Taxameter

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Taxameter mit Drucker für die Erstellung von Taxiquittungen
Der Taxameter – am Beispiel eines weit verbreiteten älteren Modells

Der Taxameter ist ein elektronisches Gerät zur Erfassung von Fahrpreisen in Taxis auf Basis von Taxitarifen.

Überblick[Bearbeiten]

Als Erfinder des modernen Taxameters gilt der deutsche Unternehmer Friedrich Wilhelm Gustav Bruhn (1853-1927)[1]. Diese Fahrpreis-Anzeiger wurden Anfang der 1880er Jahre auf Pferdedroschken montiert und maßen die Radumdrehungen. Inzwischen existieren Geräte für einige Fahrzeugmarken, die den Fahrpreis im Innenspiegel des Fahrzeugs anzeigen. Oft werden Taxameter mit dem gesamten Dispositionssystem der Taxiunternehmen vernetzt. In Deutschland und Österreich wächst der Wunsch nach einer automatischen Quittungserstellung, die das Ausfüllen von Formularen ersetzen. Hierzu werden speziell angepasste Drucker angeboten, die den Ausdruck von Taxiquittungen und von Tagesabrechnungen am Ende einer Schicht ermöglichen.

Fahrpreisermittlung[Bearbeiten]

In Deutschland ist es Pflicht, dass Taxis mit einem sichtbaren und beleuchteten Fahrpreisanzeiger (also Taxameter) ausgestattet sind (§ 28 BOKraft). Daraus ist der jeweilige Fahrpreis ablesbar, der sich in der Regel aus einer Grundgebühr sowie einem Kilometerpreis zusammen setzt. Hinzu kommen eventuell Gebühren für Wartezeit und weitere Zuschläge. Der Tarif wird hierbei in Deutschland von der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörde festgelegt, in Österreich vom Landeshauptmann.

Beim Einschalten des Taxameters erscheint zunächst immer die Grundgebühr. Der Fahrer kann einen Zuschlag durch Tastendruck hinzuaddieren, beispielsweise für Koffer oder Nachtfahrten. Nach dem Anfahren wird durch Ermittlung der Wegstrecke das Kilometerentgelt hinzugezählt und als Fahrpreis laufend angezeigt. Während Wartezeiten, beispielsweise an einer Ampel oder im Stau, schaltet das Gerät von Strecken- auf Zeitabrechnung um. Um Taxikunden genau kalkulierbare Preise zu bieten, hat Österreich und einige Städte in Deutschland wie Berlin und Hamburg inzwischen den Tarif dahingehend geändert, dass die Zeitabrechnung erst nach einer gewissen Standzeit beginnt. Dadurch werden verkehrsbedingte Wartezeiten nicht berechnet, sondern nur vom Kunden gewünschte, sofern sie jeweils eine bestimmte Zeitspanne überschreiten. Neue Untersuchungen haben aber ergeben, dass die Umsatzeinbußen der Taxifahrer durch diese Regelung größer sind als bei der Einführung angenommen[2] und es durch die fehlenden Vergleichsmöglichkeiten mit Tarifen mit klassischer Wartezeitberechnung zu Wettbewerbsverzerrungen kommt.[3] Am Zielort wird das Taxameter gestoppt, und der Gesamtpreis ist zu entrichten.

Eichung[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
historisches Taxameter eines argentinischen Taxis
Mechanisches Rikscha-Meter in Mumbai - bei Taxis werden hier baugleiche Geräte vor der Windschutzscheibe auf der Motorhaube montiert.

Taxameter werden in Deutschland einmal jährlich vom Eichamt überprüft, um die korrekte Arbeitsweise nachzuweisen. Wird nach einer Tarifänderung der Taxameter durch einen anerkannten Instandsetzer neu eingestellt, gilt eine Übergangsfrist, bevor man das Gerät beim Eichamt überprüfen lassen muss. Wenn alles in Ordnung ist, wird der Taxameter mit einer Eichmarke versehen und das Gerät wird verplombt in der Regel durch Aufkleben der Eichmarke und Aufkleber auf den Schrauben. Die Eichung ist dann für ein Jahr gültig. Der Taxiunternehmer ist selbst verpflichtet sich rechtzeitig um die Nacheichung zu bemühen. Die Eichmarke hat eine Jahreszahl aufgedruckt. Die Eichung ist bis zum 31. Dezember des Jahres gültig, welches auf der Eichmarke vermerkt ist[4]. Nach Ablauf der Eichgültigkeit darf der Taxameter nicht mehr in Gebrauch genommen werden. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften ist eine Ordnungswidrigkeit.

