werden können, wie Pflanzenöl und Bioethanol.

Siehe auch: Wasserstofftankstelle, Stromtankstelle, Solartankstelle

Tankstellenarten[Bearbeiten]

Markentankstellen[Bearbeiten]

Shell-Tankstelle in Japan

Markentankstellen sind an bestimmte Ketten gebunden. Dies können die großen Ölkonzerne wie etwa BP (In Deutschland primär unter der Marke Aral), Shell, Phillips 66 (In Deutschland hauptsächlich unter der Marke Jet), Total oder ExxonMobil (Esso) sein, die im Branchen-Jargon A-Gesellschaften, Farbengesellschaften oder auch „die großen Fünf“, genannt werden. Es kann sich aber auch um eine der vielen mittelständischen Ketten handeln (B-Farben), die zwischen einem Dutzend und einer dreistelligen Zahl von Tankstellen unterhalten. Viele dieser Mittelständler sind in Deutschland im Uniti-Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen zusammengeschlossen oder Mitglied der Avia. ConocoPhillips hat sich in Deutschland selber mit seinen Jet-Tankstellen als B-Marke positioniert.

Man unterscheidet gesellschaftseigene, also im Eigentum der Mineralölgesellschaft befindliche und durch einen Pächter betriebene bzw. durch Filialleiter geleitete, Tankstellen einerseits und gesellschaftsfremde Tankstellen andererseits. Bei letzteren schließt der Eigentümer oder der Pächter der Tankstelle langfristige Lieferverträge mit einem Mineralölunternehmen, ohne daß das Mineralölunternehmen Eigentümer der Tankstelle ist oder wird.[5] In beiden Fällen erfolgt mindestens der Handel mit Kraftstoffen, manchmal aber auch der von Shop-Artikeln, auf Provisionsbasis, d. h. im Namen und für Rechnung des Ölkonzernes, der auch die Preise vorgibt bzw. im Falle von Shop- oder Bistroartikeln im Namen und für Rechnung des durch den Konzern vorgegebenen Lieferanten. In Österreich gibt es derzeit Diskussionen, ob diese Tankstelleneigentümer durch ihre Weisungsgebundenheit steuer- und sozialversicherungsrechtlich wie Angestellte des Konzerns zu behandeln sind.

Tankstellenketten sind unter anderem Agip, Allguth, Aral (BP), AVIA, Bavaria Petrol, BayWa, BP, Classic, Esso, Go, HEM, Hoyer, Jet, Nordoel, Oil!, OMV, Q1, Raiffeisen, Shell, Sprint, Star, Total, Turmöl, Unitol und Westfalen. Darüber hinaus betreiben einige Mineralölgesellschaften auch noch Tankstellen unter Marken, die sie übernommen haben, um die Markenrechte durch „Ausübung“ zu schützen. Ein Beispiel hierfür sind die Gasolin- und BP-Tankstellen im Falle von Aral sowie Dea im Falle von Shell.

Freie Tankstellen[Bearbeiten]

Freie BFT-Tankstelle in Hückeswagen

Als Freie Tankstellen, markenlose oder weiße Tankstellen, in Österreich Diskonttankstellen, werden solche Tankstellen bezeichnet, die ihre Kraft- und Schmierstoffe im eigenen Namen und für eigene Rechnung verkaufen und die nicht in das Vertriebssystem einer Markenfirma eingegliedert sind.[6] Als freie Tankstelle wird allerdings gemeinhin jede solche Tankstelle wahrgenommen, die dem äußeren Erscheinungsbild nach nicht zumindest zu einer der B-Marken zuzuordnen ist, obwohl der größte Teil davon Kraftstoffe direkt (BP/Aral, Total,[7] ConocoPhillips[8]) oder indirekt (Shell, z.B. über ihre einhundertprozentige Tochter Rheinland Kraftstoff GmbH[9]) im Namen und für Rechnung eines der großen fünf Mineralölkonzerne vertreibt. Der Hinweis darauf kann dem Kassenzettel entnommen werden. Markentankstellen werden oft dann zu weißen Tankstellen umgeflaggt, wenn der Konzern das für den Wettbewerb im Umfeld nötige Preisniveau als schädlich für das Premium-Markenimage betrachtet oder die Tankstelle ihm baulich nicht mehr gerecht wird. Teilweise werden solche weißen Markentankstellen auch direkt als solche errichtet, insbesondere von ConocoPhillips als Supermarkttankstellen.[10][11][12] Auch die Betreiber von tatsächlich freien Tankstellen können ihre Kraftstoffe nur von den Raffinerien der großen Mineralölkonzerne beziehen,[13] die qualitativ alle den gleichen gesetzlichen Normen, insbesondere der DIN EN 228 entsprechen müssen.[14] Rund 510 freie Tankstellenbetreiber sind im deutschen Bundesverband freier Tankstellen zusammengeschlossen,[15] der Mitglied im Dachverband MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland ist.[16]

