Taschenmesser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pocketknives.JPG
Navaja spagnola.jpg
Okapiknifes.jpg
Victorinox SwissChamp Closed.JPG

Ein Taschenmesser ist ein Messer, das in einer Hosentasche getragen werden kann. In der Regel versteht man unter einem Taschenmesser ein Klappmesser oder Fixiermesser, dessen Klinge zum gefahrlosen Transport in den Griff eingeklappt werden kann. Jedoch gibt es auch feststehende Taschenmesser, wie den Nicker, der in der Seitentasche einer Lederhose getragen wird. Andere Bezeichnungen für einklappbare Taschenmesser sind Schließmesser, in Österreich Feitel (früher: Veitel) und in der Schweiz Sackmesser sowie Sackhegel.

Inhaltsverzeichnis

Einführung[Bearbeiten]

Das populärste Taschenmesser ist das Schweizer Messer, das außer mehreren Klingen noch weitere Werkzeuge enthält. Hergestellt wird es im Original von den Schweizer Unternehmen Victorinox aus Ibach, Kanton Schwyz und Wenger aus Delémont, Kanton Jura.

In Deutschland ist die Klingenstadt Solingen im Bundesland Nordrhein-Westfalen für die Qualität ihrer Messer und Klappmesser bekannt. In Solingen sind zahlreiche mittelständische Messerhersteller ansässig, so die Firmen Böker, Eickhorn, Herbertz, Hubertus, Klaas, Linder, Lütters und Puma. Solinger Messer sind schon seit 1938 als geschützte Markenbezeichnung durch die Solingen-Verordnung geschützt.[1]

In Österreich liegt das Zentrum der Messerherstellung im Trattenbachtal bei Ternberg in der Region Eisenwurzen, in der, wie der Name schon sagt, seit historischer Zeit Eisen abgebaut und verhüttet wurde. Dort wird das Trattenbacher Zauckerl (Trattenbacher Feitel) hergestellt.

Aus Frankreich stammen die bekannten Marken Opinel und Laguiole. Opinel-Messer sind freigelenkige Klappmesser mit drehbarem Schlitzring und werden in Chambéry im Département Savoie in den ostfranzösischen Alpen hergestellt. Laguiole-Messer sind Hirtenmesser, die vom spanischen Navaja-Messer abstammen und dem schlanke Design des türkischen Yatagan-Säbels nachempfunden wurden. Laguiole-Messer wurden anfangs nur im gleichnamigen Städtchen Laguiole im Département Aveyron in den Ausläufern der Pyrenäen hergestellt, bis sie dann später aufgrund ihres Erfolgs auch in der Klingenstadt Thiers im Département Puy-de-Dôme in der Auvergne nachgebaut wurden. Beide Städte teilen sich die Marke Laguiole, die allerdings nicht wie die Marke Solingen gesetzlich geschützt ist. Typisch für Laguiole-Messer und ihr Markenzeichen ist der Flipper in Form einer Fliege (fr. mouche) auf dem Rücken des Messergriffs, der gern von Händlern zu einer Biene verbrämt wird, obwohl er von seiner Gestalt und seinem französischen Namen nach eindeutig eine Fliege ist. Es gibt jedoch einige Laguiole-Messer, die tatsächlich eine Biene statt einer Fliege zeigen. Diese wird Napoleon-Biene genannt. Weitere Verzierungen an Laguiole-Messern sind Ziselierungen des Griffrückens und Ziernieten in Form eines Hirtenkreuzes.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Feuersteinmesser[Bearbeiten]

Feuersteinmesser der Cucuteni-Kultur in Rumänien 4800 bis 3000 v. Chr.

Versteht man unter einem Taschenmesser einfach ein Messer, das in eine Tasche passt, dann sind Taschenmesser schon seit der Steinzeit bekannt, da Klingen aus Steinabschlägen mühelos in kleine Taschen passen. So wurden Federmesser aus Feuerstein zum Anspitzen von Federn für Pfeilbögen verwendet, wie man aus den Resten des Pechs an den Federmessern erkennen kann. Für die Befestigung der Federn an die Schäfte der Pfeile wurde Birkenpech und Schnur verwendet. Mit dem Aufkommen der Metallverarbeitung wurden dann solche Feuerstein-Messer allmählich durch Bronze-Messer ersetzt.

Klappmesser[Bearbeiten]

Römisches Taschenmesser
aus Gellep (links)
Moderne Rekonstruktion (rechts)
Zwei Klappmesser
aus dem 6. Jahrhundert

Ein keltisches Taschenmesser mit klappbarer Eisenklinge aus der Zeit zwischen 600 bis 500 v. Chr. wurde in Hallstatt im Salzkammergut im Bundesland Oberösterreich gefunden.[3]

Ein römisches Taschenmesser mit klappbarer Eisenklingen wurde im Ort Gellep, römisch Gelduba, in Krefeld im Rheinland gefunden (siehe Abbildung).

Im Mittelalter wurden klappbare Bauernmesser aus Eisen verwendet, die aus einer Klinge mit Erl bestanden, die beide zusammen beweglich mit einem Griff aus Holz verbunden waren. Im ausgeklappten Zustand lag der Erl auf dem Griff, so dass beide gemeinsam von der Hand umschlossen werden konnten. Im eingeklappten Zustand lag die Schneide des Messers in einem Schlitz des Griffs, so dass es gefahrlos in einer Lederscheide umhergetragen werden konnte.[4][5]

Die frühesten Navajas stammen aus dem Andalusien des 16. Jahrhunderts. Aus dem Navaja entwickelte sich dann in Südfrankreich das Laguiole-Messer, das im gleichnamigen Ort Laguiole hergestellt wurde.

Die Schweizer Armee verfügte im Januar 1891 die Einführung eines für alle Soldaten geeigneten Taschenmessers. Da zu diesem Zeitpunkt kein Schweizer Unternehmen die nötigen Produktionskapazitäten hatte, wurden die ersten 15.000 Messer im Oktober 1891 von der deutschen Messermanufaktur Wester & Co. aus Solingen geliefert. Ende 1891 übernahm dann die Firma Karl Elsener aus Ibach, Kanton Schwyz, die spätere Firma Victorinox, die Herstellung. Das Modell von 1891 hatte Griffschalen aus geschwärztem Eichenholz. Der Begriff Schweizer Offiziers- und Sportmesser wurde am 12. Juni 1897 als Handelsmarke eingetragen.

Vor- und Nachteile von Taschenmessern[Bearbeiten]

Taschenmesser sind klein, handlich und sicher. Der Vorteil eines Klappmessers besteht im Schutz vor Schnittverletzungen durch Einklappen der scharfen Schneide der Klinge in den Griff des Taschenmessers. Damit verbunden ist der Nachteil der geringeren Stabilität der Klinge. Durch seitwärtigen Druck auf die Messerbacken oder gratwärtigen Druck auf Schneide und Rücken kann es zum Ausleiern und Wackeln der Klinge kommen. Daher ist in allen Situationen verstärkter intensiver oder permanenter Belastung einem Messer mit feststehender Klinge Vorzug zu geben.

Gattungen der Taschenmesser[Bearbeiten]

Es gibt fünf grundsätzliche Gruppen von Taschenmessern: Fixmesser, Klappmesser, Faltmesser, Schiebmesser und Fallmesser.

Definition   Typ
•  Taschenmesser mit feststehender Klinge = Fixmesser
•  Taschenmesser mit aus- und einklappbarer Klinge = Klappmesser
•  Taschenmesser mit aus- und einfaltbarer Klinge = Faltmesser
•  Taschenmesser mit aus- und einziehbarer Klinge = Schiebmesser
•  Taschenmesser mit heraus- und hereinfallbarer Klinge = Fallmesser

Zur detaillierteren Einteilung der Taschenmesser siehe: Übersicht über die Gattungen der Taschenmesser.

Fixmesser[Bearbeiten]

Fixmesser sind Messer mit feststehender Klinge. Aufgrund ihrer Größe passen Fixmesser meist nicht in eine Hosentasche und zählen daher meist nicht zu den Taschenmessern. Jedoch gibt es auch einige Taschenmesser mit feststehender Klinge. Zu diesen gehören Nickermesser, Kugelschreibermesser und Faustmesser.

Nicker sind Taschenmesser mit feststehender Klinge, die in der Seitentasche der Lederhose getragen werden und zum schnellen Töten von Rehen durch einen Stich zwischen die obersten Halswirbel ins Genick – dem Abnicken – benutzt werden.

Kugelschreibermesser sind Taschenmesser mit feststehender Klinge, die in der Brusttasche eines Hemds oder Jackets getragen werden und aus einem Kugelschreiber mit stilettartigem Messer bestehen.

Faustmesser sind Messer mit quer zur Klinge stehendem Griff.

Sowohl Kugelschreiber- als auch Faustmesser sind verbotene Gegenstände nach § 2 WaffG.

Klappmesser[Bearbeiten]

Klappmesser (Kabelmesser)

Klappmesser sind Messer, deren Klinge aus- und eingeklappt werden kann. Sie untergliedern sich in gewöhnliche Klappmesser, die mit einer oder beiden Händen aufgeklappt werden müssen, und in Springklappmesser (Seitspringmesser), deren Klinge durch eine vorgespannte Feder seitlich ausgeklappt wird.

Faltmesser[Bearbeiten]

Balisong-Messer mit zwei Griffarmen

Faltmesser sind Messer, deren Klinge aus- und eingefaltet werden kann. Faltmesser weisen stets zwei Griffarme zum Umhüllen der Klinge auf, die entweder neben- oder hintereinander angeordnet sind. Sie untergliedern sich in Balisong-Messer (Butterfly-Messer) mit zwei nebeneinander liegenden Griffarmen,[6] in Jakobsleitermesser mit zwei hintereinander liegenden Griffarmen[7] und in Pantographmesser mit zwei nebeneinander liegenden spreizklappbaren Griffarmen.[8] Das Balisong hat zwei getrennte Griffarme, die im geschlossenen Zustand die Klinge von beiden Seiten umschließen und im offenen Zustand von einer Hand gemeinsam umschlossen werden.

Schiebmesser[Bearbeiten]

Teppichmesser

Schiebmesser sind Messer, deren Klinge aus- und eingezogen werden kann. Sie untergliedern sich in gewöhnliche Schiebmesser (Teppichmesser) und in Springschiebmesser (Frontspringmesser), deren Klinge durch eine vorgespannte Feder nach vorn ausgestoßen wird.

Fallmesser[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fallmesser

Fallmesser sind Messer, deren Klinge nach Entriegelung durch die Schwerkraft frontal aus dem Griff heraus- und frontal in den Griff wieder hineinfallen kann.[9] Fallmesser dienen zum Kappen von Fallschirmleinen, da sie auch in Notsituationen mit nur einer Hand zu bedienen sind und kein Mechanismus an ihnen versagen kann.

Faustmesser[Bearbeiten]

Hauptartikel: Faustmesser
Faustmesser mit querstehender Klinge

Faustmesser sind Fixmesser mit querstehender Klinge. Infolgedessen liegt der Griff des Messers quer in der Handfläche, während die Klinge entweder zwischen Mittel- und Ringfinger oder zwischen Mittel- und Zeigefinger herausragt.

Schwenkerlmesser[Bearbeiten]

Rasiermesser mit schwenkbarer Klinge und Erl

Schwenkerlmesser sind Klappmesser, deren mit der Klinge verbundener Erl gegenüber dem Griff frei schwenkbar ist. Im eingeklappten Zustand ragt der Erl frei heraus, während sich die Klinge geschützt in einem Spalt im Griff verbirgt. Im ausgeklappten Zustand ragt die Klinge frei heraus, während der Erl direkt auf dem Griff liegt. Beide werden von der das Messer greifenden Hand umschlossen.

Zu den Schwenkerlmessern zählen das mittelalterliche Bauernmesser samt seinen modernen Nachbauten[4][5] mit langem Erl, das klappbare Rasiermesser mit Hals und kurzem Erl und das japanische Higonokami-Messer[10] mit kurzem Erl. Alle übrigen Klappmesser besitzen keine Erle.

Freigelenkmesser[Bearbeiten]

Freigelenkmesser sind Klappmesser, die stets einen freien Gelenkspalt zwischen Klinge und Rückenfeder aufweisen. Die englische Bezeichnung für Freigelenkmesser lautet free joint knives.

Rutschgelenkmesser[Bearbeiten]

Rutschgelenkmesser sind Klappmesser, die zumindest in der letzten Phase des Aufklappens keinen freien Gelenkspalt zwischen Klinge und Rückenfeder mehr aufweisen, was die Gefahr des Wiedereinklappens durch die starke Reibung zwischen Klinge und Rückenfeder vermindert. Die englische Bezeichnung für Rutschgelenkmesser lautet slip joint knives.

Zweihandmesser[Bearbeiten]

Zweihandmesser sind Messer, die zum Öffnen beide Hände benötigen. Die eine Hand hält das Messer am Griff, die andere Hand klappt die Klinge entweder mit dem Daumennagelschlitz (Nagelhau) am Klingenrücken oder mit dem stumpfen Ende der Klinge auf.

Einhandmesser[Bearbeiten]

Einhandmesser sind Messer, die sich mit einer Hand öffnen lassen und die Klinge dann fest durch mechanische Sicherungen arretiert. Im engeren Sinne versteht man darunter vor allem Klappmesser, die durch Druck des Daumens in eine Bohrung (Daumenloch, Auge, Öse) in der Klinge, auf einen Noppen (Daumenstift, Pin) an der Klinge oder auf einen Hebel (Flipper) mühelos aufgeklappt werden können. Mit einer Hand zu öffnende Messer, bei denen die Klinge beim Öffnen nicht mittels einer mechanischen Verriegelung fest arretiert wird, sind keine Einhandmesser im Sinne des Gesetzes (vgl. § 42a Abs. 1 Nr. 3 WaffG), da es insoweit am Merkmal der "feststellbaren Klinge" fehlt.

Springmesser[Bearbeiten]

Springmesser sind Messer mit federgespannter Klinge, die durch einen Auslöser (Hebel, Schieber) per Federkraft sofort ihre endgültige Position einnehmen. Je nachdem, wie die Klinge ihre endgültige Position einnimmt, unterscheidet man Seitspringmesser und Frontspringmesser. Springmesser werden wegen ihres Mechanismus auch Automatik-Messer genannt.

Seitspringmesser[Bearbeiten]

Seitspringmesser sind Klappmesser mit federgespannter Klinge, die durch einen Auslöser per Federkraft aufspringen und sofort ihre ausgeklappte Position einnehmen. Typische Vertreter der Seitspringmesser sind die italienischen Stiletto-Messer.[11] (Nicht zu verwechseln mit Stiletten. Stilette sind schlanke drei- oder vierkantige Dolche.)

Frontspringmesser[Bearbeiten]

Frontspringmesser (eng. sliding knife) sind Springmesser, deren Klinge nicht seitlich aufklappt, sondern durch Federkraft nach vorn aus dem Griff hervorgestoßen wird.[12][13] Diese Art von Springmesser wird auch OTF-Messer (von eng. out-the-front knife) oder Gleitmesser (eng. sliding knife) genannt.

Multifunktionsmesser[Bearbeiten]

Hauptartikel: Multifunktionswerkzeug

Multifunktionsmesser sind Messer mit vielen Werkzeugen. Multifunktionsmesser und Multifunktionszangen gehören zu den Multifunktionswerkzeugen (eng. Multitools). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen besteht darin, dass Multifunktionsmesser einen Griffarm und Multifunktionszangen zwei Griffarme haben. Multifunktionsmesser können Zangen und Multifunktionszangen können Messer als Werkzeuge haben. Die Zange der Multifunktionszangen ist aufgrund der längeren Hebelarme ihrer Griffe der der Multifunktionsmesser überlegen.

Skelettmesser[Bearbeiten]

Messer ohne Griffschalen, die nur aus Klinge und Vollerl bestehen, werden Skelettmesser genannt, da das Messer ohne die Griffschalen quasi skelettiert ist. Solche skelettierten Messer können auch Taschenmesser sein.

Übersicht über die Gattungen der Taschenmesser[Bearbeiten]

Definition Typ
•  Taschenmesser mit feststehender Klinge Fixmesser
      •  Fixmesser für die Seitentasche einer Lederhose Nicker-Messer
      •  Fixmesser für die Brusttasche Kugelschreiber-Messer
      •  Fixmesser mit querstehender Klinge Faustmesser
•  Taschenmesser mit beweglicher Klinge Öffnungsmesser
  •  Taschenmesser mit aus- und einklappbarer Klinge Klappmesser
    •  Klappmesser mit nur beidhändig aufklappbarer Klinge Zweihand-Klappmesser
      •  Klappmesser ohne Arretierung mit schwenkbarem Erl Schwenkerl-Messer
      •  Klappmesser zumeist ohne Arretierung gewöhnliche Taschenmesser
      •  Klappmesser zumeist ohne Arretierung mit vielen Werkzeugen Multifunktionsmesser
      •  Klappmesser mit Arretierung durch Schlitzring Opinel-Messer
      •  Klappmesser mit Arretierung durch Zähne und Rückenfeder Mediterrane Klappmesser
      •  Klappmesser mit Arretierung durch Wippe mit Haken Zweihand-Back-Lock
      •  Klappmesser mit Arretierung durch Seitenfeder mit Nocken Zweihand-Liner-Lock
    •  Klappmesser mit auch einhändig aufklappbarer Klinge Einhand-Klappmesser
      •  Klappmesser mit Arretierung durch Wippe mit Haken Back-Lock
      •  Klappmesser mit Arretierung durch Seitenfeder mit Nocken Liner-Lock
      •  Klappmesser mit Arretierung durch flexible Griffschale mit Nocken Frame-Lock
      •  Klappmesser mit Arretierung durch querliegenden Bolzen Axis-Lock
    •  Klappmesser mit seitlich herausschießender Klinge Spring-Klappmesser
      •  Klappmesser mit seitlich herausschießender Klinge Seitspringmesser
  •  Taschenmesser mit aus- und einfaltbarer Klinge Faltmesser
      •  Faltmesser mit zwei nebeneinander liegenden Griffarmen Balisong-Messer
      •  Faltmesser mit zwei hintereinander liegenden Griffarmen Jakobsleiter-Messer
      •  Faltmesser mit zwei spreizklappbaren Griffarmen Pantograph-Messer
  •  Taschenmesser mit aus- und einschiebbarer Klinge Schiebmesser
      •  Schiebmesser mit vorn herausschiebbarer Klinge Teppichmesser
      •  Schiebmesser mit vorn herausschießender Klinge Frontspringmesser
  •  Taschenmesser mit aus- und einfallbarer Klinge Fallmesser
      •  Fallmesser mit vorn herausfallbarer Klinge Fall-Kappmesser

Anmerkung: Eine Verriegelung der Klinge kann bei allen Arten von Klappmessern vorkommen.

Aufbau eines Taschenmessers[Bearbeiten]

Klinge[Bearbeiten]

Die Klinge eines Taschenmessers kann je nach Anforderung glatt, wellig oder gesägt sein. Wellige oder gesägte Klingen sind von Vorteil beim Schneiden/Sägen von Fasern, Holz oder Fleisch.

Aufklappen der Klinge[Bearbeiten]

Die Klingen und Werkzeuge eines Klappmessers lassen sich mit dem Daumen entweder an ihrem abgerundeten Ende, an ihrem Rücken, an einem Schlitz (Daumennagelschlitz, Nagelhau), an einem Noppen (Daumenstift, Pin, Stud), an einer Bohrung (Daumenloch, Auge), an einer Nase (Daumenhebel, Flipper) oder durch einen Aufspringmechanismus öffnen.

  • Öffnen der Klinge an ihrem abgerundeten Ende
  • Öffnen der Klinge an ihrem Rücken
  • Öffnen der Klinge an einem Schlitz (Daumennagelschlitz, Nagelhau) am Rücken der Klinge
  • Öffnen der Klinge an einem Noppen (Daumenstift, Pin, Stud) am Rücken der Klinge
  • Öffnen der Klinge an einer Bohrung (Daumenloch, Auge) am Rücken der Klinge
  • Öffnen der Klinge an eine Nase (Daumenhebel, Flipper) am Bauch der Klinge
  • Öffnen der Klinge durch einen Aufspringmechanismus

Aufklappen der Klinge mit einer Hand[Bearbeiten]

Klappmesser, die in Gelenknähe am Rücken der Klinge entweder einen beidseitigen Noppen (Daumenstift, Pin) oder eine Bohrung (Daumenloch, Auge) für den Daumen aufweisen, lassen sich auch ohne Springfeder mit dem Druck des Daumens einer Hand aufklappen. Dasselbe gilt für Klappmesser, die in Gelenknähe am Bauch der Klinge eine Nase (Daumenhebel, Flipper) aufweisen, die im geschlossenen Zustand am Rücken des Griffs herausragt.

  • Einhändiges Aufklappen der Klinge durch Daumenstift (Pin)
  • Einhändiges Aufklappen der Klinge durch Daumenloch (Auge)
  • Einhändiges Aufklappen der Klinge durch Daumenhebel (Flipper)

Gelenk[Bearbeiten]

Die Klinge eines Klappmessers kann beim Aufklappen des Klappmessers entweder frei beweglich sein oder am Rücken des Griffs entlangrutschen. Im ersten Fall spricht man von einem freigelenkigen Klappmesser, im letzteren Fall von einem rutschgelenkigen Klappmesser.

Zu den freigelenkigen Messern zählen das Opinel-Messer sowie alle Schwenkerlmesser (mittelalterliches Bauernklappmesser, japanisches Higonokami-Messer) und alle Fallmesser (Balisong-Messer, Jakobsleiter-Messer, Pantograph-Messer).

Alle übrigen Klappmesser haben ein Rutschgelenk, das aufgrund der Reibungskraft zwischen Klingengelenk und Rückenfeder das unbeabsichtigte Zusammenklappens erschwert, jedoch nicht gänzlich verhindert. Eine definitive Sicherung vor dem unbeabsichtigten Zusammenklappen eines Messers ist jedoch nur durch eine feste Verriegelung der Klinge mit dem Griff zu erreichen.

Arretierung der Klinge[Bearbeiten]

Um das unbeabsichtigte Wiedereinklappen der Klinge zu vermeiden, haben viele Taschenmesser eine Verriegelung (eng. lock). Die ausgeklappte Klinge von Klappmessern kann über einen Schlitzring, eine Rückenfeder, eine Wippe, eine Seitenfeder oder die Griffschale verriegelt werden.

Schlitzring-Verriegelung (Slotring Lock)[Bearbeiten]

Die ausgeklappte Klinge wird durch Drehen des Schlitzrings (Ring mit querem Schlitz) über dem Klappgelenk am Vorderende des Griffs verriegelt, so dass die Klinge nicht mehr durch den Schlitz gleiten kann. Entriegelt wird durch Zurückdrehen des Schlitzrings, so dass die Klinge wieder durch den Schlitz des Schlitzrings in die Klingenbucht des Griffs zurückgeklappt werden kann. Beispiel für ein Klappmesser mit Schlitzring-Arretierung ist das Opinel-Messer. Der Schlitzring wird von Opinel drehbarer Sicherheitsring bzw. Virobloc genannt. Der Vorteil dieser Arretierung ist, dass das Messer sowohl im ausgeklappten, wie auch im eingeklappten Zustand verriegelt werden kann. Die englische Bezeichnung für die Schlitzring-Verriegelung lautet nach dem englischen Wort für Schlitzring slotring lock.

