Tatra 603

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Tatra
Tatra 603, Typ 1

Tatra 603, Typ 1

T603
Produktionszeitraum: 1956–1975
Klasse: Oberklasse
Karosserieversionen: Limousine
Motoren: Ottomotor:
2,5 Liter (70–77 kW)
Länge: 4975 mm
Breite: 1895 mm
Höhe: 1530 mm
Radstand: 2750 mm
Leergewicht: 1470 kg
Vorgängermodell: Tatra 87
Nachfolgemodell: Tatra 613
Modell des Tatra 603 im Maßstab 1:1
(1955)
Tatra 603 der ersten Serie
Tatra 603, Typ 1
Typ 2-603 Modell ’69 (1975)

Der Tatra 603 ist ein Luxuswagen des damals noch tschechoslowakischen Automobilherstellers Tatra. Er wurde von 1956 bis 1975 in drei Serien hergestellt und setzte die Tradition stromlinienförmiger Formgebung bei Tatra fort, die auf Hans Ledwinka zurückging. Eine weitere Besonderheit war der luftgekühlte V8-Motor im Heck des Wagens. Somit hob sich der Tatra 603 sowohl technisch als auch äußerlich deutlich von anderen PKW-Baumustern ab. Als repräsentatives Fahrzeug der Oberklasse stand er im Ostblock hochrangigen Personen und Organen der Gesellschaft durch Zuteilung zur Verfügung. Von 1956–1975 wurden 20.422 Exemplare größtenteils in Handarbeit gefertigt. Nachfolger des T 603 war ab 1974 der Typ 613.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nachdem im Jahre 1951 mit dem T 600 der PKW-Bau bei Tatra auf staatliche Anordnung eingestellt worden war, um das Werk auf Militär-Lkw-Produktion umzustellen, rückte die kommunistische Staatsführung der Tschechoslowakei von diesem Vorhaben wieder ab, als im Lande ein Mangel an repräsentativen Fahrzeugen auftrat. Da die wenigen importierten großen sowjetischen Limousinen, wie der GAZ-12 ZIM aufgrund ihrer müden Fahrleistungen und der vor allem anfangs schlechten Verarbeitungsqualität unbeliebt waren, wurde in der Tschechoslowakei die Produktion luxuriöser Pkw als dringend notwendig erachtet. Zudem erkannte die Regierung nun auch, dass der Bau von Luxusautos durchaus eine nationale Prestige-Frage darstellte und erteilte Tatra daher im Jahre 1953 die Erlaubnis, neue Luxusautos zu produzieren.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Arbeiten am neuen Tatra 603 begannen bereits Anfang der 1950er in geheimer Form in einem Konstruktionsbüro in Prag. In dieser Zeit wurde mit Bau der ersten Prototypen angefangen. Die Regierung wollte einen Wagen mit sechs Sitzplätzen und einem V8-Heckmotor mit einem Hubraum von 3,6 Litern innerhalb eines halben Jahres. In den Jahren 1954 bzw. 1955 wurde auch eine Großraumlimousine auf Basis des Tatra 603 unter der Bezeichnung „Tatra 707“ entworfen, jedoch nie auch nur als Prototyp realisiert. Entwickelt wurde ein völlig neues großes Auto mit aerodynamischer Karosserie, einem luftgekühlten V-Achtzylinder-Motor im Heck (Version 603F) mit einem Hubraum von (zunächst) 2545 cm³, OHV-Ventilsteuerung und einer Leistung von 95 PS (73 kW). Die Modellbezeichnung Tatra 603 leitet sich vom Motor-Typ 603 ab, der anders als die komplett neue entworfene Karosserie schon 1949 fertig konstruiert war. Dieser neue Motor war – wenn auch entsprechend modifiziert – 1950 im GP-Rennwagen Tatra 607 Monoposto sowie 1951 im 601 Tatraplan Monte Carlo zu Einsätzen im Motorsport gelangt und galt daher als erprobt und bewährt. Der T 603 besaß als letzter Tatra eine stromlinienförmige Karosserie. Mit seinem Vorgänger T 6000 hatte er lediglich die Grundprinzipien gemein (Luftkühlung, Heckmotor, Heckantrieb, Pendelachse hinten), wurde jedoch völlig neu konstruiert. Die auf dem Bild des Prototyps von 1955 sichtbare zentrale Flosse am Wagenheck, welche die Vorkriegs-Baumuster T 77 und T 87 auszeichneten, wurde nicht in die Serie übernommen. Ein Stilmerkmal sind die für die Luftkühlung benötigten Lufteintrittshutzen, die in die hinteren Radkästen integriert sind. Ein besonderes Kennzeichen der ersten Serie (1955 bis 1963) waren die drei gleich großen Hauptscheinwerfer hinter einer der Karosserieform entsprechend gewölbten Glasabdeckung, die gewählt wurde, um die Aerodynamik der Karosserie zu optimieren.

