Tazacorte

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Gemeinde Tazacorte
Wappen Karte der Kanarischen Inseln
Wappen von Tazacorte
Tazacorte (Kanarische Inseln)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Kanarische Inseln
Provinz: Santa Cruz de Tenerife
Insel: La Palma
Koordinaten 28° 39′ N, 17° 56′ W28.643727777778-17.932877777778107Koordinaten: 28° 39′ N, 17° 56′ W
Höhe: 107 msnm
Fläche: 11,36 km²
Einwohner: 4.911 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 432,31 Einw./km²
Postleitzahl: 38770
Gemeindenummer (INE): 38045 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Webpräsenz der Gemeinde
Lage der Gemeinde
Tazacorte.png
Blick vom Mirador del Time über den Barranco de Las Angustias auf Villa de Tazacorte

Tazacorte (offiziell La Villa y Puerto de Tazacorte) ist eine der 14 Gemeinden der Kanarischen Insel La Palma. Der älteste spanische Ort der Insel ist die jüngste (seit 1925 selbständig) und flächenmäßig kleinste Gemeinde von La Palma. Die Gemeinde reicht vom Ende der Schlucht Barranco de Las Angustias bei El Puerto im Norden bis La Bombilla im Gemeindeteil La Costa im Süden.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage und Geologie[Bearbeiten]

Die Hochebene von Tazacorte liegt am Fuße des Aridanetals. An seinem nördlichen Ende befindet sich der zum Landschaftsschutzgebiet erklärte Barranco de Las Angustias, der Abfluss aus der Caldera de Taburiente.

Die Lava des Vulkans Tacande (Montaña Quemada, „Verbrannter Berg“) und die des Vulkans San Juan haben die Landschaft von Tazacorte geformt. Der San Juan vergrößerte bei seinem letzten Ausbruch 1949 das Land am Südende der Gemeinde. Geprägt wird die Landschaft sonst hauptsächlich von Bananenplantagen. Die Berge Montaña Todoque (349 Meter) und Montaña La Laguna (343 Meter) sind zwei von vier in einer Reihe stehenden Vulkanen, die unter Naturschutz stehen.

Von den mehr als 100 Vulkanhöhlen auf La Palma befinden sich fünf auf dem Gebiet von Tazacorte: Cueva de Hércules, Cueva de Los Caracoles (beide nördlich von Montaña La Laguna), Cueva de El Perdido (mit vier Öffnungen zur Steilküste), Cueva La Muralla und Cueva de la Terraza de Verano (beide im Süden von La Costa). Die Cueva de El Perdido mit einer Ausdehnung von 1288 Metern ist nach der Cueva Honda del Bejenado mit 1362 Metern die am weitesten verzweigte Vulkanröhre von La Palma.[2][3]

Gliederung der Gemeinde Tazacorte[Bearbeiten]

Gemeindeteile von Tazacorte

Die Gemeinde Tazacorte untergliedert sich (von Nord nach Süd) in: El Puerto, Tarajal, Tazacorte, Cardón, San Borondón, Marina, La Costa.

Villa de Tazacorte[Bearbeiten]

Der Ort Tazacorte ist der Verwaltungssitz der Gemeinde und der infrastrukturelle Kern. Hier vermischen sich traditionelle Baustile mit moderner Architektur. Alte Häuser, in kanarischem oder kolonialem Stil, mit engen Gassen zeichnen überwiegend das Bild des Ortes, der auch Paris chiquito (Klein-Paris) genannt wird. Das Viertel El Charco war das ursprüngliche Zentrum, an dem die Familie Monteverde eine erfolgreiche Zuckerfabrik ansiedelte. Der Ort wuchs durch Wohnungen für Angestellte, durch Mühlen und Werkstätten und andere Wirtschaftsgebäude.

Puerto de Tazacorte[Bearbeiten]

Strand von Puerto de Tazacorte

Der Ort Puerto de Tazacorte (auch El Puerto) liegt am Ende der Schlucht Barranco de Las Angustias. Der heutige Fischerei- und Segelhafen wurde 1976 – 1981 südlich des alten Hafens, an der Mündung des Barrancos von Tenisca (im benachbarten Gemeindeteil Tarajal) gebaut und ist der größte Hafen der Insel. 1999 – 2003 wurden der Hafen erweitert sowie die alte Hafenmole zum Schutz des Strandes weiter ausgebaut.[4] Der Deich schützt insbesondere in der Winterzeit den Strand gegen die z. T. mehrere Meter hohen Wellen.

An der Stelle des Deiches wurde 1936 bereits ein Wellenbrecher zum Schutz des ersten Hafens von Tazacorte gebaut, von dem aus der Export der Bananen erfolgte. Eine geeignete Straßenverbindung zum Hafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma existierte damals noch nicht.[5]

El Puerto und Tarajal verfügen zusammen über einen etwa 2 km langen Badestrand aus schwarzem Lavasand mit einer entsprechend langen Promenade. Hier hat sich ein großer Badetourismus entwickelt. Mit 3500 Sonnenstunden im Jahr ist Puerto de Tazacorte der sonnenreichste Ort der Insel.[6] Der Strand Los Tarajales, in der Nähe des Hafens, ist 2014 für Nudisten geöffnet.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Spanische Eroberung[Bearbeiten]

Am 29. September 1492, dem Tag des Heiligen Michael, begann unter der Führung von Alonso Fernández de Lugo im zugänglichen Küstenabschnitt des heutigen Puerto de Tazacortes die spanische Eroberung und Inbesitznahme von La Palma. Zu Ehren des Heiligen Michael wurde von den Spaniern die erste Kapelle am Ort der heutigen Kirche San Miguel Arcángel in Tazacorte errichtet. Der Heilige Michael gab der Insel auch ihren Namen, San Miguel de La Palma.[8] Der Name des Guanchenhäuptlings Tazo, der den Spaniern erbitterten Widerstand entgegensetzte, führte zur Namensfindung von Tazacorte und bedeutet, Der Hof des Tazo.

Errichtung großer Landgüter[Bearbeiten]

Casa Diaz Pimienta aus dem 16. Jahrhundert
Casa Monteverde aus dem 16. Jahrhundert, heute auch als Casa Los Martyres bezeichnet
Casa Monteverde, Gedenktafel der 40 Märtyrer

Das Land des heutigen Tazacorte und Aridane wurde unter den Besetzern aufgeteilt, ebenso wie die Rechte der Gewässernutzung in der Caldera de Taburiente. In der Folgezeit wurden von adeligen Familien aus der Hauptstadt und von flämischen Kaufleuten große Landgüter errichtet, die im Zuckergeschäft den wirtschaftlichen Wohlstand sahen. Die Zuckerfabriken der Familien Monteverde, Van Dale, Sotomayor und Massieu, denen das gesamte, klimatisch sehr geeignete Land samt Gewässer gehörten, wurden zur wirtschaftlichen Antriebskraft der Insel. Die Hazienda de Abajo war das größte Zuckerrohrlandgut Tazacortes. Es wurde von Juan Fernández de Lugo, dem Neffen des spanischen Eroberers Alonso Fernández de Lugo errichtet. Das Handelshaus der Welser kaufte es im Jahre 1509 mit großen Teilen des Aridane-Gebietes und verkaufte es schon 1513 an den Kölner Kaufmann Johann Byse (Byss oder Biesen) und dessen Neffen Jakob Groeneberg, welcher ganz nach La Palma zog. Er ließ sich in Tazacorte unter dem spanischen Namen „Don Jácome de Monteverde“ nieder. Später übernahmen die Familie Sotomayor sowie die Herrschaften von Lillo, Berendrecht und Zuidland (Flandern) das Gut. Die Familien verschwägerten sich über die Jahrhunderte miteinander. Sie wohnten in den alten Herrensitzen. Im 16. Jahrhundert wurden der kleine Palast des Vizconde del Buen Paso, das Herrenhaus des Admirals Díaz Pimienta und die Casa Monteverde errichtet. Im nächsten Jahrhundert folgte die Casa Massieu. Der wesentliche Teil der flämischen Kunstsammlung dieser Familien befindet sich heute wieder in Tazacorte und ist in die historischen Gebäude des Hotels Hacienda de Abajo integriert.[9]

Das häufige Auftauchen von Korsaren und anderen Piraten ließ die Besitzer der Landgüter zwei heute nicht mehr existierende Schanzen zur Verteidigung anlegen.

Eine verhängnisvolle Erfahrung mit den Piraten machte im Juni 1570 auch eine 40-köpfige portugiesische Jesuitengruppe unter Leitung des Provinzials Inácio de Azevedo, die auf dem Seeweg von Lissabon nach Brasilien war. Eine Gedenktafel an der Casa Monteverde in Tazacorte weist noch auf eine Begegnung mit der Familie Monteverde hin. Bei ihrer Weiterfahrt wurde das Schiff von französischen Piraten-Schiffen unter Kommando von Jacques de Sores angegriffen, um in den Besitz der für Brasilien vorgesehenen reichhaltigen Waren zu gelangen. Die Jesuitengruppe wurde dabei grausam umgebracht. 1854 wurde die Gruppe als Vierzig Märtyrer von Brasilien seliggesprochen.[10][11]

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs lebte der Großteil der Bevölkerung von Tazacorte, Bauern und Fischer, unter armseligen Bedingungen in einem Viertel oberhalb der Herrschaftshäuser, das lange vom benachbarten Los Llanos de Aridane verwaltet wurde.

Zuckerrohranbau[Bearbeiten]

Mit dem Anbau von Zuckerrohr und dem Einsatz von Zuckermühlen kam die erste Industrie nach La Palma. Die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen wurde von einer großen Anzahl niedrig bezahlter Tagelöhner und ab Anfang 1600 von Sklaven durchgeführt. (Die Zwangsarbeit der Sklaven endete erst mit der Abschaffung der Sklaverei am 13. Februar 1880.) Für die Fabrikation des Zuckers waren große Mengen an Wasser und Feuerholz für die großen Öfen erforderlich sowie eine Infrastruktur mit Hafen und Straßenverbindungen für den Versand des Zuckers. Dem Feuerholzbedarf fielen große Waldgebiete, insbesondere die heimische Kiefer, zum Opfer. Innerhalb zweier Jahrhunderte wurde der - ursprünglich die ganze Insel überdeckende - Wald auf 40 % der Inselfläche reduziert. Im Vergleich zu den anderen kanarischen Inseln ist La Palma dennoch die waldreichste Insel. Das benötigte Wasser mußte in den Anfangsjahren noch mühselig aus der Caldera herbeigeschafft werden. Ab 1557 erfolgte der Bau von Aquädukten in Argual und Tazacorte und die Versorgung über ein weites Kanalsystem.[12][13]

Puerto de Tazacorte wurde nach dem Hafen der Hauptstadt der zweitwichtigste der Insel. Im 16. Jahrhundert wurde er von einheimischen und ausländischen Schiffen angelaufen, die Zucker, Wein und weitere Produkte der Insel exportierten.

Arbeitslosigkeit und Emigration[Bearbeiten]

Immer wiederkehrende Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit (Ausbruch von Gelbfieber, Cholera und Pocken) waren seit Beginn der Eroberung der Kanarischen Inseln bis ins 19. Jahrhundert die begleitenden Lebensumstände der Bevölkerung von Tazacorte und La Palma. Sie hatten wiederholte Auswanderungswellen hauptsächlich nach Kuba, Venezuela und Argentinien zur Folge. Der Einbruch der Zuckerwirtschaft Anfang 1800 verstärkte erneut die Auswanderung nach Amerika. Die letzten Zuckerrohrfabriken wurden 1830 in Tazacorte und 1844 in Argual geschlossen.[4]

Von 1830 bis 1855 bringt die anhaltende Dürre (verstärkt durch Heuschreckenplagen) die Landwirtschaft von Getreide, Kartoffeln und Wein zum Erliegen. Hungersnot in der Bevölkerung verstärkte die Auswanderung. Auch die Aussicht in Amerika zu Reichtum zu kommen, trug zu dieser Entwicklung bei.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belebten zwischendurch Cochenille und Zucker die Wirtschaft neu. Mit dem vermehrten Anbau von Rübenzucker um 1800 in Europa, stand der Anbau von Zuckerrohr auch auf La Palma vor dem Aus. Diese Lücke wurde nun durch der Anbau von Bananen geschlossen, der seit 1890 systematisch betrieben wurde.

In der Zeit von 1880 – 1925 kehren viele der palmerischen Emigranten mehrmals in ihren Leben von Amerika zurück (Schwalbenwanderung) und investieren das Ersparte in Landbesitz, so steigt der Anteil der kleinen und mittleren Grundbesitzer im Aridanetal. Die Krisen in Kuba und in Südamerika von 1925 bis 1935 unterbrechen die Auswanderungen der Palmeros, die in den folgenden Jahren jedoch wieder zunimmt. Die Wirtschaftskrise in Venezuela in 1970 beendet diesen Auswanderstrom.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rang Tazacorte um seine Unabhängigkeit gegenüber der Gemeinde Los Llanos de Aridane. 1923 wies der Ort mit über 2000 Einwohnern die stärkste wirtschaftliche Entwicklung im Aridanetal auf. Am 16. September 1925 wurde Tazacorte per Dekret die Unabhängigkeit verliehen.

Manuel Morales Perez - Tazacorte

Im August 1928 brach in Tazacorte die Pest aus. Lagerarbeiter des Unternehmens Fyffes in Puerto Tazacorte entdeckten hunderte von toten Ratten im Lagerhaus, in dem Stroh zur Verpackung von Bananen gelagert wurde. Die Arbeiter warfen die Ratten unachtsam ins Meer. Sechs von ihnen infizierten sich an der Pest, zwei von ihnen verstarben. Der Tod der beiden Arbeiter löste in der Bevölkerung Panik und Flucht aus. Der Arzt Dr. Manuel Cornelio Morales Perez von Tazacorte setzte sich intensiv zur Bekämpfung der Pest ein, der die Bevölkerung hilflos gegenüberstand. Insbesondere mussten die bislang unzureichenden sanitären Verhältnisse im Unternehmen verbessert werden.[14][4][15]

Unter dem Eindruck der herrschenden sozialen Missstände im Land gründete der Schriftsteller und Lehrer Esteban Beltrán 1910-1912 in Tazacorte eine säkulare Schule, in der das freie Denken und ein Bewusstsein für Kultur gefördert werden sollte. In der bereits 1910 herausgegebenen Wochenzeitung „Tazacorte“ setzt er sich für ein neues soziales und ethisches Denken ein und macht Vorschläge für einen sozialen Wandel zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft. Die Zeitung ist nach seiner Auffassung bereits ein Zeichen der Kultur und stellt einen hohen Nutzen für das Volk dar.[16][17]

Die kulturelle Entwicklung von Tazacorte setzte sich mit der Herausgabe von weiteren Zeitungen (ab 1931): Tribuna (später umbenannt in „Tribuna Libre“) und El Mundo fort. Sie werden von Händlern und Eigentümern mit liberalen und republikanischen Ansichten gegründet.

Die Zweite Spanische Republik, im Jahr 1931, hatte im gesamten Land eine Welle von Vereinigungen der Arbeiter und Bauern zur Folge, die insbesondere die Gewerkschaften, Sozialisten und Kommunisten stärkten. Der Lebens- und Bildungsstand der arbeitenden Bevölkerung in Tazacorte erhöhte sich im Zuge dieser Entwicklung deutlich, es wurden höhere Löhne gezahlt und Schulen wurden eröffnet. In fünf Jahren sank der Analphabetismus um die Hälfte. In Tazacorte profitierten hiervon insbesondere die Parteien der Linken, die sich zu einem Block der Frente Popular gegen die Faschisten vereinigten und 1933 mit 72 % die absolute Mehrheit im Stadtrat erzielten. Die Rechten erzielten 15 % und die Republikaner 13 % Stimmenanteile.[14]

Am 18. Juli 1936 gab General Franco, Kommandant auf den Kanarischen Inseln, den Befehl aus, gegen die spanische Regierung, die als Links-Koalition aus den Parlamentswahlen im Februar 1936 hervorgegangen war, einen militärischen Aufstand zu initiieren. Auf mehreren Kanarischen Inseln opponierten Anhänger der Zweiten Republik gegen diesen Befehl. Der Widerstand der Linken gegen die Faschisten war in Tazacorte und Santa Cruz de La Palma besonders ausgeprägt und dauerte sieben Tage, was ihm den Namen „Semana rojo“ (Rote Woche) gab.[18][19]

Während des Franco-Regimes kam es zu einer weiteren Emigrationswelle nach Südamerika.[10]

Im Verlauf der 1920er Jahren wächst trotz der Weltwirtschaftskrise und des Spanischen Bürgerkrieges die Bevölkerung in Tazacorte aufgrund wirtschaftlicher Aktivitäten in der Landwirtschaft und im Hafen. Durch Zuwanderungen Arbeitssuchender von anderen Orten La Palmas erhöht sich die Einwohnerzahl von 2284 im Jahr 1925 auf 3728 in 1940.[4]

Im 2. Weltkrieg, als der Seeweg nach Europa blockiert war, kam die allein auf dem Bananenexport beruhende Wirtschaft erneut in die Krise. Infolge dessen wurden Anbauflächen auf La Palma stillgelegt.

Villa Tazacorte, im unteren Bild Stadtteil El Charco, in der Bildmitte die Kirche

Zwischen 1950 und 1980 erlebte der Handel wieder einen Aufschwung, der neue Anbauflächen auf der gesamten Insel entstehen ließen. Der beginnende Einsatz von Maschinen in der Bau- und Landwirtschaft sowie von Lastkraftwagen zum Warentransport belebt diese Entwicklung nachhaltig. Investitionen von Emigranten aus Amerika in den Jahren 1963 – 1973 tragen zusätzlich zum Wirtschaftsaufschwung bei, in der Folge werden das Rathaus in Tazacorte, Schulen, Wohnungen in Puerto sowie Wasserversorgungsnetze gebaut.

In Tazacorte wächst die Anbaufläche von 311 Hektar im Jahr 1950 auf 684 Hektar in 1986 und bleibt bis heute mit 710 Hektar etwa konstant.[20]

Mit Eintritt Spaniens in die EU von 1986, erhält die Region Subvention zum Bananenanbau, der Verbesserung der Bewässerung und dem Bau von Gewächshäusern. Mit zunehmendem Tourismus auf den großen kanarischen Inseln um 2003 wandern Arbeitssuchende nach Teneriffa und Gran Canaria aus.

Die Entwicklung und Erhaltung des Fischerei- und Geschäftshafens, des Bananenanbaus und des sanften Tourismus stehen heute im Fokus der Gemeinde Tazacorte.[10]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Nach starkem Bevölkerungswachstum von Tazacorte, besonders in den 1970er und 1980er Jahren (1990: 7049 Einwohner), setzte in den 1990er Jahren ein Bevölkerungsrückgang ein, der bis 2013 (4911 Einwohner) anhielt.[21][22]

In Tazacorte leben heute in zweistelliger Anzahl auch deutsche Ganzjahres- sowie Winterresidenten, darunter Christine Wittrock oder Manfred Günther.

Die Bevölkerungszahlen der Gemeindeteile Tazacortes aus dem Jahr 2013:[23]

  • Tazacorte: 2481
  • El Puerto: 1230
  • La Costa: 500
  • Marina: 309
  • San Borondón: 270
  • Cardón: 90
  • Tarajal: 31

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bananenanbau[Bearbeiten]

Der Bananenanbau wurde erstmals 1613 erwähnt. Als sich nach Ende des Ersten Weltkrieges das englische Unternehmen Fyffes Limited (1899) sowie andere Firmen auf La Palma niederließen, blühte der Bananenhandel auf. In Tazacorte wurden hierfür große Plantagenflächen gepachtet.

Das Aridanetal mit seinem warmen Klima, dem Wasserreichtum aus der Caldera sowie dem nahen Hafen von Tazacorte zum Abtransport war bis in eine Höhe von 300 Metern am besten geeignet für den großflächigen Anbau der Bananen. Als geeignete Bananenart wurde auf den Kanaren die aus Südostasien stammende „Dwarf Cavendish“ gewählt, die klimatisch anspruchslos ist und gegenüber anderen Arten nur eine Pflanzenhöhe von 2,7 bis 3,4 Metern erreicht, was sie gegen Wind widerstandsfähiger macht.

Bananenplantage in Tazacorte

Von der Bepflanzung bis zur Ernte der Staude vergehen 12 bis 18 Monate. Aus dem Wurzelstock wachsen wieder neue Triebe. In Tazacorte gibt es über ein Jahrhundert alte Pflanzen, die sich immer wieder erneuert haben und von den Engländern zu Beginn des 20igsten Jahrhundert gepflanzt wurden. In Tazacorte erreicht die Staude ein durchschnittliches Gewicht von 45 kg, sie trägt 150 bis 300 Bananen. Die Pflanzen können über das ganze Jahr geerntet werden, da jede ihren eigenen Lebensrhythmus hat.

Für die Bewässerung der Bananen reicht die Niederschlagsmenge in Tazacorte mit etwa 300 mm pro Jahr nicht aus, erforderlich wäre die vierfache Menge. Zur künstlichen Bewässerung wurden in den 1930iger Jahren zur Gewinnung des Quellwassers aus der Caldera Brunnen und mehrere Kilometer lange Schächte gebaut. Dadurch stieg der Grundwasserspiegel an, was zu einer Erhöhung des Salz- und Karbonatgehalts im Wasser führte und die Böden von Anbauflächen zerstörte. In der 1980- und 1990iger Jahren erfolgte die Bewässerung über die Flutung der Felder. Heute kommt die wasserschonende Sprühbewässerung zum Einsatz, die den Wasserverbrauch bis zu 60 % senkt. In Tazacorte werden für die Bewässerung von einem Hektar Anbaufläche zwischen 16.000 und 23.000 m³ Wasser pro Jahr benötigt.[4]

Im Jahr 2000 verfügte Tazacorte mit 710 Hektar Anbaufläche von Bananen über etwa 25% der gesamten Anbaufläche von 2808 Hektar auf La Palma. Die Bananenproduktion von La Palma belief sich 2003 auf 140.532 Tonnen, was 31,5% der Gesamtproduktion der Kanarischen Inseln entsprach.[4] Im Jahr 2012 waren es nur noch etwa 60.000 Tonnen (etwa 28 % der gesamten kanarischen Produktion), davon waren etwa 95 % für das spanische Festland bestimmt.[24][25]

Der hohe Wasserbedarf von bis zu 1000 Litern Wasser für 1 Kilogramm Früchte, der Einsatz von Pestiziden und die ausgedehnte Monokultur ist die Negativseite dieses Erwerbs.[12]

Hafen[Bearbeiten]

Puerto de Tazacorte (2007)
Betonfigur am Pierende (Bauabschnitt 2007)

Die Gemeinde besitzt in Puerto de Tazacorte den größten Fischerei- und Yachthafen der Insel. Neben einer Vielzahl von Fischer- und Segelbooten wird der Hafen auch von Forschungsschiffen, Booten von Fischzuchtbetrieben sowie von Ausflugsbooten genutzt.

Mit einer Flotte von etwa 30 Fischerbooten (Stand: 2011) hat die Fischerei in Puerto de Tazacorte für die Wirtschaft La Palmas nur eine lokale Bedeutung. 1997 hatte der Hafen mit 40 Schiffen den höchsten Bestand. Die Anzahl der aktiven Fischer ging mit 44 im Jahr 1996 auf 24 in 2000 zurück. Auch aufgrund sich erschöpfender Fischbestände in der Region sank der Fischfang von 1200 Tonnen im Jahr 1995 auf 150 Tonnen in 2000.[20]

Zur Förderung der Fischereiwirtschaft wurde 2003 die Fischzucht von Seebarsch (Lubina) und Meerbrassen (Dorada) in großen Schwimmkäfigen vor der Küste ins Leben gerufen. Die 1600 Tonnen gezüchteten Fischs im Jahr 2006 gingen zum Großteil auf das spanische Festland sowie in die USA, nach Kanada und Russland.[6][26]

Der wirtschaftliche Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Im Februar 2010 entwichen bei schwerem Sturm aus drei Netzkäfigen vor dem Hafen von Tazacorte etwa 200.000 Seebarsche, die als gefürchtete Raubfische die heimischen Fischbestände (Makrelen, Sardinen und Stöcker) drastisch reduzieren und das ökologische Gleichgewicht der Meeresfauna nachhaltig beeinträchtigen können.[27] Überdies rissen sich im Oktober 2012 mehrere verankerte Fischzuchtnetze vor der Küste von Tazacorte los und wurden zur Gefahr für Fischer- und Touristenboote. Als Ursache wird die mangelnde Wartung der Netze infolge des Wegfalls der Subventionen für die Fischzucht angenommen.[28]

Hafen von Puerto Tazacorte, Bauabschnitte von 2007 und 2014 (Blick vom Mirador del Time)

EU-Förderung[Bearbeiten]

Im Rahmen des EU-Programms für die Kanarischen Inseln wurde der Hafen von Tazacorte in den Jahren 2000 bis 2006 mit Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von € 8,2 Mio. um eine 176 Meter lange Hafenmauer ausgebaut. In einem zweiten Bauabschnitt von 2007 bis 2013 wurde eine zweite Hafenschutzmauer mit einer Länge von 400 Metern errichtet (siehe Bild), bei Gesamtkosten in Höhe von € 54 Mio. und einem EU-Förderbeitrag von € 27 Mio.[29][30]

Als Begründung für den zweiten Bauabschnitt wurde angeführt: "Wegen schlechter Witterungsbedingungen war der Hafen nach Abschluss der Bauarbeiten nur eingeschränkt funktionsfähig. Daraufhin wurde der Bau eines zusätzlichen Damms zum Schutz des Hafens und zur Erweiterung der Gewerbezone beschlossen."[31]

Der Hauptzweck des Hafenausbaus von Tazacorte bestand gemäß einer Mitteilung des Petitionsausschusses des Europäischen Parlamentes[31] in der Entfaltung von Wirtschaftstätigkeit, wodurch ein Beitrag zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit von 25 % erreicht werden sollte. Insbesondere sollte der Export der auf der Insel angebauten Bananen, die nur aufgrund von EU-Subventionen wettbewerbsfähig sind, gefördert werden. Mit der Hafenerweiterung könnten auch neue Verkehrsverbindungen zwischen Tazacorte und den Inseln La Gomera und El Hierro geschaffen werden. Bisherige Versuche, Fährverbindungen zu den Nachbarinseln aufzubauen und Kreuzfahrtschiffe anzuziehen, missglückten jedoch.

Die EU kritisierte 2012 den überdimensionierten, nur teilweise genehmigten Hafenausbau aus EFRE-Mitteln.[32][33]

Straßennetz[Bearbeiten]

Das Straßennetz ist gut ausgebaut, so dass alle Gemeindeteile leicht erreichbar sind. Zwei Buslinien verbinden Tazacorte im Takt-Verkehr mit Los Llanos und mit den Gemeinden im Nordwesten der Insel.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche San Miguel Arcángel
Rathaus, davor Brunnen San Miguel de La Palma von Luis Morera
Bananenmuseum (Museo del Platano) in Tazacorte

Feste[Bearbeiten]

  • Wie in vielen Orten Spaniens wird auch in Tazacorte am Ende der Karnevalszeit die Beerdigung der Sardine durch eine Prozession wehklagender Witwen und Trauergäste zelebriert.
  • Jährlich am 16. Juli halten die Seeleute eine Prozession zu Ehren der Virgen del Carmen ab.
  • Am 29. September findet das große Fest zu Ehren des Erzengels Michael, des Kirchenpatrons, Schutzheiligen der Stadt und des Hafens von Tazacorte und aller Einwohner von La Palma statt. Höhepunkt ist der einzigartige Tanz der Caballos Fufos, der fauchenden Pferde. 20 Pferde – mit farbigem Papier verkleidete Rohrgestelle – tanzen durch die Straßen, angeführt von einer Giraffe.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Kirche San Miguel Arcángel in Tazacorte wurde 1513 an der Stelle der ersten Wallfahrtskapelle der Insel von 1492 erbaut. 1922 wurde das Gotteshaus zur Pfarrkirche. In ihr werden unter anderem die Reliquien des Martyriums der 40 Jesuiten aufbewahrt, die auf ihrem Weg nach Brasilien 1570 von französischen Piraten getötet wurden (siehe Abschnitt Geschichte).[13][11]
  • Vor dem Rathaus von Tazacorte befindet sich eine im Jahr 2007 errichtete große Bronzestatue des Erzengels Michael, von einem Springbrunnen eingerahmt. Ihre Erbauer sind die Künstler Luis Morera und Natan Teutsch.[8] Der Schutzheilige der Insel, Erzengel Michael, ist auch als Verteidiger der Kirche, das Schwert tragend, im Wappen von La Palma enthalten.
  • Historische Altstadt.
  • Unterhalb der Kirche, im ältesten Viertel El Charco findet sich das stattliche Herrschaftshaus Casa Massieu aus dem 17. Jahrhundert, in dem häufig Kunstausstellungen stattfinden. In der Nähe liegen die Casa Monteverde (16. Jahrhundert) und die Casa Díaz Pimienta (17. Jahrhundert), Geburtshaus des Admirals Francisco Díaz Pimienta (1594-1652), Eroberer der Isla de Providencia in der Karibik.
  • Das 2004 eröffnete Museum "Museo del Plátano", im unteren Teil von Tazacorte, inmitten einer Bananenplantage zeigt anhand von Bildtafeln die Historie der Bananenanpflanzungen auf den Kanarischen Inseln und insbesondere von Tazacorte. Eine Vielzahl historischer Aufnahmen von diesem Prozess und von Tazacorte veranschaulichen die Historie.[34]
  • Das Museum "Museo del Mojo", im Parkbereich des Bananenmuseums zeigt die heimischen Gewürze und deren Verwendung.[34]
  • Das Museum, das nach dem Arzt Manuel Morales Perez (1902–1986) benannt ist, ehrt den Bürger von Tazacorte, der sich in den 1920er Jahren um die Pestbekämpfung verdient gemacht hatte. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Kirche.[35]
  • Der Fischerei- und Yachthafen der Insel im Ortsteil Puerto de Tazacorte.
  • Einige schwarze Lavasandstrände (am Hafen, in La Bombilla, Los Guirres/Playa Nueva, Mangon)
  • Der ehemals geplante Parque atlantico (Meerwasserschwimmbad) am Puerto ist seit Jahrzehnten eine Bauruine (seit Ende 2013 teilweise abgerissen).[36]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tazacorte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Salvador Gonález Vázques Historia de Tazacorte 1492-1975. Graficolor Ediciones 2000
  • Villa y Puerto de Tazacorte Guía - Guide - Führer. Tazacorte 2004

Quellen[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. [1], F. Dumpiérrez, M. Fernández, O. Fernández, R. García, A.J. González, F. Govantes, J.M. Hernández & M. Muñoz: Las cavidades volcánicas de los términos municipales de Los Llanos de Aridane y Tazacorte (La Palma, Islas Canarias), Memoria digital de Canarias (PDF). Enthält auch die Lage und Schnittzeichnungen der Röhren.
  3. [2], Rainer Olzem, Diplom-Geologe: Tubo Volcánico de Todoque.
  4. a b c d e f Museo Historia del Platano Tazacorte: Aufzeichnungen über die Geschichte der Bananenanpflanzungen in Tazacorte (deutsch).
  5. Juan Carlos Díaz Lorenzo: El puerto de Tazacorte en los años de la autarquía, 8. November 2009.
  6. a b [3], Baedeker Reiseführer La Palma, El Hierro, Baedeker, 11. April 2014.
  7. http://noticias7.eu/neuer-fkk-strand-auf-la-palma-erfreut-sich-grosser-beliebtheit/7803/
  8. a b La Palma hat den Schutzpatron in Bronze, Kanaren Express, Tazacorte, 20. Oktober 2007.
  9. Website des Hotels Hacienda de Abajo
  10. a b c [4], Website des Ortes Tazacorte auf La Palma: Die sagenhafte Erzählung von den Märtyrern von Tazacorte.
  11. a b [5] La Palma Island: Tazacorte Martyrs.
  12. a b Rolf Goetz, La Palma Aktivurlaub, Peter Meyer Reiseführer, 5. Auflage, 2000.
  13. a b [6] Geschichte von San Miguel de La Palma.
  14. a b Salvador Gonález Vázques Historia de Tazacorte 1492-1975. Graficolor Ediciones 2000 (Wahl/S. 296, Pest/S. 212).
  15. Geschichte von San Miguel de La Palma
  16. [7] Blas Sánchez Dueñas: Heterodoxia Ideologica y Accion Politica: Los Luchadores, de Esteban Beltran, Universidad de Córdoba, 2011.
  17. [8] Centenario del periódico Tazacorte, 15 de octubre de 1910.
  18. [tazacorteSXX04.htm], Salvador González Vázquez: Tazacorte während des zwanzigsten Jahrhunderts.
  19. [9], Semana rojo.
  20. a b [10] El Desarrollo de los Territorios Locales: El Municipio de Tazacorte, en La Palma, José-León García Rodríguez, Universidad de La Laguna.
  21. [11], Instituto Nacional de Estadística, Santa Cruz Tenerife, Poblaciones de derecho desde 1986 hasta 1995, 38045 Tazacorte; abgerufen am 10. Oktober 2013 (spanisch).
  22. [12], Instituto Nacional de Estadística, Santa Cruz Tenerife, Series de población desde 1996, 38045 Tazacorte; abgerufen am 10. Oktober 2013 (spanisch).
  23. http://www.ine.es/nomen2/ficheros.do/ INEbase (Datenbank des Instituto Nacional de Estadística)
  24. [13] CUPALMA (Cooperativas Unidas de La Palma)
  25. [14] ASPROCAN (La Asociación de Organizaciones de Productores de Plátanos de Canarias)
  26. [15], Análisis de la potencialidad de las ayudas del IFOP y FEP Puerto pesquero de Tazacorte (Analyse des Potenzials des Fischereihafens von Tazacorte).
  27. Wochenblatt La Palma vom 23. April 2010
  28. Teneriffa-forum: Gefahr für Schiffe, Verlassene Fischzuchtbecken, 24. Oktober 2012
  29. Parlamentarische Anfragen, 9. Mai 2012: EU-geförderte Projekte auf der Kanareninsel La Palma
  30. Parlamentarische Anfragen, 25. Juni 2012: Antwort von Herrn Hahn im Namen der Kommission.
  31. a b [16], EUROPÄISCHES PARLAMENT, Petitionsausschuss, vom 2. September 2010: MITTEILUNG AN DIE MITGLIEDER zur Unterstützung für Gebiete in äußerster Randlage (Kanarische Inseln).
  32. 20 Monate für Ausbau des Hafens von Tazacorte (Kanarenexpress)
  33. vgl. La UE obliga a eliminar la ampliación del puerto deportivo de Tazacorte El Dia, 4. Januar 2012
  34. a b [17] Ayuntamientos Tazacorte: Museo del Plátano und Museo del Mojo.
  35. Fundación Doctor Manuel Morales
  36. Tazacorte: Ufo-Landeplatz wird geräumt
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