Tarot

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Dieser Artikel erläutert die Geschichte der Tarot-Spielkarten und deren als „Kartenlegen“ bezeichnete Verwendung. Für weitere Bedeutungen siehe Tarot (Begriffsklärung).

Tarot (maskulinum oder neutrum, ausgesprochen [ta'ro:][1]) ist ein 78-Blatt-Kartensatz, der zu psychologischen Zwecken und als Wahrsagekarten verwendet wird. Er wird eingeteilt in die 22 großen Arkana und die 56 kleinen Arkana. Arcanum steht lat. für ‚Geheimnis‘, es leitet sich von arca ab, welches ‚Kiste‘ bedeutet (was in einer Kiste liegt, ist von außen unsichtbar, und damit geheim).

Die Geschichte der im Artikel Tarock gesondert behandelten Tarotspielkarten war bis Ende des 18. Jahrhunderts mit den als Deutungswerkzeug benutzten Tarots identisch. Seitdem enthalten Decks, welche explizit als Deutungswerkzeuge gedacht sind, zunehmend symbolische Inhalte.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes Tarot[Bearbeiten]

Gesichert ist folgendes: Das Wort Tarot stammt aus dem Französischen und ist der Name eines Kartenspieles, welches auch Tarocchi (italienisch), Tarock (deutsch) oder Troccas (rätoromanisch) genannt wird.[2] Bei der italienischen, deutschen und rätoromanischen Bezeichnung heißen die Trümpfe ebenso: Bsp. Das Wort Tarocchi ist gleichbedeutend mit dem Wort Trumpf. Im französischen Sprachraum ist dies nicht der Fall. Ob nun Tarot dieselben Wurzeln hat wie Tarocchi und Tarock, kann nicht restlich aufgeklärt werden. Einige Autoren gehen von einer gemeinsamen Herkunft aus, denn die Namen Taraux und Tarocchi erscheinen erstmals im Jahre 1505 parallel sowohl in Frankreich als auch in Ferrara, Italien, andere frühe Erwähnungen folgten in Ferrara.[3] Andere Autoren verweisen auf die Möglichkeit, dass das Wort vom französischen tarotée abstammen könne, was übersetzt kariert heißt und so auf die Kartenrückseite verweist.[4] Eine andere Erklärung stammt ebenso aus dem französischen Sprachgebrauch: Viele Spielkarten hatten häufig eine silberne Umrahmung mit einem spiralförmigen Band aus feinen Punkten. Diese Punkte oder Löcher wurden tares genannt. Karten mit solchen tares wurden dann tarots genannt.[4]

Die Unsicherheit der Wortherkunft führte bei Esoterikern zu weiteren unwissenschaftlicheren Deutungen:

So wies angeblich der französische Gelehrte Wilhelm Postel im 16. Jahrhundert darauf hin, dass die vier Buchstaben T-A-R-O auf einer Kreislinie geschrieben ein Endloswort ergeben: T-A-R-O-T. Startet man bei R, erhält man R-O-T-A, was entweder lateinisch Rad heißt oder auch der Begriff für das höchste römische Gericht in der katholischen Kirche (römische Kurie) ist, welches ein ordentliches päpstliches Gericht für Berufungen in kirchlichen Prozessen darstellt und sich vorwiegend mit Ehesachen beschäftigt (nach dem Rad-Mosaik des Sitzungssaales). Entgegengesetzt der Lesrichtung ergeben sich das Wort T-O-R-A, welches das als heilig betrachtete Buch unter anderem im Judentum ist, oder O-R-A-T, was für die Glaubensrichtlinie der christlichen Religionen steht (lat.: „er/sie/es betet“).[5] Jedoch erscheint dieses Schlüsseldiagramm nur in der 1646er-A.-von-Frankenberg-Ausgabe von Postels Clavis; es erscheint in keiner Edition, die zu Postels Lebzeiten veröffentlicht wurde (erste Ed. 1547).[6]

Geschichte der Spielkarten[Bearbeiten]

Nach einer Legende des französischen Mystikers Papus ist der Tarot im alten Ägypten entstanden: Das alte ägyptische Reich stand einst vor einigen tausend Jahren vor der Bedrohung, zerstört zu werden. Die Weisen des Landes berieten deshalb, wie das jahrtausendealte Wissen des Reiches vor der Zerstörung bewahrt werden könne.

Der Vorschlag, es in Zeichen und Symbolen in die Wände der Pyramiden einzumeißeln, wurde verworfen, da auch die stärksten Mauern von Menschenhand erbaut und vergänglich seien. Auch der Vorschlag, die zehn weisesten und klügsten Köpfe des Landes in die Geheimnisse einzuweihen, die es dann anderen weitergeben könnten, fand keine Zustimmung, da schon oft aus einem Weisen ein Narr geworden sei.

So einigte man sich darauf, das Wissen und die Weisheit dem Laster anzuvertrauen, da dieses alle Schwankungen und Veränderungen der Zeit überdauere. So ging man daran, das gesamte Wissen in Bildern auf Spielkarten zu zeichnen, die dann dem Volk übergeben wurden, damit es seinen Lastern und Leidenschaften fröne.[7]

Tatsächlich gibt es keine Beweise für die Annahme, der Tarot beruhe originär auf ägyptischen oder hebräisch-kabbalistischen Weisheitslehren.

Aus dem Visconti-Sforza Tarot

Spielkarten sind in Europa seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt, wie sich aus urkundlichen Erwähnungen von 1367, Bern, und etwas später ergibt. Sie scheinen sich sehr schnell über ganz Europa verbreitet zu haben, wie man aus Erwähnungen schließen kann, die sich meist auf Verbote des Kartenspiels beziehen. Über die Gestaltung und die Anzahl dieser Karten ist nur wenig bekannt, wesentliche Information gibt allein ein Text des Johannes von Rheinfelden 1377 aus Freiburg im Breisgau, der neben anderen Versionen als grundlegendes Spiel das immer noch geläufige 4x13-Blatt nennt, wobei hauptsächlich König, Ober und Unter („Marschälle“) als Hofkarten genannt werden, aber Damen oder Königinnen auch schon bekannt sind.

Es wird vermutet, dass zunächst aus der islamischen Welt im 14. Jahrhundert ein Satz von 52 Spielkarten nach Europa kam, der aus vier Farben bestand und den Karten der kleinen Arkana entspricht. Die Herkunft der 22 Karten der großen Arkana ist keineswegs „ungeklärt“ (widersprüchlich zu vielen Internetverlautbarungen und Tarotbüchern), sondern in vielen Details dokumentiert und bekannt.

Weit vor diesem Zeitpunkt (die oben genannte Jahreszahl 1505, in der Taraux und Tarocchi, nicht aber Tarot erwähnt wird) sind jedoch schon sehr viele Tarotkarten und Tarot-ähnliche Kompositionen entweder als tatsächliche Spielkartenblätter oder durch Dokumente belegt – nur die Bezeichnung Tarot fehlte. Stattdessen wurde der Begriff Trionfi benutzt (in unterschiedlichen Formen – triumphi, ludus triumphorum etc.). Das älteste „Trionfi-Spiel“ (es wurde allerdings erst im Jahre 1449 so genannt) entstand im Zeitraum 1418–1425, vermutlich 1424/1425, und war zugleich das vielleicht teuerste aller Zeiten und kostete 1500 Dukaten (dieser Preis wird 1447 genannt). Es ist von drei verschiedenen Quellen belegt: einem Begleitbuch, das spätestens 1425 verfasst wurde und das Spiel beschreibt, einem Brief von 1449, der Erwerb und Versand des Spiels zum Gegenstand hat, und der Notiz in einer Vita des Filippo Maria Visconti 1447, der den unglaublich anmutenden hohen Preis nennt. Das Spiel hatte (vermutlich) insgesamt 60 Karten, und 16 von ihnen zeigten griechische Gottheiten und damit keineswegs Motive, die man generell den Tarotkarten zuordnet. Der Maler ist bekannt: Michelino da Besozzo, den manche seiner Zeitgenossen für den besten Maler ihrer Zeit hielten. Das Spiel selbst ist verloren gegangen.[8]

Die älteste Benutzung des Wortes Trionfi in Zusammenhang mit Spielkarten ist für Februar 1442 in Ferrara belegt, als der Maler Sagramoro (schon vorher mit Spielkartenaufträgen beschäftigt), Geld für die Produktion von vier Trionfi-Blättern empfing.[9] Ein anderes früheres Dokument vom 1. Januar 1441 benutzt den Ausdruck Trionfi noch nicht, es scheint sich beim produzierten Gegenstand (Sagramoro ist wieder der Maler) aber um 14 spezielle Karten zu handeln, die „Trionfi-Karten-Charakter“ haben.[10] Im Oktober 1441 wird eine Trionfi-Karten-Produktion zu einer Hochzeit vermutet – diese Karten haben sich teilweise erhalten (67 Karten) und befinden sich heute im Cary-Yale-Museum (als Visconti di Modrone oder Cary-Yale Tarocchi bezeichnet).[11][12] Es hatte – soweit erkennbar – nur teilweise Trumpf-Motive, die im sogenannten Standard-Tarot benutzt werden, und es wich von der Standard-Struktur ab (es gab zusätzliche Hofkarten, weibliche Pagen und weibliche Ritter). Aus spezifischen Gründen wird vermutet, dass dieses Spiel eine 5x16-Struktur hatte.[13]

Ein weiteres Spiel (Brera-Brambilla-Tarocchi) ist ebenfalls dieser frühen Periode zuzuordnen, da sich aber nur zwei Trümpfe erhalten haben, liefert dieser Fund nur wenig Information.

In allen dieser frühen Erwähnungen und noch vorhandenen Produkten (1424/1425 und 1441/1442) ist entweder der Mailänder Herzog Filippo Maria Visconti (1392–1447) verwickelt oder dessen Tochter Bianca Maria, die im Winter 1440/1441 zu einem halbjährigen Besuch in Ferrara weilte[14] und anscheinend die Spiel- und Gestaltungs-Idee dorthin transportierte.

Nach diesen frühen Erwähnungen folgen weitere Dokument-Notizen zu Trionfi-Spielen erst im Jahre 1450 und kurz darauf, dann aber gehäuft und gleich an mehreren Orten parallel (aus diesem Zusammenhang kann vermutet werden, dass das eigentliche Tarotspiel in diesen beiden fürstlichen Familien - Este in Ferrara und Visconti in Mailand - seinen Anfang fand).

1450 wird es für Mailand, Ferrara und Florenz erwähnt und im Jahre 1452 in Siena. Im gleichen Jahr zeigt Sigismondo Malatesta (Rimini) Interesse an einer Trionfikarten-Produktion in Cremona (gehörte zu Mailand und war eine persönlich bevorzugte Stadt der Herzogin Bianca Maria Visconti). Ein überliefertes Spiel, das sogenannte Pierpont-Morgan-Bergamo-Tarocchi (auch: Visconti-Sforza-Tarocchi) wird diesem Jahr 1452 zugeordnet und es diente lange als Argument, dass das Tarotspiel zu diesem Zeitpunkt nun vollständig sei. In der Komposition fehlen nur vier Karten insgesamt und von 22 Sonderkarten nur zwei – man nahm an, dass vier Karten verloren gingen (von den Originalen befinden sich 35 in der Pierpont Morgan Library, 26 in der Accademia Carrara, 13 in der privaten Sammlung der Familie Colleoni in Bergamo; der Teufel, der Turm, die Drei der Schwerter und der Ritter der Münzen fehlen).

Nähere Analysen ergaben jedoch, dass dieses Spiel von zwei verschiedenen Künstlern produziert wurde, 6 der 20 Trumpfkarten stammen von anderer, späterer Hand. Lange Zeit hat man diesen Umstand mit „verloren gegangen“ und „ersetzt“ interpretiert – heute tritt als alternative Ansicht daneben, dass es nur ein Spiel mit 5x14-Struktur gab, das später erweitert wurde.[15] Ein (späteres) Dokument von 1457 spricht eindeutig von 70 (= 5x14) Trionfi-Karten, nicht von 78.[16]

Der Schritt zum Spiel mit 22 Trumpfkarten, dem heutigen Standard-Spiel mit Turm und Teufel wird für die Periode 1460–1470 vermutet.[17] Vermutlich erst in dieser späten Periode fand das Spiel zur Massenproduktion – eine Entwicklung, die die zunehmende Verbreitung von Druck- und Vervielfältigungstechniken in dieser Zeit in Italien begleitete. Im Zeitraum 1490–1510 entwickelte sich in Lyon (Frankreich) eine erfolgreiche Spielkarten-Export-Struktur, das Tarot als Spiel nahm an dieser Entwicklung teil.

Michael Dummett zitiert in seinem Buch The Game of Tarot den Kartenforscher Allmande: „Die Wiederauferlegung der Steuer im Jahre 1622 provozierte einen neuen Protest von den ‚maistres et ouvriers de cartes et tarotz‘ von Lyon im Jahre 1623, welche sagten, dass einige schon in die Schweiz oder nach Besançon ausgewandert sind, um der Steuer zu entfliehen, und, ganz besonders, dass der Herzog von Savoyen schon viele Kartenmacher an Turin und Chambéry verloren hat. Den Lyoneser Kartenmachern, glücklicher als ihre Kollegen in Rouen, gelang es, die Steuer für Lyons im Jahre 1623 rückgängig zu machen.“[18] Ihre Gesetze wurden im Jahre 1650 verbessert; Artikel 9 bezog sich weiter auf den taros.[19][20]

Tarot (Tarock, Tarocchi) als Spiel wurde ein international verbreitetes Erfolgsprodukt im 18. Jahrhundert, das Interesse ließ im 19. Jahrhundert wieder nach. Um so erfolgreicher wurde die Benutzung als Wahrsageinstrument, die Ende des 18. Jahrhunderts einsetzte und gegenwärtig ihre höchste Blüte hat.

Die schriftliche esoterische Tradition der Tarot-Karten beginnt erst 1781, als Antoine Court de Gébelin, ein Schweizer Geistlicher und Freimaurer, das Buch Le monde primitif, analysé et comparé avec le monde moderne veröffentlichte; eine populäre Abhandlung über religiöse Symbole und ihren modernen Gebrauch. Gébelin wies als Erster auf die Symbole des Marseiller Tarots hin, die er als Zeichen der Mysterien der ägyptischen Gottheiten Isis und Thot deutete. Beweise dafür konnte die Ägyptologie nicht liefern, dennoch ist diese Theorie auch heute noch weit verbreitet.

Einflussreicher war die „Entdeckung“ des Tarots durch okkultistisch-esoterische Gesellschaften, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den westlichen Nationen entstanden. Vor allem Éliphas Lévi in seinem 1854 veröffentlichten Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (dt.: Transcendentale Magie) sowie der von ihm beeinflusste Hermetic Order of the Golden Dawn (‚Hermetischer Orden der goldenen Morgenröte‘; im Folgenden: Golden Dawn) haben maßgeblich zur Verbreitung des Tarots als Deutungssystem beigetragen. Insbesondere im Golden Dawn wurde viel Wert auf den Tarot als Werkzeug der Selbsterkenntnis gelegt. Eine rein divinatorische Nutzung des Tarots lehnten beide ab.

Auf Lévi geht auch maßgeblich die Zusammenführung des Tarots mit Elementen der Kabbala und den vier Elementen der Alchemie zurück. Gébelins Idee des ägyptischen Ursprungs des Tarots behalten sowohl Lévi als auch der Golden Dawn bei.

Innerhalb des Golden Dawns war das Tarotdeck von Oswald Wirth (1889) sehr einflussreich; dieses Deck enthält nur die großen Arkana. Es beruht auf dem Marseille-Tarot, erweitert diesen aber um kabbalistische und esoterische Symbole. Sowohl Arthur Edward Waite als auch Aleister Crowley (siehe unten) waren Mitglieder des Golden Dawn.

Der Aspekt des Tarot als Initiationsweg wurde zum ersten Mal im Golden Dawn intensiv betont und lässt sich zum Beispiel anhand des Rider-Waite-Tarot studieren (zu den einzelnen Decks siehe unten). Noch stärker tritt er beim Crowley-Thoth-Tarot zu Tage, das deutliche Bezüge zum Ordo Templi Orientis (OTO) aufweist. Crowley weist im Book of Thoth darauf hin, Teile der Symbolik könnten nur durch OTO-Mitglieder bestimmter Grade erfasst werden.

Tarot-Decks[Bearbeiten]

Als Satz oder Deck bezeichnet man eine zusammengehörige, vollständige Ausgabe der Tarotkarten. Es gibt mehrere hundert solcher Decks, welche sich teilweise nur in Details, teilweise aber sehr erheblich voneinander unterscheiden. Insbesondere neuere oder spezielle Decks werden häufig in Kombination mit einem erläuternden Buch angeboten.

Gelegentlich werden auch Kartensätze als Tarot angeboten, deren Struktur und Abbildungen mit dem eigentlichen Tarotsystem nichts zu tun haben, so z. B. Lenormandkarten, Kipperkarten oder Wahrsagekarten anderer Systeme.

Ein Tarot-Deck besteht zumeist aus 78 Karten. Diese Zahl entspricht der Summe der ersten zwölf Zahlen (1+2+3+4+5+6+7+8+9+10+11+12 = 78). Da die Zahl 12 für Vollständigkeit steht, wird die Zahl 78 als das große Ganze angesehen. Einige wenige Decks weichen von dieser Zahl ab, so hat z. B. das Universal-Tarot von Maxwell Miller nur 74 Karten, da sich der Künstler aus astrologischen und numerologischen Gründen entschloss, die Pagen-Karten zu entfernen. Außerdem gibt es Ausgaben, welche aus 80 Karten bestehen, da beim Druck der Karten die Papierbögen 80 Karten ergeben. Gelegentlich werden daher die beiden überzähligen Karten mit weiteren Bildern, bei einigen Ausgaben des von Aleister Crowley entworfenen Thoth-Decks z. B. mit verworfenen Entwürfen für den Magier, bedruckt. Manche Deutungssysteme beziehen diese Karten, die vom Schöpfer des Decks nicht als Teil des Decks betrachtet wurden, in die Auslegung mit ein. Weiterhin gibt es einige Decks, die lediglich aus den 22 Trumpfkarten der großen Arkana bestehen.

Die 78 Karten teilen sich in die sogenannte große und kleine Arkana, gelegentlich auch „das große und kleine Arkanum“ genannt (von lat. arcanum ‚Geheimnis‘). Mehr zu den Arkana und den einzelnen Karten weiter unten.

Die drei bekanntesten und einflussreichsten Decks sind das Marseille-, das Rider-Waite- und das Crowley-Tarot.

Die Hohepriesterin im Marseille-Tarot

Marseille-Tarot[Bearbeiten]

Dem heutigen Tarot de Marseille sehr ähnliche Decks stammen bereits aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Das heute als Marseille-Tarot bekannte Deck stammt aus dem Jahre 1760 und kommt aus der Kartenmanufaktur von Nicolas Conver aus Marseille. Die Bilder gehen auf alte Holzstiche zurück, und sind lediglich in blau, rot, gelb und grün koloriert. Dadurch wirken sie sehr „alt“ und oft grobschlächtig. Trotzdem erinnert diese Farbkonstellation an die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde, die von tragender Bedeutung auch im heutigen Tarot sind. Die Karten des kleinen Arkanums enthalten lediglich die entsprechende Anzahl der Symbole in den italienischen Farben.

Ein aus dieser Tradition entwickeltes Deck ist das Tarot de Besançon bei dem die Karten Die Päpstin und Der Papst in Jupiter und Juno umbenannt wurden. Dies gilt auch für das Nachfolgedeck namens 1JJ. Mit diesem werden die Schweizer Tarock-Varianten gespielt – Troccas im romanischsprachigen Teil des Kantons Graubünden und Troggu im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis.

Ein anderes Deck, welches sich in ihrer Ausführung eng an das Marseille-Tarot anlehnt, ist das oben erwähnte Oswald-Wirth-Tarot.

Rider-Waite-Tarot[Bearbeiten]

Dieses Tarot wurde 1910 veröffentlicht. Es wurde geschaffen von Arthur Edward Waite zusammen mit der amerikanischen Künstlerin Pamela Colman Smith. Beide waren Mitglied des Golden Dawn. Das Rider des Namens leitet sich von Rider & Son, dem Londoner Verleger, ab. Dieses Deck ist zwar etwas feiner gezeichnet als das Marseille-Deck, es benutzt aber ebenfalls nur sehr wenige Farben und wirkt ob der fehlenden Nuancen auf viele Menschen etwas comichaft.

Das Rider-Waite-Tarot zeichnete sich dadurch aus, dass es nicht wie bis dahin üblich die Zahlenkarten nur mit der bloßen Anzahl der Symbole, sondern in Anlehnung an das Sola-Busca-Tarot aus dem 15. Jahrhundert die Zahlenkarten szenisch illustriert.[21] Dadurch wurden diese Karten für viele Menschen leichter nutzbar. Diese Änderung soll allerdings mehr auf Pamela Colman Smith als auf Waite selber zurückzuführen sein, da Waite in seinem Buch zu diesem Deck, Der Bilderschlüssel zum Tarot[22], die kleinen Arkana nur sehr oberflächlich, fast abschätzig betrachtet.

Es gibt von keinem Deck so viele Nachahmungen. Die sogenannten Rider-Waite-„Klone“ beschränken sich dabei auf die reine Wiedergabe des Motivs, lediglich mit anderen künstlerischen Mitteln, z. B. das Universal-Waite Tarot, das Cosmic Tarot und das New Palladini Tarot, aber auch das Gummibärchen-Tarot, in welchem die dargestellten Personen durch Gummibärchen ersetzt sind. Eine Übersicht der bekannteste Rider-Waite-Klone findet sich auf [23].

Das Rider-Waite Deck illustriert auch zahlreiche Bücher, ebenso gibt es zu keinem anderen Deck soviel Literatur.

Crowley-Tarot (Thoth-Tarot)[Bearbeiten]

Lady Frieda Harris und Aleister Crowley erschufen diese teilweise ägyptisierenden Tarotkarten in den 1940er-Jahren. Sie wurden 1944 zunächst in Form von Buchillustrationen im Book of Thoth[24] veröffentlicht. Gemalt wurden die Karten von Harris im Zeitraum von fünf Jahren. Sie hatte bei der Gestaltung weitgehend freie Hand und besaß zeitlebens die Urheberrechte. Erst 25 Jahre später wurde das Crowley-Tarot im Jahr 1969 als Kartendeck herausgebracht. Crowley legte im Buch Thoth eine detaillierte Beschreibung und Systematik zugrunde (Basierend auf Samuel Liddell Mathers).

Crowleys Ruf als Schwarzmagier begünstigte den gelegentlich erhobenen Vorwurf, Tarot sei ein Werkzeug von Magiern oder Satanisten. Ungeachtet dessen ist dieses Deck populär und inspirierte zahlreiche Decks. Diese Popularität beruht auf der von vielen Menschen als ästhetisch empfundenen Darstellung und auf dem Reichtum enthaltener Symbole.

Heutzutage finanziert sich der amerikanische Caliphats-OTO unter William Breeze hauptsächlich durch die Tantiemen des Crowley-Tarots. So wurde 1998 von der Schweizer Spielkartenfirma Mueller AG in Schaffhausen ein diesbezüglicher Vertrag mit dem Caliphats-Geschäftsführer William Breeze unterzeichnet.[25]

Decks, die auf das Crowley-Tarot zurückgehen, sind das Haindl-Tarot, das Cosmic-Tribe-Tarot und das Liber-T-Tarot von Roberto Negrini und Andrea Serio.

Unterschiedliche Decks[Bearbeiten]

Tarot-Decks gibt es in großer Vielfalt. Sie unterscheiden sich vor allem durch ihre zugrundeliegenden kulturellen, esoterischen, spirituellen oder philosophischen Systeme und durch ihre künstlerische Gestaltung. Decks, die weit von den oben genannten Tarot-Traditionen abweichen, oder völlig unabhängig von ihnen sind, werden im Weiteren freie Decks genannt. Systeme, die sich in vielen Decks wiederfinden, sind Kabbala, Astrologie, das I Ging und Runen.

Der von Antoine Court de Gébelin behauptete altägyptische Ursprung des Tarots [26] ist Ursache einer relativ großen Anzahl „ägyptischer“ Decks. Ebenso gibt es etliche Decks, welche indigene amerikanische Kulturen, beispielsweise die Maya-Kultur, zum Thema haben. Es gibt keltische Decks, japanische, chinesische, afrikanische, und so weiter. Häufig beziehen sich Decks auch auf mehr als eine Kultur, so stellen die Hofkarten des Haindl-Tarots jeweils eine indianische, eine alt-ägyptische, eine europäische und eine indische Familie aus mythologischen Figuren dieser Kulturen dar. Eine Sonderform dieser Art von Decks sind die feministischen Decks, von denen das Daughters of the Moon und das Motherpeace-Tarot die bekanntesten sind. Diese beiden Decks bestehen aus runden Karten, während nahezu alle anderen Decks aus rechteckigen Karten bestehen.

Andere Decks haben als Grundlage ihrer Darstellungen die Werke von Künstlern, oder bestimmte künstlerische oder literarische Traditionen oder Werke. So gibt es ein Shakespeare-Tarot, ein William-Blake-Tarot, ein Dürer-Tarot, ein Bosch- und ein Brueghel-Tarot und so weiter. Eine besondere Art von Künstler-Decks sind solche Decks, die von bildenden Künstlern als Tarot-Decks selbst entworfen wurden, so vor allem das Dalí-Deck, der Tarotgarten von Niki de Saint Phalle, das Tarotdeck Hansruedi Gigers (Große Arkana) und der Haindl-Tarot sowie das Tarotdeck Manaras. Auch gibt es Decks, die für besondere Fragestellungen gedacht sind, wie zum Beispiel das Tarot der Liebe.

Das kabbalistische Tree-of-Life Deck setzt die Kenntnis der Kabbala und Astrologie voraus. Das Tree-of-Life-Tarot enthält keine der sonst üblichen plakativen szenischen Motive, sondern bildet lediglich die entsprechende abstrakte Symbolik der kabbalistischen Sephiroth und des Zodiak ab, basierend auf der Zuordnung des Golden Dawn.

Paul Foster Case, Mitglied im Golden Dawn-Nachfolger "Alpha Omega" gewesen, gründete nach seinem Zerfall in den USA den Orden B.O.T.A, in dem das Studium des Tarot zentraler Teil des Lehrplans ist, sowie ein eigenes, von Jessie Burns Parke ausgeführtes und dem Waite-Deck ähnliches Tarot. Es muss vom Benutzer selber coloriert werden.

Weiterhin gibt es viele thematische Decks, wie beispielsweise ein Edelstein- und ein Baum-Tarot. Thematische Decks ohne esoterischen Bezug sind beispielsweise das Baseball-Tarot, das Cat People-Tarot, das Halloween-Tarot oder das Vampir-Tarot.

Tarot-Decks mit Bezug zur Populärkunst sind das Alice im Wunderland-Tarot, das Oz-Tarot, das Marvel-Tarot [27][28] oder das Herr-der-Ringe-Tarot. Auch einige Pen-&-Paper-Rollenspiele benutzen eigene Tarot-Decks, zum Beispiel die Serie Mage. Zum Manga Card Captor Sakura gibt es ein Deck aus 52 sogenannten Clow-Cards.

Im Diskordianismus gibt es Entwürfe für ein aus 73 Karten (23 Trümpfe und je 5 Zahl- und 5 Themenkarten für jedes der 5 diskordischen Elemente) bestehendes „freies“ Set[29], das völlig anders strukturiert ist als die klassischen Systeme und die diskordische Dada-Mystik aufnimmt. Eine gedruckte Version gibt es davon bislang nicht.

Erklärungsmodelle[Bearbeiten]

Es gibt grundsätzlich zwei Erklärungsmöglichkeiten dafür, warum das Ergebnis einer Tarot-Lesung Relevanz für die Beantwortung einer Frage haben kann. Die eine ist esoterisch-spirituell, die andere psychologisch.

  • Die esoterisch-spirituelle oder auch magische Erklärung stützt sich auf den von Carl Gustav Jung geprägten Begriff der Synchronizität und versteht diesen als das gleichzeitige oder zeitnahe Auftreten zweier Ereignisse, die in einem inhaltlich sinnvollen, aber nicht kausalen Zusammenhang stehen. Es besteht nach diesem Erklärungsmodell also eine Parallelität zwischen dem, was in einer Legung dargestellt wird, und Ereignissen im Leben des Fragenden.
  • Die psychologische Erklärung sieht in einer Tarotlegung lediglich ein projektives bzw. assoziatives Verfahren; einen Spiegel innerer und äußerer Prozesse. Das Tarotbild wird quasi als ein visuelles Gleichnis zur eigenen Situation erlebt.[30] Nach dieser Erklärung zeigen die Tarotkarten grundlegende, typische menschliche Erfahrungen, die beim Anblick eine subtile emotionale Reaktion hervorrufen, wenn das abgebildete Thema mit der eigenen Befindlichkeit korrespondiert. In diesem Licht kann der Tarot Werkzeug zur Selbsterkenntnis, zum Aufspüren un- oder vorbewusster Gefühle dienen, er wird zum Spiegel des eigenen Selbst. Solchermaßen entmystifiziert wird das Tarot von einigen Psychologen auch im therapeutischen Kontext genutzt.

Die großen Arkana[Bearbeiten]

Die großen Arkana bestehen aus 22 Karten, deren Sinnbilder sich von den Bildern der Spielkarten völlig unterscheiden. Während diese Karten im ältesten bekannten Deck, dem Visconti-Tarot, unnummeriert sind, sind 21 dieser Karten seit den Vorläufern des Marseille-Tarot aus dem 16. Jahrhundert nummeriert. Die Karte des Narren trägt traditionell entweder keine Zahl, oder sie wird mit der Null, in seltenen Fällen mit der Zahl 22 gekennzeichnet. In einigen wenigen Decks wird die Karte des Narren auch zwischen oder nach den anderen Karten des großen Arkanums eingeordnet, und dann auch entsprechend nummeriert, oder er wird in der Tradition von Papus, Eliphas Levi und A. E. Waite als Null zwischen den Karten XX und XXI eingeordnet.

Diese 22 Karten wurden im vorletzten Jahrhundert von Oswald Wirth mit der Bedeutung als „Einweihungsstufen“ belegt und später von Elisabeth Haich in ihrem Tarotbuch[31] als „22 universelle Stufen des Bewusstseins“ bezeichnet. In diesen Bereich gehören die Decks nach Oswald Wirth, der Waite-Tarot (Arthur Edward Waite) und vor allem der Marseille-Tarot. Jedem Tarotblatt wird hier ein Buchstabe des hebräischen Alphabets zugeordnet.

Die 22 Trumpfkarten[Bearbeiten]

Untenstehend der Vergleich der Nummerierung und Bezeichnung der Karten in den drei einflussreichsten Decks, und als Beispiel für ein freies Deck das Tarot der Ursprünge, ein Deck mit einem urgeschichtlichen oder steinzeitlichen Thema. Bei einigen Decks trägt der Narr die Nummer XXII.

Nummer Marseille Tarot Rider-Waite Tarot Thoth Tarot (Crowley) Tarot der Ursprünge
0 Le Fou - Le Mat
Der Narr
Der Narr
(im Original: The Fool)
Der Narr
(im Original: The Fool)
Der Narr
1 Le Bateleur
Der Magier, Gaukler
Der Magier
(im Original: The Magician)
Der Magier
(im Original: The Magus)
Der Magier
2 La Papesse
Die Päpstin
Die Hohepriesterin
(im Original: The High Priestess)
Die Hohepriesterin
(im Original: The Priestess)
Die Große Mutter
3 L' Impératrice
Die Herrscherin
Die Herrscherin
(im Original: The Empress)
Die Kaiserin
(im Original: The Empress)
Die Mutter
4 L' Empereur
Der Herrscher
Der Herrscher
(im Original: The Emperor)
Der Kaiser
(im Original: The Emperor)
Der Vater
5 Le Pape
Der Papst
Der Hierophant
(im Original: The Hierophant)
Der Hohepriester
(im Original: The Hierophant)
Der Schamane
6 L'Amoureux
Die Liebenden
Die Liebenden
(im Original: The Lovers)
Die Liebenden
(im Original: The Lovers)
Die Verbindung
7 Le Chariot
Der Triumphwagen
Der Wagen
(im Original: The Chariot)
Der Wagen
(im Original: The Chariot)
Der Wagen
8 La Justice
Die Gerechtigkeit
Kraft *
(im Original: Strength *)
Ausgleichung
(im Original: Adjustment)
Der Überfluss
9 L' Ermite
Der Einsiedler
Der Eremit
(im Original: The Hermit)
Der Eremit
(im Original: The Hermit)
Der Eremit
10 La Roue de Fortune
Rad des Lebens
Rad des Schicksals
(im Original: Wheel of Fortune)
Glück
(im Original: Fortune)
Die Zeit
11 La Force
Die Kraft
Gerechtigkeit *
(im Original: Justice *)
Lust
(im Original: Lust)
Die Schaffenskraft
12 Le Pendu
Der Gehängte
Der Gehängte
(im Original: The Hanged Man)
Der Gehängte
(im Original: The Hanged Man)
Das Opfer
13 La Mort **
Der Tod
Tod
(im Original: Death)
Tod
(im Original: Death)
Der Tod
14 Tempérance
Der Ausgleich
Mäßigkeit
(im Original: Temperance)
Kunst ***
(im Original: Art ***)
Die Quelle
15 Le Diable
Der Teufel
Der Teufel
(im Original: The Devil)
Der Teufel
(im Original: The Devil)
Der Dämon
16 La Maison Dieu
Der Turm
Der Turm
(im Original: The Tower)
Der Turm
(im Original: The Tower)
Der Menhir
17 L' Étoile
Der Stern
Der Stern
(im Original: The Star)
Der Stern
(im Original: The Star)
Der Stern
18 La Lune
Der Mond
Der Mond
(im Original: The Moon)
Der Mond
(im Original: The Moon)
Der Mond
19 Le Soleil
Die Sonne
Die Sonne
(im Original: The Sun)
Die Sonne
(im Original: The Sun)
Die Sonne
20 Le Jugement
Das Gericht
Gericht
(im Original: Judgement)
Das Aeon
(im Original: The Aeon)
Die Beute
21 Le Monde
Die Welt
Die Welt
(im Original: The World)
Das Universum
(im Original: The Universe)
Die Welt
* Im Waite-Deck sind die Karten 8 und 11 ausgetauscht worden, ** In den meisten Marseille-Blättern trägt die Karte 13 gar keinen Titel, *** Crowley benannte die Karte 14 um

„Die Reise des Helden“[Bearbeiten]

Eine erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommene, mittlerweile jedoch weit verbreitete Interpretation der großen Arkana bringt diese mit der archetypischen Heldenreise in Verbindung. Wie jede Interpretation des Tarots ist auch diese nicht verbindlich; und für einige unkonventionellere Decks wäre sie auch nicht anwendbar. Da aber selbst Kritiker, die ihren Wert als Interpretation bestreiten, ihr zugestehen, dass sie eine gute Möglichkeit ist, sich die Reihenfolge und die grundlegende Bedeutung der Karten zu merken, ist eine Variante hier kurzgefasst aufgeführt:

Die Reise tritt der Narr an, der wie ein kleines Kind offen für alle und alles ist, aber sich auch um Gefahren noch keine Gedanken macht. Magier und Hohepriesterin verkörpern das handelnde, nach außen gerichtete und das kontemplative, nach innen gerichtete Prinzip; die beiden Ur-Richtungen menschlichen Lebens. Mutter und Vater werden verkörpert von Herrscherin und Herrscher, wobei die Herrscherin das Prinzip der uneingeschränkten Fülle und des Lebens vertritt, und der Herrscher das ordnende und schützende Prinzip. Der Papst oder Hierophant verkörpert das tradierte Wissen oder Buchwissen, auch, aber nicht nur, in spirituellen Dingen. Diese Karten stellen die Kindheit des Helden dar. Das Ende der Kindheit bedeutet auch den Wunsch nach Partnerschaft und Liebe (die Liebenden) und der Wunsch, die Heimat zu verlassen und neues zu erfahren (der Wagen).

Die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, bringen ein Empfinden für Gerechtigkeit und deren Notwendigkeit hervor, oder, folgt man Waites Reihenfolge, die Kraft für weitere Taten. Der Einsiedler steht dem Reisenden mit Rat zur Verfügung, und ist gleichzeitig Hinweis auf die Möglichkeit, Erkenntnis nicht (nur) durch Handeln, sondern (auch) durch Kontemplation zu gewinnen. Der Nutzen dieser Möglichkeit erschließt sich dem Reisenden, wenn er durch die Drehung des Schicksalsrads die Möglichkeit zum aktiven Handeln verliert und/oder ihm ein bestimmtes Ziel gesetzt wird. Durch diese Wendung des Schicksals erhält der Reisende die Kraft, oder, nach Waite, die Einsicht in die Notwendigkeit der Gerechtigkeit, um als der kopfüber Gehängte die Reise in die Dunkelheit einer Unterwelt (und/oder sein eigenes Inneres) anzutreten. Der Tod steht für den Übergang von der äußeren Welt in die Innen- oder Unterwelt. Erste Erkenntnis ist dann die Notwendigkeit der Mäßigung, des Ausgleichs und Austauschs zwischen widerstrebenden Kräften.

Der Teufel steht für Illusionen, die den Reisenden zunächst blenden und gefangenhalten; oft die scheinbare Erfüllung einer Sehnsucht. Diese Illusionen werden durch den Fall des Turmes zerstört, und in der Karte des Sterns findet der Reisende das Ziel seiner Suche und/oder seine innere Ruhe und sein inneres Gleichgewicht. Allerdings muss er jetzt die Rückreise in die äußere Welt antreten. Diese Reise unter dem Zeichen des Mondes ist allerdings eine gefahrenvolle, man denke an Orpheus, der seine wiedergefundene Frau auf der Rückreise endgültig verlor. Erreicht der Reisende die Oberwelt und damit das Sonnenlicht wohlbehalten wieder, ist die gefährliche Reise durch die Unterwelt beendet, das endgültige Ziel jedoch noch nicht erreicht. Zunächst stellt die Karte des Gerichts noch ein letztes Hindernis dar, so wie beispielsweise Odysseus noch die Werber um Penelope loswerden musste. Erst die Karte der Welt stellt das endgültige Ziel der Reise dar, die letztendlich die Reise zur eigenen Vervollkommnung ist; die Entwicklung zu einem Menschen, der sich sowohl seiner äußeren als auch seiner inneren Kräfte bewusst wird, und diese auch einsetzen kann.

Eine etwas andere und sehr ausführliche Variante der großen Arkana als Reise des Helden findet sich unter anderem in Tarot und die Reise des Helden[32].

Das Tarotblatt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tarotblatt
O - Der Narr 
Unbeschwertheit, Sorglosigkeit, Leichtigkeit, Leichtsinnigkeit, Lebendigkeit, Lebenslust, Unbefangenheit
I - Der Magier 
Meisterung und gute Handhabung aller Energien, Verbindung zwischen Ideenwelt und Realität, Ausgewogenheit, Klarheit, Ideen und schöpferische Kraft
II - Die Hohepriesterin 
Intuition, beide Seiten einer Situation sehen oder sich ansehen müssen, Klärung der Situation und deren Vergangenheit, auch Klugheit und Umsicht
III - Die Herrscherin 
innere Kraft und Stärke, Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein, innerer Reichtum, Fruchtbarkeit, Durchsetzungskraft
IV - Der Herrscher 
äußere Kraft und Stärke, Selbstbeherrschung und -kontrolle, Wille, Stabilität
V - Der Hierophant 
Religiosität, Güte, Gnade, Beistand höherer Macht, erfahrener Rat, Lehre
VI - Die Liebenden 
Innige Verbindung, Liebe im höchsten Ausmaß, eine harmonische Liebesbeziehung, starke Verbundenheit, Leidenschaft, Anziehungskraft, Reiz.
VII - Der Wagen 
Erfolg trotz derzeitiger Stagnation, Suche nach dem rechten Weg, Ausruhen nach dem Erfolg, Entscheidungsnotwendigkeit, Triumph, errungener Sieg
VIII - Die Gerechtigkeit 
Fairness, Verantwortlichkeit, Regelung von öffentlichen Angelegenheiten, Gerechtigkeit, Richterspruch (auch im eigenen Inneren)
IX - Der Eremit 
die Suche nach dem eigenen Lebensweg, Isolation und Resignation, Distanz, Abgeschiedenheit, Weisheit, Einsamkeit, Reifezeit
X - Das Rad des Schicksals 
Das Leben geht immer weiter, Schicksal, größerer Erkenntnisprozess, Wechsel, Auflösung alter Erblasten, einschneidende Veränderungen.
XI - Die Kraft 
große Kraft und Stärke, Mut, Energiereserven, innere geistige Kraft, Selbstvertrauen, gute körperliche Konstitution u.a.
XII - Der Gehängte 
Ruhephase, Verzicht, Rückzug aus dem aktiven Leben, Unterwerfung, Verschnaufpause, Überdenken der eigenen Situation, gedankliche Bindung.
XIII - Der Tod 
Transformatorischer Prozess, großer, tiefgreifender Loslösungsprozess, Verlust, Loslösung von alten Bindungen
XIV - Die Mäßigkeit 
im Fluss sein, guter, gemäßigter Energiehaushalt, Geduld, Gleichklang der Energien, Ausgewogenheit, Abwägen der Prioritäten
XV - Der Teufel 
Abhängigkeit, feste Grenzen, das Negative überwiegt, Versuchung, an die Materie geschmiedet
XVI - Der Turm 
drastische Veränderungen, Zusammenbruch des Egos, alte Systeme stürzen ein, Auseinandersetzung, innere Unruhe, Durchleben von stürmischen Zeiten
XVII - Der Stern 
Offenheit, Klarheit der Gefühle, Bereitschaft zur Aufnahme von kosmischen Energien, Erfüllung, Hoffnung, eine kleine Erleuchtung
XVIII - Der Mond 
Das Erwachen der Gefühle, Grenzen müssen überschritten werden, intuitives Verständnis, kontinuierlicher Wandel, den jetzigen Weg weitergehen
XIX - Die Sonne 
Beachtung des inneren Kindes, große Offenheit, Reinheit, Zufriedenheit, Problembereinigung, Selbstbestätigung, Liebe zu sich selbst
XX - Das Gericht 
Auferstehung, Neubeginn, das Hören auf innere und äußere Botschaften, Beginn einer neuen Phase, Wiederkehr, das Ende von Leidenszeiten steht bevor
XXI - Die Welt 
Entfaltung der Persönlichkeit, Erreichen eines wichtigsten Zieles, starke Selbsterkenntnis, das Gefühl, alles zu haben, was notwendig ist, Erfüllung, innere Freiheit, Entfaltungsmöglichkeiten eröffnen sich, Selbstausdruck

Die kleinen Arkana[Bearbeiten]

Die kleinen Arkana (auch: kleines Arkanum) bestehen aus vier mal vierzehn Karten in vier unterschiedlichen Farben oder Reihen, die jeweils aus zehn Zahlenkarten (1 (=Ass) bis 10) und vier meist Hofkarten genannten Karten bestehen. Einzelne Decks verändern diese Anzahl, wie das obengenannte Universal-Tarot. Einige wenige Decks nummerieren entweder die Karten von 1 bis 14 durch, oder verzichten sogar auf Farben, und nummerieren diese Karten von 1 bis 56 durch. Es ist allerdings teilweise umstritten, ob es sich bei solchen Decks noch in jedem Fall um Tarot-Karten handelt, oder bereits um eigene Deutungssysteme.

Farben und Elemente[Bearbeiten]

Das Prinzip der Farben der Zahlenkarten ist aus normalen Kartenspielen bekannt. Sie sind beim Tarot identisch mit den Farben italienischer, spanischer und portugiesischer Kartendecks. Bei Letzteren werden die vier Farben moderner, normaler Kartenspiele nach wie vor mit den alten Namen bezeichnet, auch wenn das entsprechende, ursprüngliche Symbol nicht mehr vorhanden ist: Karo wird Ouros (‚Gold‘), Kreuz Paus (‚Stäbe‘), Herz Copas (‚Kelche‘) und Pik Espadas (‚Schwerter‘) genannt. In verschiedenen Kartensystemen entsprechen sich die Bezeichnungen wie folgt:

Tarot Französische Karten Deutsche Karten
Schwerter Pik Blatt
Kelche Herz Herz
Stäbe Kreuz Eichel
Münzen Karo Schellen

Es gibt gewisse Variationen in der Benennung der Farben; wobei bei „freien“ Decks der Variationsmöglichkeit nur wenige Grenzen gesetzt sind. Meist aber werden die vier Farben mit den vier klassischen Elementen, also Feuer, Wasser, Luft, Erde assoziiert. Gelegentlich wird ein fünftes Element, Leben oder Geist angenommen, das dann mit dem großen Arkanum assoziiert wird. Entsprechend wird verfahren, wenn nicht auf die europäische vier-Elemente-Lehre, sondern auf die chinesische Fünf-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz) bezug genommen wird; dies ist vor allem bei Decks mit einem asiatischen Thema der Fall.

Die häufigsten Benennungen und Zuordnungen, sowie die des Tarot der Ursprünge als Beispiel für ein freies Deck. Die Zuordnung im Crowley-Tarot entspricht der klassischen Zuordnung (Rider-Waite), nur dass die Münzen als Scheiben bezeichnet werden.

Element Tarot
Rider-Waite
Tarot
alternativ
Tarot der
Ursprünge
typische Bedeutung
Feuer Stäbe Äste, Stöcke Natur Wille, Kraft, Intuition
Wasser Kelche Schalen, Kessel Seele Emotion, Instinkt
Luft Schwerter Dolche, Messer Blut Denken, Intellekt
Erde Münzen Pentakel, Scheiben Schmuck Materie, Praktisches

Die häufigste Variation dieser Zuordnung ist die Assoziation der Schwerter mit Feuer und der Stäbe mit Erde. Dies erscheint einleuchtend, denn die Stäbe wachsen aus der Erde, die Schwerter werden im Feuer geschmiedet. Auch werden die Münzen/Pentakel dem Element Luft zugeordnet. Dies leuchtet ebenfalls ein, da Münzen in Form von Geld als Tauschmittel der Flüchtigkeit unterworfen sind.

Die 16 Hofkarten[Bearbeiten]

Die sogenannten Hofkarten sind meist vier Karten, welche eine Person mit dem Symbol der Farbe darstellen. Traditionell sind dies König, Königin, Ritter und Page. Man kann mit einiger Berechtigung sagen, dass diese Karten den größten Wandel unter den Tarotkarten durchgemacht haben, sowohl was ihre Bedeutung als auch ihre Darstellung betrifft.

Der Bedeutungswandel und die Vielfalt der Bedeutungen lassen sich auch an den sich vielen Variationen der Bezeichnungen der einzelnen Karten ablesen; wobei sehr viele der freien Decks hier von den großen Traditionen abweichen.

Marseille-Tarot
Rider-Waite-Tarot
König Königin Ritter Page oder Bube
Golden Dawn
Crowleys Thoth-Tarot
Ritter Königin Prinz Prinzessin
Haindl-Tarot Vater Mutter Sohn Tochter
Tarot der Ursprünge Mann Frau Tier Kind
Shining Woman/Tribe Sprecher Gabe Wissende/r Ort

Personenzuordnung[Bearbeiten]

Anfänglich symbolisierten die Hofkarten lediglich Personen, etwa wie folgt:

  • König der Stäbe = Rothaariger älterer Mann
  • Ritter der Kelche = Blonder junger Mann
  • Königin der Schwerter = Brünette Frau
  • Page der Münzen = Schwarzhaariges Kind

In einem Wahrsagesystem ergeben Karten, die etwa Eine blonde Frau bedeuten, durchaus Sinn. In einem System, welches der (Selbst-)Erkenntnis dient, wäre jedoch eine Karte, welche etwa Die Macht der Gefühle bedeuten kann, wesentlich sinnvoller. Auch mit der zunehmenden Verbindung der großen Arkana mit Archetypen schwand die Notwendigkeit weiterer Karten, die Personen repräsentieren (können).

Auch in den meisten neueren Interpretationen können Hofkarten noch Personen darstellen, wenngleich eine Interpretation bezüglich des Alters oder gar der Haarfarbe weitestgehend aufgegeben wurde zugunsten der Eigenschaften von Personen; auch repräsentieren Hofkarten, wenn sie Personen repräsentieren sollen, meist Personen jeden Geschlechts, nicht nur des Dargestellten.

Elementezuordnung[Bearbeiten]

Daneben aber stellen die Hofkarten häufig die unterschiedlichen Einflüsse oder Anwendungen der Elemente dar. Es war zunächst der Golden Dawn, der den Hofkarten die vier Elemente zugeordnet und ihnen auch neue Namen gab:

  • König/Ritter = Feuer
  • Königin = Wasser
  • Ritter/Prinz = Luft
  • Page/Prinzessin = Erde

Daraus ergibt sich beispielsweise, dass der König/Ritter der Stäbe Feuer vom Feuer ist, die Karte also unter anderem ausgesprochene Willenskraft und Dynamik symbolisiert. Der König/Ritter der Münzen dagegen ist nach diesem System Feuer der Erde und steht unter anderem für den Willen, materielle Dinge zu erreichen. Wie üblich beim Tarot gibt es auch Systeme, welche die Zuordnung anders vornehmen. Dies ist allerdings die häufigste.

Die meisten heutigen Tarot-Systeme benutzen eine Mischung aus diesen beiden Systemen, in unterschiedlichen Gewichtungen, was die Hofkarten grade für Anfänger oft zu den am schwierigsten zu erlernenden Karten macht.

Alternative Deutung[Bearbeiten]

Einen gänzlich anderen Ansatz stellte Rachel Pollack 1994 im Shining Women Tarot[33] vor. Dort ist die Darstellung als Personen gänzlich aufgegeben worden, und die Hofkarten heißen Ort, Wissende/Wissender, Gabe und Sprecher des Elements der jeweiligen Farbe. Der Ort repräsentiert etwa das Potential des Elements, oder einen Ort der Begegnung mit dem Element. Der Wissende steht für das Verständnis des Elements, und dessen Bedeutung für das eigene Leben. Die Gabe kann für ein vertieftes Verständnis des Elements stehen oder dafür, dass man ein Geschenk dieses Elements enthält; bei den Stäben (Feuer) beispielsweise etwa die Kraft, etwas bestimmtes zu tun. Und der Sprecher schließlich steht für die Fähigkeit, das Element aktiv anwenden zu können, oder dessen Energie an andere weitergeben zu können.

Die 40 Zahlenkarten[Bearbeiten]

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Zahlenkarten zu interpretieren. Die eine Möglichkeit ist, die Bedeutung des Elements (Farbe) mit der numerologischen Bedeutung der Zahl zu verknüpfen; die andere ist es, jeder einzelnen Zahlenkarte eine eigene Bedeutung zuzuweisen. Meist beruhen diese eigenständigen Bedeutungen aber mindestens teilweise auf der Kombination von Element und Bedeutung der Zahl; oder sie haben sich aus solchen Deutungen entwickelt. Bei Decks oder Systemen, in denen dies nicht der Fall ist, sind Gemeinsamkeiten nicht zu entdecken. Aus diesem Grunde beschränkt sich dieser Artikel auf eine kurze Darstellung der Methode der Kombination aus Element und Bedeutung der Zahl. Der Zahlenwert 1 entspricht den Ass-Karten.

Kabbalistische Zuordnung[Bearbeiten]

Es gibt sehr viele numerologische Systeme, welche sich teilweise erheblich widersprechen. Die häufig im Tarot verwendeten Systeme beruhen auf der kabbalistischen Interpretation der zehn Sephiroth des Baum des Lebens.

Zusammenfassung der Bedeutungen der Zahlen nach diesem System, sowie ein konkretes Beispiel:

1 - Kether - Krone Die Notwendigkeit des Geistes, sich zu offenbaren
Essenz, Same, Wurzel, undifferenziertes Potential
Der Gedanke, ein Haus zu bauen

2 - Chokmah - Weisheit „Am Anfang war das Wort“
Beginn, die Trennung, welche die Kommunikation ermöglicht, Richtung
Erste Gespräche über diesen Plan

3 - Binah - Verstehen Das Wort wurde gesprochen, nun muss es verstanden werden
Synthese, Harmonie, erstes Abstecken von Grenzen
Einigung über die grundlegenden Fragen (z.B. Größe, Preis)

4 - Chesed - Liebe Die erste Verwirklichung und das erste Erkennen von Beschränkungen
Verdichtung, Stabilität
Gespräche mit Architekten, Banken, Behörden

5 - Geburah - Strenge Die Erkenntnis der (eigenen) Stärke
Macht der Zerstörung, Stärke die zu Veränderungen bewegt
Erste Schwierigkeiten (z.B. mit der Baugenehmigung) und deren Überwindung

6 - Tiphareth - Essenz Der manifeste Plan oder die offenbarte und verstandene Wahrheit
Selbst und Selbstbewusstsein, Harmonie
Das Ende der Planung und das Legen des Grundsteines

7 - Netzach - Sieg Die Auffächerung von Aktivitäten durch Gefühle
Kreativität, Anarchie
Der eigentliche Beginn des Baus mit dem unvermeidlich folgenden Chaos

8 - Hod - Glanz Die Unterscheidung durch Gliederung und Einordnung
Anwendung von Logik und Verstand, Gerechtigkeit und Anpassung
Der Bau des Hauses geht ordentlich und zügig vonstatten.

9 - Yesod - Fundament Die Grundlage aller manifester Erscheinungen
(Gedankliche) Vollendung, Reflexion
Das Richtfest

10 - Malkuth - Königreich Die Idee erlebt ihre Verwirklichung
Das Ende einer Sache (und gleichzeitig der Beginn einer neuen)
Das Haus steht endlich und erwartet den Umzug

Aus diesen Bedeutungen der Zahlen können sich zusammen mit den jeweiligen Elementen sehr unterschiedliche Interpretationen der einzelnen Karten ergeben. So steht die Zehn der Kelche (also Wasser=Emotionen) etwa für die Erfüllung und das Glück, die Zehn der Schwerter (Luft=Intellekt) hingegen unter anderem Überreaktionen, Panik, einen Tiefpunkt und/oder den Untergang.

Verbindung zu anderen esoterischen Systemen[Bearbeiten]

Das Tarot ist ursprünglich ein genuines europäisches esoterisches System. Allerdings gibt es spätestens seit den Schriften des Golden Dawn viele sehr synkretistische Ansätze bei der Interpretation des Tarots. Es dürfte nur wenige religiöse, spirituelle und esoterische Systeme geben, die nicht irgendjemand einmal mit dem Tarot in Verbindung brachte. Der Sinn solcher Verbindungen ist dabei häufig allerdings umstritten.

Weitestgehend unumstritten, auch da mittlerweile bereits traditionell, sind die Verbindungen zwischen Alchemie, Kabbala, und Astrologie und dem Tarot. Im Folgenden sind lediglich die häufig in Bezug auf den Tarot verwendeten Teile dieser Systeme beziehungsweise ihre Verbindung zum Tarot dargestellt; dies ist keine Einführung in die Systeme selbst.

Alchemie[Bearbeiten]

Aus der Alchemie hat der Tarot vor allem die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft und ihre Bedeutung übernommen. Ebenso wird das Tarot häufig, analog zur alchemischen Suche nach dem Stein der Weisen, als ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis und Selbstvervollkommnung verstanden.

Numerologie[Bearbeiten]

Nahezu alle Systeme verwenden numerologische Methoden bei der Interpretation der Karten.

Bei der Interpretation der großen Arkana werden häufig numerologische Methoden herangezogen, meist aber nur simple Methoden, um eine Verbindung der Karten untereinander herzustellen. Ein Beispiel: Die Karten 1 - Der Magier und 2 - Die Hohepriesterin haben einen direkten numerologischen Bezug zur 3 - Die Herrscherin, zur 12 - Der Gehängte und zur 21 - Die Welt. Letzteres wird dahingehend interpretiert, dass sowohl die Beherrschung des handelnden, nach außen gerichteten Prinzips des Magiers, als auch die des kontemplativen, nach innen gerichteten Prinzips der Hohepriesterin notwendig sind, um sein volles menschliches Potential ausschöpfen zu können.

Bei der Interpretation der Zahlenkarten werden meistens komplexere numerologische Systeme verwendet, die den Zahlen 1-10 jeweils eine bestimmte Bedeutung zuweisen. Problematisch allerdings ist die Tatsache, dass es sehr viele numerologische Systeme gibt, die sich teilweise erheblich widersprechen. Allerdings beruhen die meisten im Tarot verwendeten Systeme auf der kabbalistischen Interpretation der zehn Sephiroth des Baum des Lebens.

Beim Legen der Karten wird häufig die Summe oder Quersumme der gelegten Karten benutzt, um beispielsweise die „Essenz“ oder die „Summe“ der Legung festzustellen. Auch die sogenannten Geburtskarten oder Persönlichkeitskarten oder ähnliche werden in vielen Systemen durch numerologische Methoden ermittelt.