Rückenfeder-Verriegelung = Lever-Lock[Bearbeiten]

Rückenfeder-Verriegelung
mit Ring zum Entriegeln
am Vorderende des Griffs

Die ausgeklappte Klinge wird durch Zähne am Klingengelenk verriegelt, die in einen Schlitz der Rückenfeder passen, die nach Einrasten der Zähne in den Schlitz wieder zurückfedert. Die Zahn-Verriegelung wird entriegelt, in dem die Rückenfeder entweder durch Zug an einem Ring oder durch Drücken eines Hebels angehoben wird, so dass das Klingengelenk wieder frei drehbar ist. Bei manchen spanischen Navaja-Messern wurden die Zähne zu einem Zahnkranz erweitert, der wie der Zahnkranz in einer Ratsche (span. Carraca) funktioniert und beim Auf- und Zuklappen des Messers ein warnendes Knarren von sich gibt. Die englische Bezeichnung für die Rückenfeder-Verriegelung wird nach dem englischen Wort für Hebel (wegen der hebelartigen Funktion der Rückenfeder) lever lock genannt.

Wippen-Verriegelung = Back-Lock[Bearbeiten]

Wippen-Verriegelung
mit Delle zum Entriegeln
am Hinterende des Griffs

Die ausgeklappte Klinge wird durch eine lange Wippe hinter dem Klappgelenk verriegelt, die zwischen den Platinen im Innern des Griffs untergebracht ist, so dass ein Haken am Vorderbalken der Wippe in eine Nut am Klappgelenk der Klinge einrasten kann. Entriegelt wird die Klinge entweder durch Hochheben des Vorderbalkens der Wippe durch einen Ring bzw. Hebel oder durch Niederdrücken des Hinterbalkens in eine Delle im Griffrücken. Je nach Lage der Delle am Griffrücken vorn (eng. front), mittig (eng. mid) oder hinten (eng. back) unterscheidet man zwischen einem front lock, mid lock oder back lock Messer. Back locks werden auch lock backs genannt. Beide Bezeichnungen sind gebräuchlich. Die meisten Messer mit Wippen-Verriegelung sind back locks, da ein langer Hebelarm weniger Kraft zum Entriegeln erfordert als ein kurzer. Korrekterweise müsste man eigentlich nicht von Verriegelung, sondern von Entriegelung (eng. delock) sprechen. Die englische Bezeichnung für die Wippen-Verriegelung lautet nach dem englischen Wort für Wippe seesaw lock.

Seitenfeder-Verriegelung = Liner-Lock[Bearbeiten]

Seitenfeder-Verriegelung
im Innern des Griffs

Die ausgeklappte Klinge wird von einer seitlichen Blattfeder neben dem Klappgelenk verriegelt, die zwischen den Platinen im Innern des Griffs untergebracht ist, so dass ein Nocken an der Seitenfeder Wippe in eine Nut am Klappgelenk der Klinge einrasten kann. Entriegelt wird durch Druck auf die Seitenfeder (entweder direkt oder durch einen Druckknopf), so dass der Nocken wieder aus der Nut herausgezogen wird. Die englische Bezeichnung für die Seitenfeder-Verriegelung wird nach dem englischen Wort für Seitenplatine liner lock genannt.

Griffschalen-Verriegelung = Frame-Lock[Bearbeiten]

Griffschalen-Verriegelung
an der oberen Griffschale

Die ausgeklappte Klinge wird durch die flexible seitliche Griffschale neben dem Klappgelenk verriegelt, so dass ein Nocken in der Griffschale in eine Nut am Klappgelenk der Klinge einrasten kann. Entriegelt wird durch Druck auf die Griffschale, so dass der Nocken wieder aus der Nut herausgezogen wird. Die englische Bezeichnung für die Griffschalen-Verriegelung wird nach dem englischen Wort für Griffschale frame lock genannt.

Bolzen-Verriegelung = Axis-Lock[Bearbeiten]

Bolzen-Verriegelung über der Achse des Klingengelenks

Die ausgeklappte Klinge wird von einem querliegenden Bolzen über dem Klappgelenk verriegelt, der mittels einer U-förmigen Spiralfeder in eine Nut am Klappgelenk der Klinge einrastet. Entriegelt wird durch Verschieben des Bolzens, so dass der querliegende Bolzen wieder aus der Nut herausgezogen wird. Da der Bolzen querliegt, kann er sowohl auf der rechten, als auch auf der linken Seite entriegelt werden. Damit ist diese Verriegelungsart für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen geeignet. Die englische Bezeichnung für die Bolzen-Verriegelung wird nach dem englischen Wort für Achse (wegen der achsennahen Lage des Bolzens) axis lock genannt.

Parierelement[Bearbeiten]

Die meisten Taschenmesser haben keine Parierelemente, da diese sperrig sind und zusammengeklappte Messer in der Tasche verhaken können. Lediglich italienische Stiletto-Springmesser weisen zwei kurze Parierelemente auf.

Abrutschschutz[Bearbeiten]

Auch wenn Taschenmesser in der Regel keine Parierelemente haben, sind bei größeren Taschenmessern die vorderen und/oder hinteren Enden des Griffs zu Griffwulsten verbreitert, die wiederum eine Griffmulde einschließen, die ein Abrutschen der messergreifenden Hand verhindert. Die Griffmulde kann ihrerseits wiederum Fingermulden aufweisen. Zur Griffigkeit des Taschenmessers trägt auch die Daumenauflage auf dem Klingenrücken bei, die aus einer Verbreiterung und/oder Riffelung des Klingenrückens bestehen kann. Ansteigende Daumenauflagen werden auch Daumenrampen genannt. Einen zusätzlichen Schutz vor Schnittverletzung des Zeigefingers der Griffhand stellt die Fehlschärfe (Ricasso) vor der Schneide am Klingenbauch dar, die viele Taschenmesser aufweisen. Die Griffigkeit des Hefts wird außerdem durch Material, Noppung und Riffelung der Griffschalen erhöht.

