Tarasp

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Tarasp
Wappen von Tarasp
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Innw
Kreis: Sur Tasna
BFS-Nr.: 3745i1f3f4
Postleitzahl: 7553
Koordinaten: 815548 / 18473646.7788888910.261666671403Koordinaten: 46° 46′ 44″ N, 10° 15′ 42″ O; CH1903: 815548 / 184736
Höhe: 1'403 m ü. M.
Fläche: 46.99 km²
Einwohner: 370 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Website: www.tarasp.ch
Tarasp Fontana mit Schloss Tarasp

Tarasp Fontana mit Schloss Tarasp

Karte
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Tarasp ( [tɐˈraʃp]?/i) ist eine politische Gemeinde im Kreis Sur Tasna, Bezirk Inn des Kantons Graubünden in der Schweiz. Auf den 1. Januar 2015 wird Tarasp mit fünf anderen Gemeinden (Ftan, Ardez, Sent, Guarda und Scuol) zusammen fusionieren und die grösste Gemeinde der Schweiz bilden. Mit etwa 4'700 Einwohnern wird sie zugleich die grösste bündnerromanische Gemeinde überhaupt sein[2].

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Gespalten von Gold (Gelb) und Blau, in Gold ein schwebendes rotes lateinisches Kreuz, in Blau ein gold-rot-goldener Bogenpfahl (siehe auch Regenbogen (Heraldik))

Änderung des bestehenden Wappens wegen Verstosses gegen die heraldische Farbregel durch Wechsel der Farben des Regenbogens.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde auf der rechten Inn-Seite besteht aus elf Fraktionen. Darunter gehören der Hauptort Fontana ( [fɔnˈtaːnɐ]?/i, 1403 m ü.M.) mit der Dreifaltigkeitskirche und das Hoteldorf Vulpera (1280 m) sowie Sparsels ( [ʃpɐrˈsɛls]?/i) zu den wichtigsten. Die weiteren Fraktionen sind Aschera ( [ɐˈʒɛːrɐ]?/i), Avrona, Chaposch ( [tɕɐˈpɔʃ]?/i), Chants ( [tɕants]?/i), Florins ( [flɔˈrins]?/i), Nairs, Sgnè ( [sɲeː]?/i) und Vallatscha. Die Ortsteile gruppieren sich um das Wahrzeichen der Gemeinde, das imposante Schloss Tarasp.

Auf Gemeindegebiet liegen die Gipfel Piz Pisoc (3173 m), Piz Plavna Dadaint (3166 m), Piz Plavna Dadora (2981 m) und Piz Zuort (3119 m).

Im Gegensatz zu allen anderen Ortschaften des Unterengadins sind die elf Ortsteile von Tarasp Streusiedlungen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach einem bedeutenden Bevölkerungszuwachs bis ins frühe 19. Jahrhundert verlor die Gemeinde zwischen 1835 und 1900 massiv Bewohner (1835 403, 1900 278 Einwohner = -31 %). Dies trotz touristischen Einrichtungen wie Bäderhäusern und Hotels. Bis 1930 wuchs die Bevölkerung leicht an – zwischen 1950 und 1960 sogar stark (1950–1960: +29 %). Nach dem dann erreichten Höchststand von 396 Personen kam es zu einer zweiten grossen Abwanderungswelle bis 1990 (1960–1990: -39 %).

Sprachen[Bearbeiten]

Trotz jahrhundertelanger österreichischer Herrschaft sprach die Bevölkerung bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs beinahe geschlossen Vallader, eine bündnerromanische Mundart (1880: 92 %, 1910: 87 %). Dieser Anteil sank dann in der Zwischenkriegszeit auf 79 Prozent (1941). Seither wächst der Anteil der Deutschsprachigen beständig. Dennoch waren die Romanischsprachigen noch 1970 mit 155 Personen (oder 45,32 %) eine relative Mehrheit. Seit 1980 sind die Deutschsprachigen in der Mehrheit, doch halten Gemeindeverwaltung und Schule weiterhin zum Romanischen. Die deutschsprachige Mehrheit erklärt sich vor allem durch ein im Ort ansässiges Internat, das jedoch gesellschaftlich wenig Kontakt mit der sonst romanischen Gemeinde hat[3][4]. 1990 konnten sich noch 58 Prozent, im Jahr 2000 noch 46.6 Prozent der Bevölkerung in dieser Sprache verständigen. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Tarasp GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 138 47,10 % 125 51,87 % 172 52,44 %
Rätoromanisch 129 44,03 % 102 42,32 % 126 38,41 %
Italienisch 8 2,73 % 8 3,32 % 8 2,44 %
Einwohner 293 100 % 241 100 % 328 100 %

Nach Deutsch und Romanisch steht Italienisch mit 3 % Anteil an dritter Stelle der verwendeten Sprachen.

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

Die Bewohner von Tarasp sind Katholiken in einem sonst reformiert geprägten Gebiet. Dies ist eine Folge der habsburgischen Geschichte der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herren von Tarasp errichteten bereits im 11. Jahrhundert Siedlungen. Bald nach dem Aussterben dieses adligen Geschlechts übernahmen die Grafen von Tirol die Regentschaft. Seit 1464 gehörte der Ort den Habsburgern, welche in der Folgezeit diverse Adelsgeschlechter mit dem Gebiet belehnten. Kirchlich gehörte der Ort bis zur Reformation zu Scuol, die kirchliche und wirtschaftliche Trennung erfolgte 1559. Acht Jahre später erhielt Tarasp im Hauptort Fontana seine eigene Pfarrkirche.

Tarasp blieb als österreichische Grafschaft auch nach der Reformation katholisch.[5] Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fiel Tarasp als letzte österreichische Enklave an die Helvetische Republik, aus der die heutige Schweiz hervorging.

