Taunus-Eisenbahn

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Die Taunus-Eisenbahn ist eine zweigleisige elektrifizierte Eisenbahnstrecke, die von Frankfurt am Main nach Wiesbaden führt.

Die 41,2 km lange Verbindung, die zu einem Großteil dem Verlauf des Mains auf dessen Nordseite (rechtsmainisch) folgt, wurde bereits 1839/40 eröffnet und ist damit die älteste Eisenbahnstrecke auf dem Gebiet des Bundeslandes Hessen. Heute verkehren hier die Regionalexpresszüge Frankfurt – Wiesbaden und ab Frankfurt-Höchst auch die Linie 1 der S-Bahn Rhein-Main, die bis dahin auf der ehemaligen Ludwigsbahn, heute Main-Lahn-Bahn mit der Streckennummer 3610, über Griesheim fährt. Dagegen benutzen Züge von Frankfurt nach Limburg und Königstein die Trasse der Taunus-Eisenbahn mit der Streckennummer 3603. Unter der Kursbuchnummer 645.1 sind die Züge Frankfurt–Wiesbaden verzeichnet.

KBS 645.1: Stationen und Kunstbauwerke
Der ehemalige Taunusbahnhof in Frankfurt
Der ehemalige Taunusbahnhof in Frankfurt
Kursbuchstrecke: 645.1
Streckennummer: 3603/3610
Streckenlänge: 41,2 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)

Strecken vom Hbf bis Höchst:
links Taunus-Eisenbahn (RB), rechts Main-Lahn-Bahn (S)

Taunusbahnhof (1839-1888)
0,0 Frankfurt (Main) Hauptbahnhof (seit 1888)
1,0 auf die Main-Weser-Bahn / Homburger Bahn
Rampen Citytunnel
Gütergleis Main-Weser-Bahn – Main-Neckar-Bahn
Hbf-Vorfeld
2,1 Abz. Gutleuthof zur Riedbahn, nach Flughafen
3,1 von Riedbahn, Mainbahn, Flughafen
Mainzer Landstraße
Abstellbahnhof und Verbindungsbahn
nördlich der Bahn: Frankfurter Feldbahnmuseum
3,9 Rödelheimer Kurve zur Homburger Bahn
A 5
~5 zum Hauptgüterbahnhof, befährt Linie 12
6,1 von der ehem. Bäderkurve (Block Niederwald)
Frankfurt-Griesheim
ehem. Ausbesserungswerk
Schwanheimer Brücke B 40
Mainzer Landstraße (1931)
Frankfurt-Nied
Oeserstraße (Posten 10)
7,6 links: Eisenbahnbrücke Nied (Nidda)
9,0 zur Sodener Bahn
9,3 Frankfurt-Höchst
9,4 zur Königsteiner Bahn nicht elektrifiziert
10,2 Frankfurt-Höchst Farbwerke
10,5 zur Main-Lahn-Bahn (seit 1877)
12,2 Frankfurt-Sindlingen
B 40
14,9 Hattersheim
18,9 Hattersheim-Eddersheim
Neubaustrecke Köln-Rhein/Main
BAB 3
Weilbacher Straße B 519
21,9 Flörsheim am Main
Hochheimer Straße B 519
B 519
25,0 Ast. Flörsheim Taubertsmühle (Shell AG)
28,4 Hochheim am Main
BAB 671
Mainbahn von Mainz-Bischofsheim
30,9 von/nach Mainz-Bischofsheim
30,9 zur Mainbahn
Kostheimer Landstraße B 43
33,4 Mainz-Kastel
Kreisel Theodor-Heuss-Brücke B 40
Mainz - KaiserbrückeWiesbaden Ost
Bischofsheim bzw. Mainz nach Wiesbaden
nach Mainz über Kaiserbrücke
37,8 Wiesbaden Ost
zur Nassauischen Rheintalbahn (KBS 466),
ab Niederlahnstein weiter als Rechte Rheinstrecke
BAB 66
Neubaustrecke Köln-Rhein/Main (seit 2002)
Ländchesbahn nach Niedernhausen (seit 1879)
Wiesbaden-Wäschbach, von der Aartalbahn
41,2 Wiesbaden Hbf (seit 1906)
Taunusbahnhof (1840-1906)

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Bau

Lage des Taunusbahnhofs am westlichen Stadtrand Frankfurts auf einem Stadtplan von 1845
Lage des Taunusbahnhofs am westlichen Stadtrand Frankfurts auf einem Stadtplan von 1845
Der Taunusbahnhof in Frankfurt und seine Nachbarbahnhöfe um 1860
Der Taunusbahnhof in Frankfurt und seine Nachbarbahnhöfe um 1860

