Tarnów

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Tarnów
Wappen von Tarnów
Tarnów (Polen)
Tarnów
Tarnów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kleinpolen
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 72,40 km²
Geographische Lage: 50° 1′ N, 20° 59′ O50.01263888888920.988333333333Koordinaten: 50° 0′ 46″ N, 20° 59′ 18″ O
Einwohner: 112.120
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 33-100 bis 33-110
Telefonvorwahl: (+48) 14
Kfz-Kennzeichen: KT
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KrakauRzeszów
Nächster int. Flughafen: Krakau-Balice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 72,40 km²
Einwohner: 112.120
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1549 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1263011
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Ryszard Ścigała
Adresse: ul. Nowa 4
33-100 Tarnów
Webpräsenz: www.tarnow.pl

Tarnów [ˈtarnuf] (deutsch: Tarnau) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Kleinpolen in Polen. In den Jahren 1975 bis 1998 war sie Hauptstadt der Woiwodschaft Tarnów.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Tarnów stammt aus dem Jahre 1124. Die Stadtrechte wurden am 7. März 1330 durch Spicymir Leliwita nach Magdeburger Recht verliehen. Im selben Jahr wurde auch die heute nur noch als Ruine existierende Burg fertiggestellt. In dieser Zeit kamen zahlreiche deutsche Siedler aus Krakau und dem heutigen Nowy Sącz (deutsch Neu Sandez) nach Tarnów. 1376 wurde zum ersten Mal eine Kirche erwähnt. Die ersten Juden ließen sich im 15. Jahrhundert nieder. Im 16. Jahrhundert kamen zahlreiche Schotten, darunter Familien mit Namen wie Dun, Huyson und Nikielson, die im Fernhandel tätig waren. Über mehrere Jahrhunderte war Tarnów eine Privatstadt, bis der letzte Eigentümer Fürst Eustachy Sanguszko 1787 auf die Regierungsgewalt verzichtete.

Nach der Ersten Teilung Polens im Jahre 1772 gehörte Tarnów zu dem von Österreich besetzten Teil. Im Jahre 1785 wurde das Bistum Tarnów gegründet. 1846 gab es einen Bauernaufstand gegen die Habsburgermonarchie. Im Jahre 1856 erhielt die Stadt Anschluss an die Karl-Ludwigs-Eisenbahnstrecke (Krakau-Lemberg). Die Stadt hatte 1860 24.627 Einwohner, von denen 11.349 Juden waren. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war Tarnów eine bedeutende Handelsstadt im damaligen österreichischen Kronland Galizien. Der größte Industriebetrieb war eine Landmaschinenfabrik. Mit einer theologischen Lehranstalt, einem bischöflichen Seminar, einer Lehrerbildungsanstalt und einem Obergymnasium war die Stadt außerdem ein wichtiger Bildungsstandort.

Im Mai 1915 kam es im Raum zwischen Tarnów und Gorlice zur Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnów, die mit einer der schwersten Niederlagen der Kaiserlich Russischen Armee im Ersten Weltkrieg endete.

Am 14. Juni 1941 wurde von der Gestapo der erste Gefangenentransport mit überwiegend christlichen Polen ins KZ Auschwitz zur Entlastung der örtlichen Gefängnisse geschickt. Von den 728 Gefangenen dieses Transports überlebten nur etwa 200 den Zweiten Weltkrieg. Während der Shoa im Zweiten Weltkrieg wurden von den deutschen Besatzern etwa 20.000 polnische Juden in einem Sammellager gefangen und ermordet, und tausende wurden von hier aus in Vernichtungslager deportiert, vor allem nach Belzec. Dieses Sammellager/Ghetto wurde im September 1943 „liquidiert“. Große Teile der Stadt wurden zerstört. Die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee erfolgte am 18. Januar 1945.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert zählte die Stadt etwa 1.200 Einwohner und etwa 200 Häuser; nach der Plünderung der Stadt durch die schwedischen Truppen im Jahre 1655 ist die Einwohnerzahl von etwa 2.000 auf unter 800 gesunken. Im Jahre 1870 betrug die Einwohnerzahl 21.779, Tarnów war drittgrößte Stadt Galiziens nach Lemberg und Krakau. Im Jahre 1939 gab es fast 40.000 Einwohner, ungefähr die Hälfte davon waren Juden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tarnauer Altstadt

Museen[Bearbeiten]

  • Das Diözesanmuseum (pl. Muzeum Diecezjalne w Tarnowie)
  • Das Museum der Region Tarnów (pl. Muzeum Okręgowe)

Bauwerke[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen unter anderem:

  • Die Kathedrale St. Maria (pl. Najświętszej Maryi Panny), seit dem Jahre 1972 Basilica minor. Sie wurde im 14. Jahrhundert gebaut und im 15. bis zum 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut.
  • Der Marktplatz mit dem Rathaus aus dem 15. und 16. Jahrhundert und zahlreichen Bürgerhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert
  • Die Überreste der Synagoge Bima aus den 17. bis 19. Jahrhundert

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Öffentliche Personennahverkehr wird vom stadteigenen Unternehmen Miejskie Przedsiębiorstwo Komunikacyjne Spółka z o.o. w Tarnowie mit Buslinien abgewickelt. In den Jahren von 1911 bis 1942 verfügte Tarnów über eine Straßenbahn.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Zu den bedeutendsten Unternehmen der Stadt zählen:

Bildung[Bearbeiten]

In der Stadt sind folgende Hochschulen tätig:

Periodika der Theologischen Fakultät[Bearbeiten]

Die Tarnowskie Studia Teologiczne (Tarnower theologische Studien) erscheinen seit 1938 halbjährlich. Die Hefte enthalten Übersetzungen, Kommentare und Rezensionen polnischer und ausländischer Publikationen. Chefredakteur: Andrzej Michalik.[3]

Seit 2011 erscheint halbjährlich The Person and the Challenges, eine Zeitschrift zur Verbreitung internationaler Forschungsarbeiten und Untersuchungen in den Bereichen Theologie, Bildungs- und Erziehungswesen, Kanonisches Recht und Sozialwissenschaften mit Beiträgen in deutsch, englisch, französisch, italienisch und spanisch. Chefredakteur: Józef Stala.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Salo W. Baron (1895–1989), Historiker an der Columbia University, Begründer der Jewish Studies (Forschung zum Judentum) in den USA
  • Adolphe Basler (1876-1951), polnisch-französischer Autor, Kunstkritiker und Galerist
  • Józef Bem (1794–1850), polnischer General und Freiheitskämpfer
  • Stella Bloch (1897–1999), US-amerikanische Journalistin, Autorin, Zeichnerin und Tanzhistorikerin
  • Charles Denner (1926–1995), französischer Schauspieler
  • Michał Kubisztal (* 1980), polnischer Handballspieler
  • Krystyna Kuperberg (* 1944), Mathematikerin
  • Felicia Langer (* 1930), Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin
  • Agata Mróz-Olszewska (1982–2008), polnische Volleyballspielerin
  • Anny Ondra (eigentlich Anna Sophie Ondráková; (1903–1987)), deutsch-tschechische Schauspielerin
  • Abraham Salz (1866–1942), Zionist und Führer der Chowewe Zion
  • Stanisława Starostka (* 1917), Kriegsverbrecherin und Funktionshäftling
  • Jan Amor Tarnowski (1488–1561), polnischer Großhetman der Krone
  • Wilhelm Wolff (1809–1864), Publizist und enger Weggefährte von Karl Marx

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Jan Szczepanik (1872–1926), polnischer Chemiker und Erfinder, wurde in Tarnów begraben.

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tarnów – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 24. Juni 2014.
  2. http://www.wt.diecezja.tarnow.pl/
  3. http://www.wt.diecezja.tarnow.pl/index.php/tarnowskie-studia-teologiczne
  4. http://www.wt.diecezja.tarnow.pl/index.php/the-person-and-the-challenges/30-the-person-and-the-challenges/57-the-person-and-the-challenges-deutsch