Teddybär

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Teddybär
Bob der Bär
Briefmarke der Deutschen Post AG aus dem Jahre 2002

Ein Teddybär, auch Teddy oder landschaftlich Knuddelbär genannt, ist die flauschige Miniatur-Nachbildung eines Bären mit meist brauner oder goldener Fellfarbe; die Größe variiert von Handtellergröße bis zu Modellen von etwa einem Meter Höhe. Inwendig hat er eine Füllung aus Baumwolle, Holzwolle, Kunststoffgranulat oder anderen Materialien. Ursprünglich war er ein reines Kinderspielzeug, heute werden Teddybären aber auch von Erwachsenen gesammelt.

Geschichte[Bearbeiten]

US-Legende[Bearbeiten]

Karikatur von Clifford K. Berryman
Nachbildung des 55 PB im Steiff Museum Giengen

Der Legende nach bekam er seinen Namen durch Theodore „Teddy“ Roosevelt, der 1902 auf einer Jagd in Mississippi keine Gelegenheit zum Abschuss eines Bären, sondern nur ein angebundenes Bärenbaby von den anderen Mitgliedern seiner Jagdgesellschaft vor die Flinte gesetzt bekam. Er weigerte sich, dieses zu erschießen. Der Bär wurde dann allerdings von seinem Jagdkameraden John M. Parker (Gouverneur von Louisiana) mit einem Jagdmesser getötet.

Clifford K. Berryman, ein Karikaturist der Washington Post, hielt diesen Vorfall in einem Bildchen fest. Da Berryman den Bären in seinen Karikaturen weiter verwendete, wurde das Bärchen schnell zur Symbolfigur des Präsidenten.

Von der Zeichnung inspiriert, bastelten der russische Einwanderer Morris Michtom und seine Frau Rose einen Bären als Dekoration für das Schaufenster ihres Ladens in Brooklyn. Roosevelt soll ihnen schriftlich gestattet haben, ihn „Teddy's bear“ zu nennen.

Für eine starke Nachfrage nach dem Kinderspielzeug sorgte der Großhändler Butler Brothers. Darauf gründeten die Michtoms 1903 die Ideal Novelty and Toy Company und schufen einen Gelenk-Teddy.

Deutsche Legende[Bearbeiten]

Neben dieser amerikanischen Version gibt es eine, die in Giengen an der Brenz ihren Ursprung nahm. Dort entwickelte 1902 Richard Steiff, ein Neffe der deutschen Spielzeugherstellerin Margarete Steiff, den ersten Teddybären mit beweglichen Armen und Beinen, den 55 PB. Er wurde Anfang 1903 in die USA geschickt, jedoch wegen Nichtgefallen wieder zurück nach Giengen gesandt.

Daraufhin stellte ihn Margarete Steiff auf ihrem Messestand in Leipzig aus, wo sie aber hauptsächlich ihre gefilzten Nadelkissen anbot. Ein amerikanischer Vertreter brauchte in letzter Minute ein „Verlegenheitsmitbringsel“ und erstand den Bären. Der oder die Beschenkte fand den Bären aber nicht besonders nett und verschenkte ihn weiter, bis er schließlich seinen Weg in die Auslage eines Geschäftes fand.

Dort wurde er vom Sekretär Teddy Roosevelts entdeckt und kam schließlich auf der Geburtstagstafel der Tochter Roosevelts zu sitzen. Das Kind war von dem Bären so angetan, dass es ihn nach seinem Vater „Teddy“ taufte.

Von diesem Moment an wurde der putzige Geselle immer beliebter, und so kam es, dass 1903 auf der Leipziger Frühjahresmesse ein amerikanischer Vertreter bei der Firma Steiff 3.000 Teddybären bestellte.

Die Geschichte des Teddybären wird in der Welt von Steiff erzählt, einem Museum auf dem Gelände der Firma Steiff.

Der größte Teddy kommt aus Sonneberg von der Firma Martin Bären. Er hat eine Höhe von 5,40 Meter und steht im Deutschen Teddybären-Museum Sonneberg. Auch der kleinste Teddybär der Welt kommt aus Deutschland. Er misst nur 5 Millimeter, ist aber trotz seiner Winzigkeit voll beweglich. Er wurde von Bettina Kaminski aus Reinfeld genäht. Der von der Presse „Mini the Pooh“ getaufte Winzling wird im Museum „A World in Miniature“ in Carlisle dauerhaft ausgestellt.

Sammler und Künstler[Bearbeiten]

Um Steiff-Teddybären hat sich eine weltweite Sammlerszene entwickelt. Es gibt unter anderem Club-Mitgliedschaften und Abos zum Erwerb je eines Exemplars aus einem limitierten Jahresmodell. Es gibt spezielle Magazine, wie z. B. TEDDYS kreativ oder BärReport, die auf Künstler, Kreative und Hobbymacher wie auch Sammler abgestimmt sind.

Mittlerweile gibt es auch eine weltweite Sammlerszene um sogenannte Künstlerteddybären. Diese Teddybären sind in der Regel Einzelstücke. Sie werden von den Künstlern entworfen, gefertigt und meist direkt in Online-Shops sowie auf Messen verkauft. Sie bestehen aus hochwertigen Materialien wie Mohair, Alpaca oder Viskose. Starke Künstlerszenen gibt es außer in Deutschland in Russland, Japan, Großbritannien sowie den Niederlanden.

Messen[Bearbeiten]

Die Messe „Teddybär total“ findet jährlich in Münster (Westfalen) statt und präsentiert eine Vielzahl ausländischer Künstler. Eine andere große Fachmesse, die „Teddybär Welt“, findet in Wiesbaden statt und legt den Schwerpunkt auf deutsche Künstler. Darüber hinaus gibt es internationale Messen wie die „Hello Teddy!“ in Moskau, die JTBA Convention in Tokio, TeddyLand in Kiew oder Hugglets in London.

Herstellungsschritte[Bearbeiten]

Psychologie[Bearbeiten]

Kinder verwenden einen Teddybären als Kuscheltier. In der kindlichen spielerischen Welt wird er – analog zu anderen Spielfiguren – lebendig und als Wesen erlebt, das dem Kind einerseits anvertraut ist und das andererseits als Beschützer des Kindes fungiert. So wird erklärlich, dass Kinder für ihren Teddy sorgen und ihn betreuen. Andererseits brauchen sie ihren Teddy, um bei Unsicherheit oder Alleinsein gewisse Geborgenheit zu erfahren. Der Teddybär dient auf diese Weise als Übergangsobjekt der Projektion von Erwartungen und Sehnsüchten. In einer bestimmten Phase der Entwicklung muss dann eine Ablösung von diesen frühkindlichen Vorstellungen erfolgen; allerdings können sich auch bei Erwachsenen infantile Tendenzen halten. Erwachsene verbinden mit einem Teddybären Erinnerungen an ihre Kindheit oder sie sehen Teddybären als Sammelobjekt.

Schadstoffe[Bearbeiten]

Industriell gefertigte Teddybären bringen unter Umständen Gefahren mit sich und sind in vielen Fällen mit Schadstoffen, wie zum Beispiel Nonylphenole, Formaldehyd, Nickel oder Weichmachern belastet. Da Kinder, welche noch nicht das dritte Lebensjahr überschritten haben, gerne ihr Spielzeug in den Mund nehmen, kann das zur Übertragung von Schadstoffen und im schlimmsten Fall sogar zu Krebserkrankungen führen. [1]

Biologie[Bearbeiten]

Die bei Kuscheltieren kaum vermeidbare Verniedlichung brachte infolge äußerer Ähnlichkeiten bisweilen die falsche Zuordnung anderer Tierarten zur Familie der Bären mit sich. Klar zu unterscheiden sind:

  • Bär – hier ähnelt den Spielzeug-Kuscheltieren vor allem der junge Braunbär.
  • Kleiner Panda, auch als Katzenbär bezeichnet, der aber im Gegensatz zum Großen Panda kein Bär und bis dato überhaupt nicht endgültig eingeordnet ist.
  • Koala, auch aschgrauer Beutelbär oder Eukalyptusbär genannt, ist ein baumbewohnender Beutelsäuger in Australien. Er ist kein Bär, sondern ein australisches Beuteltier, das Eukalyptusbäume bewohnt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spielzeug: Alarm im Kinderzimmer, Stiftung Warentest, 21. Oktober 2010 (online abgerufen am 26. Februar 2013)

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Muhdose: eingebautes Instrument zur Erzeugung einer Brumm- oder Kippstimme

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen und Marianne Cieslik: Ciesliks Teddybär-Lexikon Wellhausen & Marquardt Medien, 1998, ISBN 978-3921844519.
  • Bernd Brunner: Eine kurze Geschichte der Bären. Claassen, Berlin 2005, ISBN 978-3-546-00395-7.
  • Pauline Cockrill: 100 Jahre Teddybären (Originaltitel: The Teddybear Encyclopedia, übersetzt von Ursula Bischoff), Coventgarden, München 2001, ISBN 3-8310-9007-6.
  • Jürgen und Marianne Cieslik: Steiff-Teddybären – eine Liebe fürs Leben Wellhausen & Marquardt Medien, 1995, ISBN 978-3921844397.
  • Daniel Hentschel: Steiff-Bären unter der Lupe Wellhausen & Marquardt Medien, 2012, ISBN 978-3939806608.
  • Monica Schleich: Teddybären selber nähen OZ creativ, 2013, ISBN 978-3841061935.
  • Wolfgang Froese, Daniel Hentschel: Das große Teddy-Hermann-Buch Wellhausen & Marquardt Medien, 2008, ISBN 978-3874634151.
  • Christel Pistorius, Rolf Pistorius: Teddy wird 100. Die schönsten und beliebtesten Teddybären. Weingarten, Weingarten 2002, ISBN 3-8170-1025-7 (Über das Sammeln von Teddybären; Kurzporträts der wichtigsten deutschen Teddymanufakturen).
  • Christel Pistorius, Rolf Pistorius: Mecki, Zotty und ihre Freunde Wellhausen & Marquardt Medien, 1995, ISBN 978-3939806394.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Teddybär – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Teddybär – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien