Technoseum

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Das Technoseum
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Das Technoseum (bis Ende 2009: Landesmuseum für Technik und Arbeit[1]) im baden-württembergischen Mannheim bietet Anschauungsmaterial zur Industrialisierung des deutschen Südwestens in Geschichte und Gegenwart. Zudem ermöglichen über 100 Experimentierstationen den Besuchern, interaktiv und spielerisch naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge zu verstehen.

Daten[Bearbeiten]

Das Museum wurde 1990 als Stiftung des öffentlichen Rechts in gemeinsamer Trägerschaft des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Mannheim gegründet. Die Ausstellungsfläche beträgt rund 9000 m², davon stehen rund 900nbsp;m² für Sonderausstellungen zur Verfügung. 2013 besuchten 183.691 Personen das Museum. Der Etat des Museums beträgt 2014 11,1 Millionen Euro, davon kommen 3,4 Millionen von der Stadt und 6,8 Millionen vom Land. Die Leitung des Museums liegt in den Händen von Prof. Dr. Hartwig Lüdtke.[2]

Dauerausstellung[Bearbeiten]

Bei Besuchern, die das Gebäude von oben nach unten durchwandern, soll sich der Eindruck einer Zeitreise durch die Industrialisierungsgeschichte des Landes einstellen.

Exemplarische Stationen des technischen, sozialen und politischen Wandels seit dem 18. Jahrhundert sind: Uhren, Papierherstellung, Weberei, Energie, Mobilität, Bionik. Es gibt Inszenierungen von Wohn- und Arbeitsstätten, außerdem werden Maschinen aus Produktion, Verkehr und Büro vorgeführt. Dadurch lassen sich die tiefgreifenden Veränderungen der Lebens- und Arbeitsverhältnisse bis in die Gegenwart hinein erlebnishaft nachvollziehen.

Das historische Inventar der Mannheimer Sternwarte befindet sich unter anderem in der Dauerausstellung des Museums. Die Zukunftswerkstatt Elementa ergänzt die gezeigten Themen und Exponate der Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte um einen experimentellen Anteil. Sie vermittelt nicht nur naturwissenschaftliche Grundlagen, sondern zeigt gleichzeitig, zu welchen technischen Erfindungen naturwissenschaftliche Experimente führten und führen. Im Mai 2011 eröffnete die Elementa 3, die Zukunftstechnologien durch Experimente erfahrbar macht.[3]

Die Sammlungen können über das BAM-Portal durchsucht werden.

Sonderausstellungen[Bearbeiten]

Vom 18. März 2010 bis zum 3. Oktober 2010 zeigte das Technoseum eine große Sonderausstellung zum Thema Nanotechnologie. Unter dem Motto „Nano! Nutzen und Visionen einer neuen Technologie“ wurden verschiedene Phänomene der Nanowelt gezeigt, unter anderem, warum eine Lotus-Blüte immer sauber bleibt oder Geckos an der Wand entlanglaufen können. Die Besucher lernten die vielen verschiedenen Anwendungsgebiete der Nanotechnologie näher kennen: Von Krebstherapie über speziell beschichtete Oberflächen, die dadurch kratzresistent oder Schmutz abweisend werden, bis hin zu Lebensmitteln, die Nanopartikel enthalten. Die Ausstellung wollte aber auch die Chancen und Risiken dieser Technologie aufzeigen.

Vom 25. Februar bis zum 24. Juli 2011 zeigte das Technoseum unter dem Titel "Die Sammlung - 1001 Objekte zum Hören und Sehen" einen Großteil seiner Sammlung an Exponaten der Mediengeschichte. Dabei lag der Schwerpunkt nicht in der Technik der Objekte sondern darin den Besuchern den konservatorischen Anteil der Museumsarbeit aufzuzeigen.

Bis zum 10. Juni 2012 lief die große Landesausstellung „Unser täglich Brot … Die Industrialisierung der Ernährung“.[4] Die Ausstellung zeigte unter anderem wie Fortschritte in der Landwirtschaft, der Lebensmittelherstellung und der internationalen Transportwege dazu geführt haben, dass es heute ein solch breites Nahrungsangebot gibt wie nie zuvor – und welche Auswirkungen dies heute für den Menschen und seine Umwelt hat

Aus Anlass des 150. Jahrestages der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, einer Vorläuferpartei der SPD, präsentierte das Museum von Februar bis August 2013 in der Ausstellung „Durch Nacht zum Licht?“ die Geschichte der Arbeiterbewegung von 1863 bis 2013.[5]

"Die Sammlung 2. Der elektrische Haushalt" ist die zweite Präsentation aus der Reihe der Sammlungsausstellung und zeigt seit Februar 2014 Geräte, die seit der Errichtung öffentlicher Stromnetze um die Wende zum 20. Jahrhundert die Haushalte erobert haben. Zu sehen sind über 1.000 Objekte, darunter wertvolle Unikate und Massenartikel, wie etwa die Kaffeemaschine oder der Fön, aber auch Geräte, die sich im Lauf der Jahrzehnte nicht durchsetzen konnten, wie etwa der Krawattenbügler[6].

Ab dem 5. November 2014 geht es in „Herzblut“ um die Geschichte und Zukunft der Medizintechnik. Aufbauend auf Exponaten und kompletten Ensembles aus den umfangreichen medizinhistorischen Sammlungsbeständen des Hauses sollen die Entwicklung der Medizintechnik im 19. und 20. Jahrhundert sowie ihre Visionen für das 21. Jahrhundert präsentiert werden. Diagnostik und Therapie sind die beiden großen Themenkreise, innerhalb derer die fortschreitenden medizinischen Möglichkeiten zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit aufgezeigt werden.

Ältere Sonderausstellungen[Bearbeiten]

  • Räder, Autos und Traktoren. Erfindungen aus Mannheim – Wegbereiter der mobilen Gesellschaft (1986)
  • Geschichte der Arbeitszeit (1990/91)
  • Brücke, Mühle und Fabrik. Technische Kulturdenkmale in Baden-Württemberg (1991)
  • Von Sternfindern, Blitzfängern und Luftballen. Kurfürst Carl Theodor und die Naturwissenschaften in der Kurpfalz (1993/94)
  • Wir sind alle Schildbürger. 130 zwingende Beweise aus der Emaille- und Blechschildsammlung des Landesmuseums (1994)
  • Der Wankelmotor. Faszination einer Erfindung. (1995)
  • Im Auftrag Hollywoods. Filmplakate aus 40 Jahren von Lutz Peltzer (1995)
  • Der richtige Dreh? Industrielle Facharbeit im Wandel (1996)
  • Kleine Marken – große Marken. Reklamebilder aus Deutschland 1900-1930 (1996)
  • Gesichter des Rennsports. Fotografien von Dr. Benno Müller (1997)
  • Körperwelten (1997/98 erstmals in Europa gezeigt)
  • Mythos Barbie. Eine Puppe im Wandel der Jahrzehnte (1998)
  • Zeitzug 1848. Für die Freiheit streiten! (1998/99)
  • Waren-Werte. Plakate aus 75 Jahren Mannheimer Stadtreklame (1998/99)
  • Kinderträume. Blechspielzeug aus alten Zeiten (1998/99)
  • Säen, Sieben, Schlemmen. Vom Korn zum Brot. Kinderausstellung (1999)
  • Jules Verne: Technik und Fiktion (1999/2000)
  • Mythos Jahrhundertwende: Mensch, Natur, Maschine in Zukunftsbildern 1800 - 1900 - 2000 (2000/01)
  • Gehirn und Denken: Kosmos im Kopf (2001/02)
  • Projekte und Projektionen. Techniken barocker Bauplanung (2002/03)
  • Alle Zeit der Welt (2002/03)
  • Tanz um die Banane: Handelsware und Kultobjekt (2003/04)
  • Stromgitarren: E-Gitarren, Musiker, Geschichte, Kult (2004)
  • Lust am Auto (2004/05)
  • Mathematik zum Anfassen (2004)
  • Einstein begreifen (2005/06)
  • Der Blick ins Unsichtbare: Nanoteilchen, Mikrosysteme, Parasiten (2006/07)
  • Abenteuer Raumfahrt: Aufbruch ins Weltall (2006/07)
  • Mannheim auf Achse. Mobilität im Wandel 1607 - 2007 (2007/08)
  • Macht Musik (2008)
  • 100 Badische Jahre (2009)

Museumsschiff[Bearbeiten]

siehe auch: Mainz (Schiff, 1929)

Das Museumsschiff des Technoseums am Neckarufer

Das Museumsschiff des Technoseums liegt im Neckar unterhalb der Mannheimer Kurpfalzbrücke. Der historische Schaufelraddampfer ist selbst Ausstellungsstück und beherbergt zudem die Ausstellung über Binnenschifffahrt. Der ehemalige Rhein-Ausflugsdampfer ist täglich von 14.00 bis 18.00 Uhr für Besucher geöffnet. Von Mai bis Oktober lädt das Polizeiboot an Sonn- und Feiertagen zu Fahrten auf dem Neckar ein.

Gebäude[Bearbeiten]

Das Museumsgebäude wurde von der Berliner Architektin Ingeborg Kuhler entworfen. Die Planungs- und Bauzeit dauerte von 1982 bis 1990. Das Gebäude ist in weiß gehalten. Von außen betrachtet wirken die einzelnen Stockwerke wie schiefe Ebenen. Dahinter steht das Konzept des "arbeitenden" Museums. Das heißt, das Gebäude soll wie eine Einladung wirken, in einer abwärts verlaufenden "Raum-Zeit-Spirale" durch die Sozial- und Industriegeschichte des deutschen Südwestens zu wandern.

Das Museum zeigt wie ein veredelter Rohbau sein Tragwerk. Das gilt allerdings nicht für den Kopfbau im Westen. Der Hauptteil des Gebäudes besteht aus einer Stahlskelett-Verbund-Konstruktion mit ausbetonierten Doppel-T-Stützen und -Trägern, die trotz schwerer Lasten und großer Spannweiten die erforderliche Tragfähigkeit und Steifheit gewährleistet.

Ursprünglich war noch ein zweiter Bauabschnitt geplant. Aufgrund zunehmender Finanzknappheit der öffentlichen Haushalte wurde diese Planung bislang nicht weiter verfolgt. Aufgrund seiner Konzeption eine Verbindung zu schaffen, die historische Bezüge und Interaktivität erlaubt, wurde das Museum 1992 mit dem europäischen Museumspreis als Museum des Jahres ausgezeichnet[7].

Museumspädagogischen Programme[Bearbeiten]

Das Museum ist als außerschulischer Lernort in der Region etabliert. Mehr als die Hälfte der Besucher sind Schülerinnen und Schüler. Das museumspädagogische Angebot erstreckt sich von interaktiven Führungen über naturwissenschaftlich-technische Angebote im hauseigenen Laboratorium bis hin Fortbildungen für Lehrkräfte. In einer Reihe an Club-Angeboten (TECHNOclub, TECHNOclub4girls) beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit den Themenfeldern Technik und Naturwissenschaft.

Die Freunde des Technoseum[Bearbeiten]

Verschiedenen Personengruppen und Institutionen sind mit dem Museum freundschaftlich verbunden, wie etwa der Museumsverein für Technik und Arbeit oder die Stiftung Technoseum[8]., die die Arbeit des Museums fördern und unterstützen.

Über 100 ehrenamtliche Mitarbeiter[9] engagieren sich beispielsweise bei zahlreichen Projekten und Aufgaben innerhalb des Museumsablaufs.

Mit über 20 Schulen hat das Museum einen Kooperationsvertrag geschlossen, der es ihnen ermöglicht, museumspädagogische Angebot vorab kostenlos zu nutzen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Baden-Württemberg: Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Karlsruhe 1986
  • Thomas Schmid: Das Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim-Architekturhistorische Untersuchung, Dissertation Univ. Heidelberg 1992, ISBN 3-89349-439-1
  • Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim (Hg.): Ausstellungskatalog. Mannheim 2001, ISBN 3-9804930-6-7
  • Technoseum (Hg.): Rundgang durch die Ausstellung. Mannheim 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Technoseum: wir über uns
  2. Presseinformationen des Technoseums, Basis-Presseinfo 'Daten und Fakten'. Abgerufen am 31. August 2014.
  3. Technoseum: Elementa 3
  4. Rückschau zur Ausstellung Unser täglich Brot… Die Industrialisierung der Ernährung (PDF; 24 kB)
  5. Technoseum: Durch Nacht zum Licht? (PDF)
  6. Technoseum: Die Sammlung 2
  7. Technoseum: Chronologie
  8. Technoseum: Gremien
  9. S. 31, Geschäftsbericht 2012 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Technoseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.4763968.49755Koordinaten: 49° 28′ 35″ N, 8° 29′ 51″ O