Teatro La Fenice

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Logo des Teatro La Fenice
Eingang des Teatro La Fenice am Campo San Fantin, 2013
Zuschauerraum nach der Rekonstruktion, 2005
Zuschauerraum nach der Rekonstruktion, 2007

Das Teatro La Fenice (italienisch [te'atro la feˈnitʃe]), mit vollem Namen Gran Teatro La Fenice di Venezia, ist das größte und bekannteste Opernhaus in Venedig.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem im Jahr 1774 das wichtigste Opernhaus Venedigs dem Feuer zum Opfer gefallen war, konnten sich die Betreibergesellschaft und die Patrizierfamilie, welche die Eigentümer waren, nicht über den Wiederaufbau einigen. Daraufhin beschlossen die Betreiber, ein eigenes Haus zu errichten. Die Bauarbeiten begannen im April 1790 unter der Leitung des Architekten Gian Antonio Selva. Die Oper wurde am 16. Mai 1792 eröffnet und in Anspielung auf die Brandkatastrophe „La Fenice“ (italienisch für Phönix) benannt.[1] Dabei ist der Name zugleich Hinweis auf den freimaurerischen Hintergrund, denn es wurde von einer Theatergesellschaft errichtet, deren Mitglieder größtenteils Freimaurerlogen angehörten. La Fenice – Phönix – der Sonnenvogel, steht hier als Symbol für Wiedergeburt und Auferstehung und bietet einen deutlichen Bezug zur Lichtsymbolik der Aufklärungszeit. Die Bühne wurde schnell eine der bedeutendsten Italiens und Europas und erlebte zahlreiche Uraufführungen. Auch in den für La Fenice geschriebenen Opern sind für die Jahre von 1792 bis 1814 freimaurerische Inhalte in zahlreichen Libretti nachgewiesen. Wie in Italien üblich, wurde damals im Karneval, zu Pfingsten und im Herbst gespielt.

Bereits 1836 wurde das Haus neuerlich durch ein Feuer schwer beschädigt. Diese Schäden konnten innerhalb Jahresfrist behoben werden; der Ruf des Hauses blieb unverändert erhalten. Insbesondere Giuseppe Verdi wählte diese Bühne häufig für die Uraufführungen seiner Werke (Ernani, Attila, Rigoletto, Simon Boccanegra, La Traviata). Nach der Einigung Italiens 1870 wurden Mailand, Rom und Neapel verstärkt als Opernzentren gefördert, worunter die Bedeutung von La Fenice aber nie maßgeblich litt. 1883, zwei Monate nach Richard Wagners Tod (in Venedig), fand die italienische Erstaufführung seines vierteiligen Werks (Tetralogie) Der Ring des Nibelungen statt. 1937 wurde das Theater grundlegend durch den venezianischen Stadtbaumeister Eugenio Miozzi saniert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Haus im Rahmen der Musik-Biennale Venedigs einen neuerlichen Aufschwung. In diesem Umfeld wurde das Festival für zeitgenössische Musik veranstaltet, was auch wieder zu zahlreichen Uraufführungen Anlass gab (Igor Strawinski, Benjamin Britten, Sergei Prokofjew, Luciano Berio, Luigi Nono, Bruno Maderna, Sylvano Bussotti).

Ende des 20. Jahrhunderts folgte die nächste Katastrophe: Während Renovierungsarbeiten wurde am 29. Januar 1996 das Gebäude von dem Elektroingenieur Enrico Carella und seinem Cousin Massimiliano Marchetti in Brand[2] gesteckt, weil Carella eine Konventionalstrafe von € 7.500,00 wegen Arbeitsverzuges umgehen wollte, und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Carella trat nach dem Urteil[3] in letzter Instanz im Jahre 2003 die Haftstrafe nicht an und befand sich seither auf der Flucht. Im Mai 2007 wurde der Flüchtige von Mexiko an Italien ausgeliefert. Da es um die Art der Wiedererrichtung Kontroversen[4] gab, dauerte es einige Jahre, ehe der Neubau begonnen wurde.[5] Schließlich wurde der im Wettbewerb 1997 ausgezeichnete Beitrag des Architekten Aldo Rossi umgesetzt. Dabei hielt sich Rossi an eine weitestgehend originalgetreue, anhand alter Fotos und Filmdokumente präzisierte Rekonstruktion, ergänzt um notwendige Funktionserweiterungen und Modernisierungen der Technik. So „konnten nun viele der über die Jahrhunderte verlorengegangenen Charakteristika des ursprünglichen Entwurfes von 1790 wieder aufgenommen werden. So zeigt sich das Theater heute zwar in seinem historischen Gewand, doch ist an vereinzelten, wohl ausgewählten Stellen, deutlich zu erkennen, dass die Gegenwart, in der es errichtet worden ist, in der Architektur des Theaters reflektiert wird.“[6]

