Tarim (Stadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
تريم
Tarim
Tarim (Jemen)
Tarim
Tarim
Koordinaten 16° 3′ N, 49° 0′ O16.0549.0025Koordinaten: 16° 3′ N, 49° 0′ O
Basisdaten
Staat Jemen

Gouvernement

Hadramaut
Höhe 615 m
Einwohner 58.523 (Berechnung 2012[1])
Minarett der Al-Mihdar-Moschee in Tarim. Es misst die imposante Höhe von 53 Metern

Tarim, auch Terim, (arabisch ‏تريم‎, DMG Tarīm) ist eine Stadt im Hadramaut im Südosten des Jemen. Die Bedeutung Tarims liegt heute darin, das wissenschaftliche, rechtliche und religiöse Zentrum der Region zu stellen. Es wird vermutet, dass hier die weltweit meisten Nachkommen des Propheten Muhammad angesiedelt sind, weshalb der Stadt auch historische Bedeutung zukommt.[2] Diverse islamische Gelehrte entstammen der Stadt, wie Imam al-Haddad oder Dar al-Mustafa.

Im Durchschnitt liegt das Hadramaut in einer Höhe von 1370 Metern. Tarim liegt knapp halb so hoch auf über 600 Metern. 176 km südlich liegt die Küste zur Arabischen See. Seiyun liegt 35 km nordwestlich. Felsplateaus prägen das Umland von Tarim. Diese weisen Höhen bis 900 Meter auf und sind durchschnitten von zahlreichen Tälern.

Als eine der größten Städte im Jemen ist Tarim Kreuzungspunkt mehrerer alter Handelsrouten. Es finden sich folglich viele Moscheen und Paläste. Diese sind häufig geprägt von fernöstlichen Elemente. In der Blütezeit dieser Stadt standen hier jeweils über 300 Moscheen und Koranschulen.[3]

Architektur[Bearbeiten]

Tarim hat eine vielfältige kulturelle Vergangenheit, die sich darin niederschlägt, dass ausländische Stilelemente ebenso Einzug hielten, wie detailverliebte dekorative Elemente. Die Architekturgeschichte Tarims vermittelt zwischen den Kulturen inner- und außerhalb des modernen Nationalstaats.

Moscheen und Bibliotheken[Bearbeiten]

365 Moscheen sollen während der Blütezeiten Tarims in der Stadt gestanden haben. Eine Moschee, die Sirjis-Moschee, datiert aus dem 7. Jahrhundert. In der Zeit zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert hielten die Moscheen eine herausragende Rolle hinsichtlich ihres Einflusses auf die islamische Gelehrsamkeit in der Region inne. Die berühmte Al-Mihdar-Moschee wird von einem 53 m hohen Minarett, dem höchsten im Jemen, überragt. Konzipiert wurde es von den einheimischen Baumeistern Abu Bakr bin Shihab und Alawi Al Mash'hūr. Alle großen Gebäude der Stadt haben einen quadratischen Grundriss und stehen in gleichmäßigen Reihen. Im Detail trifft man auf die traditionellen Handelsbeziehungen der Stadt, die durch eingebaute Tore beispielsweise aus Singapur und diverse Türspitzen aus Indien offenbar werden.[4]

Tarim verfügt zudem über eine riesige Bibliothek, die Aw-qaf-Bibliothek. In dieser werden mehr als 5000 Handschriften aus der Region verwaltet. Themen der Zeiten sind verewigt, wie die Lehren des Propheten, des islamischen Rechts, des Sufismus, der Medizin, der Astronomie und der Landwirtschaft. Geschichtsbiographien, Lehrbücher zur Mathematik, Philosophie, Logik und die acht Bände des Abu Muhammad al-Hasan al-Hamdani 's Al-Iklil, einem bedeutenden muslimischen Gelehrten, sind hier eingestellt. Zwischen 300 bis 400 der (einzigartigen) Manuskripte werden allein dem Gelehrten Abd al-Qader Sabban zugeordnet.

Paläste[Bearbeiten]

Tarim ist überdies bekannt für seine unzähligen Paläste. Zwischen den 1870er und 1930er Jahren entstanden allein dreißig Paläste. Während des späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlangten etliche hadramautische Kaufmannsfamilien erheblichen Reichtum durch Handel und Investitionen. Die Aw-qaf-Familie galt als dabei als die einflussreichste. Viele Familienmitglieder waren von den Religionsgelehrten anerkannt und respektiert. Viele öffentliche Bauprojekte unterlagen dem Zeitgeist der Modernisierung des Landes. Die Paläste überdauerten die koloniale Periode als Leistungsnachweis für Familienwohlstand einerseits und Modernisierung andererseits. Der Baustil wies Elemente auf, die erkennbar der Mogul-Architektur, dem Stil des Britischen Weltreichs, dem Art Nouveau, Art Déco, Rokoko, Neoklassizismus und sonstigen modernen jemenitischen Stilen entlehnt waren, umgesetzt durch die traditionsreiche jemenitische Bauweise mit (Lehm-)Ziegeln und Kalkverputz („malas“).

Der Qasr al-'Ishshah-Komplex[Bearbeiten]

Ein hervorstechendes Beispiel der Architektur des Kalkverputzes stellt der Qasr al-'Ishshah-Komplex dar. Er repräsentiert eine der ursprünglichsten Aw-qaf-Architekturen in Tarim. Shaikh aw-qaf erbaute innerhalb von vierzig Jahren das Ensemble aus Erlösen des Südasienhandels, die beispielsweise aus getätigten Investitionen im Grand Hotel de l'Europe in Singapur in den 1930er Jahren stammten.[5] In dieser Architektur manifestieren sich die vorbeschriebenen ausländischen Einflüsse deutlich. Die Ausschmückungen beziehen häufig Pflastersteine in die Bauweise mit ein, ebenso Holzschnitzereien zur Dekoration von Nischen, Decken und Lampenhaltern.

In der Zeit von 1970 bis 1991 wurde der Qasr al-‘Ishshah-Komplex durch die PDRY enteignet und als Vielfamilienhaustrakt parzelliert. Nachfahren erhielten den Gebäudekomplex später zurück. 1997 mietete sich die Historical Society for the Preservation of Tarim ein, um die Anlage Museumszwecken zuzuführen.[6]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flughafen von Tarim liegt 30 km entfernt in Seiyun. Internationale Flüge gehen nach Dschidda in Saudi-Arabien, Dubai und Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Binnenflüge gehen nach Sanaa.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Salma Samar Damluij: The Valley of Mudbrick Architecture: Shibam, Tarim & Wadi Hadramaut -Reading, 1992

Weblinks[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deWorld Gezatteer Bevölkerungsdaten der Stadt Tarim
  2. Sam Alexandroni, No room at the inn Abgerufen am 17. Juli 2011
  3. Atlantica: der neue grosse Satelliten-Weltatlas
  4. Jean-François Breton, Manhattan in the Hadramaut Abgerufen am 17. Juli 2011
  5. Myntii 1999
  6. Conservation Project (PDF; 46 kB)