Tatjana Sais

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Tatjana Sais im Kabarett der Komiker, 1939

Tatjana Sais (* 28. Januar 1910 in Frankfurt am Main; † 26. Februar 1981 in Berlin) war eine deutsche Kabarettistin, Schauspielerin und Synchronsprecherin.

Leben[Bearbeiten]

Tatjana Sais trat schon in Kinderjahren im Ballett der Frankfurter Oper auf. Nach dem Schulabschluss nahm sie zudem von 1928 bis 1930 Unterricht in Gesang und Schauspiel und erhielt in Frankfurt-Höchst ihr erstes Bühnenengagement. Nach einem Umzug nach Berlin trat sie ab 1931 an diversen Berliner Theatern (u.a. Hebbel am Ufer, Schillertheater) auf verschiedenen Kleinkunstbühnen auf.

Kabarett[Bearbeiten]

Tatjana Sais bei einem Gastspiel der Insulaner in Freiburg im Breisgau, 1959

Neben Werner Finck spielte sie ab 1932 im Programm des politisch-literarischen Kabaretts Die Katakombe. Dort lernte sie den Kabarettisten Günter Neumann kennen, den sie 1938 heiratete. Zusammen mit Neumann und Bruno Fritz gründete Tatjana Sais nach dem Verbot der Katakombe das Kabarett Tatzelwurm. Daneben trat sie mit zahlreichen kabarettistischen Programm auf anderen Kleinkunstbühnen, u.a. dem Kabarett der Komiker, auf.

1948 gehörte sie zusammen mit ihrem Ehemann zu den Gründungsmitgliedern des Nachkriegskabaretts, der RIAS-Sendung Die Insulaner, die zunächst nur im Rundfunk, später auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde, und trat bis 1964 in dieser Sendung in verschiedenen Rollen auf.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Ab 1936 übernahm Tatjana Sais regelmäßig Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Sie spielte u.a. in Willi Forsts Bel Ami, in Robert A. Stemmles Berliner Ballade (für den ihr Günter Neumann das Drehbuch verfasst hatte), in Kurt Hoffmanns phantastischer Komödie Der Engel, der seine Harfe versetzte, in der Satire Wir Wunderkinder (nach Hugo Hartung), neben Lilo Pulver in Herrliche Zeiten im Spessart sowie den Curt Goetz-Remakes Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden...? und Dr. med. Hiob Prätorius (jeweils mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle). Unter anderem spielte sie auch eine Nebenrolle in dem antisemitischen Film Robert und Bertram (1939) als Tochter des jüdischen Bankiers Ipplmeyer, und meinte im Presseheft der Tobis: „Es ist ein heikles Gefühl, als Judenmädchen in das Bewußtsein des Publikums einzugehen. Mir wurde das an den entsetzten Blicken klar, mit denen uns die vielen Besucher während der Drehzeit musterten. Wir sahen wirklich aus wie die waschechte Mischpoke (Tobis-Presseheft zu „Robert und Bertram, Berlin 1939, S. 17). Robert und Bertram ist der einzige antisemitische NS-Film, der sich als Komödie geriert. Das Zitat dokumentiert die Verstrickung von „unpolitischen“ Künstlern und Schauspielern in die Mentalität des NS-Staates – ungeachtet dessen, welche hohen Verdienste sie sich in der Nachkriegszeit erworben haben.

Sie war außerdem Mitglied der Spielfilmjury der ersten Berlinale.

Hörfunk und Synchronisation[Bearbeiten]

Grabstätte, Fürstenbrunner Weg 65-67, in Berlin-Westend

Darüber hinaus lieh Tatjana Sais seit den 1940er Jahren zahlreichen Hörspielproduktionen des NWDR (z.B. in der Titelrolle von William Shakespeares Antonius und Kleopatra) und als Synchronsprecherin Schauspiel-Kolleginnen wie Miriam Hopkins (Die Erbin), Elsa Lanchester (Die Piratenbraut, Revolverlady) und Maureen O’Sullivan (Spiel mit dem Tode).

Außerdem nahm Tatjana Sais verschiedene Platten mit Chansons auf, darunter den von Günter Neumann komponierten Chansonzyklus Die Dame von heute.

Privates[Bearbeiten]

Nach der Scheidung von Günter Neumann heiratete Tatjana Sais den britischen Journalisten Sir Hugh Carlton Greene, Generaldirektor der BBC und Mitbegründer des NWDR, mit dem sie ihre letzten Lebensjahre in London verbrachte. Am 26. Februar 1981 starb Tatjana Sais im Alter von 71 Jahren in Berlin. [1] Sie wurde in Berlin-Westend im Grab ihres ersten Mannes, Günter Neumann, auf dem Kirchhof III der Luisen-Gemeinde, Fürstenbrunner Weg 37–67, beigesetzt.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tatjana Sais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DER SPIEGEL 10/1981: Gestorben: Tatjana Sais, abgerufen am 18. Juli 2014