Taza

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Dieser Artikel handelt von der marokkanischen Stadt, für das algerische Biosphärenreservat siehe Taza (Algerien).
Taza
Wappen fehlt
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Taza (Marokko)
Taza
Taza
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Taza-Al Hoceïma-Taounate
Provinz: Taza (Provinz)
Koordinaten 34° 13′ N, 4° 1′ W34.216388888889-4.0086111111111500Koordinaten: 34° 13′ N, 4° 1′ W
Einwohner: 155.000
Höhe: 500 m
Taza – Blick auf die Altstadt (Medina) und das Minarett der Großen Moschee (12. Jh.). Auch die aus Stampflehm errichteten Festungsmauern stammen ursprünglich noch aus dieser Zeit, wurden jedoch später immer wieder restauriert und ausgebaut.
Blick über die Neustadt von Taza

Taza (arabisch ‏تازة‎) ist eine Stadt in Marokko, ungefähr 100 Kilometer östlich von Fès zwischen Rifgebirge und Mittlerem Atlas gelegen. Die etwa 400 bis 600 Meter hoch gelegene Stadt hat etwa 155.000 Einwohner und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Taza. Der Name ist wahrscheinlich abgeleitet vom Tamazight-Wort tizi für „Hügel“ oder „Pass“. Die Medina von Taza und die Große Moschee von Taza stehen seit 1995 auf der Vorschlagsliste für die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe.

Lage[Bearbeiten]

Taza liegt im Nordosten Marokkos zwischen den südlichen Ausläufern des Rif-Gebirgszuges und den nördlichen Ausläufern des Mittleren Atlas. Der ältere Stadtteil (Medina) liegt knapp 600 Meter über dem Meeresspiegel und ist von einer Festungsmauer aus Stampflehm eingefasst. Der neuere Stadtteil, von den Franzosen im Jahr 1920 gegründet, liegt in einer fruchtbaren Senke in einer Höhe von etwas über 400 Metern. Die Lage von Taza machte die Stadt zu einem wichtigen Ort an der Ost-West-Verbindung, die bereits in vorgeschichtlicher Zeit genutzt wurde, worauf Fossilfunde hinweisen. In römischer und islamischer Zeit war die Senke von Taza militärisch und als Handelsweg von großer Bedeutung: sie stellte die Hauptroute zu den fruchtbaren Ebenen an der Atlantikküste dar. Auch während der französischen Kolonialzeit (1914–1956) und danach spielte die einzige Ost-West-Verbindung im Norden Marokkos eine wichtige Rolle; seit dem Jahr 2011 verbindet eine an Taza vorbei führende Autobahn die zentralen Hochebenen Marokkos − und damit die Städte Rabat, Meknes und Fès − mit Oujda und Nador, den Industriezentren des Nordostens.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Der Großteil der Einwohner Tazas sind Berber; die meisten von ihnen haben erst seit den 1970er Jahren ihre Heimatdörfer verlassen und hoffen, in der Großstadt Arbeit als Tagelöhner, Taxifahrer, Kleinhändler etc. zu finden. Führende Positionen in Verwaltung, Handel, Bankwesen und Industrie sowie im Verkehrs-, Bildungs und Gesundheitswesen liegen dagegen in den Händen von arabisch-stämmigen Personen, die insgesamt nur einen Bevölkerungsanteil von etwa 20 % ausmachen. Berber und Araber sprechen untereinander meist Marokkanisch-Arabisch.

Geschichte[Bearbeiten]

Taza wurde um das Jahr 700 von Miknasa-Berbern gegründet und war aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage fortlaufend umkämpft. Nach der Verbreitung des Islam im westlichen Maghreb wechselten die Machtverhältnisse ständig zwischen den verschiedenen Dynastien des noch jungen, ungefestigten Islam und den (bereits islamisierten) Berber-Stämmen (Herrschaft der Idrisiden, Aufstand des Maysara um 740, Herrschaft der Fatimiden, Aufstand unter Abu Yazid um 944). Im Jahr 1074 fiel die Stadt an die Almoraviden unter Yusuf ibn Taschfin und ca. 65 Jahre später (unter Abd al-Mu'min) an die Almohaden, die die erste Festungsmauer um die Stadt errichteten und sie − bis zur Einnahme von Marrakesch (1147) − zu ihrer Hauptstadt machten. Es folgten weitere Berberstämme (Meriniden, Wattasiden), sowie die − wahrscheinlich arabisch-stämmigen − Dynastien der Saadier und Alawiden. Letztere konnten ihre Herrschaft in Marokko zwar behaupten, doch geriet das Land seit dem 18./19. Jahrhundert immer mehr unter europäischen Einfluss.

1903 übernahm Jilani Zerhouni (Bou Hamara), aus algerischem Exil zurückkehrend, unter falscher Identität (Mulai Mohamed) die Macht über Taza. Er verkaufte Erzabbaurechte im Rif-Massiv an ein spanisches Unternehmen (Compañía Española de Minas del Rif) und wurde 1908 von rivalisierenden Berbern entführt, was den Rifkrieg mitauslöste.

Am 10. Mai 1914 wurde Taza französisches Protektorat und blieb bis zur Unabhängigkeit Marokkos (1956) unter französischem Einfluss.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Medina[Bearbeiten]

Europäische Touristen finden nur selten den Weg nach Taza und so ist die Medina mit ihren − oft rechtwinklig verlaufenden Gassen − noch recht ursprünglich geblieben, ohne jedoch mit der Atmosphäre von Fès mithalten zu können. Dennoch lohnt sich ein kurzer Aufenthalt: An der Hauptstraße der Altstadt findet man den Getreidemarkt und die Suqs, auf denen Korbwaren, Teppiche, Schmuck und Handarbeiten der Berber aus den umliegenden Bergen angeboten werden. Die Straße führt zum Exerzierplatz und zur Großen Moschee, die in großen Teilen (so auch das Minarett) noch aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Straße Bab el-Qebbour kreuzt die Kissaria (überdachter Markt) und führt dann zur Markt-Moschee, wo sie auf das Bab-Jamaa-Tor trifft, den Haupteingang zur Medina von Taza. Etwas weiter südlich, auf der anderen Seite − unweit der Großen Moschee − schließt das Bab el-Rih ("Tor des Windes"), eine Bastion aus dem 16. Jahrhundert, den Ring um die Kasbah. Tazas Stadtmauer, die im 12. Jahrhundert erbaut und bei späteren Anlässen oft verstärkt wurde, wurde im 16. Jahrhundert von dem Saadier Ahmad al-Mansur mit einem Borj, einem befestigten Turm, mit 26 Metern Breite versehen. Das Stadttor mit eisernem Gitter und die Kasematten mit terrassenförmigen Dächern zeigen deutlich die Einflüsse europäischer Militärarchitektur der damaligen Zeit.

Umgebung[Bearbeiten]

Nur etwa 14 km südlich von Taza liegt die Gouffre du Friouato (siehe Weblink), die einzige für Besucher erschlossene Tropfsteinhöhle Marokkos. In einer Entfernung von etwa 35 km zieht der Nationalpark des 1980 Meter hohen Jbel Tazzeka (siehe Weblink) mit seinen Zedern- und Korkeichenwäldern, Schluchten, Höhlen und Wasserfällen vor allem marokkanische Touristen an. Vom Berggipfel aus bietet sich ein grandioser Ausblick auf die umgebende Berglandschaft.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam - Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2012, S. 227f, ISBN 978-3-7701-3935-4.
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010, S. 432f, ISBN 978-3-8297-1251-4.

Weblinks[Bearbeiten]