Taurisker

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Die Taurisci im Nordwesten auf einer Karte römischer Provinzen

Die Taurisker, lateinisch Taurisci (taur = keltisch für Berg) waren vom 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. ein keltischer Stammesverband am Ostalpenrand, deren Siedlungsgebiet meist auf Kärnten und Slowenien eingegrenzt wird. Ihre Beziehung zu den Norikern ist nicht ganz geklärt. Von den Tauriskern wird fallweise die Bezeichnung für das Tauern-Gebirge abgeleitet.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Schlacht bei Telamon 225 v. Chr. waren die Taurisker Teil der keltischen Verbündeten, die eine schwere Niederlage gegen die Römer erlitten. Die unterlegenen Taurisker dürften sich bei Turin angesiedelt haben (Tauriner), während die an der Schlacht nicht beteiligten Teile der Taurisker an der oberen Save siedelten und in der Folge mit den Römern vor allem mit Gold handelten.[1]

Die älteste Erwähnung der Taurisker stammt von Polybios, der von ihren Goldfunden in der Nähe von Aquileia berichtet. Die Goldproduktion verstärkte ihre politische und wirtschaftliche Macht. Um 200 v. Chr. nahm die Bevölkerung infolge verbesserter Anbaumethoden und technologischem Fortschritt (eiserne Pflugschar) rasch zu. Der Landmangel wurde 186 v. Chr. so drückend, dass 12.000 Taurisker und Boier nach Italien an die Adria zogen. Rom konnte zwar eine Stadtgründung in Friaul verhindern, nicht jedoch dass sich die Kelten in der Poebene und der Küste des heutigen Venetiens ansiedelten.

Als die germanischen Kimbern die Taurisker bedrängten, riefen sie die Römer um Hilfe, was zu deren Niederlage in der Schlacht von Noreia 113 v. Chr. führte. Über längere Zeit musste schon den Römern Tribut geleistet werden.[2]

Gemeinsam mit den Boiern wurde immer wieder Noricum bedroht und Noreia angegriffen. Die Taurisker dürften damals schon den Boiern untergeordnet gewesen sein. Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. unterlagen die Verbündeten den Dakern unter Burebista. Daraufhin mussten sie anderen keltischen Stämmen, die Latobiker genannt wurden die Ansiedlung auf ihren Gebiet in der späteren Krain gestatten.[3]

Das westliche Stammesgebiet kam unter Einfluss des Königreichs Noricum, die östlichen Gebiete seit etwa 35 v. Chr. in Abhängigkeit Roms.[2] Nach der römischen Eroberung unter Octavian durch Publius Silius Nerva sowie Drusus 16–15 v. Chr., wurden die Taurisker nicht mehr im Gefolge der norischen Stämme erwähnt.[4]

Taurisker und Noriker in der Forschung[Bearbeiten]

In antiken römischen Quellen werden Taurisker und Noriker oft unklar erwähnt und deren Bezeichnungen meist synonym verwendet. Daher gab es in der Altertumswissenschaft unterschiedliche Theorien über den Zusammenhang der beiden Stämme:

  • Ältere Ansichten sahen in Norikern und Tauriskern zwei Begriffe für dasselbe keltische Volk.
  • Die Taurisci wurden fallweise gar nicht als eigenes Volk betrachtet, sondern als allgemeine Benennung jedes keltischen Bergbewohners. Als Beleg für diese Theorie wurden die Taurini im Piemont angeführt.[5]
  • Eine weitere Theorie sah in den Norikern die vorkeltische Bevölkerung Noricums und in den Tauriskern die keltischen Neuankömmlinge.
  • Nach Géza Alföldy waren die Noriker einer der Tauriskerstämme. Taurisker wäre demnach die Sammelbezeichnung für die keltischen und keltisierten Völker des Ostalpenraums gewesen. Durch ihren Machtzuwachs hätten die Noriker die Taurisker und ihren Namen verdrängt.[6] Auch für Richard Heuberger ist der Terminus Taurisker ein Sammelbegriff, zu dem auch die Noriker gehören.[7]
  • Für Peter Petru waren die Noriker und Taurisker zwei Völker, die in getrennten Gebieten siedelten: Die Noriker im Königreich Noricum, die Taurisker waren, seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. als keltische Neuankömmlinge, ihre südöstlichen Nachbarn. Das entspricht auch weitgehend dem aktuellen Forschungsstand laut dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Der Name Taurisker wurde demnach ursprünglich als undifferenzierte Sammelbezeichnung für die Bevölkerung der Ostalpen verwendet. Gleichzeitig liegt dem eine regionale Namenstradition zugrunde.[8] Die Noriker werden heute als nördliche Nachbarn der Stammesgemeinschaft der Taurisker angesehen, im Westen wohnten die Iapoden.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Petru: Die ostalpinen Taurisker und Latobiker. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Politische Geschichte. Provinzen und Randvölker. Lateinischer Donau-Balkanraum. Verlag de Gruyter, Berlin 1977 ISBN 3-11-006735-8, S. 473–499, hier: S. 482 und 487.
  2. a b John T. Koch: Celtic culture. A historical encyclopedia. ABC-CLIO, Santa Barbara 2006, ISBN 1-85109-440-7, S. 1662.
  3. Peter Petru: Die ostalpinen Taurisker und Latobiker. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Politische Geschichte. Provinzen und Randvölker. Lateinischer Donau-Balkanraum. de Gruyter, Berlin 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 473–499, hier: S. 490f. und 495.
  4. Peter Petru: Die ostalpinen Taurisker und Latobiker. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Politische Geschichte. Provinzen und Randvölker. Lateinischer Donau-Balkanraum. Verlag de Gruyter, Berlin 1977 ISBN 3-11-006735-8, S. 473–499, hier:S. 483.
  5. Konrad Mannert: Geographie der Griechen und Römer aus ihren Schriften dargestellt. Verlag Hahn, Leipzig 1820, S. 487f.
  6. Peter Petru: Die ostalpinen Taurisker und Latobiker. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Politische Geschichte. Provinzen und Randvölker. Lateinischer Donau-Balkanraum. Verlag de Gruyter, Berlin 1977 ISBN 3-11-006735-8, S. 473–499, hier:S. 473f.
  7. Richard Heuberger: Taurisker und Noriker. In: Johann Knobloch (Red), Hermann Ammann: Ammann-Festgabe. (=Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 1/2) Sprachwissenschaftliches Institut der Universität Innsbruck, Innsbruck 1952, S. 160–171. (PDF)
  8. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Band 21: Naualia - Østfold. Verlag de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017272-0, S. 321.
  9. Mitja Guštin: Zu einigen Figuralmotiven im Gebiet der Taurisker. In: Wolf-Rüdiger Teegen (Hrsg): Studien zur Lebenswelt der Eisenzeit. Festschrift für Rosemarie Müller. (= Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 53) Verlag de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 978-3-11-019010-6, S. 115–132, hier: S. 127.

Literatur[Bearbeiten]