Taurus (Marschflugkörper)

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Taurus KEPD-350

Taurus ILA2006.JPG

Allgemeine Angaben
Typ: Marschflugkörper
Hersteller: Taurus Systems GmbH
Entwicklung: 1998 – 2004
Indienststellung: 2005
Stückpreis: 950.000 €
Technische Daten
Länge: 5,1 m
Durchmesser: 1,08 m
Gefechtsgewicht: 1400 kg
Spannweite: 2,06 m
Antrieb: Williams P8300-15 Turbofan
Geschwindigkeit: Mach 0,6 – 0,95
Reichweite: nominal 350 km
Ausstattung
Zielortung: Abbildendes Infrarot
Gefechtskopf: „Mephisto“ 495 kg
Waffenplattformen: Panavia Tornado
F/A-18 Hornet
Eurofighter (geplant)
Saab 39 Gripen (geplant)
Listen zum Thema

Der Taurus ist ein moderner Luft-Boden-Marschflugkörper für große Distanzen. Der Name ist eine Abkürzung für Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System. Er wurde als Modulare Abstandswaffe (MAW) für verschiedene Nutzlasten und Missionen entwickelt. Der Marschflugkörper ist das deutsch-schwedische Gegenstück zur parallel entwickelten britisch-französischen Storm Shadow.

Geschichte[Bearbeiten]

Während des Kalten Krieges wollte die Bundesrepublik ursprünglich die französische Apache beschaffen, um im Kriegsfall Start- und Landebahnen des Warschauer Paktes zerstören zu können. Mit dem Fall der Mauer änderten sich die Prioritäten, welche nun auf der Bekämpfung von gehärteten Punktzielen lagen. Die andauernden Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über einer Weiterentwicklung der Apache scheiterten letztlich an Frankreich. Die Kürzung der Apache-Bestellungen und das Hinauszögern der Entwicklung einer Punktzielwaffe hätten für die Bundesrepublik eine Kostensteigerung bedeutet, weshalb man sich aus der Apache-Entwicklung zurückzog.[1]

Im Bundeswehrplan 1997 wurde die Entwicklung einer Familie modularer Abstandwaffen (MAW) für den Panavia Tornado ausgewiesen. Geplant war die Beschaffung von insgesamt 1.200 Waffen für unterschiedliche Aufgabenstellungen zur Bekämpfung von Bodenzielen. Nach den Bedürfnissen der Luftwaffe sollte die Waffensystemfamilie ein breites Spektrum an Punkt- oder Flächenzielen wirksam bekämpfen können.

Taurus KEPD 350 Marschflugkörper unter einem Eurofighter Typhoon

Zur selben Zeit entwickelten DASA und Bofors den Gleitdispenser DWS-24, der später als DWS-39 bezeichnet wurde um die Nähe zur Saab 39 zu verdeutlichen. Auf dessen Basis schlugen beide Firmen eine Version mit Turbojet und Einzel- oder Tandemgefechtskopf vor, welche als Kinetic Energy Penetrator and Destroyer (KEPD) 350 bezeichnet wurde. 1996 wurden weitere Versionen angeboten, eine leichtere KEPD 150 und eine Version mit Submunitionen MAW PDWS 2000. Am 31. März 1998 verkündete das Bundesministerium der Verteidigung die Finanzierung der Entwicklung sowie den Bau von 28 Prototypen. Dabei sollte eine Version mit Submunition entwickelt werden (Taurus 350A), eine andere mit Penetrationsgefechtskopf (Taurus 350P). Die Waffe sollte auch die Anforderungen der Briten an eine Conventionally Armed Stand Off Missile (CASOM) erfüllen, dabei wurde die Waffe als TAURUS beworben.[1] Auch nachdem sich die Briten für die Storm Shadow auf Apache-Basis entschieden, wurde der Name beibehalten und die Entwicklungsfirma Taurus Systems GmbH danach benannt. Diese Firma wurde von der damaligen LFK-Lenkflugkörpersysteme GmbH (seit Mai 2012 MBDA Deutschland GmbH) und Saab Bofors Dynamics AB eigens für die Realisierung des Taurus KEPD-350 sowie eventueller weiterer Varianten gegründet.[2]