Dem Bau der Bahn gingen langjährige Verhandlungen zwischen drei souveränen Staaten voraus, über deren Territorien die geplante Strecke verlief: die Freie Stadt Frankfurt, das Herzogtum Nassau, deren Hauptstadt Wiesbaden den anderen Endpunkt bildete, und für den Abschnitt in Mainz-Kastel, das Großherzogtum Hessen. Vor allem letzteres sperrte sich gegen den Bau, weil es durch eine Verbindung der beiden anderen Staaten einen Abzug von Verkehr aus dem eigenen Land befürchtete, und forderte statt dessen Schienenverbindungen zwischen Frankfurt und seinen eigenen Städten Darmstadt, Mainz und Offenbach. Letztlich einigte man sich aber auf den heutigen Streckenverlauf.

Ein 1835 zum Bau der Bahn gegründetes Komitee gab Aktien aus, die sofort 40-fach überzeichnet wurden, und begann 1837 mit den Arbeiten. Die endgültige Konzession wurde allerdings erst im Jahre 1838 erteilt, am 8. Mai von der Stadt Frankfurt, am 11. Mai vom Großherzogtum Hessen und am 13. Juni von Nassau. Zur Gründung der privaten Taunus-Eisenbahn-Gesellschaft kam es am 12. August 1838 in Frankfurt am Main. Für den Trassenverlauf verantwortlich war der aus Mainz stammende bayerische Baurat Paul Camille von Denis, der auch für die erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth verantwortlich zeichnete.

[Bearbeiten] Betrieb

Der Taunusbahnhof in Wiesbaden (abgerissen 1906)
Der Taunusbahnhof in Wiesbaden (abgerissen 1906)

Die erste Teilstrecke konnte am 26. September 1839 vom Taunusbahnhof an der Frankfurter Gallusanlage, errichtet vom Mainzer Baumeister Ignaz Opfermann, ins damals nassauische Städtchen Höchst am Main eröffnet werden. Am 24. November 1839 erreichte der Schienenweg Hattersheim und am 13. April 1840 Mainz-Kastel. Die weitere Strecke bis zum Wiesbadener Taunusbahnhof an der Rheinstraße war am 19. Mai 1840 fertig gestellt. Sie ist damit die neunte Eisenbahnstrecke in Deutschland.

Die neue Eisenbahnstrecke führte sofort zur Verlagerung der Transportströme, wogegen sich die Verlierer dieser Entwicklung - vor allem in Mainz - heftig zur Wehr setzten (bekannt als Nebeljungenstreich). Fuhrunternehmer und Kutscher der Region, die um ihr Einkommen fürchteten, unternahmen bei Mainz-Kastel auch einen Angriff auf die Strecke und beschädigten Gleise. Unter Waffengewalt wurden sie davon abgehalten, größeren Schaden anzurichten.[1]

Direktor der Eisenbahn war von 1840 bis 1852 Johann Adam Beil, hessischer Geheimer Hofrat und früherer Frankfurter Senator.

Die Strecke war ursprünglich 43,4 Kilometer lang. Dazu kamen ab 1862/63 noch die 6,6 Kilometer der Sodener Bahn zwischen Höchst und Bad Soden.

Als Fahrzeuge standen anfangs sechs Lokomotiven aus der Fabrik von George und Robert Stephenson, die auch die erste in Deutschland verkehrende Lokomotive, den Adler, gebaut hatten, 87 Personenwagen und 44 Güterwagen zur Verfügung. Auch die Lokführer waren zunächst Briten.

[Bearbeiten] Eigentümerwechsel

Bahnhof Höchst (abgerissen 1880)
Bahnhof Höchst (abgerissen 1880)

Die Taunus-Eisenbahn-Gesellschaft litt unter der Konkurrenz der auf dem linken Mainufer 1863 eröffneten Bahnlinie Frankfurt – Mainz und entschloss sich, ihr Unternehmen 1871 an die Hessische Ludwigsbahn-Gesellschaft zu verkaufen. Diese übernahm den Betrieb mit Rechnung vom 1. Januar 1872, veräußerte sie aber unmittelbar an die Preußische Staatsbahn weiter, die sie mit dem 3. Mai 1872 übernahm.

1888 wurde die Strecke in Frankfurt von ihrem bisherigen Endbahnhof zum neuen Hauptbahnhof um etwa einen Kilometer verkürzt. Das Gleiche geschah 1906 am Wiesbadener Ende, als der heutige Wiesbadener Hauptbahnhof den alten Taunusbahnhof ersetzte.