Autobahntankstellen[Bearbeiten]

Zur Vergabe der sog. Einlieferungsrechte an Bundesautobahntankstellen und dementsprechend der Markenverteilung an selbigen, siehe den Artikel zur Autobahnraststätte.

Mobile Tankanlagen[Bearbeiten]

Mobile Tankanlagen sind kleinere, bewegliche Tankstellen, die in der Industrie und im Gewerbe häufig Verwendung finden. Diese ermöglichen dem Anwender eine Betankung von Fahrzeugen und Maschinen direkt am Ort der Anwendung. Um mobile Tankanlagen zu bewegen, sind verschiedene gesetzliche Vorschriften zu beachten. Hierzu zählen in Deutschland je nach Anwendungsbereich die GGVSEB (Gefahrgutverordnung Strasse, Eisenbahn und Binnenschifffahrt) und GGVSee (Gefahrgutverordnung See); sowie international das „Übereinkommen für den Transport gefährlicher Güter auf der Strasse“ (ADR), „-auf der Schiene“ (RID), „-auf Binnenwasserstrassen“ (ADN) und „-mit Seeschiffen“ (IMDG-Code). [17]

Deutschland[Bearbeiten]

Der Markt[Bearbeiten]

Tankstelle 1936
Tankstelle an der Reichsautobahn 1938
Tankstelle 1961

Ende der 1990er Jahre sorgten schärfere Gesetze dafür, dass alle Tankstellen den Anforderungen des Umweltschutzes Sorge tragen mussten. Im Rahmen dieser Umbaumaßnahmen wurden viele Tankstellen erweitert, aber auch viele kleine Tankstellen geschlossen. Damit setzte sich ein seit Jahrzehnten anhaltendes Tankstellensterben fort. 1969 gab es auf dem Gebiet der damaligen Bundesrepublik Deutschland den Höchststand von 46.684 Tankstellen. In den Folgejahren wurden jährlich etwa 350 Stationen geschlossen. Dieser Prozess hat sich 2006 verlangsamt, auf etwa 150 Tankstellen. Zum Stichtag 1. Januar 2014 gibt es in Deutschland insgesamt 14.272 konventionelle Tankstellen[18][19] (einschließlich 375 Autobahnstationen), 906 Erdgas- und 6500 Autogastankstellen.[20] Sie entwickeln sich mehr und mehr zu modernen Drive-in-Dienstleistungszentren mit angeschlossenem Supermarkt, teilweise auch mit einem Bistro. Waren früher Tankwarte üblich, die den Kunden nicht nur den Tank auffüllten, sondern auch die Windschutzscheibe putzten, Öl kontrollierten, etc., so sind die Tankstellen heute meist reine Selbstbedienungstankstellen, an denen nur die Kasse noch mit Personal besetzt ist. Die erste Selbstbedienungs-Tankstelle Europas wurde 1972 vom Mineralöl-Handelsunternehmen Adolf Präg in Lagerlechfeld bei Augsburg unter der Marke Texaco eröffnet. Allerdings ist vor allem bei Markentankstellen in der letzten Zeit wieder ein Trend hin zu einer wahlweisen Bedienung zu erkennen (in Deutschland vor allem Shell).