  • Griffwulste mit dazwischenliegender Griffmulde
  • Daumenauflage (Daumenrampe) am Klingenrücken
  • Fehlschärfe (Ricasso) am Klingenbauch
  • Riffelung/Noppung der Griffschalen

Griff[Bearbeiten]

Der Griff besteht aus mindestens zwei Platinen, zwischen denen Klingen und Werkzeuge eingeklappt liegen, einer oder mehrerer Rückenfedern, die zusammen den Griffrücken bilden, und den beiden Griffschalen, die von der Hand umschlossen werden. Außerdem können noch Hebel, Wippen, Federn und andere Verriegelungsmechanismen hinzukommen. All diese Teile werden durch Nieten oder Schrauben zusammengehalten. Des Weiteren können Beschläge und Verzierungen vorhandensein.

Griffschalen[Bearbeiten]

Früher bestanden die Griffschalen eines Taschenmessers aus Holz, Bein oder Horn. Bei edleren Modellen wurden Griffschalen Perlmutt, Elfenbein, Messing, Silber und Gold verwendet. Später kamen dann Griffschalen aus Neusilber, eloxiertem Aluminium und Kunststoff hinzu. Als Kunststoffe für die Griffschalen werden Cellidor (Celluloseacetobutyrat), Kraton (Polystyrol-Polybutadien-Polyisopren-Blockcopolymer), Micarta (Phenolharz) und Zytel (Nylon-Resin) verwendet. Die roten Griffschalen der Schweizer Armeemesser bestehen aus Cellidor.

Spezielle Klingen und Werkzeuge an Taschenmessern[Bearbeiten]

Befestigungsweisen[Bearbeiten]

  • Öse mit Spiralring (Schlüsselring) zum Befestigen des Taschenmessers an eine Kette
  • Bügel zum Befestigen des Taschenmessers an eine Kette
  • Loch zum Befestigen des Taschenmessers an einer Schnur oder einem Lanyard
  • Clip zum Befestigen des Taschenmessers am Gürtel
  • Karabiner zum Befestigen des Taschenmessers am Gürtel

Mechanische Werkzeuge[Bearbeiten]

  • Großes Messer zum Schneiden (Messerschneide kann glatt, wellig oder gezackt sein)
  • Mittleres Messer als Ersatzklinge
  • Kleines kurzes schmales Messer (Federklinge) zum Anspitzen von Schreibfedern oder Bleistiften
  • Schnitzmesser mit kurzer konkaver Klinge und spitzer Spitze zum Schnitzen von Holz
  • Schere zum Schneiden von Papier und Karton
  • Säge zum Sägen von Holz
  • Feile zum Feilen von Holz und Metall
  • Beitel zum Spanen von Holz
  • Ahle (Pfriem) zum Stechen und Bohren von Löchern
  • Sacknadel (= Ahle mit Öhr) zum Durchfädeln einer Schnur durch groben Stoff zum Zubinden von Säcken

Werkzeuge zum Behälteröffnen[Bearbeiten]

  • Korkenzieher zum Rausziehen von Stöpselkorken an Flaschen
  • Kapselheber zum Entkapseln von Kronkorken an Flaschen
  • Sekthaken zum Durchtrennen des Gebindes einer Sektflasche[14]
  • Dosenöffner zum Öffnen von Konservendosen
     (bei Wenger-Taschenmessern rückwärts im Uhrzeigersinn, bei Victorinox-Taschenmessern vorwärts im Gegenuhrzeigersinn)
  • Schere zum Schneiden der Tülle an Getränkekartons
  • Ahle zum Stechen von Löchern in Kondensmilchdosen

Werkzeuge zur Körperpflege[Bearbeiten]

  • Nagelreiniger zum Reinigen der Fingernägel (am Ende der Klinge mit der Nagelfeile)
  • Nagelfeile zum Feilen der Fingernägel
  • Pinzette zum Entfernen von Splittern
  • Zahnstocher zum Entfernen von Speiseresten aus den Zahnzwischenräumen
  • Ohrlöffel zum Reinigen des Gehörgangs von Schmalz

Werkzeuge für den Gentleman[Bearbeiten]

  • Knopfhaken zum leichteren Zuknöpfen von Hemden und Gamaschen, wird durch das Knopfloch geführt, um den Knopf gelegt und zurückgezogen
  • Rosenklinge zum Abschneiden einer Blume für das Knopfloch auf der linken Kragenseite des Jacketts des Herrenanzugs (Boutonniere = Blume am Revers)
  • Taschenuhrschlüssel zum Aufziehen einer Taschenuhr

Werkzeuge für den Raucher[Bearbeiten]

  • Zigarrenschneider zum Abschneiden der Enden einer Zigarre[15]
  • Pfeifenputzer (Pfriem = runde Ahle) zum Herauskratzen von Tabak- und Ascheresten aus der Pfeife
  • Pfeifenstopfer zum Stopfen einer Pfeife

Kellnermesser[Bearbeiten]

Kellnermesser mit Hebel plus Kapselheber (links), Korkenzieher (unten) und Messer (rechts)
  • Korkenzieher plus Hebel zum Rausziehen von Stöpselkorken an Flaschen
  • Kapselheber zum Entkapseln von Kronkorken an Flaschen
  • Kleines Messer mit konkaver Klinge zum Durchtrennen des Verschlusses
  • Sekthaken zum Durchtrennen des Gebindes einer Sektflasche[14]

Rettungsmesser[Bearbeiten]

Gurtschneider (Pfeil)
  • Scheibenbrecher zum Einbrechen von Fensterscheiben[16][17]
  • Scheibensäge zum Durchsägen von Autoscheiben aus Sicherheitsglas[16][17][18]
  • Gurtschneider (1. Version) aus kurzem Haken mit scharfer hakenförmiger Klinge zum Durchschneiden von Sicherheitsgurten im Auto[18]
  • Gurtschneider (2. Version) aus konkavem Messer mit Wellenschliff und stumpfen Knopf am Ende zum Durchsägen von Sicherheitsgurten im Auto[16][17]

Technische Werkzeuge[Bearbeiten]

  • Schlitz-Schraubenzieher
  • Kreuz-Schraubenzieher
  • Sechskant-Schlüssel
  • Inkant-Schlüssel
  • Zange (Zangen an Multitools sind besser)
  • etc.

