Ted Strickland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel bezieht sich auf Ted Strickland, den Gouverneur von Ohio. Der gleichnamige Vizegouverneur von Colorado ist unter Ted L. Strickland zu finden.
Ted Strickland (2009)

Ted Strickland (* 4. August 1941 in Lucasville, Scioto County, Ohio) ist ein US-amerikanischer Psychologe und Politiker der Demokratischen Partei. Vom 8. Januar 2007 bis zum 10. Januar 2011 amtierte er als der 68. Gouverneur des Bundesstaates Ohio. Zuvor war er Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus als Vertreter eines Wahlbezirks in Ohio.

Kindheit, Jugend und Studium[Bearbeiten]

Strickland wurde in Lucasville als eines von neun Kindern als Sohn eines Stahlarbeiters geboren. Seine Schullaufbahn konnte er 1959 mit seinem Abschluss an der Northwest High School in McDermott erfolgreich beenden. Als erster aus seiner Familie schaffte er es, dass College zu besuchen und einen Abschluss zu erreichen.[1] Danach verließ er das Asbury College in Wilmore, Kentucky. Im Jahr 1966 erlangte er an der University of Kentucky in Lexington den Akademischen Grad eines Master of Arts, vergleichbar dem deutschen Magister Artium. Im Folgejahr erhielt er außerdem auch vom Asbury Theological Seminary in Wilmore ein Master-Diplom in Theologie verliehen. Schließlich promovierte er 1980 an der University of Kentucky zum Doktor der Psychologie.

Ted Strickland ist verheiratet mit Frances Strickland, ebenfalls Psychologin, allerdings mit dem Schwerpunkt Erziehung. Sie entwickelte ein häufig angewendetes Untersuchungsverfahren für Kleinkinder im Kindergartenalter.

Berufliche und politische Laufbahn[Bearbeiten]

Ted Strickland während seiner Zeit als Kongressabgeordneter

Strickland arbeitete in verschiedenen Anstellungen, so etwa als beratender Psychologe an der Southern Ohio Correctional Facility in seiner Geburtsstadt Lucasville und als Verwalter eines Methodisten-Kindergartens. Außerdem dozierte er als Professor für Psychologie an der Shawnee State University in Portsmouth. Eine pastorale Tätigkeit hatte Strickland nur einmal für kurze Zeit inne, als Pfarrer der Wesley United Methodist Church (heute: Cornerstone United Methodist Church) in Portsmouth.

Der lange Weg ins Repräsentantenhaus[Bearbeiten]

In den Jahren 1976, 1978 und 1980 kandidierte er vergeblich für einen Sitz im Repräsentantenhaus. Er unterlag zweimal dem langzeitigen Inhaber des Mandates, Bill Harsha, sowie einmal dessen Nachfolger Bob McEwen. Schließlich kandidierte Strickland 1992 erneut für den sechsten Distrikt, der zwischenzeitlich erweitert wurde, weil Ohio infolge des Zensus 1990 zwei Mandate verloren hatte. Stricklands Gegner sollte wieder Bob McEwen sein, der allerdings diesmal infolge eines Skandals politisch angeschlagen war. Der neue, wenig zentralisierte Wahlbezirk erwies sich als schwierig für einen Wahlkampf, zumal der Konkurrent McEwen enorm von politischer Prominenz aus dem eigenen Lager wie Pat Buchanan, Dan Quayle und Oliver North unterstützt wurde. Dennoch konnte Strickland am 3. November 1992 mit 122.720 gegenüber McEwen mit 119.252 Stimmen das Mandat erringen.[2] Strickland sagte angeblich später: „Ich trat an gegen Pat Robertson, Pat Buchanan, die National Rifle Association und die Organisation Right-to-Life. Sie boten alles gegen mich auf. Ich bin einfach überglücklich, dass ich sie zurückschlagen konnte. Ich denke, sie schaffen zu viel Uneinigkeit.“ Strickland trat sein Mandat als Mitglied des 103. Kongresses im Januar 1993 an.

Strickland im Kongress[Bearbeiten]

Nach seinem ersten Einzug in den Kongress unterlag Strickland 1994 dem republikanischen Bewerber Frank Cremeans. Gleichwohl sollte er seinen Sitz bereits zwei Jahre später bei den Wahlen 1996 zurückgewinnen, aber wiederum nur äußerst knapp. 1997 zog er demzufolge in den 105. US-Kongress ein. Danach wurde er viermal in Folge wiedergewählt, allerdings ohne ernsthafte Gegenkandidaten fürchten zu müssen. 2004 stellte sich ihm nicht einmal mehr ein Gegenkandidat.

Die Wahl zum Gouverneur von Ohio[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 wählten die Bürger Ohios Strickland zum 68. Gouverneur des Bundesstaates. Sein Vorgänger Bob Taft konnte nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren. Strickland erkor Lee Fisher als seinen Wahlkampfmanager. Dieser war zuvor Attorney General von Ohio gewesen. Außerdem hatte dieser selbst 1998 für den Gouverneursposten kandidiert und damit wertvolle Wahlkampferfahrung in Ohio.

Die Gegner[Bearbeiten]

Strickland konnte am 2. Mai 2006 die Vorwahl in der Demokratischen Partei mit Leichtigkeit und überzeugendem Ergebnis von 80 Prozent der Stimmen gewinnen.[3] Als Herausforderer trat der republikanische Secretary of State Ken Blackwell gegen ihn an. Außerdem kandidierten der Wirtschaftsexperte Bill Peirce (Libertarian Party) sowie Bob Fitrakis als Vertreter der Green Party. Mit 60 Prozent der Stimmen errang Strickland einen beeindruckenden Erfolg.[4]

Förderer und Sponsoren (general election)[Bearbeiten]

Wahlkämpfe in den Vereinigten Staaten werden regelmäßig durch Spendengelder finanziert. Die Geldgeber erhoffen sich durch die finanzielle Unterstützung von Kandidaten die Möglichkeit, eigene Interessen besser vertreten zu können. Hinter Ted Strickland stand eine Reihe von Lobby-Organisationen, Massenmedien und politischen Würdenträgern.

Interessenverbände[Bearbeiten]

Die folgende Liste weist eine Reihe bedeutender Interessenverbände aus, die die Kampagnen von Strickland unter anderem durch Spenden und mit ihrem Namen unterstützten.

  • die amerikanische Waffenlobby (genauer: die National Rifle Association)
  • der Hauptverband der Unternehmer in Ohio (Associated General Contractors of Ohio)
  • die LGBT[5]
  • der Fraternal Order of Police[6]
  • der Nationale Dachverband der Polizeiorganisationen
  • die Cleveland Stonewall Democrats[7]
  • die Ohio Patrolmen's Benevolent Association (Verband von Wachleuten)
  • die Ohio Trooper Coalition (ein Veteranenverband)
  • die Ohio Education Association
  • der Lehrerverband des Bundesstaates Ohio[8]
  • der Feuerwehrverband Ohios
  • der Ohio Legislative Black Caucus

Medien[Bearbeiten]

Im Wahlkampf wurde Strickland von den folgenden Medien unterstützt:

  • The Akron Beacon Journal, Acron, Ohio[9]
  • The Columbus Dispatch, Columbus, Ohio
  • The Plain Dealer, Cleveland, Ohio
  • Dayton Daily News, Dayton, Ohio
  • The Toledo Blade, Toledo, Ohio
  • The Canton Repository, Canton, Ohio[10]

Politische Mandatsträger[Bearbeiten]

  • Bürgermeister Mark L. Mallory, Cincinnati, Ohio
  • Bürgermeister Frank G. Jackson, Cleveland, Ohio
  • Bürgermeister Michael B. Coleman, Columbus, Ohio
  • Bürgermeister Rhine McLin, Dayton, Ohio
  • Bürgermeister Carty Finkbeiner, Toledo, Ohio
  • Bürgermeister Jay Williams, Youngstown, Ohio[11]

Medienstrategie[Bearbeiten]

Seine Medienkampagne begann Strickland im Juli 2006 durch den massiven Erwerb von Sendezeit bei verschiedenen Christlichen Rundfunksendern im ganzen Staat Ohio. In seinen Rundfunkansprachen zitierte er Bibelverse und argumentierte für ein Leben im Einklang mit Gott. Er ist Abtreibungsgegner und macht dies immer wieder deutlich. Seine Werbesendungen im Fernsehen begannen einige Wochen später im September des Jahres zu Beginn der heißen Schlussphase des Wahlkampfes.[12]

Unterstützung durch politische Gegner[Bearbeiten]

Stricklands Kandidatur wurde auch von zahlreichen Anhängern der Republikaner unterstützt, wie es einige Meinungsforscher als erwiesen erachten.[13] Zudem ergriffen einige sehr profilierte Republikaner während des Wahlkampfes in Ohio offen Partei für Strickland, was durchaus bemerkenswert ist.[14]

Gouverneur des Bundesstaats Ohio[Bearbeiten]

Strickland wurde am 8. Januar 2007 als 68. Gouverneur von Ohio vereidigt.[15] Nachdem er zu Beginn seiner Amtszeit als Gouverneur aufgrund einer Kampagne mit der Bezeichnung close to the vest Kritik auf sich gezogen hatte, weil er wenig über Pläne und Maßnahmen informierte, gestaltete er seine Amtszeit daraufhin transparenter und offener. Zum Kern seiner Bemühungen machte er die Bildungspolitik. Außerdem wurden die Staatsausgaben streng geprüft, so dass er, anders als ihm Kritiker vor der Wahl vorwarfen, die Steuerzahler nicht durch eine Anhebung der Abgaben verärgerte.[16][17]

Tatsächlich verfolgte er sein Hauptziel, eine bessere Schulbildung für Ohio, während das Schulgeld nur minimal anstieg und auch Steuererhöhungen nur im minimalen Maße erwogen wurden. Gleichzeitig bemühte sich Strickland um eine Umwidmung öffentlicher Fördergelder, weg von den privaten hin zu den öffentlichen Universitäten.[18] Damit rief er aber die Republikaner auf den Plan, die zwar mit der Betonung der Bildung einverstanden waren, aber gegen die Finanzierung durch Umverteilung von Mitteln opponierten. Da sie die Mehrheit der Abgeordneten stellten, die über neue Gesetze abstimmen, ergab sich hier die Notwendigkeit eines politischen Kompromisses.[19]

Stricklands zweiter Arbeitsschwerpunkt war das Gesundheitswesen. Als Gouverneur hatte er sich auch mit Todesurteilen und deren Umsetzung zu beschäftigen. Dabei zeigte er sich als zögerlich bei der Bestätigung von Todesurteilen. Ein Gegner der Todesstrafe ist er jedoch nicht. Strickland verzögerte zwar in seiner Amtszeit drei Exekutionen bis auf weiteres. Allerdings ließ er auch in drei Fällen die Exekution zu, wobei zwei Verurteilte tatsächlich hingerichtet wurden, wogegen der dritte andernorts erfolgreich die Vollstreckung anfocht.[20][21][22]

Im Jahr 2010 bewarb Strickland sich um seine Wiederwahl. Da sein Vizegouverneur Lee Fisher bei der Wahl zum US-Senat antrat, wählte er die Juristin Yvette McGee Brown zu seinem Running Mate. Die beiden Demokraten mussten sich jedoch den Republikanern John Kasich und Mary Taylor geschlagen geben. Kasich siegte mit 49 Prozent der Stimmen, während Strickland einen Anteil von 47 Prozent erreichte; die restlichen Stimmen verteilten sich auf die Kandidaten kleinerer Parteien. So musste Ted Strickland sein Amt am 10. Januar 2011 an den Republikaner abtreten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. cleveland.com
  2. Congress Votes Database Washington Post Abgerufen: 23. Mai 2008
  3. sos.state.oh.us
  4. sos.state.oh.us
  5. tedstrickland.com
  6. vindy.com Abgerufen: 23. Mai 2008
  7. clevelandstonewalldemocrats.org
  8. siehe hierzu auch oh.aft.org
  9. ohio.com
  10. Ted Stricklands offizielle Wahlkampf-Homepage
  11. Angaben nach strickland.3cdn.net (PDF; 329 kB)
  12. Stricklands TV-Auftritt unter tedstrickland.com
  13. offizielle Seite der Wahlen in Ohio
  14. vgl. Liste unter tedstrickland.com
  15. Julie Carr Smyth, The Cincinnati Post "New governor starts new era", 8. Januar 2007
  16. Matthew Naugle Tell the Truth Ted, (nicht-neutral), 8. April 2007
  17. cleveland.com
  18. toledoblade.com
  19. wtol.com
  20. Zanesville Times
  21. deathpenaltyinfo.org
  22. Büro des Gouverneurs von Ohio

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ted Strickland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien