Technische Universität Bergakademie Freiberg

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Technische Universität Bergakademie Freiberg
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Motto Die Ressourcenuniversität. Seit 1765.
Gründung 1765
Trägerschaft staatlich
Ort Freiberg
Bundesland Sachsen
Staat Deutschland
Rektor Bernd Meyer
Studenten 5455 (WS 2012/13)[1]
Mitarbeiter 1540
davon Professoren 86
Website www.tu-freiberg.de

Die Technische Universität Bergakademie Freiberg ist eine Universität im mittelsächsischen Freiberg, die sich als Ressourcenuniversität auf eine umfassende Rohstoffsicherung konzentriert. Das Profil ist gekennzeichnet durch die Felder Geo, Material, Energie und Umwelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Elementares Germanium
15 Pf-Sondermarke der DDR-Post 1965, 200 Jahre Bergakademie

Die Bergakademie Freiberg wurde 1765, in der Zeit der Aufklärung, durch Prinz Xaver von Sachsen nach den Plänen von Friedrich Wilhelm von Oppel (1720–1767) und Friedrich Anton von Heynitz unter dem Namen Kurfürstlich-Sächsische Bergakademie zu Freiberg (ab 1806: Königlich-Sächsische Bergakademie zu Freiberg) als Ausbildungsstätte für Bergleute gegründet. Diese Gründung war erforderlich, da Sachsen nach der Niederlage im Siebenjährigen Krieg den Bergbau forcieren musste, um seine Reparationszahlungen leisten zu können.

Die Bergakademie ist damit die älteste noch bestehende montanwissenschaftliche Bildungseinrichtung der Welt, da die vier vor ihr gegründeten Akademien in Potosí (Bolivien, 1557–1786), Kongsberg (Norwegen, 1757–1814), Banská Štiavnica (1762–1919) und Prag (1762–1772) schon längst nicht mehr existieren. Nach der 1747 gegründeten École des Ponts et Chaussées ist sie weltweit die älteste technische Bildungseinrichtung.

An der Bergakademie wurden zwei chemische Elemente von Freiberger Wissenschaftlern entdeckt: Das Indium (1863 von Ferdinand Reich und Theodor Richter) und das Germanium (1886 von Clemens Winkler).

Hauptgebäude in der Akademiestraße

Bis zur Gründung der Technischen Universität Dresden im Jahre 1871 war die Bergakademie Freiberg die höchste technische Bildungseinrichtung des Königreiches Sachsen. Die Bergakademie wurde 1899 mit einer Technischen Hochschule gleichgestellt, erhielt 1905 Promotionsrecht für den Grad eines Dr.-Ing. und 1939 für den eines Dr. rer. nat. Im Jahr 1940 wurden zwei Fakultäten gegründet: Für Naturwissenschaften und Ergänzungsfächer sowie für Bergbau und Hüttenwesen.[2] 1956 kam die Fakultät für Ingenieurökonomie dazu.[3] Im Jahre 1949 wurde die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät »Wilhelm Pieck« eingerichtet.[4] Im Bereich Verfahrenstechnik (Braunkohlenvergasung) wurden Erich Rammler und Georg Bilkenroth für ihre Arbeiten zum Braunkohlenhochtemperaturkoks 1951 mit dem Nationalpreis 1. Klasse der DDR geehrt.

Neuzeit ab 1989[Bearbeiten]

Begrüßungstafel „Glück Auf“ des Campus der TU Bergakademie

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde die bauliche wie rechtliche Infrastruktur der Bergakademie zu großen Teilen neu gestaltet. In neuester Zeit entwickelt die TU Bergakademie Freiberg auch Kompetenzen im Bereich der Halbleiterforschung, was dazu führte, dass sich Unternehmen der Halbleiterindustrie (Siltronic AG, Deutsche Solar – eine Tochter der SolarWorld AG) in Freiberg ansiedelten. Neben Geo- und Werkstoffwissenschaften entwickelt die TUBAF immer größeres Ansehen im Bereich der Umweltwissenschaften. Freiberg etabliert sich als „Universität der geschlossenen Stoffkreisläufe“ in der weltweiten Forschungslandschaft als moderne, ökologische Hochschule.

Seit 2003 wird von der TUBAF der vom Verein der PraxisPartner des dortigen Interdisziplinären Ökologischen Zentrums (IÖZ) gestiftete Hans-Carl-von-Carlowitz-Preis für herausragende Leistungen im Bereich der Umweltforschung an der TU Bergakademie Freiberg vergeben. Mit dem Preis sollen herausragende Arbeiten von Studenten und Nachwuchswissenschaftlern, aber auch das Wirken von Hans Carl von Carlowitz eine Würdigung erfahren.

International werden heute mit dem Namen TU Bergakademie Freiberg die Geowissenschaften verbunden. Seit der deutschen Wiedervereinigung positioniert sich die Universität in der internationalen Universitätslandschaft als die „Ressourcen-Universität“ mit den vier Schwerpunkten Geo, Material, Energie und Umwelt.

Seit Oktober 2008 stellt die TU Bergakademie Freiberg im Schloss Freudenstein die weltweit größte private Mineraliensammlung aus. Die Dauerausstellung terra mineralia ist eine Dauerleihgabe der Schweizerin Erika Pohl-Ströher.[5]

Besondere Studiengänge sind Industriearchäologie (wird in Deutschland ausschließlich in Freiberg angeboten), International Management of Resources and Environment (IMRE, englischsprachiger Master-Studiengang) sowie International Business in Developing & Emerging Markets (IBDEM, englischsprachiger Master-Studiengang).

Stiftungen[Bearbeiten]

Mit der Dr.-Erich-Krüger-Stiftung erhielt die TU Bergakademie Freiberg im Dezember 2006 das mit einem dreistelligen Millionenbetrag größte Stiftungsvermögen einer staatlichen Hochschule in Deutschland.[6] Die Universität wird die aus dem ihr übertragenen Immobilienvermögen des Münchner Unternehmers und gebürtigen Freibergers Peter Krüger fließenden Mittel für die Ausstattung der Forschung mit Großgeräten und zur Förderung von Promovenden einsetzen. Am 13. Juli 2007 verstarb Krüger, der kurz zuvor zum Ehrensenator der Bergakademie ernannt worden war,[7] in München.

Anfang 2007 wurde ein Stiftungsfonds des Photovoltaik-Unternehmens SolarWorld AG für die Bergakademie Freiberg eingerichtet.[8] Die mit einem sechsstelligen Betrag finanzierte Stiftung wird für die Fakultät Chemie und Physik zur Verfügung stehen.

Organisation[Bearbeiten]

Es gibt insgesamt sechs Fakultäten:

  1. Fakultät für Mathematik und Informatik
  2. Fakultät für Chemie und Physik
  3. Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau
  4. Fakultät für Maschinenbau, Verfahrens- und Energietechnik
  5. Fakultät für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie
  6. Fakultät für Wirtschaftswissenschaften

Im Herbst 1996 wurde zusätzlich ein „Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum (IÖZ)“ eingerichtet.

Im Wintersemester 2010/11 waren 5458 Studierende an der TU Bergakademie eingeschrieben, davon 32,4 % Frauen, 8 % aus dem Ausland, 63 % aus Sachsen und 17 % aus den alten Bundesländern. Es werden fünf Diplomstudiengänge, 20 Bachelorstudiengänge mit weiterführenden Masterstudiengängen und drei englischsprachige Masterstudiengänge angeboten. Die Bergakademie zeichnet sich durch eine hohe Praxisorientierung und zahlreiche Kooperationen mit der Privatwirtschaft aus. Dies schlägt sich in relativ hohen Drittmitteleinnahmen nieder (2010: 46,1 Millionen Euro; durchschnittlich 548.000 EUR je Professur).

Die TU ist Mitinitiator des 1993 gegründeten universitären Internationalen Hochschulinstituts Zittau (IHI) und des Gründernetzwerks SAXEED.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Reiche Zeche

Die TU Bergakademie ist eine Campusuniversität. Der größte Teil des Geländes der TU Bergakademie befindet sich auf dem Campus im Norden Freibergs. Daneben existieren weitere Liegenschaften im Stadtgebiet, so z. B. das Hauptgebäude in der Akademiestraße, das Medienzentrum in der Prüferstraße, die Alte Mensa auf der Petersstraße, der Werner-Bau in der Brennhausgasse (Institut für Mineralogie, sowie mineralogische und lagerstättenkundliche Sammlungen), das Gebäude Lessingstraße 45 (Wirtschaftswissenschaften, Sprachenzentrum) sowie mehrere Gebäude auf der Halde der Lehrgrube Reiche Zeche.

Die TU betreibt das Lehr- und Forschungsbergwerk „Reiche Zeche“ und „Alte Elisabeth“, in dem die Bergbaugeschichte Freibergs dargestellt wird und wissenschaftliche Bildung und Forschung stattfindet.

Vom Institut für Geophysik der TU Bergakademie Freiberg wird das Seismologische Observatorium Berggießhübel betrieben.

Udo Hebisch, Direktor des Instituts für diskrete Mathematik und Algebra, betreibt ein virtuelles Museum zum Thema „Mathematik und Kunst“.[9]

Mit dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gründete die TU Bergakademie Freiberg 2011 das gemeinsame Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie, um Technologien der Rohstoffversorgung, -nutzung und des umweltfreundlichen Recyclings zu entwickeln.

An-Institute der Universität[Bearbeiten]

Die TU Bergakademie Freiberg verfügt über folgende An-Institute:

  • IBEXU Institut für Sicherheitstechnik GmbH Freiberg
  • Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (FILK) gGmbH Freiberg
  • Stahlzentrum Freiberg e. V.
  • Institut für Korrosionsschutz Dresden GmbH
  • UVR - FIA GmbH Verfahrensentwicklung-Umweltschutztechnik-Recycling Freiberg
  • DBI - Gastechnologisches Institut GmbH Freiberg
  • HAVER ENGINEERING GmbH – Ingenieurbüro für Aufbereitungstechnik, Meißen[10]

Internationale Kooperation[Bearbeiten]

Die TU Bergakademie Freiberg pflegt derzeit 42 weltweite Kontakte zu Universitäten und Hochschulen. Hier eine Auswahl von bekannten Montanuniversitäten und Bergakademien:

  1. RWTH Aachen
  2. Technische Universität Clausthal
  3. Colorado School of Mines (USA)
  4. Berg- und Hüttenakademie Krakau »Stanislaw Staszic« (Polen)
  5. Montanuniversität Leoben (Österreich)
  6. Bergbauuniversität Moskau (Russland)
  7. Staatliches Bergbauinstitut Sankt Petersburg (Russland)
  8. South Dakota School of Mines and Technology, Rapid City, South Dakota (USA)
  9. Technische Universität Bergakademie VŠB Ostrava (Tschechien)
  10. St. Iwan-Rilski-Universität für Bergbau und Geologie, Sofia (Bulgarien)
  11. China University of Geosciences Wuhan
  12. Nationale Metallurgische Akademie der Ukraine (NMetAU)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Bergakademie zu Freiberg. Zur Erinnerung an die Feier des hundertjährigen Geburtstages Werner's am 25. September 1850. Engelhardt, Freiberg 1850 (Digitalisat)
  • Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der königl. Sächs. Bergakademie zu Freiberg am 30. Juli 1866. Dresden. (Digitalisat)
  • Die Königlich Sächsische Bergakademie zu Freiberg und die Königliche geologische Landesanstalt, nebst Mitteilungen über die Entwickelung und den Stand des Berg- und Hüttenwesens und der Bergpolizei im Königreich Sachsen., Freiberg 1904 (Digitalisat)
  • Bergakademie Freiberg. Festschrift zu ihrer Zweihundertjahrfeier 13. Nov. 1965., 2 Bde., Leipzig.
  • Bernhard von Cotta: Die Bergakademie zu Freiberg, ihre Beschränkung oder Erweiterung. Engelhardt, Freiberg 1849 (Digitalisat)
  • Fathi Habashi: The first schools of mines and their role in developing the mineral and metal industries. Part 1–4. Bull. Can. Inst. Min. & Met., 90 (1015): 103–114; 91 (1016): 96–102; 91 (1017): 96–106; 92 (1032): 76–78; Montreal 1997, 1998, 1999.
  • Walter Hoffmann (Hg.): Bergakademie Freiberg – Freiberg und sein Bergbau. Die sächsische Bergakademie Freiberg. Reihe Mitteldeutsche Hochschulen Bd. 7, Weidlich-Verlag, Frankfurt am Main 1959.
  • Eberhard Wächtler, Friedrich Radzei: Tradition und Zukunft. Bergakademie Freiberg 1765–1965. Freiberg 1965.
  • Otfried Wagenbreth, Norman Pohl, Herbert Kaden, Roland Volkmer: Die Technische Universität Bergakademie Freiberg und ihre Geschichte 1765–2008. 2. Aufl., Technische Universität Bergakademie Freiberg 2008, ISBN 978-3-86012-345-4
  • Wissenschaft vor Ort. Bilder zu Geschichte und Gegenwart der TU Bergakademie Freiberg. - 2., überarb. u. erw. Aufl., TU Bergakademie Freiberg, 2007. ISBN 978-3-86012-304-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Technische Universität Bergakademie Freiberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.statistik.sachsen.de/download/100_Berichte-B/B_III_1_j12_SN.pdf
  2. Bergakademie Freiberg: Festschrift zu ihrer Zweihundertjahrfeier am 13. November 1965. Bd. 1. Freiberg, 1965, S. 339
  3. Bergakademie Freiberg: Festschrift zu ihrer Zweihundertjahrfeier am 13. November 1965. Bd. 1. Freiberg, 1965, S. 355
  4. Arbeiter-und-Bauern-Fakultät »Wilhelm Pieck«: Festschrift zu ihrer 25-Jahrfeier im Jahre 1974. Freiberg, 1974
  5. Thomas Schade: Die Metropole der Minerale. Sächsische Zeitung, 21. Oktober 2008
  6. Michael Bartsch: Geldsegen für Freiberg. taz, 24. Januar 2007, abgerufen am 11. August 2009
  7. Millionen-Stifter Peter Krüger wird Ehrensenator der TU Bergakademie Freiberg. Pressemitteilung des idw, 4. Juni 2007, abgerufen am 11. August 2009
  8. SolarWorld AG gründet Stiftungsfonds für Forschung und Lehre in Freiberg. Pressemitteilung der Solarworld AG, 19. Januar 2007, abgerufen am 11. August 2009
  9. Mathematisches Café der TU-Freiberg, abgerufen am 16. Mai 2010
  10. siehe Angaben unter http://tu-freiberg.de/zuv/aninstitute.html Stand April 2013

50.91805555555613.340833333333Koordinaten: 50° 55′ 5″ N, 13° 20′ 27″ O