Tarkett

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Unternehmenslogo von Tarkett

Die Tarkett-Unternehmensgruppe ist ein weltweit tätiger Hersteller von Bodenbelägen aller Art. Der europäische Branchenführer produziert elastische PVC-Beläge, Holz- und Laminatböden, Linoleum sowie Sportböden und vertreibt sie weltweit. Die weltweit rund 9.000 Mitarbeiter erzielten 2007 einen Umsatz von 2.087 Mio. €, 2008 von 2.069 Mio. €.[1]

Das operative Geschäft der Gruppe für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz wird von der Frankenthaler Tarkett Holding GmbH gelenkt, die durch Umwandlung aus der Tarkett AG hervorging und deren Hauptaktionär die französische Tarkett S.A. mit Sitz Nanterre ist.

Eigentümer[Bearbeiten]

Haupteigentümer der Tarkett-Gruppe ist die Familienholding Societe d'Investissements Familiales SA (SIF), die bis 2006 im Alleinbesitz der französischen Industriellenfamilie Deconinck war. Im Dezember 2006 genehmigte die EU-Kommission[2] den Einstieg des Private-Equity-Beteiligungsunternehmens Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), das sich für 350 Mio. EUR einen Anteil von 50 % an SIF sicherte. Nachdem SIF zu diesem Zeitpunkt mit rund 65 % an Tarkett beteiligt war, errechnete die Wirtschaftspresse einen Firmenwert von 1,3 Mrd. EUR für Tarkett. Mit dem zusätzlichen Kapital wollte SIF die 35 % an Anteilen an Tarkett übernehmen, welche im Besitz französischer Banken und Finanzfonds waren.[3] KKR sieht Wachstumschancen in asiatischen Märkten sowie durch Zukäufe in dieser zersplitterten Industriebranche.[4][5]

Vertreter der Familie in den Lenkungsgremien ist Didier Deconinck (* 1947)[6], ein Nachkomme von Bernard Deconinck, der 1942 die Leitung von Allibert übernommen hatte.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige, durch zahlreiche Fusionen entstandene Tarkett hat ihre Wurzeln in mehreren europäischen Unternehmen:

Sommer Allibert hatte im Jahr 1986 die anglo-kanadische Domco übernommen und damit eine Fusionswelle eingeleitet. Anfang der 1990er-Jahre vergrößerte sich Domco/Sommer-Allibert weiter durch Übernahme von Azrock und Nafco.

Der schwedische Konkurrent Tarkett AB hatte 1987 mit dem Einstieg bei dem pfälzischen Bodenbelaghersteller Pegulan reagiert; es entstand die Tarkett Pegulan AG mit Sitz in Frankenthal. Tarkett Pegulan wurde 1996 jedoch selbst vom Konkurrenten Domco übernommen. Durch die Einbringung weiterer Bodenbelags-Aktivitäten von Sommer Allibert 1997 entstand die Tarkett Sommer AG mit Sitz in Frankenthal, die ihren Namen nach 2003 zu „Tarkett AG“ kürzte, um international einheitlich unter diesem Namen aufzutreten.

Durch ein Squeeze-out der Minderheitsaktionäre wurde die französische Tarkett S.A. 2006 Alleinaktionär der Frankenthaler Tarkett AG. Damit wurde auch die Börsennotierung an der Frankfurter Börse aufgehoben.[7]

Unternehmensbereiche[Bearbeiten]

Die Tarkett Gruppe ist in vier Divisionen aufgeteilt.

Tarkett Westeuropa (TWE - Tarkett Western Europe)

Fabrik für Bodenbeläge in Wiltz, Luxemburg, auf dem Gelände der ehemaligen IDEAL Lederwerke AG, bis 2006 im Besitz von Tarkett

Das Geschäft in Westeuropa umfasst neben allen Standorten in Europa auch die Exportmärkte, welche direkt und nicht lokal bedient werden sowie die Niederlassung in Australien. In Deutschland wird produziert in Konz (bei Trier) und im saarländischen Eiweiler. Weitere Produktionsstandorte in Europa befinden sich in Narni (Italien), Ronneby und Hanaskog in Schweden, Sedan und Templemars (Département Nord, Frankreich), Clervaux/Wiltz (Luxemburg; Gelände der ehemaligen IDÉAL Lederwerke) (bis 2006) sowie Lenham (Grafschaft Kent, England). Die Europazentrale befindet sich in Nanterre (Frankreich).

