Tax Justice Network

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Das Netzwerk Steuergerechtigkeit[1] (Tax Justice Network, TJN) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich für eine progressive Verteilung der Steuerlast und für Transparenz auf den internationalen Finanzmärkten einsetzt. Insbesondere sollen große Unternehmen und vermögende Privatpersonen daran gehindert werden, ihrer Steuerpflicht über Steuerflucht in so genannte Steueroasen oder mit andern Methoden der Steuervermeidung zu entgehen. Diese Mechanismen habe drei Konsequenzen: erstens die Verschlechterung öffentlicher Dienstleistungen (Schulen, Krankenhäuser, Öffentliche Verkehrsmittel, etc.), zweitens die vermehrte Schuldenaufnahme des Staates und drittens verursache sie eine (relativ) höhere steuerliche Belastung mittlerer und unterer Einkommensschichten. Alle drei Konsequenzen der Steuerflucht schwächten die Demokratie. TJN setzt sich in diesem Sinne für die Stärkung der Demokratie und gegen Steuerflucht ein. Das TJN wird von zahlreichen wichtigen Medien wie New York Times[2], The Guardian[3][4][5], Washington Post[6] und FAZ[7][8] zitiert. Experten des Tax Justice Networks treten zudem bei öffentlichen Anhörungen des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags auf.[9][10][11] Zudem ist sie Mitglied des Koordinierungsauschusses der Task Force on Financial Integrity and Economic Development.

Organisation[Bearbeiten]

Geleitet wird das TJN von einem durch die Mitglieder gewählten internationalen Komitee, dessen Vorsitzender Bruno Gurtner ist. Das internationale Sekretariat ist bei der New Economics Foundation in London angesiedelt.

Mitglied im TJN ist unter anderem der Professor für Rechnungswesen Prem Sikka.

Zielsetzung[Bearbeiten]

Das TJN will darauf aufmerksam machen, dass den Volkswirtschaften und Staatshaushalten große Geldsummen dadurch entzogen werden, dass Gewinne und Einkommen aus den Ländern, in denen sie erwirtschaftet werden, weg verlagert werden in so genannte „Steueroasen“. Sowohl Entwicklungsländer als auch reiche Staaten sind von den resultierenden Mindereinnahmen betroffen, Entwicklungsländer jedoch stärker, weil sie eine kleinere Steuerbasis haben. Im März 2005 schätzte TJN das in solche Steueroasen verlagerte Kapital wohlhabender Einzelpersonen auf 11,5 Billionen US-Dollar und das den Herkunftsländern dadurch entzogene Steueraufkommen auf jährlich 255 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen noch höhere jährliche Einnahmeausfälle durch multinationale Konzerne, die Steueroasen zur Scheinverbuchung von Gewinnen und zur Manipulation von internen Verrechnungspreisen benutzen.

Als Alternative zur jetzigen System der nationalen Gewinnermittlung schlägt TJN das Verfahren der Unitary Taxation (Gesamtkonzernbesteuerung) vor, bei dem zunächst der Gesamtgewinn eines internationalen Konzerns ermittelt wird, bevor dieser dann auf die Ländern aufgeteilt und dort besteuert wird.[12]

Studie von 2012 zur Steuerflucht[Bearbeiten]

2012 ergibt eine Studie des Tax Justice Network, dass den Heimatstaaten bis zu 280 Milliarden Dollar an Einkommenssteuern durch Steuerflucht verloren gehen. Finanzvermögen von 21 bis 32 Billionen Dollar sei in Steueroasen angelegt.[13]

Schattenfinanzindex[Bearbeiten]

Nach dem Schattenfinanzindex des TJN sind über die beiden Aspekte Geheimhaltung und globales Gewicht in aufsteigender Reihenfolge 10 bedeutendsten Orte für Schattenfinanzierung: Schweiz, Luxemburg, Hong Kong, Cayman Inseln, Singapur, Vereinigte Staaten, Libanon, Deutschland, Jersey und Japan.[14][15]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Was ist das Netzwerk Steuergerechtigkeit?
  2. It’s the Economy - My Big Fat Belizean, Singaporean Bank Account, New York Times, 24. Juli 2012
  3. Tax havens: G20 has failed to crack down, says campaign group, The Guardian, 4. Oktober 2011
  4. Obama faces criticism as US state tops secrecy table, The Observer, 1. November 2009
  5. Sub-Saharan Africa: capital flight, secret wealth and debt, guardian.co.uk, 22. Juli 2012
  6. Tax-Haven Blacklist Stirs Nations, Washington Post, 4. April 2009
  7. Vorgehen gegen Steuersünder - EU warnt vor Steuerausfall von 1 Billion Euro, FAZ, 6. Dezember 2012
  8. Das verlorene Steuerparadies, FAZ, 4. April 2012
  9. Zu den Vorteilen einer Finanztransaktionssteuer gegenüber einer Bankenabgabe, Stellungnahme des Netzwerks für Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network) zur öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags über div. Anträge zu Finanztransaktionssteuern und Finanzmarktregulierung am 17. Mai 2010. Bundestag.de (pdf, 53,99 KB)
  10. TJN-Stellungnahme zur Bekämpfung grenzüberschreitender Steuergestaltungen im Finanzausschuss des Bundestages, Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network)
  11. Öffentliche Sitzung des Finanzausschusses: Bekämpfung grenzüberschreitender Steuergestaltungen
  12. "Sol Picciotto (tax justice network), Towards Unitary Taxation of Transnational Corporations" 9. Dezember 2012, http://www.taxjustice.net/cms/upload/pdf/Towards_Unitary_Taxation_1-1.pdf.
  13. http://www.taxjustice.net/cms/upload/pdf/Deutsch/TJN2012_KostenOffshoreSystem.pdf S. 5
  14. Financial Secrecy Index 2013 (Englisch)
  15. Steueroasen im Visier des Tax Justice Network (TJN)