Taubenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Taubenberg auf dem Gebiet der bayerischen Gemeinde Warngau. Für andere Erklärungen siehe Taubenberg (Begriffsklärung).
Taubenberg
Der Taubenberg von Gotzing, Blick aus Südosten

Der Taubenberg von Gotzing, Blick aus Südosten

Höhe 896 m ü. NN
Lage Bayern
Gebirge Bayerisches Alpenvorland
Koordinaten 47° 49′ 47″ N, 11° 45′ 50″ O47.8296511.763952777778896Koordinaten: 47° 49′ 47″ N, 11° 45′ 50″ O
Taubenberg (Bayern)
Taubenberg
Gestein Konglomerat
Alter des Gesteins Tertiär

Der Taubenberg ist ein Berg mit 896 m Höhe und einer Ausdehnung von 1847 ha[1] auf dem Gebiet der Gemeinde Warngau im Landkreis Miesbach. Er liegt abgesetzt vor den Tegernseer Bergen der Bayerischen Voralpen und ist ein beliebtes Wanderziel und das wichtigste Wasserversorgungsgebiet der bayerischen Landeshauptstadt München. Rund zwei Drittel des Berges sind im Besitz der Stadt München, der Rest ist Streubesitz örtlicher Land- und Forstwirte.

Geographie[Bearbeiten]

Geologisch gehört der Taubenberg mit seiner charakteristischen Ost-West-Ausrichtung zu den Molassevorbergen[2] und markiert (wie z. B. auch der Hohenpeißenberg) den Nordrand der Faltenmolasse im bayerischen Voralpenland und damit den geologischen Alpenrand. Der Taubenberg ist das Ergebnis von Schuttströmen der oberen Süßwassermolasse, die vor etwa 10–15 Millionen Jahren – bei der Entstehung der Alpen – aus Süden kamen. Diese groben Schuttkegel bilden heute charakteristische Berge vor den Ausgängen der ehemaligen tertiären Alpenflüsse (Tischberg, Hoher Peißenberg, Irschenberg u. a.). Durch das Eis späterer Vergletscherungen sind sie später als Härtlinge gegenüber ihrer weicheren Umgebung aus Feinsanden herauspräpariert worden und haben wie Eisbrecher den Eisstrom in einzelne Gletscherzungen (Loben) geteilt.

Die Verteilung von Findlingen und die Bodenhorizonte im Gipfelbereich des Taubenbergs lassen darauf schließen, dass er in der letzten, der Würm-Kaltzeit nicht von Gletschern überschoben wurde, sondern als Nunatak aus dem Eis herausragte.[2]

Der Taubenberg weist eine eigentümliche Geomorphologie auf. Der höchste Punkt liegt im Westen des Höhenrückens. Von dort fließt der kleine Farnbach in einem Tal im Zentrum der Geländestruktur nach Osten und zur Mangfall, in die er mündet. Das Tal des Farnbachs teilt den Taubenberg in einen nördlichen und einen südlichen Rücken, die im Westen miteinander verbunden sind. Der nördliche Rücken ist höher, in seinem Osten liegt der zweithöchste Punkt des Berges. Der südliche Rücken fällt von West nach Ost annähernd gleichmäßig ab. Ihm vorgelagert liegt das Steinbachtal, eine breite Hangfußmulde mit Niedermoorcharakter.

Ökosysteme[Bearbeiten]

Der Taubenberg ist als FFH-Gebiet ausgewiesen.[3] Er liegt in der montanen Höhenstufe, seine Leitgesellschaft ist der Buchen-Tannenwald.[4] An trockenen Standorten steht die Stieleiche und vereinzelt an den Hängen zur Mangfall sowie auf besonders sauren Böden auch die Waldkiefer. Eine Besonderheit des Taubenbergs ist der hohe Anteil der Tanne von über 10 % und durch gezielte Förderung ansteigend. Sonderstandorte sind die Schluchtwälder vorwiegend im oberen Farnbachtal, das Fadenseggen-Bergkiefernmoor im Steinbachteil im Süden des Gebietes, sowie die Kalktuffquellen an Austritten von besonders kalkhaltigem Grundwasser. Im östlich angrenzenden Mangfalltal steht ein besonders naturbelassener Grauerlen-Auwald. Der Erhalt dieser eiszeitlich bedingten Relikt- und Sonderstandorte, die von besonderer Bedeutung für den Naturschutz sind, ist auf das kleinräumige Relief des Berges zurückzuführen.[5]

