Tatar

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit Tatar als Gericht. Für den Tatar als Mitglied des Volkes siehe Tataren, für weitere Bedeutungen siehe Tatar (Begriffsklärung).
Beefsteak-Tatar mit Eigelb, Kapern und Zwiebeln

Tatar (englisch und französisch steak tartare, in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg filet américain) oder Schabefleisch ist Hackfleisch vom Rind, das aus hochwertigem, sehnenfreiem und fettarmem Muskelfleisch wie Filet hergestellt wird und feiner zerkleinert ist als einfaches Rinderhackfleisch.

Zubereitung[Bearbeiten]

Tatar wird meist roh als Beefsteak tatare genossen. Das Gerücht, der Name spiele auf die Tataren an, denen in alten Berichten nachgesagt wurde, sie hätten rohe Fleischstücke unter ihren Sätteln mürbe geritten und anschließend verzehrt[1] wurde laut New York Times schon 1924 durch The Cambridge Medieval History dementiert.[2] Die bislang älteste bekannte Beschreibung dieses Gerichts findet sich in dem Buch Gastrosophie von Eugen von Vaerst, erschienen 1851.[3]

Für die in Deutschland übliche Zubereitung wird das gehackte Rindfleisch gesalzen und gepfeffert, portionsweise zu flachen Ballen geformt und in die Mitte eine Vertiefung gedrückt, in die ein rohes Eigelb, feingehackte Zwiebeln und Sardellenfilets sowie Kapern gegeben werden. Vermischt werden die Zutaten dann direkt auf dem Teller. Dazu werden Mixed Pickles und Mischbrot gereicht, eventuell auch Worcestershire- und Tabascosauce und Weinbrand. In Luxemburg serviert man das Gericht mit untergemischten Kapern oder Erbsen, dazu frischen Zwiebeln, grünem Salat und einer beliebigen Beilage.

Dem Tatar ähnliche Gerichte sind Mett aus gewürztem rohen Schweinefleisch und Häckerle aus Salzhering oder Matjes, das auch Matjestatar genannt wird. Lachstatar wird entsprechend aus Graved Lachs oder geräuchertem Lachs, eher aber rohem Lachs hergestellt.

Kulturelle Aspekte[Bearbeiten]

Dem Philosophen Roland Barthes zufolge ist der Verzehr des Beefsteak tatare insbesondere im Kontext der französischen Küche als „eine beschwörende, gegen die romantische Assoziierung von Sensibilität und Krankhaftigkeit gerichtete Handlung“ zu deuten: „In dieser Art der Zubereitung sind alle Keimzustände der Materie enthalten: der blutige Brei, das Schleimige des Eies, der ganze Zusammenklang weicher lebender Substanzen, ein bedeutungsvolles Kompendium der Bilder des Vorgeburtlichen.“[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tatar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gert v. Paczensky, Anna Dünnebier: Leere Töpfe, volle Töpfe. Die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. München 1994, S. 510
  2. „…the story was started by early chroniclers who saw Mongol horsemen putting thin slices of raw meat beneath their saddles, but that the meat was meant to help heal the horses’ sores rather than fill the men’s stomachs. The book notes that the meat would have been impregnated with sweat and uneatable by the end of the day.“ Craig S. Smith: The Raw Truth: Don't Blame the Mongols (or Their Horses), New York Times, 6. April 2005
  3. Petra Foede: Wie Bismarck auf den Hering kam. Kulinarische Legenden. Kein & Aber, Zürich 2009, ISBN 978-3-03-695268-0, S. 207.
  4. Roland Barthes: Beefsteak und Pommes frites, in: Roland Barthes: Mythen des Alltags. Aus dem Französischen übersetzt von Horst Brühmann. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2010, S. 100-103, ISBN 978-3-518-41969-4 (frz. Originaltext: Le bifteck et les frites, in: Roland Barthes: Mythologies. Editions du Seul, Paris 1957).