Tante Truus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bronzebüste von Tante Truus an der Bachplein in Amsterdam

Geertruida Wijsmuller-Meijer, bekannt geworden als Tante Truus (* 21. April 1896 in Alkmaar, Niederlande; † 30. August 1978 in Amsterdam) rettete während der Zeit des Nationalsozialismus mit ihren Kindertransporten laut Yad Vashem[1] mehr als 10.000 jüdische und „nicht-arische“ Kinder.

Leben[Bearbeiten]

Über die Privatperson der Geertruida Wijsmuller ist wenig überliefert.

Geertruida, die kurz Truus gerufen wurde, heiratete einen Bankier, J. F. Wijsmuller. Die Ehe blieb kinderlos.

Berichtet wird von ihr, dass sie eine resolute und nicht auf den Mund gefallene, dabei bescheidene und unprätentiöse Frau gewesen sei, die nichts und niemand fürchtete und unter ihrer rauhen Schale ein besonders weiches Herz für Kinder trug. So verpasste man ihr auch gleich zwei Beinamen: Tante Truus und Die Dampfwalze.

In den 1930er Jahren begann Wijsmuller für das Niederländische Komitee für jüdische Belange (Comité voor Bijzondere Joodse Belangen) zu arbeiten und beschäftigte sich zunächst mit Lebensmittel- und Medikamententransporten in verschiedene notleidende Gebiete Europas. Sie arbeitete zusammen mit der Berlinerin Recha Freier[1] zur Rettung jüdische Kinder.

Nachdem sich die Situation der jüdischen und nicht-arischen Bevölkerung in Nazi-Deutschland immer mehr zuspitzte, reiste sie ab November 1938 mehrfach nach Wien und ließ nicht locker, bis sie von Adolf Eichmann empfangen wurde, der zu dieser Zeit die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ leitete und von dem sie schließlich Anfang Dezember die Zusage erhielt, dass innerhalb von fünf Tagen 600 Kinder nach England ausreisen dürften, wenn sie den Transport in dieser Zeitspanne würde organisieren können. Als ihr dies erstaunlicherweise gelang und am 11. Dezember 1938 der Kindertransport über die Niederlande nach Großbritannien stattfinden konnte, folgten weitere, und schließlich waren mehr als 10.000 Kinder aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach England gebracht, bis die Aktion am 1. September 1939 - dem Beginn des Zweiten Weltkriegs - ihr Ende fand.[2] Dann hatte sie schon 74 Transporte organisiert.[3]

Aber auch während des Krieges fuhr sie fort, Juden und anderen Verfolgten zu helfen. Sie unternahm Reisen nach Skandinavien, Belgien und Frankreich, organisierte Ausreisen, schützte Verfolgte und betätigte sich an Hilfsaktionen.

Nach dem Krieg wurde sie Mitglied in der niederländischen Volkspartei für Freiheit und Demokratie VVD (Volkspartij voor Vrijheid en Democratie) und war von 1945 bis 1966 Mitglied im Gemeinderat von Amsterdam. Dabei engagierte sie sich vorrangig im Bereich der Behindertenarbeit und machte sich insbesondere für die Einrichtung von Arbeitsplätzen für Behinderte stark.

1950 erschien ihr Buch „Geen tijd voor tranen“ (Keine Zeit für Tränen – nicht auf deutsch erschienen), das die Geschichte der Kindertransporte und ihrer Hilfstätigkeit im Krieg schildert.

Sowohl für ihre unerschrockene Rettungstätigkeit während des Zweiten Weltkriegs als auch ihre politischen Aktivitäten in der Nachkriegszeit erhielt sie verschiedene Auszeichnungen, wurde „Officier in de Orde von Oranje-Nassau“ und Ehrenbürgerin von Amsterdam; von der französischen Regierung empfing sie den Reconnaissance und von der Gedenkstätte Yad Vashem den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern.[1]

Als Andenken an ihr Werk wurde 1980 in Almere die Vereinigung Truus Wijsmuller gegründet, eine Stiftung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. 1978 wurde in der Amsterdamer Bachplein ihre Bronzebüste aufgestellt.[4] In vielen niederländischen Orten sind Straßen, Plätze und Wege nach ihr benannt. Am 15. Juni 2011 wurde ein Asteroid nach ihr benannt: (15296) Tantetruus.

Werk[Bearbeiten]

  • T. Wijsmuller-Meijer: Geen tijd voor tranen. („Keine Zeit für Tränen“), Van Kampen & Zoon, Amsterdam 1964.

Literatur[Bearbeiten]

  • B. van der Weijde, H.M. van der Weijde-Oudenaarden: Vrouwen op een bordje. („Frauennamen auf Straßenschildern“), Bijvoet, Leiden 1993, ISBN 90-6932-007-X.
  • Mies Bouhuys, Boris Klatser: Om nooit te vergeten - Amsterdamse monumenten en gedenktekens ter herinnering aan de Tweede Wereldoorlog. („Gegen das Vergessen - Amsterdammer Gedenksteine und -tafeln zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg“), Produktie Uitgeverij Thoth, 1995, ISBN 90-6868-124-9.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c Chana Arnon: Jews Rescuing Jews during the Holocaust. (PDF; 233 kB)
  2. Erinnerung an den Kindertransport am 1. September 1939 bei der Einweihung des Denkmals in Hoek van Holland im November 2011
  3. L. de Jong: Het Koninkrijk der Nederlanden in de Tweeede Wereldoorlog. Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie, Staatsuitgeverij, Amsterdam/Den Haag 1969, Teil 1, S. 489.
  4. Amsterdam, monument op het Bachplein.

Weblinks[Bearbeiten]