Elektrotechnische Werkzeuge[Bearbeiten]

  • Drahtisolierer zum Isolieren und Biegen von elektrischen Drähten
  • Hülsenpresser zum Pressen von Hülsen an elektrischen Drahtenden, um das Ausfransen der Drahtenden zu verhindern

Bergsteigermesser[Bearbeiten]

  • Messer mit gewellter Klinge zum Kappen von Seilen
  • Säge zum Durchtrennen von Seilen
  • Sechskant-Schlüssel[19]

Bäckermesser[Bearbeiten]

  • Klinge mit leicht konkav gebogener Klinge mit gewellter Schneide[20] zum Einschneiden des Teigs der Teiglinge von Brötchen. Durch das Einschneiden des Teigs entsteht beim Backen im Ofen der Ausbund[21] (das Aufspringen der Kruste an der Schnittstelle), der durch die Vergrößerung und Verdünnung der Oberfläche der Geschmacks- und Aromabildung dient.[22]

Gärtnermesser[Bearbeiten]

  • Hippenklinge mit stark konkav gekrümmter Klinge zum Abschneiden und Abreißen von Stängeln und Ästen[23]
  • Ritzklinge mit scharfer gerader Schneide zum T-förmigen Einschneiden der Rinde (Okulation) bzw. schrägem Abschneiden des Stängels (Kopulation)[23]
  • Rindenlöser mit stumpfen Dorn am Klingenrücken zum Ablösen der Rinde am Rücken der Okulierklinge[23]

Pilzmesser[Bearbeiten]

Pilzmesser mit Pilzklinge (links) und Pilzbürste (rechts)
  • Pilzmesser mit kleiner, konkavgebogener Klinge zum Abschneiden der Pilze
  • Pilzbürste zum Säubern der Pilze

Reitermesser[Bearbeiten]

  • Hufkratzer zum Abkratzen von Dreck an Pferdehufen
  • Hufrinnenmesser (Rinnmesser) zum Auskratzen der Hufrinne[24]
  • Mähnenkamm zum Kämmen der Pferdemähne[24]

Jagdmesser[Bearbeiten]

  • Aufbrechklinge (Waidklinge) mit schmaler konkaver Klinge und stumpfem Knopf an der Spitze zum Aufbrechen der Bauchhöhle beim Haarwild, um Innereien, die das Fleisch verunreinigen können, in einem Stück zu entfernen, ohne sie anzustechen oder zu beschädigen (stumpfe Knopfspitze)[25]
  • Schlosssäge zum Durchsägen des Schlosses (Beckensymphyse) bis zum Waidloch (After) zum Aufbrechen des Beckens zur leichteren Entfernung des Mastdarms beim Auswaiden des Haarwilds[25]
  • Abhäutklinge (Skinnerklinge) mit breiter konvexer Klinge und spitzer Spitze zum Häuten des Haarwilds[25]
  • Gamsnadel (= Ahle mit Öhr) zum Durchstechen und Durchfädeln der Beine zwischen Röhrbein und Beugesehne und anschließendem Fesseln aller Beine zum sicheren Tragen der erlegten Gämse auf der Schulter in steilem Gelände[25]
  • Gekrösehaken (Entenhaken, Hühnerhaken) mit Haken an einem langen Stiel zum Herausziehen der Innereien in einem Stück beim Federwild, um das Fleisch von Magen- und Darminhalt sauber zu halten[25]

Anglermesser[Bearbeiten]

  • Totschläger zum Zertrümmern des Schädels zum schnellen Töten des Fisches[26]
  • Hakenlöser zum Herauslösen des Angelhakens (befindet sich am Ende des Fischentschuppers)
  • Fischentschupper zum Entschuppen von Fischen

Tauchermesser[Bearbeiten]

  • Rutschfester Griff, mit Handschuhen bedienbar
  • Verlustsicher in einer Scheide unterzubringen
  • Spezielle Vorrichtung zum Durchtrennen von Leinen
  • Mechanisch Robust, als Hebel oder Hammer nutzbar

Taklermesser[Bearbeiten]

Bootsmesser mit Marlspieker (links), Schäkelöffner (oben) und Messer (rechts)

Schiffsmesser[Bearbeiten]

  • Schäkelöffner zum Öffnen von Schäkeln (Seilbolzen)

Golfwerkzeuge[Bearbeiten]

Sonstige Werkzeuge[Bearbeiten]

  • Schneid-und-Pick-Werkzeug[29] (eng. Cut and Picker Blade) zum Durchschneiden der Plastikverpackung um Medikamentendosen und Herauspicken der Baumwollfüllung zur Polsterung aus dem Hals der Medikamentendose
  • Orangenschäler[30] (eng. orange peeler) zum Schälen von Orangen

Rechtliche Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Es ist zwischen Messern als Waffen und Messern als Werkzeuge zu unterscheiden. Messer als Werkzeuge sind generell erlaubt. Messer als Waffen fallen unter das Waffengesetz (WaffG) und sind je nach Typ entweder erlaubt oder verboten.

Definition der Waffen

„Waffen sind […] tragbare Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die Angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, insbesondere Hieb- und Stoßwaffen“. (§ 1 Abs. 2 WaffG)

Definition der Hieb- und Stoßwaffen

Hieb- und Stoßwaffen sind Waffen, „die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, unter unmittelbarer Ausnutzung der Muskelkraft durch Hieb, Stoß, Stich, Schlag oder Wurf Verletzungen beizubringen“. (Anlage 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.1 WaffG)

Liste verbotener Messer

Der Umgang mit folgenden Messerarten ist in Deutschland verboten (Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.4.1–1.4.3 WaffG):

  • Faustmesser jeglicher Art,[31]
  • Seitspringmesser mit einer Klingenlänge von über 8,5 cm,
  • Balisong-Messer (Butterfly-Messer) jeglicher Art,
  • Frontspringmesser (OTF-Messer) jeglicher Art und
  • Fallmesser jeglicher Art sind verboten.