Hotel Waldhaus auf einer Postkarte von 1907

Mit Hilfe der zahlreichen auf dem Gemeindegebiet gelegenen Mineralquellen entwickelte sich Tarasp und insbesondere die Fraktion Vulpera in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Bauerndorf zu einem der bedeutendsten Kurorte der Schweiz. 1845 entstand in Vulpera ein erstes Hotel „Zu den Salzwasserquellen“. 1860 wurde die Tarasp-Schulser Gesellschaft gegründet, 1865 in der Fraktion Nairs, auf Scuoler Gemeindegebiet direkt am Inn, das „Grand Hotel“ Kurhaus Tarasp, 1875/76 am Innufer die Trinkhalle, 1896/97 in Vulpera das 1989 abgebrannte Hotel Waldhaus Vulpera sowie 1898–1900 das Hotel Schweizerhof errichtet. Seine Blütezeit erlebte der Tourismus in Vulpera bis zum Ersten Weltkrieg.[6] In den 1930er Jahren erlebte der Bädertourismus einen drastischen Abschwung, von dem sich Tarasp erst in den 1970er Jahren durch den Wintertourismus und die aufkommende Parahotelerie erholte.[5]

Auch heute noch kämpft die Ortschaft nach Gemeindeangaben wegen der Überalterung der Bevölkerung und des Arbeitsplätzemangels ums Überleben.[7]. Für etwas Abhilfe soll die von 2007 bis 2010 gebaute 235 Meter lange Innbrücke von Scuol nach Vulpera sorgen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dreifaltigkeitskirche im Ortsteil Fontana
  • Die Gemeinde wird von dem in seinen Grundzügen aus dem 11. Jahrhundert stammenden Schloss Tarasp überragt. Es zählt zu den imposantesten Schlössern Graubündens. Schloss Tarasp wurde um 1900 von Karl August Lingner, dem Erfinder von Odol, erworben und im Stile des Historismus renoviert. Er vermachte es dem Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, noch heute ist es im Besitz der Erben aus dem Haus Hessen-Kassel.
  • In der Nähe des Weilers Sgnè liegen prähistorische Schalensteine, die sogenannten Hexenplatten.
  • In der Büvetta, einer 1875/76 durch den Schweizer Architekten Bernhard Simon am Innufer gegenüber dem Kurhaus Tarasp erbaute Wandel- und Trinkhalle[8], werden die Heilquellen Emerita, Lucius (die stärksten Glaubersalz-Quellen Europas) sowie Sfondraz gefasst.[9]
  • Die Dreifaltigkeitskirche, in Fontana, ist ein nach Norden gerichteter Barockbau. Er wurde 1674-78 von Blasius Ploirer auf den Grundmauern der Pfarrkirche St. Antonius von 1567 errichtet.[10]
  • Das Pfarrhaus[11]
  • Villa Engiadina[12]
  • Wohnhaus, in Fontana[13]
  • Die wilde Clemgia-Schlucht ist von Vulpera und Avrona erreichbar.

Kultur[Bearbeiten]

In der Tradition der Übernamen der Engadiner Dörfer heissen die Tarasper ils magliamessas (deutsch «die Messefresser»).

Verkehr[Bearbeiten]

Der in Scuol gelegene Bahnhof Scuol-Tarasp ist der östliche Endpunkt der Engadiner Bahnstrecke der Rhätischen Bahn (RhB). Von dort sind Nairs, Vulpera, Chants, Sgnè und Fontana direkt über eine Buslinie erreichbar.

Seit dem 10. Oktober 2010 ist Tarasp über die Punt d'En Vulpera/Tarasp erreichbar.

Tourismus[Bearbeiten]

Im Sommer bietet sich Tarasp für Wanderer und Biker, unter anderem auch als Ausgangspunkt für Touren in den Schweizer Nationalpark. In Vulpera befindet sich eines der ältesten Freibäder der Schweiz, oberhalb Vulperas ein Neun-Loch-Golfplatz.

Im Winter wird eine Loipe gespurt. Am Ortsrand von Fontana war von 1964 bis 2010 ein Stangenschlepplift in Betrieb. Dieser wird 2014 abgebaut. Pläne von 2011 für einen Ersatz des alten Lifts wurden 2013 verworfen.[14] Übrig bleibt ein 200 m langer Übungslift, ebenfalls beim Weiler Fontana. Das Skigebiet Motta Naluns auf der gegenüberliegenden Talseite ist über die Buslinie zu erreichen.

Galerie[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tarasp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www.suedostschweiz.ch/politik/sechsmal-ja-zur-fusion-scuol
  3. Bundesamt für Statistik (Hrsg.): Eidgenössische Volkszählung 2000. Band 12: Jean-Jacques Furer: Die aktuelle Lage des Romanischen (= Statistik der Schweiz. 1: Bevölkerung). BFS, Neuchâtel 2005, ISBN 3-303-01202-4.
  4. Manfred Gross: Romanisch. Facts & Figures. 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Lia Rumantscha, Chur 2004, ISBN 3-03900-034-9.
  5. a b Paul Eugen Grimm: Tarasp im Historischen Lexikon der Schweiz
  6. Paul Eugen Grimm: Vulpera im Historischen Lexikon der Schweiz
  7. Schloss Tarasp (PDF; 471 kB)
  8. Trinkhalle Bad Tarasp
  9. Kantonale Denkmalpflege: Objektinventar Trinkhalle Tarasp. Chur, 2004 Denkmalpflege
  10. Baukultur in Graubünden: Katholische Kirche hl. Dreifaltigkeit Graubündenkultur
  11. Pfarrhaus
  12. Villa Engiadina
  13. Wohnhaus
  14. Artikel in der Südostschweiz vom 14. Dezember 2013.