Tatra 603[Bearbeiten]

Das Auto wurde mit Beginn der Serienproduktion 1956 im In- und Ausland der Öffentlichkeit präsentiert und erhielt im damaligen Westdeutschland wegen seiner modernen Linienführung einen Preis. Der Anfangs 95 und später 105 PS starke Motor beschleunigte den großen Wagen auf bis zu 165 km/h (erste Serie 170 km/h), was nicht zuletzt die stromlinienförmige Karosserie ermöglichte. Seit 1962 wurde eine neue Motorversion eingebaut (603G), die einen geringfügig auf 2474 cm³ verkleinerten Hubraum, dafür eine um 10 PS gesteigerte Leistung aufwies.

Tatra 603-2 bzw. Tatra 2-603[Bearbeiten]

1963 wurde das Auto zum Typ 2-603 (auch Typ 603-2) modernisiert. Die auffälligste Änderung betraf die Fahrzeugfront, in der die vorderen drei Hauptscheinwerfer hinter der Glasabdeckung durch vier kleinere eng angeordnete Scheinwerfer ohne weitere Abdeckung ersetzt wurden. Damit besaß der T 603 eine etwas zerklüftete Front, die der Aerodynamik abträglich war, die Höchstgeschwindigkeit sank trotz der geringfügigen Mehrleistung um 5 km/h. Weitere kleinere optische Retuschen an der Karosserie folgten. Der mittlere Scheinwerfer diente bis dahin als Kurvenlicht, bereitete jedoch Platzprobleme im Kofferraum. Dieser befand sich vorne, da im Heck der Motor platziert war.

Tatra 603-3 bzw. Tatra 2-603 Modell 1969[Bearbeiten]

Tatra 2-603 mit deutscher Zulassung

1968 folgte eine weitere Überarbeitung, wobei eine neue und standfestere Motorversion (603H) eingebaut und die vier Scheinwerfer etwas weiter nach außen versetzt wurden. Diese Version sollte Tatra 3-603 genannt werden. Doch wegen der hohen finanziellen Aufwendungen für die Homologation blieb es offiziell bei der Bezeichnung Tatra 2-603 (Typ 603-2). Zur Unterscheidung wurde der Wagen allerdings oft als Tatra 603-2 Modell 1969 bezeichnet. Wiederum wurden geringfügige Änderungen an der Karosserie vorgenommen. Am auffälligsten waren die Front, die Chromleisten an der Seite (jetzt durchgehend angeordnet und höher angesetzt) und die neuen, vereinfachten, in der Mitte spitz zulaufenden statt bisher gewölbten Radkappen. Die Produktion des T 603 endete 1975, nachdem seit einem Jahr der modernere und stärkere Nachfolger 613 hergestellt wurde.

Vom Tatra 603 wurden in zwanzig Jahren insgesamt 20.422 Exemplare handwerklich „in Serie“ hergestellt; somit stellt dieses Baumuster den am häufigsten produzierten Pkw-Typ von Tatra dar. Der Tatra 603 war auch der letzte in Kopřivnice produzierte Personenkraftwagen. Die Montagehalle auf dem weitläufigen Tatra-Gelände wurde einige Jahre später abgerissen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Tatra 603 wurde ab Anfang der 1960er-Jahre in zahlreiche Länder des sozialistischen Wirtschaftsgebiets exportiert. Meistens wurde er entsprechenden Personen und Organen für dienstliche, repräsentative Zwecke zugeteilt. In der Tschechoslowakei waren das höhere Funktionäre der Kommunistischen Partei, leitende Beamte des Staatsapparats sowie Direktoren der größeren Staatsbetriebe, sowie Behörden und tschechoslowakische Geheimdienstler. Der T 603 war auch Staatskarosse der Tschechoslowakei und stand den Regierungsmitgliedern und Diplomaten zur Verfügung. Der Staatspräsident wurde jedoch nicht mit diesem Fahrzeug chauffiert, sondern ließ sich in gestreckten sowjetischen Limousinen von GAZ fahren. Einige wenige ältere Exemplare wurden als umlackiertes Einsatzfahrzeug von Feuerwehrkommandanten verwendet. Aus dem Staatsdienst ausgemusterte Exemplare gelangten oftmals auch in private Hände. Wenige Exemplare fanden in einigen Städten der ČSSR in Privathand Verwendung als Taxi. Im Laufe ihres Einsatzes wurden viele Fahrzeuge zur Überholung in das Werk geschickt, wo sie zum Teil eine neue Karosserie erhielten und ältere Ausführungen oft auf den jeweils aktuellen Stand umgerüstet wurden.

