Tautenburg

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Dorf Tautenburg in Thüringen. Zur gleichnamigen ehemaligen Burg in Polen siehe Tautenburg (Insel)
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Tautenburg führt kein Wappen
Tautenburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Tautenburg hervorgehoben
50.99055555555611.715555555556230Koordinaten: 50° 59′ N, 11° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Holzland-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Dornburg-Camburg
Höhe: 230 m ü. NHN
Fläche: 12,71 km²
Einwohner: 287 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 23 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07778
Vorwahl: 036427
Kfz-Kennzeichen: SHK, EIS, SRO
Gemeindeschlüssel: 16 0 74 096
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lindenstr. 58
07778 Tautenburg
Webpräsenz: www.tautenburg.de
Bürgermeister: Daniel Lerche[2]
Lage der Gemeinde Tautenburg im Saale-Holzland-Kreis
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Tautenburg ist eine Gemeinde im Nordosten des thüringischen Saale-Holzland-Kreises und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Dornburg-Camburg.

Lage[Bearbeiten]

Tautenburg liegt verkehrsmäßig nahe Jena, Dornburg und Camburg an der Kreisstraße 152 (Stichstraße) mit Anschluss an die Landesstraße 2306. Geografisch befindet sich Tautenburg östlich der Saaleniederung mitten im Tautenburger Wald in einem den Burgberg hufeisenförmig umfassenden Nebental bei etwa 250 Meter über NN. Der Forst liegt etwa 100 Meter über der mittleren Höhe des Dorfes.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Turm der Ruine Tautenburg
Kirche

Die erste urkundliche Erwähnung der Burg geht auf das Jahr 1223 zurück. Sie gelangte vor 1232 in den Besitz der Schenken von Vargula. Hier siedelte bis 1640 eine Nebenlinie der Schenken, die sich nach der Tautenburg benannten. Wann sich eine erste dörfliche Ansiedlung unterhalb der Burg ausbildete, ist unbekannt, doch vermutlich geschah dies bald nach der Anlage der Burg. Burg und angrenzenden Wald besaßen sie erst von den Herren von Lobdeburg-Saalburg als Aftervasallen des Reiches zu Lehen. Nach dem Tod Hartmann IV. von Lobdeburg-Saalburg ohne männlichen Erben, erhielten die Tautenburger Schenken 1243 von Kaiser Friedrich II. das Reichslehen übertragen.[3]

Der Name Tautenburg geht wahrscheinlich auf den Erbauer/Vorbesitzer der Burg, Tuto von Hausen, zurück (Hausen, Burgruine zwischen Tautenburg und Bürgel), der sich auch Tuto von Tutinburg nannte. Dieser Tuto ist wahrscheinlich ein Lehnsmann der Herren von Lobdeburg gewesen, die die Herrschaft Tautenburg vor den Schenken vom Reich zu Lehen hatten.

Die Burg Tautenburg gehörte zu einer Kette von Reichsbesitz, der sich entlang der alten Heerstraße von Erfurt nach Altenburg befand. Befestigte Anlagen, wie Kapellendorf, Lehesten, Hainichen, Dornburg, Tautenburg, Schkölen usw. lagen an dieser Straße. Entlang des Gleistales auf den Hochlagen vom Tautenburger Forst standen im Mittelalter kleinere Burgen oder Befestigungsanlagen zum Schutz der im Tal verlaufenden Handelsstraße aus Richtung Erfurt über die Saalefurt bei der Wüstung Hummelstedt (noch 1209 erwähnt) in Richtung Bürgel–Gleisefurt nach Nürnberg oder Altenburg. Es waren die Burgstellen Bonzig im Flurteil Bonsig, Mönchskuppe im Flurteil Münchenholz, Hausen über dem Teufelsgrund und Goldberg südlich von Hohendorf.[4]

Nach dem Aussterben des Hauses der Schenken von Tautenberg 1640 kamen Burg und Ort Tautenburg in den Besitz der albertinischen Wettiner und entwickelten sich zum Zentrum eines großen Wirtschaftsgebietes (1703: 17 Dörfer mit 389 Höfen, 3 Wüstungen und 6 Freigütern). 1780 wurde für den Bau des Justiz- und Rentamtes in Frauenprießnitz die Burg abgerissen und das Baumaterial dort verwendet. Nur der Bergfried blieb erhalten. Damit wechselte auch der Verwaltungssitz nach Frauenprießnitz.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Region um Tautenburg als Erholungsgebiet erschlossen und auch einige Prominente verweilten in Tautenburg, so Friedrich Nietzsche, Max Reger und Ricarda Huch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden eine LPG sowie ein holzverarbeitender VEB gegründet. Auch entstand ein Erholungslager für Arbeiter eines Braunkohletagebaus. Ab 1960 wurde hier das Karl-Schwarzschild-Observatorium der Akademie der Wissenschaften der DDR aufgrund der guten Beleuchtungsbedingungen im Umfeld von Tautenburg errichtet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Überregional bekannt geworden ist Tautenburg und der Tautenburger Wald durch die Errichtung der Thüringer Landessternwarte (Karl-Schwarzschild-Observatorium) im Jahr 1960.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Burgruine Tautenburg. Tautenburg ist U-förmig um den Burgberg angelegt.