Ursprung[Bearbeiten]

Dem Taxameter ähnliche Geräte zur Fahrpreisermittlung gab es bereits in der Antike. Der Ursprung ist ungewiss, Quellen dazu fehlen bisher. Das von ihm entwickelte Gerät ließ durch das Anschlagen einer Zahnradkonstruktion nach einer bestimmten Wegstrecke eine Kugel in ein Gefäß fallen, die Anzahl der Kugeln ergab die Wegstrecke und dadurch den Fahrpreis.

Lange Zeit fuhren dann Droschken und danach die Taxis mit einheitlichen Taxametern, mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Fabrikaten, die zugelassen und vom Markt angenommen werden.

Sitzkontakte[Bearbeiten]

Um zu verhindern, dass Fahrten nicht korrekt erfasst werden, können Taxameter teilweise mit Sitzkontakten kombiniert werden. Diese Kontakte registrieren, wenn ein Fahrgast auf dem Sitz Platz nimmt und starten automatisch den Taxameter. Eine andere Variante dieser Kontakte sind Lichtschranken in den Türen oder der Mittelkonsole. Diese Kontakte können statt zur Aktivierung des Taxameters auch zur Protokollierung der nicht per Taxameter erfassten Fahrten verwendet werden.

Anforderungen der Finanzbehörden (Deutschland)[Bearbeiten]

Nach der europäischen Messgeräterichtlinie 2004/22/EG und deren Anhang MI-007 ist erstmals geregelt, dass das Taxameter die Anforderungen so zu erfüllen hat, dass die Interessen der Steuerbehörden geschützt werden[5]. Nach § 145 Abs. 1 Satz 2 AO müssen sich die Geschäftsvorfälle (hier: Fahraufträge) in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen (Einzelaufzeichnungsverpflichtung).

Der "normale" Fahrauftrag eines Taxis unterliegt dem ermäßigten Umsatzsteuersatz, wenn die Fahrt innerhalb einer Gemeinde erfolgt oder wenn die Beförderungsstrecke nicht mehr als 50 km beträgt (§ 12 Abs. 2 Nr. 10 UStG). Für die Prüfung, ob der Ansatz des ermäßigten Steuersatzes zutreffend erfolgt ist, sind die Daten des einzelnen Fahrauftrags aufzubewahren. Das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 26. November 2010 [6] fordert die Speicherung verschiedener steuerlich relevanter Daten im Taxameter. Von diesen Anforderungen sind Unternehmer mit Mietwagenfahrzeugen nicht betroffen, da für deren Fahrzeuge der Einsatz eines Taxameters nicht vorgeschrieben ist.

Es werden bereits erste technische Maßnahmen umgesetzt, die Manipulationen von Umsatzzahlen unmöglich machen sollen. In Hamburg werden bereits Taxis für die Nutzung des INSIKA-Systems umgestellt.[7] In Berlin laufen entsprechende Vorbereitungen. [8] Für entsprechend modifizierte Taxameter wird teilweise der Begriff "Fiskaltaxameter" benutzt.

Situation in anderen Ländern[Bearbeiten]

In anderen Ländern wie zum Beispiel in Frankreich oder Spanien sind die Fahrpreise oft vom Zustand des Fahrzeugs und der Firmenpolitik der örtlichen Unternehmen sowie von deren nationalen Bestimmungen abhängig. In einigen Ländern Europas ist sogar die Verwendung von Quittungsdruckern verpflichtend. Dieser Trend nimmt international zu. Mittlerweile wird auch die Einführung von Fiskaltaxametern verstärkt diskutiert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Taximeters – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Taxameter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=bibdat&docid=AT000000047392B
  2. TAXI-MAGAZIN.DE: Gratisminute führt zu erheblichen Einbußen
  3. TAXI-MAGAZIN.DE: Der Hamburger Tarif im Städtevergleich
  4. Eichdirektion-Nord zum Thema Gültigkeit von Taxametereichplaketten
  5. Lfd. Nr. 20 des Anhangs MI-007
  6. BStBl 2010, Teil I, S. 342
  7. Förderung für Taxameter in Hamburg. Stadt Hamburg, Verkehrsgewerbeaufsicht, abgerufen am 31. Januar 2013.
  8. | Bericht der BZ Berlin zur Einführung der Fiskaltaxameter vom 10. April 2013