Tarkett Osteuropa (TEE - Tarkett Eastern Europe)

Hervorgegangen aus einem Joint Venture mit der serbischen Sintelon, bedient die Division TEE alle Märkte in Osteuropa, wozu auch alle GUS-Staaten gehören. Die Division betreibt eigene Produktionen in Serbien, Russland und der Ukraine sowie ein umfassendes Vertriebsnetz. Zentrale: Backa Palanka, Serbien

Tarkett Nordamerika (TNA - Tarkett North America)

Die Hauptstandorte in Nordamerika sind im kanadischen Farnham (Québec) sowie im US-amerikanischen Chagrin Falls (Ohio), wo auch produziert wird. Teilweise werden auch Produkte von TWE (z.B. Linoleum) importiert. Zentrale: Chagrin Falls, Ohio, USA

Fieldturf Tarkett (FTTK)

Unter dem Namen "Fieldturf Tarkett" sind alle Aktivitäten um Sportbeläge zusammengefasst. Im Unterschied zu den anderen Divisionen ist FTTK überregional aufgestellt. Produziert wird in Sedan und Auchel (Frankreich) sowie in Houston (Texas, USA). Fieldturf Tarkett liefert neben normalen Sportbelägen für Sporthallen vor allem schlüsselfertige Projekte im Außenbereich mit patentiertem Kunstrasen. Zentrale: Montreal, Québec, Kanada

Zertifizierung und Diskussion um Zertifizierung[Bearbeiten]

Tarkett verkauft eine Reihe von Bodenbelägen, die verschiedene Umweltsiegel tragen. Eine von den Umweltorganisationen Telepak (Indonesien) und der Environment Investigation Agency (EIA, England) im Jahre 2006 vorgelegte Studie behauptet, dass Tarkett entgegen seiner Behauptung, FSC-zertifziertes Merbau-Holz für Parkettfußböden zu handeln, die Herkunft der Hölzer nicht belegen konnte und auch keine FSC-Zertifizierung vorliege.[8] In Malaysia sei die Holzeinschlag-Lizenz im Mai 2005 abgelaufen, das Unternehmen verkaufe trotzdem unvermindert weiter Merbau.

Die FSC-Datenbank weist heute (2012) aus, dass Tarkett MTCC zertifiziertes Merbau-Holz aus Malaysia bezieht. Für sein MSASA Parkett besitzt das Unternehmen weiterhin eine FSC Zertifizierung; das Holz stammt aus Sofala im Zentrum Mosambiks.[9] Die Tarkett Holding GmbH selbst ist heute ebenfalls FSC zertifiziert, was eine durchgehende Chain of Custody (Produktkettenzertifizierung) gewährleisten soll.[10]

Folgende Tarkett Bodenbeläge wurden mit dem Blauen Engel ausgezeichnet: Linoleum xf, Laminatfußboden (außer Laminat-Akustik Produkte)[11]

Folgende Tarkett Bodenbeläge wurden mit dem Cradle to Cradle Silver-Zertifikat ausgezeichnet: Tarkett Linoleum, Tarkett Parkett. [12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.raumausstattung.de/business/detail-seriennummer-5030.htm
  2. http://www.hri.org/news/europe/midex/2006/06-12-08.midex.html#09 European Commission Spokesman's Briefing for 8. Dezember 2006
  3. (PDF; 331 kB) Capital Finance, 6 Nov 2006, S. 6 Informationsbrief der Groupe Les_Échos (franz.)
  4. Pressemitteilung von KKR vom 23. Okt 2006 (engl.)
  5. http://www.floorbiz.com/BizNews/NPViewArticle.asp?cmd=view&articleid=1449 Pressemeldung (engl.)
  6. http://www.iib.ru/eng/about/heads/deconinck.html Porträt Aufsichtsrat II-Bank
  7. http://boerse.lycos.de/lycos/news.htm?blank=0&id=25839527&r=0&sektion=branchen&awert=chemie&u=0&p=0&k=0 Lycos 5. Juli 2006 Bodenbelaghersteller Tarkett und Gerflor vor Verkauf
  8. Jago Wadley, Pallavi Shah and Sam Lawson: Behind the veneer. How Indonesia’s Last Rainforests are being Felled for Flooring. 2006 ISBN 0-9540768-2-6 pdf 0,8 MB
  9. http://www.fsc-info.org/vcontroller.aspx?Path=8169df4f-9562-4163-922c-f6870e6d47a5&PK_Person=31180ac7-5341-4226-bb2f-28762d731e1c&NoLayout=True&n=1
  10. http://www.fsc-info.org/vcontroller.aspx?Path=8169df4f-9562-4163-922c-f6870e6d47a5&PK_Person=d397c7cd-f769-48fc-b5d1-5091676f0344&NoLayout=True&n=1
  11. http://www.blauer-engel.de/de/produkte_marken/markensuche/marke.php?brand=Tarkett
  12. http://epea-hamburg.org/index.php?id=69&L=4