Teamim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Teamim, auch Kantillation genannt, (hebräisch טעמי המקרא ta'amei ha-mikra oder kurz טעמים te'amim; Jiddisch (auch im Englischen gebräuchlich) trope: Artikulationszeichen, Akzente) sind Zeichen im masoretischen Text der Hebräischen Bibel (Tanach), die zusätzlich zu Konsonanten und Vokalzeichen (=Nikud) den musikalischen Vortrag im jüdischen Gottesdienst festlegen. Teamim und Vokale wurden im frühen Mittelalter von den masoretischen Gelehrten festgelegt (siehe Hebräisches Alphabet).

Einige dieser Zeichen wurden auch in den mittelalterlichen Handschriften der Mischna benutzt.

Fast alle der insgesamt 48 Teamim stehen bei den betonten Wortsilben und zeigen so auch den Wortakzent an. Die meisten Teamim stehen über oder unter einem Konsonanten; nur wenige stehen vor oder nach dem Wort. Steht innerhalb eines Wortes genau ein Akzent bei einem Konsonanten, so ist das der Anfangskonsonant der betonten Silbe; gibt es zwei solche Akzente im gleichen Wort, so bezeichnen sie Vortonsilbe und Tonsilbe. Ohne einen weiteren Akzent im Wortinneren lassen die Akzente am Wortanfang oder -ende nicht auf den Wortakzent schließen; beim häufigsten unter ihnen, Paschta (Unicode U+0599) allerdings schon, weil eine Tonsilbe weiter vorn im Wort zusätzlich mit einem Akzent (U+05A8) markiert wird.

Teamim dienten ursprünglich als Interpunktionszeichen und sind in dieser Funktion auch für das Verständnis der Texte von Bedeutung. Durch verbindende und trennende Bedeutung zeigen sie die logischen (syntaktischen) Verhältnisse im Satz an, ähnlich wie Komma, Semikolon und Punkt. In manchen Fällen geht das mit einer geänderten Betonung und Aussprache des dabeistehenden Wortes einher, was ebenfalls schriftlich fixiert wird, etwa durch gelängte Vokale bei stark trennenden Teamim. Diese Formen nennt man Pausalformen, da sich die Veränderungen durch die Aussprache vor Sprechpausen, etwa am Satzende, ergeben.[1]

Die wichtigsten Teamim zur Angabe der Interpunktion sind die „Kaiser“ („Sof pasuq“ am Versende, „Atnach“ bzw. „Etnachta“ in der Versmitte) und die „Könige“ (der erste davon im Halbvers, meistens „Saqef qaton“, bezeichnet die Mitte des Halbverses). In den Psalmen, den Sprüchen und im Buch Hiob (Ijob) wird ein etwas anderes Schema verwendet, in welchem die beiden Halbverse unterschiedlich voneinander weiter unterteilt werden.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Gesenius: Hebräische Grammatik. Völlig umgearbeitet von E. Kautzsch. 7. Nachdruck-Auflage der 28. vielfach verbesserten und vermehrten Auflage Leipzig 1909. Georg Olms, Hildesheim u. a. 1995, ISBN 3-487-00325-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Eine Einführung in den im aschkenasischen Ritus üblichen musikalischen Vortrag im Synagogengottesdienst mit Klangbeispielen findet man auf http://bible.ort.org/books/cant4.asp

Siehe auch[Bearbeiten]