Die Entwicklungsarbeiten verliefen danach recht schnell: Da bereits 1996, zwei Jahre vor Vertragsabschluss, Tragversuche an einem Panavia Tornado der Luftwaffe stattgefunden hatten, konnte der Erstflug des Systems schon am 4. Oktober 1999 im schwedischen Testgebiet Vidsel stattfinden.[2] Im September 2000 wurde das System in mehreren Flügen in Südafrika erprobt, dabei konnte die Funktion der Navigationssysteme unter Beweis gestellt werden. Parallel dazu wurde der Gefechtskopf „MEPHISTO“ gegen Betonziele getestet. Am 8. August 2002 erteilte das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung der Taurus Systems GmbH den Auftrag zur Serienvorbereitung der Flugkörper. Die Verifikation für die deutsche Luftwaffe wurde von der Wehrtechnischen Dienststelle 61 (WTD 61) durchgeführt und fand am 15. und 18. März 2004 in der Overberg Test Range in Südafrika statt. Die neuen Versionen des Waffensystems Taurus wurden auf der Pariser Luftfahrtschau 2005 enthüllt. Die ursprüngliche A und P Bezeichnung wird praktisch nicht mehr verwendet.

2005 bestellte die Bundeswehr 600 Flugkörper zum Gesamtpreis von 570 Millionen Euro. Die Lieferung an die Luftwaffe begann offiziell mit der Übergabe des ersten Flugkörpers an das Jagdbombergeschwader 33 in Büchel am 21. Dezember 2005 und wurde im November 2010 abgeschlossen.[3][4] Die Tragetests mit der Saab 39 Gripen fanden im Mai 2008 statt, im Februar 2009 folgten die Tragetests am Eurofighter im Jagdgeschwader 74. Die Integration in die spanischen McDonnell Douglas F/A-18 wurde im Juni 2009 erfolgreich beendet.

Konzept[Bearbeiten]

Eine TacTom in Begleitung einer Tomcat

Marschflugkörper (engl. cruise missiles) besitzen gegenüber bemannten Fluggeräten Vorteile: Sie müssen die Distanz zum Ziel nur einfach zurücklegen und sind klein, was das Entdecken und Abfangen erschwert. Zusätzlich wird durch das Unterfliegen des Radars die Bekämpfung weiter erschwert. Da Marschflugkörper früher sehr teuer und relativ ungenau waren, wurden sie in der Regel mit Nuklearsprengköpfen bestückt. Die AGM-28 Hound Dog besaß beispielsweise einen Streukreisradius (CEP) von 3,7 km. Dies besserte sich im Laufe der Entwicklung, die ersten BGM-109 Tomahawk-Flugkörper von 1980 hatten beispielsweise einen CEP von 80 m, was immer noch eine Nuklearbewaffnung notwendig machte. Erst in den 1990er Jahren konnte die Technik soweit verbessert werden, dass auch konventionell bestückte Marschflugkörper mit genügend Präzision und vertretbaren Kosten in großen Stückzahlen gebaut werden konnten.

Marschflugkörper werden dabei gegen strategische Einrichtungen des Gegners wie Flugplätze, Gefechtsstände, Industrieanlagen und Häfen eingesetzt. Diese Ziele sind im Kriegsfall zwar stark verteidigt, aber stationär. Um die Einsatzmöglichkeiten zu erweitern wird versucht, Marschflugkörper auch zur Bekämpfung von mobilen Zielen wie Schiffen oder Panzerverbänden über sehr große Entfernungen einzusetzen. Des Weiteren macht die zunehmende Mobilität der gegnerischen Luftverteidigung, zum Beispiel durch SA-15 Gauntlet-Systeme zu schaffen. Während früher spezialisierte Marschflugkörper wie die AGM-136 Tacit Rainbow dagegen entwickelt wurden, werden modernste Flugkörper wie die Tactical Tomahawk mit einer 2-Wege-Satellitenverbindung ausgestattet, um Zielupdates und Kurskorrekturen vorzunehmen. Der Datenlink ermöglicht es dabei von der Aufklärung entdeckte Flugabwehrstellungen zu umfliegen, ein mobiles Ziel anzugreifen, auf Alternativziele auszuweichen oder durch Senden des letzten Sucherbildes eine Trefferanalyse durchzuführen.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Antisatellitenraketen (oder der Fähigkeit diese zu entwickeln) und leistungsstarken GPS-Störsendern rückt auch die Fähigkeit in den Focus, über weite Strecken eine präzise Navigation ohne globales Navigationssatellitensystem zu ermöglichen. Dies war nicht nur bei der Taurus, sondern ist auch bei der Long Range Anti-Ship Missile ein Schwerpunkt der Entwicklung.

