Tausendgüldenkraut

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Tausendgüldenkraut
Centaurium quadrifolium

Centaurium quadrifolium

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Enzianartige (Gentianales)
Familie: Enziangewächse (Gentianaceae)
Gattung: Tausendgüldenkraut
Wissenschaftlicher Name
Centaurium
Hill

Das Tausendgüldenkraut (Centaurium) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Seltener wird es unter anderem Hundert- und Tausendguldenkraut (vor allem in Österreich), Bitterkraut, Fieberkraut, Gottesgnadenkraut, Laurinkraut oder Sanktorinkraut genannt. Die früher 50 Arten wurden in vier Gattungen aufgeteilt und so enthält die Gattung Centaurium heute nur noch etwa 20 Arten, die hauptsächlich im Mittelmeerraum vorkommen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration des Echten Tausendgüldenkrautes (Centaurium erythraea).

Erscheinungsbild und Laubblätter[Bearbeiten]

Centaurium-Arten wachsen als ein-, zweijährige bis ausdauernde krautigen Pflanzen. Die undeutlich vierkantigen Stängel sind einfach oder verzweigt und selbständig aufrecht bis niederliegend.

Die Laubblätter sind haltbar oder zur Fruchtreife verwelkend in grundständigen Rosetten und kreuzgegenständig am Stängel verteilt angeordnet. Grundblätter bilden bei den meisten Arten eine Rosette, die ganzrandigen Blätter am hohlen Stängel sind stets kreuzgegenständig.

Fünfzählige Blüte von Centaurium davyi.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

In lockeren bis dichten zymösen oder ährigen, manchmal kopfigen Blütenständen stehen die Blüten zusammen; die Verzweigungen sind manchmal pseudodichotom. Es ist oft kein Blütenstiel erkennbar.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und selten vier-, meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die meist fünf gekeilten oder kantigen Kelchblätter sind nur an ihrer Basis eng verwachsen und enden mehr oder weniger spitz. Die meist fünf Kronblätter sind röhrig, stielteller- bis trichterförmig verwachsen. Die Kronlappen sind kürzer als die Kronröhre. Die Farben der Kronblätter reichen von weiß über rosa- und purpurfarben bis blau und gelb. Die vom Schlund der Krone ausgehenden Staubfäden sind dünn und anfangs aufrecht, später spiralig gedreht. Der oberständige Fruchtknoten ist ein- bis teilweise zweikammerig. Der linealische Griffel ist im obersten Bereich zweiästig und endet in zwei kopfigen Narben.

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Die länglichen, spindel- oder eiförmigen Kapselfrüchte öffnen sich zweiklappig und enthalten viele Samen. Die winzigen Samen sind rötlich braun-schwarz mit netzartiger, wabenförmiger Oberfläche.

Vorkommen und Schutz[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der nur noch etwa 20 Arten der Gattung Centaurium s.str. ist hauptsächlich der Mittelmeerraum.

Tausendgüldenkraut-Arten kommen vorwiegend auf sonnigen, feuchten bis frischen Wiesen und Waldlichtungen, aber auch auf Trockenhängen in Mittel- und Südeuropa bis in Höhenlagen von gut 1500 Metern vor. Diese wärmeliebende Pflanzengattung ist in fast ganz Europa heimisch und verbreitet. In Mitteleuropa sind die drei Arten Echtes Tausendgüldenkraut und Kopfiges Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Strand-Tausendgüldenkraut (Centaurium littorale) sowie Kleines Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum) heimisch. In Nordamerika sind wenige Arten Neophyten.

In Deutschland stehen alle Tausendgüldenkraut-Arten gemäß Bundesartenschutzverordnung unter Naturschutz beziehungsweise Artenschutz. Wildwachsende Vorkommen dürfen deshalb nicht gepflückt oder beschädigt werden.

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung des Gattungsnamens Centaurium erfolgte 1756 durch John Hill in The British Herbal, S. 62. Ein Synonym für Centaurium Hill ist Erythraea Renealm. ex Borkh. Die Gattung Centaurium gehört zur Subtribus Chironiinae aus der Tribus Chironieae innerhalb der Familie der Gentianaceae. [1]

Bezüglich des botanischen Namens Centaurium gibt es zwei unterschiedliche Deutungsweisen: Einerseits kann sich die Bezeichnung von den lateinischen Wörtern centum für hundert und aurum für Gold ableiten, andererseits auch von den griechischen Centauren, insbesondere vom heilkundigen Cheiron.

Mansion & Struwe 2004 [2] gliederten den Subtribus Chironiinae neu. In Mansion 2004 wurde eine neue Gattung Zeltnera G.Mans. aufgestellt und die beiden Gattungen Gyrandra Griseb. sowie Schenkia Griseb. reaktiviert. Dabei wurden über 20 Arten aus der Gattung Centaurium Hill in diese Gattungen ausgegliedert. Die neue Gattung Zeltnera enthält etwa 25 Arten, die hauptsächlich von Kalifornien bis Mexiko und Texas vorkommen. Die kleine Gattung Gyrandra enthält nur die drei mexikanischen Arten: G. chironioides, G. pterocaulis sowie G. tenuifolia und die zwei Arten G. brachycalyx sowie G. pauciflora, die in Zentralamerika weit verbreitet sind. Schenkia enthält fünf Arten: die in Eurasien und Nordafrika weit verbreitete Schenkia spicata (Ähriges Tausendgüldenkraut, Syn.: Centaurium spicatum) und die drei Arten S. australis, S. clementii sowie S. japonica die in Australien und auf Pazifischen Inseln vorkommen, sowie die seltene, gefährdete S. sebaeoides aus Hawaii. Die in der Gattung Centaurium verbleibenden etwa 20 Arten kommen hauptsächlich im Mittelmeerraum vor.

Centaurium littorale subsp. uliginosum

Die Gattung Centaurium enthält heute nur noch etwa 20 (früher bis zu 50) Arten:

Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)

Nutzung[Bearbeiten]

In Nordamerika wird das europäische Echte Tausendgüldenkraut als Arzneipflanze angebaut und ist dort zum Teil bereits als Neophyt eingebürgert. In Nordafrika und Südosteuropa werden Wildbestände geerntet. Das Kraut enthält neben mehreren Bitterstoffen auch Glykoside, Flavonoide, Ätherische Öle, Valeriansäure und Xanthone.

In der Volks- und Naturheilkunde findet Centaurium dank des enthaltenen Erythrocentaurins als klassische Bitterdroge und daher als appetitanregendes Magenmittel ähnlich verschiedenen Enzian-Arten Verwendung. Genutzt werden dazu in der Regel die getrockneten, oberirdischen Pflanzenteile.

Das Echte Tausendgüldenkraut wurde 2004 in Deutschland zur Heilpflanze des Jahres gekürt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein kurzes Gedicht über ein Tausendgüldenkraut schrieb der deutsche Dichter Friedrich Rückert. Im Lyrikband Heiteres Herbarium von Karl Heinrich Waggerl findet sich ein Gedicht gleichen Namens.

Quellen[Bearbeiten]

  • Guilhem Mansion, L. Zeltner & F. Bretagnolle: Phylogenetic patterns and polyploid evolution within the Mediterranean genus Centaurium (Gentianaceae - Chironieae), In: Taxon, Volume 54, 2005, S. 931-950.
  • Guilhem Mansion: A new classification of the polyphyletic genus Centaurium Hill (Chironiinae, Gentianaceae): description of the New World endemic Zeltnera, and reinstatement of Gyrandra Griseb. and Schenkia Griseb., In: Taxon, Volume 53, 2004, S. 719–740.
  • Saood Omer: Centaurium in der Flora of Pakistan: Online.
  • Ting-nung Ho & James S. Pringle: Gentianaceae: Centaurium, S. 4 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi & Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 16 - Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1995. ISBN 0-915279-33-9 (Abschnitte Beschreibung und Systematik)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Centaurium im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. Guilhem Mansion & L. Struwe: Generic delimitation and phylogenetic relationships within the subtribe Chironiinae (Chironieae: Gentianaceae), with special reference to Centaurium: evidence from nrDNA and cpDNA sequences., In: Molec. Phylogenet. Evol., 32, 2004, S. 951–977.
  3. a b c d e f g K. Marhold, 2011: Centaurium. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Zuletzt abgerufen am 14. Februar 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tausendgüldenkraut (Centaurium) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien