Tebtynis

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Tebtynis oder Tebtunis war eine Stadt im Alten Ägypten. Die moderne Ortschaft heißt Tell Umm el-Baragat und liegt im Gouvernement Al-Fayyum.

Tebtynis wurde etwa 1800 v. Chr. von Amenemhet III. gegründet. Die Stadt blühte vor allem in der griechisch-römischen Periode, zu dieser Zeit hieß sie Theodosiopolis. Sie gehörte in der Spätantike zur Provinz Arcadia und lag nördlich von Hermopolis Magna. Das frühchristliche Bistum Theodosiopolis in Arcadia ist heute ein Titularbistum. Es gehörte der Kirchenprovinz Ossirinco (Oxyrhynchos) an und ist seit 1967 nicht mehr besetzt worden.

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Das Zentrum des Ortes ist der Tempel des Soknebtynis, d. h. des „Sobek, Herrn von Tebtynis“, der am südlichen Rand der Siedlung liegt. Vor dem Naos liegt ein kleiner Hof. Die Anlage ist von einer Umfassungsmauer umgeben, die auch weitere Gebäude, darunter einen kleinen Nebentempel und zahlreiche Priesterzellen einschließt. Vor dem Eingang befindet sich das Vestibül, zu dem ein geknickter Dromos mit zwei Kiosken führt.

Die ersten Ausgrabungen an diesem Ort wurden 1899/1900 durch die beiden englischen Papyrologen B. P. Grenfell und A. S. Hunt durchgeführt. Sie legten Teile des Soknebtynis-Tempels und der umliegenden Siedlung frei, wobei sie zahlreiche griechische und demotische Papyri – das eigentliche Ziel ihrer Grabungen – fanden. Außerdem entdeckten sie in der Nekropole eine größere Zahl von Krokodilbestattungen, wobei in den Mumienhüllen weitere griechische Papyri gefunden wurden. Den Bestattungen beigegeben waren wahrscheinlich mehrere demotische Kultgenossenschaftssatzungen. Ferner wurden viele vergleichsweise bescheidene Gräber gefunden. Die Mumien der Bewohner von Tebtynis waren mit Kartonagemasken und -auflagen bedeckt, aus denen später zahlreiche weitere Papyri gewonnen werden konnten.

Bei der Fundaufteilung kamen die meisten demotischen Papyri nach Kairo, die griechischen und die noch in den Kartonagen steckenden dagegen zunächst zur Bearbeitung nach Oxford und später – nach dem Tod von Grenfell und Hunt – in die Bancroft Library der University of California; die letzten zuvor übersehenen Kisten sind erst vor kurzem dort eingetroffen. Mit der Auswertung dieser Tebtunis-Papyri befasst sich das 2000 gegründete Center for the Tebtunis Papyri (CTP).

Die Tebtynis-Papyri in anderen Museen, insbesondere im British Museum in London, in der Papyrus Collection der University of Michigan und der Papyrus Carlsberg Collection in Kopenhagen, stammen aus Raubgrabungen durch Einheimische; sie sind aus dem Kunsthandel erworben worden. Im British Museum befinden sich u. a. etwa 50 teils fragmentarische demotische Hierodulie-Urkunden. An der University of Michigan werden u. a. große Teile des Archivs des Kronion, Sohnes des Apion, des Grapheionvorstehers von Tebtynis aufbewahrt. Nach Kopenhagen gelangten dagegen vor allem literarische Texte in demotischer wie hieratischer Schrift. Sie stammen sicher aus der Bibliothek des Soknebtynis-Tempels.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Ergebnisse der französisch-italienischen Grabungen in Tebtynis werden seit 2000 in der Schriftreihe Fouilles de l'Institut Français d'Archéologie Orientale du Caire. (FIFAO) (ISSN 0768-4703) vom Institut Français d'Archéologie Orientale (IFAO) veröffentlicht.
  • Kim Ryholt (Hrsg.): Narrative literature from the Tebtunis temple library. Carsten Niebuhr Institute, Kopenhagen 2009, ISBN 978-87-635-0780-6
  • Sandra Lippert, Maren Schentuleit (Hrsg.): Tebtynis und Soknopaiu Nesos. Leben im römerzeitlichen Fajum. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05141-8.
  • Jürgen Osing: Hieratische Papyri aus Tebtunis I . 2 Bde. Carsten Niebuhr Institute of Ancient Eastern Studies, Kopenhagen 1998, ISBN 87-7289-280-3
  • Arthur M.F.W. Verhoogt: The Tebtunis Papyri at The Bancroft Library. In: Bancroftiana 107 (1994) S. 4–7.
  • Elinor M. Husselman, Arthur E. R. Boak, William F. Edgerton (Hrsg.): Papyri from Tebtunis. 2 Bde. University of Michigan Press, Ann Arbor 1933 u. 1944
  • Bernard P. Grenfell, Arthur S. Hunt and J. Gilbart Smyly (Hrsg.): The Tebtunis Papyri. 3 Bde. Smyly, London 1902ff
    • Bd. 1 1902 [1] (Internet Archive)
    • Bd. 2 1907 [2] (Internet Archive)
    • Bd. 3,1 1933 [3] (Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten]

29.11666666666730.75Koordinaten: 29° 7′ 0″ N, 30° 45′ 0″ O