Der Export in die DDR begann Ende 1959. [1] Der Neupreis in der BRD betrug 15.050 DM, später 16.000 DM. [2]

Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 waren die T 603 im Westen eine Rarität. Nach 1990 wurden viele dieser Autos von Liebhabern aus der DDR, Tschechoslowakei und anderen Ländern privat in den Westen sowie auch nach Deutschland exportiert und sind heute beliebte Oldtimer.

Fahreindruck[Bearbeiten]

Heckansicht eines Tatra 2-603

Das Fahrverhalten der 603er ist trotz Heckmotor und Pendelachse hinten bei Trockenheit ruhig; bei Nässe oder Schnee reagieren sie jedoch vor allem bei plötzlichen Bremsmanövern sehr empfindlich. Die Schaltung ist zwar vollsynchronisiert, funktioniert aber nur befriedigend, wenn mit Zwischengas und Zwischenkuppeln geschaltet wird. Der T 603 lässt sich trotz fehlender Servolenkung leicht lenken und überzeugt noch heute mit gutem Federungskomfort. Die Fahrleistungen waren beeindruckend und machen den 603 noch immer zu einem schnellen Reisewagen.

Versionen[Bearbeiten]

Tatra 603 Monte Carlo

In den Jahren 1954/1955 wurde auch eine Großraumlimousine auf Basis des T 603 unter der Bezeichnung „Tatra 707“ entworfen, jedoch niemals auch nur als Prototyp realisiert.

Serienversionen

  • Tatra 603
  • Tatra 2-603 oder Tatra 603-2
  • Tatra 2-603 Modell 69 oder Tatra 603-2 Modell 1969

Rennversionen

  • Tatra 603 Monte Carlo
  • Tatra 603 B5
  • Tatra 603 B6

Motorsport[Bearbeiten]

Auch im Motorsport fand der T 603 Einsatz. Werksteams erschienen bei der Rallye Monte Carlo, beim Marathon de la Route und anderen internationalen Rennveranstaltungen sowie nationalen tschechoslowakischen Meisterschaften. Einmal gelang dem Tatra-Team mit einem seriennahen, auf 190 PS leistungsgesteigerten T 603 der ersten Serie sogar der Sieg beim Marathon de la Route. Die letzten Rennversionen waren 1965 der Tatra 603 B5 und 1968 der Tatra 603 B6. Bei einem österreichischen Alpenrallye starteten fünf Fahrzeuge und kamen als erste hintereinander an.

Prototypen auf Basis des 603[Bearbeiten]

Neben dem von 1955 bis 1975 hergestellten Serienmodell 603 wurden im Tatra-Zweigwerk in Bratislava auch einige Prototypen auf dessen Basis gebaut. Der erste war 1961 der Kleinbus Tatra 603 MB mit zwischen den Vordersitzen eingebautem V8-Motor des 603 und Frontantrieb, was für einen Tatra bis heute einzigartig ist. Dieses Modell wurde aus Kapazitätsgründen nicht genehmigt. Drei Jahre später, 1964, erschien der Tatra 603 A in zwei Karosserievarianten als viertürige Stufenheck-Limousine bzw. als Krankenwagen. Auch dieses Modell gelangte nicht in die Serienproduktion. Der letzte Prototyp war der Tatra 603X von 1966, ursprünglich in die Karosserievariante Limousine entworfen und dafür vorgesehen, das bekannte Serienmodell des 603 abzulösen. Doch auch der 603 X fand nicht das Gefallen der staatlichen Stellen und blieb ein Prototyp, wenngleich das italienische Designstudio Stile Italia im Auftrag von Tatra einen eigenen stilistisch raffinierteren Entwurf vorlegte. Als Konsequenz daraus entschied Tatra noch im Jahre 1966, einen Nachfolger des Typs 603 komplett neu zu konstruieren und zu entwickeln.

  • Tatra 603 MB (Kleinbus-Prototyp 1961 – einziger Tatra mit Frontantrieb)
  • Tatra 603 A    (Limousinen- und Krankenwagen-Prototyp 1964)
  • Tatra 603 X    (Limousinen-Prototyp 1966)

Technische Daten[Bearbeiten]

Motorraum eines Tatra 2-603 (1969)
Cockpit eines Tatra 603

Baujahr 1969–1972 Modell II, Motortyp 603H

Trivia[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Versuchswagen eines neuen tschechoslowakischen PKW – Tatra 603. In Kraftfahrzeugtechnik 4/1956, S. 146–147
  • Frühes Foto eines Tatra 603 in: Kraftfahrzeugtechnik 12/1956, S. 474

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kraftfahrzeugtechnik 3/1959, S.115
  2. Oldtimer Markt Preise, Ausgabe 2013, S. 273

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tatra 603 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien