Tarkhan

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Tarkhan (alttürkisch Tarqan;[1] mongolisch: Darkhan;[2][3] persisch ‏ترخان‎; chinesisch 達干; arabisch ‏طرخان‎; alternative Schreibweisen Tarkan, Tarkhaan, Tarqan, Tarchan, Tarxan, Tarcan oder Targan) ist ein antiker zentralasiatischer Titel, der von verschiedenen indo-europäischen (z.B. iranischen, tocharischen) und turko-mongolischen Völkern Zentralasiens, insbesondere während des Mittelalters in den Nachfolgestaaten des Mongolenreiches verwendet wurde.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Ursprung des Wortes ist unbekannt. Historiker sehen es entweder als (ost-)iranischen,[4][5][6] türkischen,[1][7] oder mongolischen Ursprungs an.

R. Frye vermutet, das Wort sei „wahrscheinlich dem Sogdischen fremd“ und vielleicht als Lehnwort aus dem Türkischen anzusehen. Dennoch weist G. Dörfer darauf hin, dass das Wort einen Plural bildet, der dem Türkischen fremd sei. Das Singularwort tarxan wird im Plural zu tarxat. Dies deutet auf eine nicht-türkische Herkunft hin.[8] L. Ligeti zieht denselben Schluss und fügt hinzu, dass „tarxan und tegin [Prinz] den völlig un-türkischen Plural tarxat und tegit“ bilden und dass das Wort den mittelalterlichen west-türkischen Sprachen wie Bolgarisch unbekannt ist.[9] Daher sei es wahrscheinlich, dass das Wort vom mittelalterlich-mongolischem darqat (das mongolische Plural-Suffix ist -at) herstammt, was wiederum vom ursprünglich sogdischem *tarxant („steuerbefreit“) stammen könnte.[8] A. Alemany weist außerdem darauf hin, dass das verwandte ostiranisch/skythische (und alanische) Wort *tarxan immer noch in der Ossetischen Sprache als tærxon („Streit, Prozess“) und tærxon kænyn („Recht sprechen“) vorzufinden ist.[6]

Sicher ist, dass Tarkhan nicht mit dem türkisch-mongolischem Königstitel Khan/Khagan verwandt ist.[4]

Das Wort wurde in andere Sprachen übernommen, z.B. armenisch tʿarxan, georgisch t’arxani und russisch тархан.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Titel wurde von zahlreichen iranischen (Sogdier, Hotanesen und Hephthaliten) und türkisch-mongolischen Völkern Zentralasiens und anderen Steppenvölkern benutzt, z.B. als hoher militärischer Rang in der Armee des Tamerlan. Tarkhane befehligten Einheiten und waren in etwa Generale. Sie konnten auch als militärische Statthalter eroberter Provinzen eingesetzt werden.

Die Göktürken übernahmen wahrscheinlich den Titel Darqan (mongolische Schreibweise) von den mongolisch-sprachigen Rouranern oder Awaren.[10] Die Tarkhane besaßen das Privileg, die Yurte des Khagans ohne Voranmeldung zu betreten und wurden normalerweise bis in die neunte Generation für begangene Straftaten begnadigt.

Wie viele Titel taucht Tarkhan (türkische Schreibweise) auch als Vorname auf, unabhängig vom gesellschaftlichen Rang der Person, was in einigen Fällen die Zuordnung erschwert. Zum Beispiel erwähnen arabische Quellen oft einen "Tarkhan, König der Chasaren". Ob dies eine ungenaue Beschreibung eines hohen Militärs oder der Name des Chasaren-Khagans selbst ist, bleibt unklar. Der Name wird heute noch gelegentlich in türkisch- und arabischsprachigen Ländern benutzt.

Im Mongolenreich war der Darkhan von Besteuerung, Fronarbeit und Heeresfolge ausgenommen. Dschingis Khan machte alle seine Gefolgsleute, die ihm beim Aufstieg geholfen hatten, im Jahr 1206 zu Darkhanen. Die Familien der Darkhane spielten eine entscheidende Rolle bei Nachfolgestreitigkeiten in der Yuan-Dynastie und dem Ilkhanat. Abaqa Khan (1234–1282) machte einen Inder zum Darkhan nachdem er seine Mutter und deren Gefolge sicher von Zentralasien nach Persien geleitet hatte. Ein reicher persischer Händler wurde von Ghazan zum Darkhan ernannt. In Russland übertrugen die Khane der Goldenen Horde wichtige Aufgaben den Darkhanen.

Ein Tarkhan begründete die Tarkhan-Dynastie, die Nordindien zwischen 1554 und 1591 beherrschte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b A Study of the Ancient Turkic "TARQAN" (PDF; 136 kB), Han-Woo Choi, Handong University
  2. Leland Liu Rogers – The Golden Summary of Cinggis Qayan: Cinggis Qayan-u Altan Tobci, S.80
  3. Paul Ratchnevsky – Genghis Khan: his life and legacy, S.82
  4. a b Qarīb, Badr-az-Zamān. 1995. Sogdian dictionary: Sogdian – Persian – English. Tehran: Farhangan Publ.
  5. Central Asiatic Journal, O. Harrassowitz, 1993, Nummer 37, University of Michigan
  6. a b Agustí Alemany, Sources on the Alans, Brill Academic Publishers, 2000
  7. Frye, Richard N., "Tarxun-Turxun and Central Asian History", Harvard Journal of Asiatic Studies, Band 14, Nummer 1/2 S. 105–129
  8. a b G. Doerfer, Mongolo-Tungusica, O. Harrassowitz, 1985, University of Virginia.
  9. L. Ligeti, Researches in Altaic languages, e. A. Kiadó, 1975, University of Michigan, S. 48
  10. Pelliot – Neuf Notes, S.250