Technik[Bearbeiten]

Taurus im Transportgestell

Der Taurus ist ein modularer Marschflugkörper, der mit verschiedenen Nutzlasten ausgeliefert werden kann. Die Grundform wurde dabei vom Munitionsdispenser DWS-39 übernommen. Der etwa 5 Meter lange Rumpf besteht dabei aus Aluminiumfeinguss und ist rechteckig aufgebaut. Auf der Oberseite sind zwei ausklappbare Tragflächen angebracht, zur Steuerung befindet sich ein X-Leitwerk am Heck. Die Pitoteinläufe des Triebwerkes sind starr links und rechts des Rumpfes angebracht.

Der vordere Bereich enthält wie bei jedem Marschflugkörper das Navigationssystem, das einen autonomen Tiefflug durch gegnerisches Gebiet ermöglicht. Das für den Taurus entwickelte Navigationssystem besteht aus einem GPS-Empfänger, einem Inertialnavigationssystem (engl. inertial navigation system, INS), einer Geländereferenznavigation (engl. Terrain Reference Navigation, TRN) und einem bildverarbeitenden Navigationssystem (engl. Image Based Navigation, IBN). Der 12-kanalige, mit P-Code arbeitende GPS-Empfänger wurde gegen Störversuche gehärtet (engl. anti-jamming, AJ) und wird im Regelfall zur Navigation eingesetzt.[5] Wenn dies zu ungenau oder nicht verfügbar ist, stützt sich die Positionsbestimmung auf das Tri-Tec-Navigationssystem. Das Inertialnavigationssystem besteht dabei aus Faserkreiseln und wird von Northrop Grumman LITEF gefertigt. Zur Korrektur der Daten misst ein Radarhöhenmesser im Ku-Band das Höhenprofil des überflogenen Gebietes und vergleicht dieses kontinuierlich mit den zuvor eingespeicherten Geländedaten des Soll-Flugpfades, um daraus eine Kurskorrektur zu berechnen.[5] Da die Geländereferenznavigation grundsätzlich nur über ausreichend profiliertem Gelände verwertbare Navigationsdaten liefern kann, verfügt der Taurus mit der bildverarbeitenden Navigation über ein weiteres System zur Navigationsstützung. Für den Flugweg werden dabei zwischen fünf und zehn Navigations-Aufdatpunkte bestimmt, deren vereinfachte Signaturen im Bordcomputer abgespeichert werden. Beim Überfliegen der Aufdatpunkte sucht der Infrarotsuchkopf die zuvor eingespeicherten Strukturen und vermisst deren Lage im Raum. Durch eine Vergleichsrechnung zwischen Soll- und vermessener Position wird dann eine Kurskorrektur errechnet.[2]

Der Infrarotsucher besteht dabei aus einem Focal Plane Array aus Indiumantimonid mit einer Auflösung von 256 x 256 Pixeln.[6] Wenn der Flugkörper im Zielgebiet ankommt, sucht der IR-Suchkopf das Ziel und schaltet es auf. Wenn mehrere Ziele entdeckt und angegriffen werden sollen, vermisst der Sucher ihre Position im Raum, und der Waffenrechner ermittelt dazu den optimalen Zeitpunkt zum Auslösen der Nutzlast.[2] Diese befindet sich in der Mitte des Rumpfes, direkt hinter dem Sucher. Der Bediener kann dabei zwischen fünf verschiedenen Angriffsmodi wählen, je nach Ziel und Variante:[5]

  • Pop-Up: Der Flugkörper fliegt dabei im Tiefflug an, geht in den Steigflug über und führt dann einen senkrechten Sturzflug auf das Ziel aus. Wird beispielsweise gegen Bunker eingesetzt.
  • Low Level Pop-Up: Der Flugkörper fliegt im Tiefflug an, geht in den Steigflug über und schlägt schräg von oben im Ziel ein. Wird zum Beispiel gegen Hardened Aircraft Shelter, Brücken oder Schiffe im Hafen eingesetzt.
  • Dive Attack: Der Taurus fliegt das Zielgebiet in großer Höhe an und geht dann in einen schrägen Sturzflug über. Gleiches Zielspektrum wie beim Low Level Pop-Up, aber mehr Durchschlagskraft und weniger Überlebensfähigkeit.
  • Air Burst: Das Zielgebiet wird im Tiefflug angeflogen. Kurz vor dem Ziel geht der Flugkörper auf eine größere Marschflughöhe parallel zum Boden und löst die Nutzlast über dem Ziel aus. Wird gegen Truppenansammlungen eingesetzt.
  • Horizontal "Cave Type": Der Taurus fliegt das Zielgebiet in geringer Höhe an. Kurz vor dem Ziel geht der Flugkörper in einen extremen Tiefflug flach über dem Boden und schlägt ins Ziel ein. Wird gegen Flugzeugkavernen oder ähnliches eingesetzt.

Als Antrieb kommt ein Turbofantriebwerk P8300-15 von Williams International zum Einsatz. Es entwickelt etwa 6,67 kN Schub in Bodennähe und beschleunigt den Marschflugkörper auf eine Geschwindigkeit von Mach 0,6 bis Mach 0,95. Das Triebwerk entwickelt somit signifikant mehr Schubkraft als das Williams F107-WR-402 der BGM-109 Tomahawk mit 3,1 kN. Das bessere Schub-Gewicht-Verhältnis ermöglicht einen härteren Konturenflug, da engere Kurven und größere Steigwinkel erreicht werden können, was das Abfangen erschwert.[2] Die Treibstofftanks befinden sich auf beiden Seiten der Nutzlast zwischen Sucher und Triebwerk. Um die Überlebensfähigkeit zu steigern können optional eine „aktive Selbstverteidigungsfähigkeit“ und ein 2-Wege-Datenlink eingerüstet werden.[7] Durch den 2-Wege-Datenlink können auch bewegliche Ziele wie Schiffe oder Panzerverbände bekämpft werden, außerdem kann auch ein Bild des Zieles übermittelt werden um eine Schadensanalyse durchzuführen (engl. battle damage indication).[8]

Varianten[Bearbeiten]

Die momentan einzige Serienversion ist die Variante KEPD-350. Auf Basis dieses Modells wurde von der Taurus Systems GmbH eine Familie von Marschflugkörpern vorgeschlagen. Die folgenden Versionen wurden auf der Pariser Luftfahrtschau 2005 präsentiert. In einer PDF-Präsentation des Herstellers von 2008 wird zusätzlich zwischen der Version „M“ und „MP“ unterschieden. Ob diese Varianten verwirklicht werden ist allerdings unklar.

Taurus KEPD-350[Bearbeiten]

Die Laserentfernungsmesser über dem Infrarotsucher

Die Taurus KEPD-350 „Kinetic Energy Penetrator and Destroyer“ trägt den Gefechtskopf MEPHISTO (Multi-Effect Penetrator High Sophisticated and Target Optimized). Es handelt sich dabei um einen Tandem-Gefechtskopf, bestehend aus einer Vorhohlladung und dem Penetrator mit integriertem intelligentem Zünder. Zwei Laserentfernungsmesser messen dabei die Distanz zum Ziel und lösen die Vorhohlladung im optimalen Abstand zum Ziel aus. Diese ist etwa 95 kg schwer, hat einen Durchmesser von fast 0,36 m und 0,53 m Länge. Der Hohlladungsstachel durchschlägt dabei das Ziel, um dem nachfolgenden Penetrator das Eindringen zu erleichtern. Dieser besitzt etwa denselben Durchmesser wie die Vorhohlladung, eine Länge von fast 2,3 Meter und eine Masse von 400 kg.[5] An dessen Heck befindet sich der intelligente Zünder PIMPF (Programmable Intelligent Multi Purpose Fuze), welcher auch in der Naval Strike Missile eingesetzt wird. Er verfügt über eine Verzögerungssensorik, welche den Durchgang durch unterschiedlich dichte Medien feststellen kann. Anhand der gemessenen Verzögerung kann berechnet werden, an welcher Stelle des Zieles sich der Penetrator gerade befindet. Durch Vorprogrammierung ist es deshalb möglich den Penetrator an der gewünschten Position im Ziel, zum Beispiel einem bestimmten Stockwerk explodieren zu lassen. PIMPF wiegt 5 kg, kann Beschleunigungskräften bis zu 10.000g widerstehen und wird über einen Lithium-Ionen-Akkumulator mit Energie versorgt.[9]

Bei Anflug im Air Burst kann die Vorhohlladung zuerst gezündet werden, da diese mit einem Splittermantel umgeben ist. Aufgrund seiner Masseträgheit fliegt der Penetrator dann noch ein Stück weiter, bevor er selbst gezündet wird. Damit können bei Bedarf zwei Luftdetonationen in kurzen Abständen verursacht werden.[5]

Taurus KEPD-150[Bearbeiten]

Die Variante KEPD-150 wird auch manchmal als Taurus L bezeichnet.[5] Es handelt sich dabei um eine massereduzierte Version der KEPD-350 mit kleinerem Penetrator und weniger Treibstoff.[10] Der Erstflug des Mock-ups fand am 27. August 1998 in Linköping in Schweden statt.[11]

Taurus M[Bearbeiten]

SMArt-Auswurf am Beispiel GMLRS

Die Taurus M (Multiple Warhead) dient zum Transport von Submunitionen um gegnerische Flugplätze, Flugabwehrstellungen und Panzerverbände zu zerstören. Eine frühere Bezeichnung ist MAW PDWS 2000. Die Zahl der Submunitionen ist unklar, aus schematischen Bildern des Herstellers sollen aber 8 Stück hintereinander im Rumpf Platz finden.[5] Bei zwei Reihen ergäben sich damit 16 Stück. Dabei wurden drei Munitionsarten angedacht:[12]

  • MUSJAS 1/2: Streumunition (engl. Dual Purpose Improved Conventional Munition, DPICM) gegen leicht- und ungepanzerte Ziele.[12] Da Deutschland dem Übereinkommen über Streumunition beigetreten ist, entfällt diese Version.
  • STABO: Anti-Runway-Munition gegen Start- und Landebahnen, ein Projektil soll etwa 16 kg wiegen.[12] Die Submunitionen werden nach unten ausgeworfen, beschleunigen mit einem Raketenmotor auf die Bahn, durchschlagen diese und detonieren darunter. Gegenstück zur französischen Apache.
  • SMArt: Soll Suchzünder-Munition für die Artillerie ins Zielgebiet tragen, um Flugabwehrstellungen und Panzerverbände zu bekämpfen. Ermöglicht dann eine wesentlich größere Reichweite als GMLRS-SMArt oder die Panzerhaubitze 2000. Die Munition wird nach dem Ausstoßen mit einem Bremsschirm verzögert, dann öffnet sich der Fallschirm und die Munition beginnt mit ihrer Dreifach-Suchsensorik das Gebiet autonom nach Zielen abzusuchen. Dabei wird Infrarot und aktives wie passives Millimeterwellenradar im Frequenzbereich von 94 GHz eingesetzt, um Gefechtsfahrzeuge zu finden. Die Zerstörung dieser erfolgt über eine projektilbildende Ladung aus Tantal.[13][14]

Taurus MP[Bearbeiten]

Taurus MP steht für „Modular Payload“.[5] Hierzu wurden noch keine näheren Angaben gemacht, denkbar ist der Einbau von Systemen zu elektronischen Kampfführung in Verbindung mit einem 2-Wege-Datenlink zum Satelliten.

Taurus HPM[Bearbeiten]

Die Variante Taurus HPM soll Hochleistungs-Mikrowellenstrahlung (engl. High Power Microwave, HPM) zur Zerstörung gegnerischer Elektronik einsetzen.[15] Diese Version orientiert sich ebenfalls an der britisch-französischen Storm Shadow. Die Briten testeten bereits im Juli 2002 erfolgreich einen HPM-Gefechtskopf für diesen Marschflugkörper.[16] In neueren Publikationen wird die HPM-Version meist als Variante der Taurus MP abgehandelt.

Taurus CL[Bearbeiten]

Die Variante Taurus CL für „Container Launched“ soll von Schiffen und Lastkraftwagen gestartet werden. Dafür wird der Marschflugkörper mit einem Tragegestell versehen und in einen Startbehälter gesteckt. Das Tragegestell führt den Flugkörper innerhalb des Containers und beschleunigt diesen mit einem Feststoffbooster auf Marschgeschwindigkeit und -höhe, um danach abgeworfen zu werden.[5]

Taurus T[Bearbeiten]

Diese Version geht auf die Future Offensive Air System-Studie der Royal Air Force zurück. Damals wurde untersucht, ob es sinnvoll sei, mit einem Transportflugzeug (A400M oder C-130) Marschflugkörper wie die Storm Shadow über die Laderampe zu starten. Der Grundgedanke dabei war, dass Unterschallflugzeuge ohne Tarnkappeneigenschaften eine zu geringe Überlebensfähigkeit in feindlichem Luftraum besitzen. Bomber wie die Boeing B-52 werden deshalb mit Marschflugkörpern bewaffnet, um Abstandsfähigkeit zu erzielen. Der Start dieser Marschflugkörper von einer Transportmaschine aus hätte dasselbe Resultat, jedoch zu wesentlich geringeren Kosten. Die Lenkwaffen werden dabei mit einem Bremsschirm aus der Laderampe gezogen, dieser wird danach abgeworfen und die Marschphase beginnt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Die offiziellen Reichweitenangaben von 250+ km (MBDA), 350+ km (Bundeswehr) oder 500+ km (Taurus Systems) sind sehr differenziert zu hinterfragen, da eine RGM/UGM-109C Tomahawk ein Gewicht von 1310 kg ohne Booster besitzt und mit dem 450 kg schweren WDU-25/B Gefechtskopf eine Reichweite von etwa 1250 km erzielt. Im Vergleich dazu ist der Gefechtskopf der KEPD-350 ist mit 495 kg etwas schwerer, ebenso das Startgewicht des Flugkörpers mit 1400 kg, wodurch von einer zur Tomahawk vergleichbaren Reichweite ausgegangen werden kann. Konkurrenzprodukte wie Storm Shadow und AGM-158 JASSM sind nicht nur leichter, sondern setzen auch preiswertere Turbojettriebwerke mit höherem spezifischen Treibstoffverbrauch ein. Erst die Version JASSM-ER soll ein sparsameres Turbofantriebwerk erhalten.

TAURUS KEPD-350 TAURUS KEPD-150 TAURUS M TAURUS MP TAURUS HPM TAURUS CL TAURUS T
Indienststellung 2005
Navigationssysteme GPS, Trägheitsnavigation (TRN), bildverarbeitende Navigation (IBN), Geländereferenznavigation (TRN)
Suchkopf Abbildendes Infrarot (IIR)
Triebwerk Williams International P8300-15 Turbofan
Flugleistungen
nominale Reichweite 350+ km 150+ km
Fluggeschwindigkeit Mach 0,6 — 0,95
Maße und Gewicht
Länge 5100 mm
Breite 1080 mm
Höhe 805 mm
Spannweite 2064 mm
Gewicht 1400 kg 1060 kg
Nutzlast
Gefechtskopf MEPHISTO:
Vorhohlladung und
Penetrator
MEPHISTO:
Vorhohlladung und
leichterer Penetrator
STABO:
Anti-Runway-Munition
SMArt:
Selbstzielsuchende
Munition
Unbekannt Hochleistungsmikrowelle vermutlich alle Versionen vermutlich alle Versionen
Gewicht Gefechtskopf 495 kg
Kompatibilität
Plattformen Panavia Tornado, F/A-18 Hornet
geplant: Saab JAS 39 Gripen, Eurofighter Typhoon
LKW oder Schiff Transportflugzeuge
Kosten
Stückpreis 950.000 €

Nutzer[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taurus missile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b typhoon.starstreak.net – EADS/Bofors TAURUS
  2. a b c d e Europäische Sicherheit – Modulare Abstandswaffe Taurus
  3. Webseite der Luftwaffe mit Information zur Übergabe des Taurus (abgerufen am 25. Januar 2009)
  4. Griephan: MBDA liefert den 600. TAURUS KEPD 350 an Luftwaffe (abgerufen am 14. Januar 2011)
  5. a b c d e f g h i Taurus-Systems – TAURUS KEPD 350 The Modular Stand Stand-off Missile for Precision Strike against HDBT (PDF; 1,8 MB)
  6. IR focal plane array seekers for ground-to-ground and air-to-ground missiles
  7. http://www.taurus-systems.de/Taurus_4-pages.pdf
  8. Deagel.com – Taurus KEPD
  9. PIMPF – Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH
  10. Deagel.com – Taurus KEPD 350 L
  11. http://www.flightglobal.com/articles/1998/09/16/42857/sweden-tests-kepd-150-mockup-on-gripen.html
  12. a b c Missilethreat – Taurus 350A/P
  13. Diehl – Rocket Artillery in Future Scenarios, First Answer (PDF; 9,4 MB)
  14. Airwar.ru – KEPD-150/350 TAURUS
  15. Deagel.com – Taurus HPM
  16. The Naval Institute guide to world naval weapon systems, S. 518
  17. http://thediplomat.com/flashpoints-blog/2013/06/21/south-korea-to-purchase-bunker-buster-missile/