Kabbala[Bearbeiten]

Obwohl vermutlich unterschiedlichen Ursprungs, gibt es eine Theorie, die eine Beziehung zu den jüdischen esoterischen Lehren der Kabbala herstellen möchte.

Die auf das Tarot angewandten kabbalistischen Lehren entstammen zumeist einer langen Tradition der christlich/westlichen Rezeption der Kabbala. Studenten der jüdischen Kabbala weisen häufig auf Widersprüche zwischen dieser christlichen Tradition und der ursprünglichen jüdischen Kabbala und ihrer Weiterentwicklung hin.

Jüdische Kreise benutzen daher die Quersumme der 78 Tarotkarten um eine Beziehung zwischen den Sephiroth des kabbalistischen Baum des Lebens und der jeweiligen Tarot-Karte herzustellen.

Ein Beispiel: Die Karte TOD (XIII. Tarotkarte) hat die Quersumme 4 (= 1+3) und wird demzufolge der vierten Sephira Geburah (hebr. ‚Strenge‘) zugeordnet (nach der ‚Tarot-Zuordnung‘). So können alle 78 Karten bis auf die Karte Der NARR (Zahl ‚Null‘), die allein der obersten Sephirah (alias Kether) zugehörig ist, zugeordnet werden.

In vielen Ausrichtungen werden die Wege zwischen den zehn Welten [alias ‚Sephiroth‘] des Lebensbaums – es sind nicht zufällig 22 Stück – mit den 22 Großen Arkana des Tarots verbunden. Das ist zwar assoziativ möglich, aber inhaltlich wenig sinnig. Die 22 Wege zwischen den zehn Welten des Lebensbaums werden von den Buchstaben des Hebräischen Alphabets eingenommen – es sind wiederum 22 Stück. Die 22 Großen Arkana des Tarots werden den zehn Welten und nicht den 22 Wegen innerhalb des Lebensbaums zugeordnet.[34]

Der kabbalistische Baum des Lebens Die Sephiroth Tarot-Zuordnung
TreeOfLive wNo.png I - Kether - Krone
II - Chokmah - Weisheit
III - Binah - Verständnis
IV - Chesed - Barmherzigkeit
V - Geburah - Strenge
VI - Tiphareth - Harmonie
VII - Netzach - Sieg
VIII - Hod - Glanz
IX - Yesod - Fundament
X - Malkuth - Königreich
0 - Kether - Krone
I - Chokmah - Weisheit
II - Binah - Verständnis
III - Chesed - Barmherzigkeit
IV - Geburah - Strenge
V - Tiphareth - Harmonie
VI - Netzach - Sieg
VII - Hod - Glanz
VIII - Yesod - Fundament
IX - Malkuth - Königreich
Die arabischen Zahlen entsprechen den Nummern der großen Arkana.

Die offenkundige Verbindung hingegen zwischen der christlichen Kabbala und dem Tarot sind die 22 Verbindungen (alias ‚Pfade der Weisheit‘). Diese befinden sich zwischen den zehn Sephiroth (alias „Welten“). Der kabbalistische Lebensbaum besteht aus zehn Welten und hat zwischen ihnen 22 Verbindungen, die den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets entsprechen. Diese 22 Verbindungen können beim Tarot mit den 22 Arkana in Beziehung gesetzt werden, und die zehn Sephiroth mit den Werten der Zahlenkarten.

Astrologie[Bearbeiten]

Auch zur westlichen Astrologie werden in vielen Deutungssystemen des Tarot Verbindungen hergestellt. Ebenso gibt es einzelne Decks, die entsprechende Verbindungen zu anderen astrologischen Systemen herstellen; auf diese soll hier aber nicht eingegangen werden. Meist werden den einzelnen Karten die Tierkreiszeichen, Planeten und/oder astrologische Häuser zugeordnet, oft auch eines der vier Elemente, mit denen auch die Astrologie arbeitet. Deren Eigenschaften werden dann in die Deutung der jeweiligen Karte mit einbezogen. Allerdings herrscht keineswegs Einigkeit darüber, welches Zeichen zu welcher Karte gehört, und selbst einen Überblick zu geben würde den Rahmen des Artikels bei weitem sprengen. Daher als Beispiel nur die Zuordnung, wie sie Crowley für sein Tarot-System vornimmt.

Karte Planet /
Sternzeichen
Karte Planet /
Sternzeichen
Karte Planet /
Sternzeichen
0 Der Narr Uranus 8 Gerechtigkeit Waage 15 Der Teufel Steinbock
1 Der Magier Merkur 9 Eremit Jungfrau 16 Der Turm Mars
2 Die Hohepriesterin Mond 10 Rad des Schicksals Jupiter 17 Der Stern Wassermann
3 Die Herrscherin Venus 11 Die Kraft Löwe 18 Der Mond Fische
4 Der Herrscher Widder 12 Der Gehängte Neptun 19 Die Sonne Sonne
5 Der Hierophant Stier 13 Der Tod Skorpion 20 Das Gericht/Äon Pluto
6 Die Liebenden Zwillinge 14 Mäßigkeit Schütze 21 Die Welt Saturn
7 Der Wagen Krebs        

Auch eine der gängigen Erklärungen der angeblichen Wirksamkeit von Astrologie, die Synchronizität, haben viele Tarot-Autoren übernommen; insbesondere dann, wenn das Tarot zu divinatorischen Zwecken benutzt wird.

Weitere Systeme[Bearbeiten]

Beispiele für andere Systeme, die häufig oder gelegentlich mit dem Tarot in Verbindung gebracht werden, sind Runen, das I Ging, die keltische Mythologie, die ägyptische Mythologie, neuerdings auch Engel und viele andere mehr.

Legen und Lesen der Karten[Bearbeiten]

Vorbereitung[Bearbeiten]

Während viele Menschen sich auf das Lesen der Karten mit ausführlichen Ritualen, die etwa Kerzen, Musik und/oder Meditationen beinhalten können, vorbereiten, verzichten andere größtenteils oder völlig darauf. Eine gewisse Konzentration gilt aber allgemein als ratsam.

Deck und Legesystem sollten entsprechend der Fragestellung ausgewählt werden; dies ist jedoch, insbesondere was das Deck angeht, eine sehr subjektive Entscheidung, für die keine Regeln existieren.

Ebenfalls eine persönliche Entscheidung ist es, ob man beim Mischen der Karten bestimmten Ritualen oder Methoden folgt. Wenn man mit umgekehrten Karten arbeiten möchte, ist es notwendig, eine Methode zum Mischen der Karten zu wählen, bei der umgekehrte Karten vorkommen können; dies kann beispielsweise durch Abheben und Umdrehen von Karten geschehen.

Legesysteme[Bearbeiten]

Egal zu welchem Zweck man die Tarot-Karten deuten möchte, wenn man sich nicht darauf beschränken möchte, jeweils nur eine einzelne Karte auszuwählen, und diese zu interpretieren, benötigt man ein Legesystem. Ein Legesystem ist jedes System, in dem bestimmte Plätze bestimmt werden, und diesen Plätzen eine bestimmte Bedeutung zukommt. Ein Legesystem kann aus nur zwei Karten bestehen, andere Legesysteme beziehen mehr Karten ein, einige sogar alle 78. Als wichtig dabei gilt nicht, sich an ein bestimmtes System zu halten, sondern ein zur Fragestellung passendes auszuwählen, oder selbst eines festzulegen. Daher ist die Anzahl der möglichen Legesysteme unbegrenzt.

Als Beispiele hier ein paar bekannte Legesysteme. Die erste mit drei Karten, und einigen möglichen Bedeutungen der Positionen, und die zweite Keltische Kreuz, die am häufigsten beschriebene Legemethode.

Legen mit drei Karten[Bearbeiten]

Die einfachste Art, Karten zu legen. Soll in der Denkweise der Tarot-Praktizierenden geeignet sein, um für einen selbst Tagesvorhersagen zu treffen oder kleinere Fragen zu beantworten.

Threecards.png
  1. Vergangenheit
  2. Gegenwart
  3. Zukunft
  1. Ich
  2. Partner/in
  3. Umwelt
  1. Was spricht dafür
  2. Was spricht dagegen
  3. Was passiert, wenn ich es tue

Das keltische Kreuz[Bearbeiten]

Eines der ältesten und bekanntesten Legearten. Durch die hohe Anzahl an gelegten Karten und der umfangreichen Fragemöglichkeiten, soll sich diese sehr ausführliche Legeart für alle Fragen anbieten. Falls man unsicher sei, welche Legeart zu wählen ist, solle das keltischen Kreuz verwandt werden.

Celticcross.png
  1. Ausgangssituation
  2. Weitere Einflüsse
  3. Bewusste Aspekte (Rationales)
  4. Unbewusste Aspekte (Emotionales)
  5. Jüngere Vergangenheit
  6. Nähere Zukunft
  7. Selbst
  8. Umwelt
  9. Hoffnungen und Ängste
  10. Ergebnis
  1. Darum geht es
  2. Das kommt hinzu
  3. Das wird erkannt
  4. Das wird gespürt
  5. Das hat dahin geführt
  6. So geht es weiter
  7. So sieht es der Fragende
  8. So sehen es die anderen
  9. Das erwartet oder befürchtet der Frager
  10. Dorthin führt es

Es gibt diverse Variationen des Keltischen Kreuzes. Während das eigentliche Legemuster bei all diesen Variationen gleich ist, bestehen insbesondere hinsichtlich der Reihenfolge und Bedeutung der Karten 3-6 Differenzen.

Der Kompass[Bearbeiten]

Beim Kompass hat man eine einfache Tendenzlegung. Diese Legeart ist aber beliebig erweiterbar und kann daher zu einer sehr guten Entscheidungshilfe werden. Die Legart wird gerne verwendet, wenn man vor der Kartenlegung schon vermutet, dass neue Fragen während dieser hinzutreten werden.

Der Kompass
 1: Das ist die Frage
 2: Nahe Zukunft
 3: Andere und Umfeld
 4: Zukunft (auf längere Sicht)
 + Quintessenzkarte[35]

Das Kreuz[Bearbeiten]

Das Kreuz gibt eher eine prägnante Interpretation wieder, die häufig in die richtige Richtung weist. Die Fragestellung kann hier zahlreich umgestellt werden um somit immer neue Interpretationen der Karten zu ermöglichen. Sie wird gerne verwendet um einen Trendverlauf oder eine Tendenz zu erkennen.

Das Kreuz
 1: Die Frage
 2: Das sollte nicht getan werden
 3: Das sollten getan werden
 4: Dahin führt der Weg
  + Quintessenzkarte[35]

Das Liebesorakel[Bearbeiten]

Das Liebesorakel ist angelehnt an das Kreuz, jedoch genau zugeschnitten auf Fragen Rund um das Thema Partnerschaft. Mit der Position drei erhält man hier zudem eine Karte die auf den Partner eingeht. Hier kann man sehr genaue Legungen für alle Liebes-/ und Partnerschaftsfragen durchführen.

Das Liebesorakel
 1: Die Frage
 2: Innerliche Beweggründe 
 3: Wie der Andere dazu steht
 4: Was der Ratschlag ist 
 + Quintessenzkarte[35]

Umgekehrte Karten[Bearbeiten]

Je nachdem, wie die Karten gemischt wurden, ergeben sich unter Umständen beim Legen Karten, die auf dem Kopf stehen. Viele, vor allem neuere Tarot-Systeme drehen diese Karten einfach wieder in die „richtige“ Position. Historisch allerdings wurden diese Karten (und werden in einigen Systemen bis heute) als das genaue Gegenteil der Bedeutung der Karte interpretiert. Würde also eine bestimmte Karte in einer bestimmten Position Plötzlicher Reichtum bedeuten, bedeutet sie umgekehrt Plötzliche Armut. Dies wurde von vielen späteren Autoren allerdings als zu einseitig betrachtet. Umgekehrte Karten werden heute von den meisten Systemen so interpretiert, dass die grundsätzliche Bedeutung zutrifft, es aber einen problematischen Aspekt gibt.

Auch gibt es die Auffassung, dass die umgedrehten Karten historisch gesehen keine andere Bedeutung haben. Der Grund liegt in der Verwendung des Marseille-Decks, welches eines der ersten Tarot-Decks war. In diesem Deck sind die meisten Abbildungen so angefertigt, dass sie sich spiegeln, und es somit keine auf dem Kopf stehende Karten dabei gibt.

Wichtig ist, dass sich der Kartenleger vor dem Kartenlegen entscheidet, ob die Karten für ihn in seiner Deutung eine andere Funktion haben, wenn sie auf dem Kopf stehen. Die Mischtechnik ist entscheidend. Die übliche Mischung in der Hand kann hier keine Abweichung generieren, daher kann dieser Aspekt nur zutreffen, wenn die Karten ausgebreitet auf dem Tisch gemischt werden, nicht in der Hand.

Tarot in Literatur, Musik und Film[Bearbeiten]

  • Mike Batt veröffentlichte 1979 eine Tarot Suite mit dem London Symphony Orchestra.
  • Piers Anthony schrieb 1979/80 die Fantasy-Romane der Tarot-Trilogie.
  • Im Kapitel Licht von Gustav Meyrinks Roman Der Golem macht Hillel den anonymen Erzähler auf die Parallelen der Kabbala und des Tarots aufmerksam. Der Name Tarot soll nach der Figur Hillel vom altägyptischen Wort Tarut, ‚der Befragte‘, und dem Wort tarisk, ‚ich verlange eine Antwort‘ aus der Zendsprache abstammen[36].
  • In der Anime-Serie The Vision of Escaflowne kann die Hauptdarstellerin Hitomi mittels Tarot-Karten die Zukunft vorhersagen. Jede Folge wird mit einer anderen, thematisch bezogenen Karte begonnen.
  • Im ersten Buch des Romanzyklus Der Dunkle Turm von Stephen King wird gegen Ende dem Hauptcharakter Roland vom Mann in Schwarz ein Tarot gelegt, bei dem die drei Karten Der Gefangene, Die Herrin der Schatten und Der Tod gezogen werden.
  • In Peter Jacksons Film Braindead wird die Protagonistin Paquita durch eine Tarotlegung mit Karten des Crowley-Tarots in die Haupthandlung geführt. Dabei wird eine der Karten um das Gesicht des Hauptdarstellers erweitert und eine auf die Filmhandlung zugeschnittene Version des Trumpfes Der Stern verwendet.
  • Das dritte Buch des Romanzyklus Dune von Frank Herbert berichtet von einer Tarotwelle (ein Arrakistarot mit Bildern der Geschichte), die den Bene-Gesserit-Hexen das Wahrsagen erschwert, weil durch die Bilder des Tarot die Klarheit ihrer Vision getrübt wird.
  • In Umberto Ecos Roman Das Foucaultsche Pendel fühlt sich der Hauptcharakter Casaubon gegen Ende des Romanes von Tarotkarten verfolgt, die scheinbar in jeder Buchhandlung in Paris angeboten werden.
  • Arturo Pérez-Revertes Roman Der Club Dumas (1993) basiert auf fiktiven Tarotkarten; verfilmt von Roman Polański als „Die neun Pforten“ (1999).
  • In der Simpsons-Folge Lisas Hochzeit besucht Lisa Simpson auf einem Mittelaltermarkt eine Wahrsagerin, die ihr Tarot legt. Zuerst legt die Wahrsagerin die Karte Der Tod bei der Lisa erschrickt, die Wahrsagerin aber, in Anspielung auf die übliche Wahrsagerpraxis, die Karte als gar nicht so schlimm bezeichnet. Als zweite Karte legt sie The happy Squirrel (das Lustige Eichhörnchen), die Lisa niedlich findet, die Wahrsagerin aber beinahe in Panik versetzt. Einige neue Tarotspiele haben den Gag aufgenommen und haben die The-happy-Squirrel-Karte in ihr Set mit aufgenommen.
  • Im dritten Teil der Adventure-Reihe Monkey Island legt eine Wahrsagerin Guybrush Tarotkarten und zieht dabei fünfmal Der Tod, was schlechtes für seine Zukunft ahnen lässt. Im in mehrere Episoden aufgeteilten Teil Tales of Monkey Island erzählt die Voodoo Lady zu Beginn jeder Episode die Geschehnisse der bisherigen, die sie mit (vermutlich selbst) erfundenen Tarot-Karten wie Der Wissenschaftler und Der Verrat illustriert. Im Spiel selbst kann sie durch ihre Karten auch aktiv Ereignisse bewirken.
  • Ton Steine Scherben stellten ihr viertes Album IV nach den Karten der Großen Arkana zusammen. Durch dieses Projekt wurden Schwefel zu dem ähnlich aufgebautem Konzeptalbum Mystifier inspiriert.
  • Marilyn Mansons Album Holy Wood (In the Shadow of the Valley of Death) (am 14. November 2000 erschienen) enthielt 10 Tarot-Karten mit eigenem Motiv. Darin sind Motive unter Anderem von John F. Kennedy oder der Band abgebildet.
  • James Bond 007 lernt in Leben und sterben lassen eine Seherin (Solitaire) kennen, in die er sich verliebt. Sie verliert dadurch jedoch ihre Fähigkeit, die Zukunft voraussagen zu können. So fällt sie in Ungnade bei Kananga alias Mr. Big, dem Bösewicht des Films. Bond kann sie jedoch retten und Kananga töten. Solitaire legt für Kananga die Karten, denn dieser glaubt an die Macht des Voodoo. Bond verführt sie mit gezinkten Karten, aber dadurch verliert sie ihre Macht die Zukunft zu sehen. Solitaire wird von Jane Seymour gespielt, James Bond von Roger Moore. Benutzt wurde das Deck Tarot of the Witches, gemalt von Fergus Hall; auf der Kartenrückseite ist ein stilisierter 007-Schriftzug. In einer späteren Filmszene wird ein Rider-Waite Deck mit derselben Rückseite benutzt.
  • Die Band Dark Moor veröffentlichte 2007 ein Album mit dem Namen Tarot, dessen einzelne Titel sich auf einige der Großen Arkana beziehen.
  • In der Anime-Serie Yu-Gi-Oh! GX legt der Anführer der Gesellschaft des Lichts, Sartorius, Tarotkarten und vermag in die Zukunft zu sehen. Er verbindet die Karten teilweise mit den Charakteren aus der Serie wie zum Beispiel Der Narr und Jaden Yuki.
  • Im Roman Das Schloss, darin sich Schicksale kreuzen (1973 - italienischer Originaltitel: Il castello dei destini incrociati) lässt Italo Calvino in einem oulipistischen Spiel Menschen, die nicht miteinander sprechen können, ihre jeweiligen Geschichten anhand von Tarot-Karten erzählen, die auf einem Tisch ausgelegt werden. Die so entstehenden Legebilder ergeben, je nachdem, von welcher Seite aus man sie „liest“, so unterschiedliche Erzählungen wie die von Faust, Ödipus, Hamlet, Parzival, Roland oder Justine. Im Nachwort beschreibt Calvino das beinahe beliebig ausdeutbare Tarot als „Konstruktionsmaschine für Erzählungen“.
  • In der Fantasybuchserie Die Chroniken von Amber von Roger Zelazny benutzt der Hauptcharakter Corwin die Karten des Tarot dazu, mit Familienmitgliedern zu kommunizieren. Die Karten bieten ihm auch die Möglichkeit, Übergänge zwischen verschiedenen Welten („Schatten“) zu öffnen und hindurchzugehen.
  • In dem Buch Harry Potter und der Halbblutprinz von Joanne K. Rowling begegnet die Hauptperson, Harry Potter, öfters scheinbar zufällig seiner Wahrsagelehrerin Sybill Trelawney dabei, wie sie Tarot-Karten zieht und dabei unbewusst die weitere Handlung des Buches voraussagt, unter anderem den Todesfall am Ende mithilfe der Karte Der Turm.
  • In der Hörspielserie Offenbarung 23 - Das Wissen der Menschheit (Folge 13) von Jan Gaspard wird der Hauptperson, Georg Brand, mit dem Michelini-Tarot die Zukunft vorhergesagt.
  • Im Buch Tarot paryski, erschienen im Jahr 1993, schreibt die polnische Autorin Manuela Gretkowska auf mindestens zwei sprachlichen Ebenen: die den Pariser Alltag einer jungen Polin beschreibende Sprache trifft auf die die symbolische Bedeutung des Tarot interpretierende Sprache.
  • In dem Buch Handy-Liebe von Bianka Minte-König eröffnet die Hauptperson Hanna Pfefferkorn mit ihren Freundinnen einen Flirtshop. Dabei werden Tarotkarten verwendet.
  • In der 3. Staffel des japanischen Mangas Jojo no Kimyō na Bōken, Stardust Crusaders sind die Fähigkeiten der Charaktere nach Tarotkarten benannt.
  • Im Buch Magic Circle, Im Bann der Karten von Isobel Bird legt Annie die Karten und gerät dadurch in Schwierigkeiten.
  • Im Lied Das geheime Tarot von Juliane Werding wird über eine Frau gesungen die, die Tarotkarten legt.
  • In der Anime-Serie One Piece scheint der Piratenkapitän Basil Hawkins Tarot-Karten zu legen, mit denen er die Zukunft sieht, beziehungsweise deren Wahrscheinlichkeiten berechnet.
  • In den Playstation-2-Spielen Persona 3 und Persona 4 werden die Verbindungen des Hauptcharakters zu Gruppen oder Personen nach Tarotkarten benannt.
  • Im Film Kings of Rock – Tenacious D enthält der Vorspann zahlreiche echte und modifizierte bzw. erfundene Tatorkarten und deren Symbolik. Auch die Zwischenüberschriften sind in Form selbsterfundener Tarotkarten gestaltet.
  • In der vierbändigen LuEllen-und-Kidd-Reihe des amerikanischen Autors John Sandford verwendet der Protagonist Kidd ein Rider-Waite-Deck zur Analyse seiner jeweiligen Situation. Auch die Titel der Reihe sind an die Bezeichnungen der großen Arkana angelehnt.
  • Im Film Das Kabinett des Doktor Parnassus zieht Parnassus auf der Brücke die Karte Der Gehängte, kurz bevor sie den erhängten Mann unter der Brücke sehen.
  • Esteban Lopez schrieb Rota. Ein Tarot-Roman, auf Deutsch erstmals publiziert 1972[37]
  • In der Sex-and-the-City-Folge Glaubensfragen (Oh come, All ye faithful) besucht Charlotte York eine als „Medium der Stars“ bekannte Wahrsagerin und lässt sich von ihr Tarot legen. Sie möchte wissen, wann sie heiraten wird. Dazu soll sie drei Karten mit der linken Hand ziehen und sie mit dem Bild nach unten nebeneinander vor sich legen. Die Wahrsagerin deckt die Karten nacheinander auf. Zuerst dreht sie das Ass der Stäbe um, was, wie sie sagt, Wohlstand bedeutet. Dann folgt die Neun der Kelche, die Stärke und Unabhängigkeit bedeuten und schließlich Der Gehängte, welcher für neues Erwachen steht. Die Wahrsagerin erklärt Charlotte, dass sie eine unabhängige starke Frau mit großem Erfolg in der Zukunft sei, sie jedoch keinen Hinweis auf Heirat sehen könne. Charlotte reagiert darauf etwas schockiert und wirft der Wahrsagerin vor, sie habe kein Einfühlungsvermögen, denn wie könne sie ihr gegenüber einfach so eine solche Aussage machen. Daraufhin antwortet ihr das Medium: „Kindchen, ich bin eine Wahrsagerin, keine Psychotherapeutin.“
  • In der Roman-Trilogie The Arcana Chronicles von Kresley Cole stellen mehrere Charaktere die Großen Arkana dar.
  • Im Spiel The Binding of Isaac findet Isaac diverse Tarot-Karten aus der Großen Arkana, welche er einsetzen kann. Die Namen der Karten entsprechen dem Rider-Waite-Tarot, jedoch sind Kraft und Gerechtigkeit nicht vertauscht.

Rezeption[Bearbeiten]

Insbesondere gegen die divinatorische Nutzung des Tarots wird häufig, wie gegen alle anderen Arten der Wahrsagerei, eingewandt, dass es für die Zuverlässigkeit der Ergebnisse keinen Beweis gebe. Allerdings gehen die meisten neueren Autoren und Tarot-Leser davon aus, dass das Tarot ohnehin nicht unumgängliche und überraschend eintretende Ereignisse vorhersagen könne, sondern lediglich Tendenzen anzeige; etwa im Sinne von: „Wenn sich an der Situation nichts ändert, wird X eintreten“.

Das Tarot wird, wie andere Wahrsage- und Beratungsmethoden auch, gelegentlich zum Betrug missbraucht, etwa um „Schutzamulette“ gegen angebliche „Verhexungen“ zu verkaufen, oder auch nur weitere Sitzungen. Gerade bei telefonischen Beratungen kommt es auch vor, dass nicht für jeden Anrufer tatsächlich die Karten gelegt werden, sondern die Berater einige wenige vorgefertigte Legungen vorliegen haben, die dann einfach vorgetragen werden, unabhängig von Frage und Fragesteller.

Weiterhin wird das Tarot, insbesondere von religiösen Gruppen, häufig mit magischen Praktiken oder Satanismus in Verbindung gebracht. Dies geht nicht zuletzt auf Aleister Crowley zurück.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Tarot-Hermeneutik[Bearbeiten]

  • Eckhard Graf: Mythos Tarot - historische Fakten, Param Verlag, Alberstedt 1989, ISBN 3-88755-004-8. (Geschichtliches Standardwerk über Mythen des esoterischen Tarots)
  • Thomas Körbel: Hermeneutik der Esoterik. Eine Phänomenologie des Kartenspiels Tarot als Beitrag zum Verständnis von Parareligiosität. Reihe: Religion und Biographie Bd. 6, Münster 2001; 456 S. ISBN 3-8258-5378-0. (Rezension Dr. Matthias Pöhlmanns, EZW-Referat Esoterik, Okkultismus, Spiritismus: Thomas Körbel, Hermeneutik der Esoterik. Eine Phänomenologie des Kartenspiels Tarot als Beitrag zum Verständnis der Parareligiosität, Münster/Hamburg/London 2001 (= Religion und Biographie 6), in: Theologische Literaturzeitung 129, Heft 4/2004, 366-367)
  • Martin Kriele u. Robert Spaemann (Hrsg.): Die großen Arcana des Tarot. Meditationen des Anonymus d’Outre-Tombe, Herder, Basel 1989, 4 Bd., ISBN 3-906371-01-8. (Christliche Hermetik. Interdizplinäre Arbeit über Tarot, welche Theologie, Gnosis, Hermetik und Psychologie verbindet. Bisher nichts damit Vergleichbares.)
  • Hildegard Piegeler: Tarot . Bilderwelten der Esoterik, Wilhelm Fink Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7705-4934-4
  • Rachel Pollack: Tarot - 78 Stufen der Weisheit, Knaur, München 1985, ISBN 3-89060-508-7
  • Ralph Tegtmeier: Tarot - Geschichte eines Schicksalsspiels, DuMont, Köln 1986, ISBN 3-7701-1682-8
  • Valentin Tomberg: Der wandernde Narr - Die Liebe und ihre Symbole - Eine christliche Tarot-Meditation. Französischer Originaltext mit deutscher Übersetzung von Wilhelm Maas. Herausgegeben von Friederike Migneco und Volker Zotz. Luxemburg (Kairos Edition) 2007, ISBN 2-9599829-5-9 (Der Autor Valentin Tomberg, der Anonymus d’Outre-Tombe des von Kriele und Spaemann herausgegebenen Buchs, legt hier eine kompaktere Fassung seiner Tarot-Meditationen vor.)

Tarot & Psychologie (wissenschaftliche Literatur)[Bearbeiten]

  • Marion Guekos-Hollenstein: Zur psychologischen Deutung des Tarock-Spiels. Dissertation an der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich 1978, als Taschenbuch: Quellen des Tarot. Unbekannte Schätze in den 22 Großen Arkana. Überarb., TB. Königsfurt-Urania, Krummwisch 2000 ISBN 3-933939-06-2
  • Marlene Hoffmann-Körner: Tarot als Medium im psychotherapeutischen Prozeß, Diplomarbeit am Fachbereich für Psychologie der Universität Hamburg, 1990
  • Bernhard Sommer-Teckenburg: Klärungshilfe mit Tarot, Diplomarbeit im Fachbereich Psychologie, Universität Hamburg 1991, - Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über die psychologische Beratung mit Tarot - Der Autor beschäftigt sich im ersten Teil mit dem Tarot als Medium der psychologischen Klärungshilfe. Umgang und Funktionsweise im therapeutischen Kontext werden beschrieben. Im zweiten Teil wird in einer Studie auf der Grundlage von Tarot-Beratungen untersucht, wie hilfreich der Tarot in der psychologischen Beratung ist.[38]
  • Iris Koepe: Psychologische Aspekte des Tarot, Diplomarbeit am Fachbereich für Psychologie der Universität Hamburg 1994 – Die Autorin untersucht in dieser Literaturarbeit, inwieweit Tarotbilder symbolische Darstellungen psychologischer Aspekte sind und ob diese eine Ganzheit im Sinne eines Persönlichkeitskonzeptes bilden.
  • Torsten Tessin: Coaching-Praxis im Grenzbereich esoterischer Methoden, Diplomarbeit im Fachbereich Pädagogik, Fachhochschule München 1998 [39]
  • Uta Becker: Die Tarot-Symbolik in der modernen englischen Literatur: Eine systematische Untersuchung zur Verwendung des ‘Wicked Pack of Cards’, Magisterarbeit am Institut für Anglistik der Universität Leipzig, 2007 – Die Arbeit gibt zunächst eine allgemeine Einführung zum Tarot. Mit einem Überblick über die literarische Verarbeitung des Tarot in Werken des anglo-amerikanischen Sprachraums, der Besprechung der Schlüsselpassage in „The Waste Land“ (T.S. Eliot) und tiefergehenden Analysen zur Verwendung des Tarot in zwei britischen Romanen („The Greater Trumps“ und „The Magus“) wird der Frage nachgegangen, wie der Tarot in literarischen Werken verarbeitet wird.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tarot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 2007
  2. Rachel Pollack: Der Haindl Tarot. Droemer Knaur, München 1988, S. 7, ISBN 3-426-26374-2.
  3. Early Tarot Notes. Early Playing Cards Research
  4. a b Stuart R. Kaplan: Der Tarot, Geschichte, Deutung, Legesysteme. Henrich Hugendubel Verlag, München 1972, S. 41 ff, ISBN 3-88034-224-5.
  5. vgl.: Willy Schrödter: Das Rosenkreuz. Origo Verlag. S. a.: Peter Ortmann: Der Lombardische Tarot. Falken Taschenbuch.
  6. Gerald Duckworth: A Wicked Pack of Cards: The Origins of the Occult Tarot. London 1996, ISBN 0-7156-2713-9.
  7. Hajo Banzhaf: Das Tarot-Handbuch. Hugendubel, 10. Auflage, München 1998, ISBN 3-88034-697-6.
  8. trionfi.com - The Oldest Tarot Cards
  9. Trionfi Cards - Early Documents
  10. Ferrara 1441 - where the Tarot cards started
  11. Museum for old Playing Cards
  12. Cary Yale Tarocchi
  13. Tarot: 5x14-theory
  14. Bianca Maria Visconti in Ferrara 1441 - Tarot Research
  15. Spotlights on the 5x14-Theory
  16. Trionfi Cards - Early Documents
  17. Baldassare Castiglione, Il Cortegiano. Extract with notes to playing cards
  18. D'Allemagne vol. I, pp. 297-8, vol. II, pp. 244, 246, 492, 502.
  19. Ibid., vol. II, p. 258
  20. Michael Dummett: The Game of Tarot from Ferrara to Salt Lake City. 1980, Duckworth, ISBN 0-7156-1014-7.
  21. Kurzbesprechung3
  22. Arthur Edward Waite: Der Bilderschlüssel zum Original Rider Waite Tarot. Neuübersetzung 2005, AGM Urania, ISBN 3-03819-070-5.
  23. Learntarot
  24. Aleister Crowley: Das Buch Thoth. Ägyptischer Tarot. AGM Urania, 11. Aufl. 2005, ISBN 3-908644-73-9
  25. Andreas Huettl und P.-R. König: Satan – Jünger, Jäger und Justiz, 416 S., Kreuzfeuer Verlag, 2006, S. 202.
  26. Eckhard Graf: Mythos Tarot, param 1989, S. 25
  27. Tarocchi Marvel, tarotpedia.com. Abgerufen am 26. Januar 2014
  28. Marvel Tarot, marvel.wikia.com. Abgerufen am 26. Januar 2014
  29. Discordian Deck (engl.; PDF; 674 kB)
  30. Bernhard Sommer-Teckenburg: Klärungshilfe mit Tarot. Diplomarbeit im Fachbereich Psychologie, Universität Hamburg 1991; Seite 21. - Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung über die psychologische Beratung mit Tarot (zu beziehen über das Internetportal des Autors).
  31. Elisabeth Haich (Hrsg.): Tarot - Die zweiundzwanzig Bewusstseinsstufen des Menschen, Drei Eichen Verlag, Oktober 2000, TB, ISBN 978-3-7699-0599-1
  32. Hajo Banzhaf: Tarot und die Reise des Helden. Hugendubel, Oktober 1997, ISBN 3-88034-991-6.
  33. Rachel Pollack: The Shining Woman Tarot. 1994, wieder veröffentlicht 2001 als The Shining Tribe Tarot. ISBN 1-56718-532-0.
  34. Giovanni Grippo, Das Tarot der Rosenkreuzer – Der Weg des Eingeweihten, G. G. Verlag, Oberursel 2011, S. 19-20, ISBN 978-3-942-18703-9.
  35. a b c Michael Schöttler: Tarot Legearten. Abgerufen am 28. Januar 2014.
  36. Gustav Meyrinks Der Golem, Internetausgabe beim Projekt Gutenberg
  37. März-Verlag, häufige Neuauflagen. Aus dem Niederländischen von Johannes Piron. Auch Liebe & Tarock, oder als Liebe und Tarot in einem Nachdruck des Area-Verlags 2004 ISBN 3899960297. Andere Titelfassungen Amor & Tarot (spanische Version) oder Rota & Liebe.
  38. http://www.tarot.hamburg/Diplomarbeit.html
  39. Diplomarbeit von Torsten Tessin