Ab 1920 gehörte die Strecke zur Deutschen Reichsbahn. Sie erlangte große Bedeutung im Fern-, Regional- und Nahverkehr. Einschließlich ihrer Verlängerung, der rechten Rheinstrecke, ist sie heute Teil der Regionalexpress-Linie RE 10 im Rhein-Main-Verkehrsverbund, die von Frankfurt nach Koblenz führt. Zwischen Wiesbaden und Frankfürt-Höchst verkehrt seit der Aufnahme des Betriebes der S-Bahn Rhein-Main im Mai 1978 auf der Strecke die Linie S1, seit dem Fahrplanwechsel im Sommer 2000 auf dem Abschnitt zwischen Wiesbaden und dem Abzweig Kostheim (Mainbrücke nach Bischofsheim) auch die Linie S9. Personenfernverkehr gibt es auf der Strecke heute fast nicht mehr.

[Bearbeiten] Zweigstrecken

[Bearbeiten] Stichbahn nach Biebrich

Vom Bahnhof „Curve“ (heute Wiesbaden Ost) führte eine am 3. August 1840 eröffnete 1,5 Kilometer lange Zweigbahn zum Rheinbahnhof in Biebrich, der 500 Meter östlich des Schlosses lag. Sie wurde bis 1872 mit Pferdekraft betrieben, 1907 stillgelegt.

[Bearbeiten] Verbindung zur Nassauischen Rheinbahn

Ab 18. September 1862 gab es vom Bahnhof Curve eine Verbindung zur Nassauischen Rheinbahn, die seit 1856 rheinabwärts nach Rüdesheim in den Rheingau führte.

[Bearbeiten] Sodener Bahn

Die Sodener Bahn wurde seit ihrer Eröffnung 1847 von der Taunus-Eisenbahn betrieben, 1862/63 von dieser auch übernommen.

[Bearbeiten] Trajekt nach Mainz

Ein Brückenbau über den Main nach Mainz-Bischofsheim wurde nicht genehmigt. Daher eröffnete die Taunusbahn wegen der bis 1863 fehlenden direkten Verbindung zwischen Mainz und den Städten Frankfurt und Wiesbaden in Zusammenarbeit mit der Hessischen Ludwigsbahn 1861 mit einer dampfbetriebenen Fähre das Trajekt Mainz – Mainz-Kastel. Dieses wurde auch nach Eröffnung der Bahnstrecke Mainz-Bischofsheim – Frankfurt im Jahre 1863 weitergeführt, 1869 auch dem Güterverkehr geöffnet und erst mit der Eröffnung der festen Mainzer Straßenbrücke am 30. Mai 1885 eingestellt. [2]

[Bearbeiten] Kurioses und Wissenswertes

Zug aus Wiesbaden überquert die Niddabrücke der Taunusbahn
Zug aus Wiesbaden überquert die Niddabrücke der Taunusbahn
  • Die Eisenbahnbrücke Nied über die Nidda östlich des Bahnhofs Frankfurt-Höchst stammt aus der Erbauungszeit der Strecke und ist eine der ältesten noch befahrenen Eisenbahnbrücken Deutschlands.
  • Ebenfalls aus der Erbauungszeit stammt das Erdgeschoss des Empfangsgebäudes des Bahnhofs Flörsheim. Es wurde 1839 - wahrscheinlich nach einem Entwurf von Ignaz Opfermann - errichtet und ist damit das Torso eines der ältesten erhaltenen Empfangsgebäude Deutschlands.[3]
  • Die Geschichte von der Probefahrt am 23. Juni 1839, bei der die Lokomotive Blitz in der Nähe von Höchst versagte und Pferde und Passagiere den Zug in den Bahnhof ziehen mussten, beruht auf einem Stich, der diese Szene darstellt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um ein satirisches Propaganda-Flugblatt von Eisenbahngegnern und der Vorfall hat nie stattgefunden.[1]

[Bearbeiten] Literatur

  • Eisenbahnatlas Deutschland – Ausgabe 2005/2006, Vlg. Schweers + Wall, o.O. 2005, ISBN 3-89494-134-0
  • Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Theiss Verlag Stuttgart, 2005, 3 Bände im Schuber, 1.448 S., ISBN 3-8062-1917-6.
  • Arbeitsmaterial für den SU, Verlag Naacher, 3. Aufl. 1991

[Bearbeiten] Verweise

  1. a b Eisenbahn in Hessen, hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 1. Auflage. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, Bd.1, S. 117
  2. Eisenbahn in Hessen, hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bd. 2.1: Eisenbahnenbauten- und strecken 1839 - 1939, 1. Auflage. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, Bd. 2.1, S. 21.
  3. Eisenbahn in Hessen, hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bd. 2.1: Eisenbahnenbauten- und strecken 1839 - 1939, 1. Auflage. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, Bd. 2.1, S. 37.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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