Besonders wertvoll ist der Taubenberg als Lebensraum für geschützte Vogelarten: Schwarzstorch, Auerhuhn, Sperlingskauz, Schwarzspecht, Uhu und Haselhuhn kommen in den Wäldern und an den Hängen des Berges vor. Deshalb ist der Taubenberg gleichzeitig nach der Vogelschutzrichtlinie als Europäisches Vogelschutzgebiet -SPA- ausgewiesen.[6] Im Steinbachtal am Südrand des Gebietes und in der den Taubenberg im Norden und Süden umgebenden Haglandschaft[7] lebt der Neuntöter. Außerdem wurden an besonders geschützten Arten nach der FFH-Richtlinie nachgewiesen: die Gelbbauchunke, der Skabiosen-Scheckenfalter und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling.[8]

Nutzung[Bearbeiten]

Aussichtsturm auf dem Taubenberg

Nach der Entscheidung der Stadt München, ihr Trinkwasser von der Mangfall zu beziehen, kaufte die Stadt Flächen im Umgriff der Trinkwasserentnahme an. Zwischen 1893 und 1902 wurde die Fassung bei Mühlthal erweitert und die Hangquellen unterhalb von Gotzing erschlossen. Deshalb erstreckte sich der Flächenkauf um die Wende zum 20. Jahrhundert auch auf den Taubenberg.[9] Es gelang im Laufe der Zeit rund 2/3 des Berges zu erwerben.[10] Dabei handelte es sich damals zu einem großen Teil um als Weideland genutzte Wiesen. Die Stadt entschied sich um 1900 diese Flächen aufzuforsten, weil auf Waldflächen die Gefahren der Düngung mit Mist für das Grundwasser entfallen und Wald besserer Schutz für die Bodenqualität ist und daher die Filterung des versickernden Wassers verbessert. Ein Teil der erworbenen landwirtschaftlichen Einzelgehöfte am und auf dem Taubenberg wurde ersatzlos abgebrochen.[11] Ursprünglich nutzte die städtische Forstverwaltung wie damals üblich vorwiegend Fichten.[12] Der damals mit den Flächen erworbene Westinhof bei Gotzing wurde Sitz der Münchner Forstverwaltung.

Heute bewirtschaftet die Stadt zum Schutz der Trinkwasserfassungen unterhalb des Berges ihren Waldbesitz auf dem Taubenberg naturgemäß und baut den Wald zu einem Mischwald mit standortgerechten Baumarten um.[13] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gedanke des Dauerwalds übernommen und dazu werden seitdem die Fichtenreinbestände im Altersklassenwald per Einzelstammentnahme auf einen Mischwald umgebaut, der der potentiell-natürlichen Vegetation nahekommt. Er weist neben der Fichte als Hauptbaumart hohe Anteile von Buche, Tanne und Edellaubbäumen auf.[14]

Die Mischung aus Laub- und Nadelbäumen sorgt für einen humusreichen Bodenaufbau, die tiefwurzelnden Arten Buche und Ahorn, sowie an feuchten Standorten die Esche ziehen basische Ionen aus dem Kalkboden und wirken so einer Versäuerung des Oberbodens entgegen. Gemischtes Alter und ein hoher Anteil von im Winter kahlen Laubbäumen erhöhen die Grundwasserproduktion, weil wesentlich Niederschläge auf den Boden gelangen, als bei einem Altersklassenwald mit geschlossener Krone.[15]

Der städtische Wald auf dem Taubenberg gehörte 2001 zu den ersten in Deutschland vom Forest Stewardship Council zertifizierten Flächen. Außerdem ist der städtische Forstbetrieb Mitglied bei Naturland.[16] Im Mangfalltal und dessen Umgebung einschließlich der Anteile des Taubenbergs in Privatbesitz fördert die Stadt München seit 1992 die Umstellung von landwirtschaftlichen Betrieben auf ökologischen Landbau durch eine Umstellungsbeihilfe und anschließend eine dauerhafte Unterstützung.[17]

Die Nutzung wird wegen der besonderen naturschutzfachlichen Bedeutung des Gebietes mit den Fachbehörden abgestimmt. Die Erhaltung der Sonderstandorte hat eine hohe Priorität.[5] Die Stadtwerke München beantragten zuletzt im Jahr 2013 beim Landratsamt Miesbach die Erweitung des bestehenden Wasserschutzgebietes am Taubenberg [18]

Außer für die Trinkwasserbildung und daher die Forstwirtschaft und für den Naturschutz hat der Taubenberg eine besondere Bedeutung für die Naherholung. Dazu trägt bei, dass am höchsten Punkt des Berges von 896 m ü. NN trotz dichter Bewaldung der Aussichtsturm Taubenberg den Blick in alle Richtungen erlaubt. Die Bayerischen Voralpen, die Täler von Mangfall und Schlierach sind bei jedem Wetter zu sehen, meist reicht der Blick auch nach München. Außerdem stehen auf dem Taubenberg die Wallfahrtskapelle Nüchternbrunn und der Gasthof Taubenberg. Auf dem südlichen Kamm und der Südflanke liegen mehrere Einzelgehöfte und Streusiedlungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helge Walentowski, Michael Fischer, et al.: Exkursion Molasse-Vorberge: „FFH-Gebiet 8136-302 Taubenberg“, Mangfallterrassen und Quellschutzwälder der Münchener Wasserwerke, AFSV Jahrestagung 2006 vom 20. bis 23. September. (PDF 3,7 MB)
  • Rolf K. Meyer, Hermann Schmidt-Kaler: Auf den Spuren der Eiszeit südlich von München – östlicher Teil, Wanderungen in die Erdgeschichte, Band 8, ISBN 978-3931516093.
  • Geologische Karte von Bayern mit Erläuterungen (1:500.000). Bayerisches Geologisches Landesamt, 1998.
  • Arbeitskreis Geschichte: "Wasser und Natur zwischen Mangfall und Leitzach", Chronik Band V, Eigenverlag Gemeinde Weyarn, erschienen 2007, ISBN 978-3-937425-03-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taubenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walentowski, Fischer 2006, S. 24.
  2. a b Walentowski, Fischer 2006, Seite 10 ff.
  3. Bayerisches Landesamt für Umwelt: FFH-Gebiet 8136-308 Taubenberg
  4. Walentowski, Fischer 2006 Seite 13 f.
  5. a b Bayerisches Landesamt für Umwelt: NATURA 2000 Bayern Gebietsbezogene Konkretisierung der Erhaltungsziele 8136-302 Taubenberg (PDF; 51 kB), Stand April 2008
  6. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Gebietsdaten NATURA-2000, 8136-302 Taubenberg
  7. Stadtwerke München: M-Wasserweg, Station 17: Haglandschaft (PDF; 42 kB)
  8. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Gebietsdaten NATURA-2000, 8136-302 Taubenberg
  9. Christian Ude: Quellen für München. Carl Hanser, 2008, ISBN 978-3-446-41457-0, Seite 147 f.
  10. Landeshauptstadt München – Städtische Forstverwaltung: Karte der Waldflächen am Taubenberg im städtischen Besitz
  11. Arbeitskreis Geschichte: "Wasser und Natur zwischen Mangfall und Leitzach", Chronik Band V, Eigenverlag Gemeinde Weyarn, erschienen 2007, ISBN 978-3-937425-03-0, Seite 332 - 335
  12. Fritz Wimmer: Die Wasserschutzwaldungen. In: Volker Hütsch (Hrsg).: Hundert Jahre Münchner Wasserversorgung, Stadtwerke München, 1983, Seiten 75–77
  13. Stadtwerke München: M-Wasserweg, Station 15: Taubenberg (PDF; 43 kB)
  14. Christian Ude: Quellen für München. Carl Hanser, 2008, ISBN 978-3-446-41457-0, Seite 102
  15. Christian Ude: Quellen für München. Carl Hanser, 2008, ISBN 978-3-446-41457-0, Seiten 102–104
  16. Christian Ude: Quellen für München. Carl Hanser, 2008, ISBN 978-3-446-41457-0, Seite 104
  17. Christian Ude: Quellen für München. Carl Hanser, 2008, ISBN 978-3-446-41457-0, Seite 110 f.
  18. Stadtwerke München: Trinkwasserschutzgebiet Reisach-Gotzing-Thalham (PDF; 1,1 MB) - Ausgabe 2012