Die evangelische Petrus-Johannes-Kirche wurde 1882/83 als Ersatz für einen älteren Vorgängerbau im neugotischen Stil errichtet.

Am 4. April 1986 beim Abriss eines alten Stallgebäudes im Gehöft Nr. 5 wurde der Mahlschatz von Tautenburg (ein bäuerlicher Brautschmuck) gefunden. Er ist im Museum der Leuchtenburg ausgestellt.[5]

Der Asteroid Nr. 2424 trägt ab dem Entdeckungsjahr 1973 den Namen Tautenburg.[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Hermann Otto Stölten (* 26. Februar 1847 in Holm: † 21. Juni 1928 in Gerstungen) Pfarrer, Heimatforscher und Mitbegründer des Verschönerungsvereins sowie Initiator zum Erbau der neuen Kirche in Tautenburg im Zeitraum 1878-1886.[8]
  • Friedrich Nietzsche (* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen: † 15. August 1900 in Weimar) Er lebte im Jahre 1882 zwei Monate mit der Russin Lou von Salomé als Sommerfrischler bis zum 27. August in Tautenburg.[9]
  • Hans Walter Conrad Veidt (* 22. Januar 1893 in Berlin; † 3. April 1943 in Hollywood, Kalifornien) war ein deutscher Schauspieler und weilte 1909 als Sommerfrischler in Tautenburg.[10]
  • Joachim Ringelnatz (* 7. August 1886 in Wurzen; † 17. November 1934 in Berlin, eigentlich Hans Gustav Böttcher) war oft als Kind mit seinen Eltern und Geschwistern nach Tautenburg in die Sommerfrische gekommen. Am 15. Januar 1909 erinnert er sich in einem Brief an seine Schwester an Tautenburg und an die Muschelkalkhänge.[11]
  • Ricarda Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg (Taunus)), Schriftstellerin und Historikerin, lebte vom 20. März bis 21. Mai 1945 infolge der Bombardierung Jenas in Tautenburg.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. [1] Amtsblatt der VG Dornburg-Camburg 12/2011, S. 10. (PDF-Datei 2,1 MB)
  3. Wilfried Warsitzka: Die Thüringer Landgrafen Verlag Dr. Bussert & Stadeler, 2004, ISBN 3-932906-22-5, S.203
  4. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, Jena 2001, S. 70, 55 u. 113, 129 u. 130, 111. ISBN 3-910141-43-9
  5. K. Haufschild: Der Mahlschatz von Tautenburg. Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Leuchtenburg 1993. S. 1–19
  6. O.V.: Thüringer Landessternwarte Tautenburg. Karl-Schwarzschild-Observatorium. Geschichte, Instrumentierung, Forschungsinhalte (Faltblatt) 1998.
  7. ADB:Tielke, Johann Gottlieb aus Wikisource, der freien Quellensammlung
  8. Fredy Richter: Leben und Wirken des Lic.Sup.Int. Hermann Otto Stölten und seine Zeit 1847-1928. C.Graphik und Druck,1997, Einzelanfertigung , Einzelverlag, S. 1-74
  9. Gerhard Schaumann:Tautenburg bei Jena Kulturgeschichte einer thüringischen SommerfrischeQuartus-Verlag- 1. Auflage ,1998,ISBN 3-931505-38-3, S. 77-86
  10. Gerhard Schaumann: Tautenburg bei Jena Kulturgeschichte einer thüringischen Sommerfrische Quartus-Verlag -1. Auflage, 1998, ISBN 3-931505-38-3, S 102
  11. Gerhard Schaumann:Tautenburg bei Jena Kulturgeschichte einer thüringischen Sommerfrische Quartus-Verlag -1. Auflage, 1998, ISBN 3-931505-38-3, S.101/102
  12. Gerhard Schaumann:Tautenburg bei Jena Kulturgeschichte einer thüringischen Sommerfrische Quartus Verlag, 1. Aufl. 1998,ISBN 3-931505-38-3, S. 103-105

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Schaumann: Tautenburg bei Jena. Kulturgeschichte einer thüringischen Sommerfrische 2. Auflage, Bucha bei Jena 1999 (Mitteldeutsche Miniaturen; 2), ISBN 3-931505-38-3.
  • Gerhard Schaumann: "Dieses Tautenburg entzückt mich und paßt mir in allem und jedem ..." Nietzsche und Tautenburg. Eine Rede, in: Ulrich Kaufmann (Hrsg.): Dichterwege nach Jena. Eine literarische Spurensuche in drei Jahrhunderten, Bucha bei Jena 2012 (Palmbaum-Texte; 32), S. 103-113.
  • O.V.: Tautenburg, in: Der Schnapphans. Jenaer Heimatbrief 103 (Nov. 2012), S.66-71.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tautenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien