Tarsila do Amaral

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Tarsila do Amaral (* 1. September 1886 in Fazenda São Bernardo Capivari, São Paulo; † 17. Januar 1973 in São Paulo) war eine brasilianische Malerin und Mitbegründerin der Anthropophagie-Bewegung.

Tarsila do Amaral (um 1925)

Leben[Bearbeiten]

Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Oswald de Andrade, dessen Freund Mário de Andrade, mit Anita Malfatti und Menotti del Picchia gehörte sie zu der Künstlergruppe Grupo dos Cinco („Gruppe der Fünf“) und war Mitarbeiterin des Kulturmagazins Semana de Arte Moderna.

Eines ihrer berühmtesten Gemälde mit dem Titel Abaporu entstand 1928. Abaporu („Menschenfresser“) bedeutet in der Sprache der Tupí Anthropophage, nach der sich die Anthropophagie-Bewegung benannte. Das 85 cm x 73 cm große Gemälde wurde von dem argentinischen Sammler und Millionär Eduardo Costantini 1995 um 1,5 Mio. Dollar erstanden und befindet sich zurzeit im Museu de arte latino-americana in Buenos Aires (MALBA).

Der europäischen Vorstellung von Primitivität ihr fremder Kulturen, verbunden mit der Zuschreibung des edlen Wilden entspricht mitunter das Bild des Kannibalismus. Als künstlerische Bewegung gegen den Eurozentrismus und für einen selbstbewussten Bezug sowohl auf die eigenen Traditionen als auch auf moderne europäische Stilrichtungen, griffen Tarsila do Amaral und die Movimento antropófago europäische Stereotypen und Zuschreibungen auf, um sie zu dekonstruieren.

In der heutigen postkolonialen Kritik gibt es recht deutliche Bezüge auf den Movimento antropófago. Luzenir Caixeta und Lucia Helena verweisen im Zusammenhang mit dem Movimento antropófago auch auf den brasilianischen Karneval in seinen dionysischen und kämpferischen Stil hin, dessen Hauptmerkmal die Kritik an der europäischen Dominanzkultur darstellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lucia Helena (1983): Uma literatura antropofagica. UNI Ceara.
  • Luzenir Caixeta (2004): Anthropophagie als Antwort auf die eurozentrische Kulturhegemonie Oder: Wie die Mehrheitsgesellschaft feministische Migrantinnen schlucken ›muss‹. In: Hito Steyerl, Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Hg.) : Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik, Unrast Verlag, Münster, ISBN 3-89771-425-6.

Weblinks[Bearbeiten]