Am 14. Dezember 2003[7] wurde das Haus zunächst mit einem Konzert des „Orchestra del Teatro La Fenice“ unter der Leitung von Riccardo Muti als Konzertsaal eröffnet.[8] Am 12. November 2004 konnte nach der Fertigstellung der modernsten Bühnenmaschinerie der Welt auch der Opernbetrieb wieder aufgenommen werden. Auf dem Programm stand La Traviata von Verdi unter der Leitung von Lorin Maazel. Aufgeführt wurde jedoch nicht die Version, die gut 150 Jahre zuvor hier ihre Uraufführung erlebte, sondern eine zeitgenössische Version, in der Violetta eine Prostituierte in Jeans ist.[9] Die legendäre Akustik des Fenice konnte wiederhergestellt und sogar durch moderne Technik[1] verbessert werden. Im Februar 2005 erlitt das Haus einen neuerlichen Schicksalsschlag durch den unerwarteten Tod des musikalischen Leiters Marcello Viotti.

Das Gran Teatro La Fenice wird ganzjährig durch das „Orchestra del Teatro La Fenice“ mit Sinfoniekonzerten bespielt. Die Opernspielsaison (Stagione) beginnt im Januar (im Unterschied zu den meisten anderen italienischen Opernhäusern) und endet im Dezember.

Bisherige Künstlerische Leiter – Direttori Artistici (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Mario Labroca
  • Sylvano Bussotti (1975–1983)
  • Italo Gomez
  • John Fisher
  • Francesco Siciliani
  • Sergio Segalini
  • Fortunato Ortombina (aktuell)

Bisherige Musikalische Leiter – Direttori Principali (Auswahl)[Bearbeiten]

Uraufführungen[Bearbeiten]

Am 26. Dezember wurden zur jeweiligen Saisoneröffnung folgende Opern am Teatro La Fenice uraufgeführt:

Weitere wichtige Uraufführungen waren:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Beate Hannemann: Im Zeichen der Sonne. Geschichte und Repertoire des Opernhauses La Fenice von seiner Gründung bis zum Wiener Kongreß (1787–1814). Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-30261-4 (Dialoghi 2, zugleich: Hannover, Univ., Diss., 1995).
  • John Berendt: Die Stadt der Fallenden Engel. 2. Auflage. Heyne, München 2008, ISBN 978-3-453-81172-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teatro La Fenice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Karlhorst Klotz und Jürgen Reinhold: Harmonische Renaissance. sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 17. Februar 2013.
  2. Venice opera house restoration halted. BBC News, 23. März 2001, abgerufen am 17. Februar 2013 (englisch).
  3. La Fenice arson ruling stands. BBC News, 14. Juli 2003, abgerufen am 16. Februar 2013 (englisch).
  4. La Fenice's troubled history. BBC News, 30. März 2001, abgerufen am 17. Februar 2013 (englisch).
  5. Phönix auf der Startbahn. derStandard.at, 13. März 2002, abgerufen am 16. Februar 2013.
  6. Luigi Monzo: Auf der Suche nach der verlorenen Identität. In: Punkt und Absatz… Ansichten zur Architektur, Website von Luigi Monzo, 17. Januar 2012
  7. In pictures: La Fenice to reopen. BBC News, 13. Dezember 2003, abgerufen am 17. Februar 2013 (englisch).
  8. Wiedereröffnung mit Pomp und Gloria. derStandard.at, 14. Dezember 2003, abgerufen am 17. Februar 2013.
  9. Violetta im Pelzmantel und Jeans. derStandard.at, 14. November 2004, abgerufen am 16. Februar 2013.

45.4334512.33318Koordinaten: 45° 26′ 0″ N, 12° 19′ 59″ O