Taq-e Kisra

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Taq-e Kisra im Jahr 1932
Ruinen von Ktesiphon auf einer irakischen Briefmarke von 1923
Anlage im Jahr 1864
Anlage, 1824 (hier stand noch die nördliche Backsteinfassade)
Karte Seleucia Ktesiphon mit den Flussverlaufsänderungen des Tigris im Laufe der letzten Jahrhunderte

Der Taq-e Kisra (oft: Taq-i-Kisra geschrieben, übersetzt: Bogen des Chosrau, gelegentlich auch Bogen von Ktesiphon genannt), (persisch ‏ طاق كسرى‎) Ṭāq-e Kesrā oder (persisch ‏ إيوان كسرى‎) Ayvān-e Kesrā,[1] ist eine sassanidische Palastruine in Mahuza, die das einzige überirdische Überbleibsel der Stadt Ktesiphon im Irak bildet. Die Ruine steht etwa 35 Kilometer südöstlich von Bagdad.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Palast soll während der Regierungszeit des Sassanidenherrschers Chosrau I. (531–579)[2] entstanden sein. Diese weit verbreitete These ist nicht vollständig anerkannt, der Palast wird auch Schapur I., einem Sassanidenherrscher aus der Frühphase des Reiches zugeschrieben, Dieser habe Ktesiphon zur Hauptstadt des Sassanidenreiches erheben wollen[3][4][5]. Nachdem Chosrau I. 560 (der herrschenden Auffassung folgend) die Weißen Hunnen geschlagen und mit Ost-Rom Frieden geschlossen hatte, ließ er seinen Palast ausbauen, der den Torbogen Taq-e Kisra enthielt.[6] Von dieser einst größten Sassanidenresidenz ist lediglich ein kleiner Teil nebst dem Torbogen übriggeblieben.

637 wurde die Anlage von den Arabern im Rahmen der arabisch-islamischen Expansion eingenommen und geplündert. Zeitweilig wurde der Palast als Moschee genutzt.[2]

1888 fiel ein Drittel der Ruinen einem Hochwasser des Tigris zum Opfer. 1909 rissen weitere Überschwemmungen des Flusses den Nordflügel weg.[5] Saddam Hussein begann ab 1975 bis in die 1980er Jahre hinein die Wiederherstellung des Nordflügels. Nach dem zweiten Golfkrieg wurde das Vorhaben eingestellt.

Architektur[Bearbeiten]

Die Gesamtanlage war geprägt durch einen rechtwinkligen Hof, um den sich vier Gebäudetrakte gruppierten. Das mehr als 24,5 m breite und 33 m hohe Backsteingewölbe überdachte den 48 m langen Thronsaal, in welchem die Sassanidenfürsten in Brokat und Seide gewandet Audienzen gewährten. Die Konstruktion ist parabolisch, weshalb der Torbogen besonders groß wirkt. In der Näehe des Bodens ist der Bogen sieben Meter dick, im Scheitel einen Meter. Nach einer mesopotamischen Technik wurden die bodennahen Ziegel horizontal und die im Gewölbe hochkant verbaut. Experten des Kaisers Justinian halfen beim Bau. Gerüste wurden trotz der Höhe nicht verwendet. In die Gewölbehalle waren byzantinische Marmorreliefs und Mosaiken eingebracht, die die Eroberung von Antiochia zeigten. Weitere Machtinsignien bildeten ein 27 x 27 Meter großer Teppich (Bahār-e Kisra) zu Füssen des Sassanidenkaisers und eine prächtige gewaltige Krone, die von der Decke des Bogens (an einer Goldkette befestigt) herabhing.[7] Der gewaltige Iwan wurde beidseits von je sechsstöckigen Backsteinfassaden mit Architraven eingefasst, wobei ungeklärt ist, ob diese römische oder hellenistische Anklänge haben. Geschmückt waren die Fassaden mit Blendzierbögen und -säulen. Hinter diesen verbargen sich die übrigen Räumlichkeiten des Palastanwesens. Der Torbogen ist der größte erhaltene Iwan der vorislamischen Zeit.[8] Das Ideal, dass Wohnräume zusammengefasst wurden und sich um einen befestigten Innenhof drapierten, wurde in der Folgezeit fester Bestandteil der iranischen Architektur und spiegelt sich auch in diesem Objekt. Die Quaderstein-Bauweise wurde seit dem 4. Jahrhundert zunehmend durch feinere Bearbeitung des Ziegelsteins und dessen Verbauung mittels Gipsmörtel abgelöst. Daneben kamen zunehmend Stuckornamente zum Einsatz.[9]

„Frühling von Chosrau“[Bearbeiten]

Im Palast lag einst ein Gartenteppich mit schachbrettartigen Feldermustern, der 27 x 27 Metern maß. Er hieß Bahār-e Kisra. Der Teppich bildete Blumenbeete, Obstbäume, Wege und Wasserkanäle und an den Wegkreuzungen, Pavillons ab. Er war mit Edelmetallen durchwirkt. Die Äste der Bäume waren in Gold und Silber dargestellt, Blumen und Obst wurden durch Edelsteine verkörpert, Wasserläufe durch Kristallglas.[10] Zu Ehren des Sassanidenkönigs nennt der Volksmund heute noch vom Teppich den „Frühling des Chosrau“, beziehungsweise „Baharestan“.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag in der EIr
  2. a b Julian Reade, in: Chris Scarre (Hrsg.): The Seventy Wonders of the ancient world. The Great Monuments and how they were built. Thames & Hudson, London 1999, S. 185–186, ISBN 0-500-05096-1.
  3. Digital Library, Taq-i Kisra
  4. stellvertretend für den wissenschaftlichen Streit aus vorgenannter Quelle: "Although it is not clear which of the Sasanian kings built this palace, two hypotheses exist. Highlighting the classical motifs used in the facade, Oscar Reuther argues for a late antique date. Herzfeld, believing that Western methodology cannot be adopted to date buildings of the East, uses historical sources to date the construction. Herzfeld points to a passage from a Sasanian Chronicle, Khudhay-Nama, translated by the great Persian translator Ibn Muqaffa (721-757/9) in which the ruins of the Taq-i Kisra have been attributed to the reign of Shapur I (241-72), the first Sasanian King. Although the destruction of the palace is blamed on different individuals by various sources, Abbasid caliph Al-Mansur (754-775) is most commonly mentioned for its ruin."
  5. a b Denis Wright: Persien. Atlantis Verlag, Zürich/Freiburg i. B. 1970, S. 75
  6. Peter Kerber, Iran: Islamischer Staat mit jahrtausendealter Kultur
  7. Chris Scarre, Der Bogen von Ktesiphon - Nr. 42 (s. LIT.)
  8. Mahmoud Rashad, Iran: Geschichte, Kultur und Traditionen : antike Stätten und islamische Kunst in Persien
  9. History of Humanity: From the seventh century B.C. to the seventh century A.D.
  10. Hakan Baykal, s. Lit. (S. 62)
  11. Teppichlegende (Feldermusterteppich) im Taq-e Kisra

Literatur[Bearbeiten]

  • André Godard: The Art of Iran. Translated by Michael Heron. Allen and Unwin, London 1965.
  • Ernst Herzfeld: Damascus: Studies in Architecture - II. In: Ars Islamica 10 (1943), S. 59–61.
  • Oscar Reuther: Sasanian Architecture. In: A Survey of Persian Art from Prehistoric Times to the Present. Hrsg. von Arthur U. Pope / Phyllis Ackerman. Oxford University Press, London/New York 1964, S. 515–517, 543–544.
  • Chris Scarre: Die 70 Weltwunder, Die geheimnisvollsten Bauwerke der Menschheit und wie sie errichtet wurden, 3. Auflage, 2006, Frederking & Thaler, ISBN 3-89405-524-3
  • Hakan Baykal, Vom Perserreich zum Iran, 3000 Jahre Kultur und Geschichte, Konrad Theiss Verlag Stuttgart, 2007, ISBN 978-3-8062-2035-3

Weblinks[Bearbeiten]

33.09372444.581001Koordinaten: 33° 5′ 37″ N, 44° 34′ 52″ O