„Umgang mit einer Waffe oder Munition hat, wer diese erwirbt, besitzt, überlässt, führt, verbringt, mitnimmt, damit schießt, herstellt, bearbeitet, instand setzt oder damit Handel treibt.“ (§ 1 Abs. 3 WaffG)

Verbot des Führens bestimmter Messer

Es ist verboten, „Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm“ zu führen. Ausnahmen sind zulässig, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt, wie beispielsweise Berufsausübung, Brauchtumspflege, Sport oder ein allgemein anerkannter Zweck. (§ 42a WaffG)

„Eine Waffe führt, wer die tatsächliche Gewalt darüber außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume, des eigenen befriedeten Besitztums oder einer Schießstätte ausübt.“ (Anlage 1 Abschnitt 2 Nr. 4 WaffG)

Verbot von Waffen bei öffentlichen Veranstaltungen

„(1) Wer an öffentlichen Vergnügungen, Volksfesten, Sportveranstaltungen, Messen, Ausstellungen, Märkten oder ähnlichen öffentlichen Veranstaltungen teilnimmt, darf keine Waffen […] führen.
(2) Die zuständige Behörde kann allgemein oder für den Einzelfall Ausnahmen […] zulassen […].“ (§ 42 Abs. 1–2 WaffG)

Landesrechtliche Verbote zum Führen von Waffen

„Die Landesregierungen werden ermächtigt, durch Rechtsverordnung vorzusehen, dass das Führen von Waffen […] auf bestimmten öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen allgemein oder im Einzelfall verboten oder beschränkt werden kann, soweit an dem jeweiligen Ort wiederholt

  1. Straftaten unter Einsatz von Waffen oder
  2. Raubdelikte, Körperverletzungsdelikte, Bedrohungen, Nötigungen, Sexualdelikte, Freiheitsberaubungen oder Straftaten gegen das Leben

begangen worden sind und Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass auch künftig mit der Begehung solcher Straftaten zu rechnen ist.“ (§ 42 Abs. 5 WaffG)

Hausrechtliche Verbote zum Führen von Waffen

Die Inhaber des Hausrechts wie Schulen, Betriebe, Verkehrsbetriebe, Gaststätten, Diskotheken und andere haben das Recht, das Führen von Waffen in ihrem jeweiligen Bereich zu verbieten und das Führungsverbot – notfalls auch mit Gewalt – im Rahmen eines rechtfertigenden Notstands nach § 34 StGB durchzusetzen.[32]

Bekannte Hersteller von Taschenmessern[Bearbeiten]

Deutschland

  • Böker aus Solingen
  • Eickhorn aus Solingen
  • Hartkopf aus Solingen
  • Herbertz aus Solingen
  • Hubertus aus Solingen
  • Klaas aus Solingen
  • Linder aus Solingen
  • Lütters aus Solingen
  • Puma aus Solingen

Frankreich

Großbritannien

Italien

Neuseeland

Österreich

Schweiz

Spanien

  • Joker aus Albacete, Autonome Region Kastilien-La Mancha
  • Navaja Artesanal aus Albacete, Autonome Region Kastilien-La Mancha
  • Nieto aus Albacete, Autonome Region Kastilien-La Mancha
  • Muela aus Argamasilla de Calatrava, Autonome Region Kastilien-La Mancha

Südafrika

Tschechien

USA

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Taschenmesser – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Taschenmesser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verordnung zum Schutz des Namens Solingen
  2. Forge de Laguiole: „Das Laguiole (PDF-Datei; 84 kB)“
  3. Replik eines Klappmessers aus Hallstatt
  4. a b Moderne Version des mittelalterlichen Bauernklappmessers von der Firma Svörd
  5. a b Youtube-Video zum Nachbau des mittelalterlichen Bauernmessers von der Firma Svörd
  6. YouTube-Video zur akrobatischen Handhabung des Balisong-Messers
  7. YouTube-Video zur Handhabung des Jakobsleiter-Messers
  8. YouTube-Video zu einem Pantograph-Messer
  9. YouTube-Video zur Handhabung eines Fallmessers
  10. YouTube-Video zu einem Higonokami-Messer
  11. YouTube-Video zum Gebrauch des Stiletto-Springmessers
  12. YouTube-Video zur Funktionsweise eines Frontspringmessers
  13. YouTube-Video zum inneren Aufbau eines Frontspringmessers
  14. a b Adelsmesser mit Sekthaken der Firma Hubertus
  15. Zigarrenmesser der Firmen Wenger und Victorinox
  16. a b c Rettungsmesser der Firma Victorinox
  17. a b c Youtube-Video zum Einsatz des Rettungsmessers
  18. a b Rettungsmesser der Firma Hubertus
  19. Bergsteigermesser Ueli Steck der Firma Wenger
  20. Bäckermesser der Firma Victorinox
  21. Ketex: Fachbegriffe & Abkürzungen. In: Ketex – Der Hobbybrotbäcker. Abgerufen am 6. November 2012.
  22. Joschi Kley: Einschneiden und Ausbund. In: Kley‘s Merkwürdigkeiten. Abgerufen am 6. November 2012 (PDF; 133 kB).
  23. a b c Gartenmesser der Firma Victorinox
  24. a b Reitermesser der Firma Waldhausen
  25. a b c d e Jagdmesser der Firma Hubertus
  26. Sportfischermesser der Firma PUMA
  27. Pitchgabel der Firmen Victorinox und Wenger
  28. Schuh-Spike-Schlüssel der Firmen Victorinox und Wenger
  29. Schneid-und-Pick-Werkzeug der Firma Victorinox
  30. Orangenschäler der Firma Victorinox
  31. Ausnahmen gelten gem. § 40 Abs. 3 WaffG für Leder und Pelz verarbeitende Berufe.
  32. Die Rechtslage – WaffG und Messer. Website der Initiative Messer sind Werkzeuge, abgerufen am 8. März 2014.
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!