An den deutschen Autobahnen werden 2012 insgesamt 375 Tankstellen betrieben,[21] wobei sich dort in der Regel Autobahnraststätten befinden.[22] Das Sortiment heutiger Tankstellen entspricht zum Teil dem eines Supermarktes, wenn auch die Preise der Waren teilweise deutlich höher liegen. Verkauft wird neben Kraftstoff „Reisebedarf“ wie Nahrungsmittel bis in die Nacht, teilweise sogar rund um die Uhr. Tankstellen an den Autobahnraststätten waren die ersten, die 24 Stunden geöffnet hatten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Tankstellen-Läden von den durch das Ladenschlussgesetz beschränkten Öffnungszeiten ausgenommen. Daher verdienen viele Tankstellen inzwischen mehr mit dem Verkauf von Supermarkt-Artikeln als mit dem von Kraftstoff. Viele Unternehmer im Einzelhandel sehen hierin eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung.

Am Flughafen München wurde 1996 im Rahmen der Wasserstoff-Initiative Bayern von Aral die erste öffentliche Tankstelle für Wasserstoff in Betrieb genommen.[23] Heute kann sowohl flüssiger als auch gasförmiger Wasserstoff getankt werden.

In vielen Ländern der Erde, besonders in dünner besiedelten Ländern, beispielsweise Australien, Kanada, USA oder auf Island, sind Tankstellen gesellschaftliche Treffpunkte. Hier wird gegessen, Geldgeschäfte werden getätigt, Feste gefeiert. Größer ausgebaut bilden sie das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentrum einer Siedlung oder eines Dorfes. Besonders in strukturschwachen ländlichen Regionen sind auch in Deutschland Tankstellen in den letzten Jahren auch zu wochenendlichen Treffpunkten für die örtliche Jugend avanciert.

Die größten deutschen Tankstellenmarken im Vergleich 2014 zu 1935 [Bearbeiten]

Die heutige Verteilung der Tankstellen beziehungsweise Servicestationen derjenigen Marken mit der größten Marktdurchdringung wird der Verteilung der Zapfstellen 1935 gegenübergestellt (Viele Tankstellen bestanden damals aus nur einer einzigen Zapfsäule, gegenüber einer geringen Anzahl an Großtankstellen):

Trend und Verteilung der Tankstellen auf Marken
Marke Anzahl Tankstellen 2014[24] Firma (Marken) Anzahl Zapfstellen 1935[25][26] Marke (Firma) heute
Insgesamt 14.272 Tankstellen   ca. 56.000 Zapfstellen  
1. Aral 2.381 Tankstellen (16,7 %)   1. DAPG (Standard (ehem. Dapolin), Esso) 18.327 Zapfstellen (32,7 %) Esso (ExxonMobil)
2. Shell 2.044 Tankstellen (14,3 %)   2. Rhenania-Ossag (Dynamin, Shell) 16.363 Zapfstellen (29,2 %) Shell
3. Total 1.093 Tankstellen (7,4 %)   3. Benzol-Verband (Aral) 7.740 Zapfstellen (13,8 %) Aral (BP)
4. Esso 1.019 Tankstellen (7,1 %)   4. Olex (BP) 6.098 Zapfstellen (10,9 %) Aral (BP)
5. Avia 809 Tankstellen (5,7 %)   5. Gasolin (Motalin, Leuna-Benzin) 3.315 Zapfstellen (5,9 %) Aral (BP)
6. ConocoPhillips (Jet) 779 Tankstellen (5,5 %)   6. Oelhag 953 Zapfstellen (1,7 %) Esso 50 %, Shell 50 %

Die jeweils fünfzigprozentige Aufteilung der Oelhag auf die DAPG und die Rhenania-Ossag hätte für die DAPG (Esso) 33,6 % ergeben und für die Rhenania-Ossag (Shell) 30,1 %. Die Addition der Anteile der später zur Aral fusionierten Benzol-Verband, Olex, Gasolin und Nitag hätten einen Gesamtanteil von 31,8% ergeben. Im Ergebnis haben die später zu den heutigen Marktteilnehmern Esso, Shell und Aral fusionierten Gesellschaften mit zusammen 95,5 % den Markt komplett abgedeckt (beherrscht), während diese drei Firmen heute, was die Marktabdeckung über die Verteilung der Tankstellen angeht, lediglich auf einen Gesamtanteil von 38,1 % kommen. Die in der Tabelle aufgeführten sechs größten Gesellschaften kommen heute zusammen auch nur auf einen Anteil von 56,7 %. Diese Zahl sagt noch nichts über den relevanten Marktanteil bezüglich der verkauften Menge an Mineralölprodukten aus.

Weitere Tankstellenmarken in Deutschland[Bearbeiten]

Tankstelle im Erdgeschoss der „Kant-Garage“ (Berlin) von 1930, einem der ersten Parkhäuser Deutschlands.

Im Folgenden sind weitere Tankstellenmarken in Deutschland aufgeführt (Auswahl):

Marke Anzahl Tankstellen 2014[27]
Insgesamt 14.272 Tankstellen
BFT 2.315 Tankstellen
Star/Orlen 555 Tankstellen
Agip 435 Tankstellen
Tamoil/HEM 402 Tankstellen
OMV 305 Tankstellen
Westfalen 250 Tankstellen
OIL! 215 Tankstellen
Q1 176 Tankstellen
Sonstige 1.278 Tankstellen

Bau von Tankstellen[Bearbeiten]

Der Bau der Tankstelle muss durch einen Fachbetrieb nach § 19 Abs. 1 WHG, der so genannten Fachbetriebspflicht, erfolgen, alle Bauteile müssen über eine DIBT-Zulassung verfügen.

Sofern Kraftstoff verkauft werden soll, sind die Abgabeeinrichtungen eichpflichtig und durch die zuständige Eichbehörde abnehmen zu lassen.

Rechtlich fallen Tankstellen unter das Bundes-Immissionsschutzgesetz, wobei sich besondere Regelungen in §§ 1 ff. der Verordnung zur Begrenzung der Kohlenwasserstoffemissionen bei der Betankung von Kraftfahrzeugen (21. BImSchV) finden.

Situation in der Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz wurden zum 1. Januar 2013 3567 öffentliche Markentankstellen gezählt. Die am meisten vertretene Marke ist AVIA mit 659 Tankstellen. Dahinter folgen Agrola (435), BP (390), Ruedi Rüssel (314), Tamoil (305), Shell (303), Migrol (282), Eni (252) und Coop (190).[28]

Dritte Welt[Bearbeiten]

Tankstelle in Osttimor

In Ländern der Dritten Welt gibt es vielerorts keine Tankstellen mit Zapfsäulen. Kleine Händler verkaufen den Treibstoff aus Flaschen und anderen Behältern an einfachen Straßenständen.

Militär[Bearbeiten]

Zur Versorgung motorisierter militärischer Verbände im freien Gelände errichten Logistiktruppenteile oder z. B. in Deutschland Spezialpioniere Feldtanklager.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Diesellokomotiven und Triebwagen mit Verbrennungsmotor der Eisenbahn müssen, ebenso wie Kraftfahrzeuge, zur Aufnahme des Betriebsmittels eine Tankstelle ansteuern. Nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor der Bahn fahren mit Dieselkraftstoff. In Deutschland werden diese Tankstellen zumeist von der DB Energie betrieben[29] und befinden sich in der Regel in einem Bahnbetriebswerk oder größeren Rangier- oder Güterbahnhöfen.

Architektur[Bearbeiten]

Das indirekt beleuchtete, runde Vordach charakterisiert diese Tankstelle bei Nacht
Denkmalgeschützte Tankstelle von 1957 in Hannover-Badenstedt des Typ 3 der standardisierten Tankstellen der Firma Caltex
Fiat Tagliero in Asmara, Eritrea

Die Architektur von Tankstellen hat sich über die Jahre verändert. Mit der weiteren Verbreitung von Benzin- und Dieselmotoren in Fahrzeugen waren andere Anforderungen an die Einrichtungen gestellt um mehr Fahrzeuge in kürzerer Zeit abzufertigen. Zum Witterungsschutz wurde der Zapfsäulenbereich überdacht. Dazu kam der Trend, immer größere Verkaufsräume einzurichten, da die Pächter einen großen Teil ihres Verdienstes mit anderen Waren als Kraftstoffen erzielen.

Seltener werden Tankstellen für ihre bauliche Gestaltung bekannt, wie die Tankstelle von Skovshoved, die Arne Jacobsen 1936 errichtete.

Fachzeitschriften[Bearbeiten]

Seit 1991 erscheint die Branchenzeitschrift Tankstellen-Markt. Bereits seit 1954 existiert die Zeitschrift tankstelle, früher mit dem Untertitel Das Magazin für den Stationär. Die Zeitschrift erscheint monatlich im Kirchheim-Verlag in Mainz und enthält neben Brancheninformationen auch regelmäßig Abhandlungen zu aktuellen Rechtsfragen. Zudem gibt es seit 2013 den TANKSTOP, ein Branchenmagazin, herausgegeben durch die Einkaufsgesellschaft Freier Tankstellen, das Branchenneuigkeiten und Tipps für Freie Tankstellen bereithält.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Kleinmanns: Super, voll! Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas, Marburg 2002, ISBN 3-89445-297-8.
  • Bernd Polster: Super oder Normal. Tankstellen – Geschichte eines modernen Mythos. DuMont, Köln 1996, ISBN 3-7701-3516-4.
  • Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50276-8.
  • Ernst Seidl (Hrsg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-010572-2.
  • Alexander Franc Storz: Hallo Tankwart: Wo das Wirtschaftswunder Fahrt aufnahm. Motorbuch, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-03535-5.
  • Chris van Uffelen: Automobil-Architektur, Braun, Salenstein 2011, ISBN 978-3-03-768085-8.
  • Christof Vieweg: Volltanken bitte! 100 Jahre Tankstelle. Delius Klasing, Bielefeld 2011, ISBN 978-3-7688-3273-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tankstelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Illinois Route 66 Scenic Byway
  2. Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. S. 130.
  3. Beschluss der Arbeitsstelle für Berufserziehung des deutschen Industrie- und Handelstages in Bonn am 1. Februar 1952.
  4. ADAC Motorwelt, Heft 3, 1952, S. 13: "Die Versorgung unserer Kraftfahrzeuge mit Betriebsmitteln erfordert schon ein beträchtliches Ausmaß besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten, weshalb der Kraftfahrer mit Recht verlangen kann, daß das Tankstellenpersonal dementsprechende Ausbildung erhält."
  5. iww.de
  6. umweltdatenbank.de
  7. ed-tankstellen.de
  8. ed-tankstellen.de
  9. bundeskartellamt.de
  10. Jet (Tankstelle)#Vertrieb
  11. ed-tankstellen.de
  12. http://www.tankstellenprofi.de/dokumente/EID_Zahlen.pdf (vgl. Fußnote 5)
  13. bundeskartellamt.de
  14. eur-lex.europa.eu
  15. bft.de
  16. energiemittelstand.de
  17. [1], Wichtige gesetzliche Bestimmungen für mobile Tankanlagen
  18. mwv.de
  19. VDI-Nachrichten: Neues Benzin mit 10 % Bioethanol droht Millionen Autos auszubremsen. In: VDI-n, 3. Dezember 2010, Nr. 48/2010, S. 12.
  20. Zahlen und Informationen zum Thema Tankstellen in Deutschland Abgerufen am 3. Mai 2013.
  21. Energie Informationsdienst, Ausgabe 05/12 vom 31. Januar 2012.
  22. NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) v. 8. Juli 2008, S. 7.
  23. wiba.de, Wasserstofftankstelle
  24. mwv.de
  25. Joachim Kleinmanns: Super, voll! Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas-Verlag, 2002, S. 46.
  26. Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. Verlag C.H. Beck, München 2003, S. 154.
  27. mwv.de
  28. erdoel.ch
  29. Verzeichnis der entsprechenden Tankstellen in: Eisenbahnatlas Deutschland. Ausgabe 2007/2008. Vlg. Schweers + Wall, o.O. 2007, ISBN 978-3-89494-136-9, S. 174 f.