Teepott Warnemünde

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Teepott, 2012
Teepott 1978 mit Fährschiff Kong Frederik IX. (Linie Gedser-Warnemünde)

Der Teepott ist eine Sehenswürdigkeit im Ortsteil Warnemünde von Rostock, das von Bauingenieur Ulrich Müther entworfen wurde. Der 1967 neben dem Leuchtturm an der Warnemünder Seepromenade erbaute Einzelbau ist ein prominentes Beispiel für die Hyparschalenarchitektur.

Konstruktion[Bearbeiten]

Teepott und Leuchtturm von der Seeseite

Müthers Schalenbauten bildeten nicht nur eine architektonische Alternative zur kostensparenden Plattenbauweise in der DDR, sie waren auch Prestigebauten und Exportschlager der DDR. Das 1968 mit Erich Kaufmann und Hans Fleischhauer fertiggestellte Seerestaurant Teepott in Warnemünde steht wegen seiner besonderen Dachkonstruktion unter Denkmalschutz.

Das Dach ist eine hyperbolische Paraboloidschale, welche aus drei einzelnen Grundflächen zusammengesetzt ist, und verfügt dadurch über eine hohe Festigkeit. Die Schalenkonstruktion mit einer Gesamtfläche von ca. 1200 m² ist in der Mitte 7 cm und am Rand 10 cm dick. Das Gewicht des Daches ruht auf drei senkrechten Stahlbetonstützen. Die Windkräfte und horizontalen Belastungen übertragen sich auf die schrägen Stützen. Von dem dreigeschossigen Gebäude sind sowohl von der Promenade als auch vom Strand aus die beiden oberen Etagen zu sehen.

„Leuchtturm in Flammen 2012“ - Leuchtturm und Teepott

Geschichte[Bearbeiten]

Teepavillon[Bearbeiten]

1925/1926 wurde am Strand von Warnemünde die Gaststätte „Teepavillon“ errichtet. Das kreisrunde Gebäude im Stil des Neuen Bauens entstand nach einem Entwurf des Architekten Walter Butzek. Das Baugeschäft Heidtmann stellte bis zum 4. Juli 1925 den Rohbau fertig. Nach verschiedenen Planänderungen, unter anderem der Ergänzung durch eine Terrasse an der Seeseite, wurde am 20. Juni 1926 Eröffnung gefeiert. Der erste Besitzer des „Teepavillons“ war Adolf Fust. Dieser erhielt eine „Erlaubnis zum Betreiben der Schankwirtschaft“ unter der Bedingung, in bau-, feuer-, sitten-, sicherheits-, gesundheits- und gewerbepolizeilichen Aspekten den Forderungen der Rostocker Schankgewerbebehörde nachzukommen. Fust bemühte sich anfangs um die Einhaltung, hatte aber später des Öfteren mit der Polizei zu tun. Schließlich wurde der „Teepavillon“ Eigentum des Rostocker Rechtsanwalts und Notars Curt Helm; von ihm pachtete Fusts Ehefrau Margarete im Juli 1932 die Gaststätte für zehn Jahre und betrieb sie als Konditorei, Café und Tanzdiele. Seit Juni 1942 wurden Mitarbeiter der Ernst Heinkel Flugzeugwerke dort untergebracht. Das Inventar des Gebäudes wurde nach und nach auf verschiedene Institutionen aufgeteilt. Das Gebäude war nun nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Am 2. Mai 1945, einen Tag nach Kriegsende in Warnemünde, ging der „Teepavillon“ durch Brandstiftung in Flammen auf und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nach dem Krieg entstand in den 1950er Jahren auf dem Fundament ein Kiosk. Überlegungen, das Areal anderweitig zu nutzen, wurden nicht umgesetzt.

Neubau des Teepotts[Bearbeiten]

Die Hansestadt Rostock bewilligte Mitte der 1960er Jahre die nötigen Mittel für die Wiedererrichtung eines Pavillons auf dem alten Fundament. Der Neubau sollte sich an den zeitgemäßen Stil der West-Berliner Kongresshalle anlehnen. Im Januar 1968 fand die Grundsteinlegung für den Neubau der gastronomischen Einrichtung statt. Der Anlass war die 750-Jahr-Feier von Rostock. Der Teepott wurde durch vielfältige Unterstützung von örtlichen Baubetrieben und der Werft in nur sieben Monaten errichtet. Am 6. Juni erfolgte die Übergabe. Während der nächsten Jahre wurde das Gebäude zu einem der Wahrzeichen Warnemündes und fand wegen seiner besonderen Dachkonstruktion Aufnahme in die Denkmalliste der Stadt.

Im September 1985 wurde der Teepott wegen einer umfangreichen Rekonstruktion geschlossen. Es wurden neue Thermoscheiben, Sitzecken und Teppiche eingebaut. Das Café mit 200 Plätzen erhielt eine neue Eisküche, neues Parkett, Stehlampen und Gestühl. Die Eröffnung fand am 28. Februar 1986 statt. Ursprünglich war die Nutzung als Café mit Unterhaltung geplant, aber durch den Mangel an Restaurants in Warnemünde wurde er zum Restaurant umfunktioniert.

Nach der Wende wurde das Haus geschlossen. Das Gebäude ging daraufhin in Privatbesitz, blieb aber weiter geschlossen. Nach neun Jahren Leerstand, mehreren gescheiterten Privatisierungs- und Nutzungsversuchen, fand ein erneuter Besitzerwechsel statt.

Sanierung und Neueröffnung[Bearbeiten]

Der nahezu 34 Jahre alte Bau wurde im August 2001 eingerüstet, entkernt und im Anschluss komplett saniert. Durch das Hinzufügen vieler Zwischenwände kommt die selbsttragende Dachkonstruktion nicht mehr zur Geltung.[1] Müther akzeptierte jedoch diesen Kompromiss, da nur dadurch das Gebäude erhalten blieb.[2] Die Wiedereröffnung fand am 19. Juli 2002 durch den damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff und Rostocks Oberbürgermeister Arno Pöker statt und fand in der Öffentlichkeit große Beachtung. Zu den neu eröffneten Geschäften gehören ein Café, eine Cocktailbar und ein Spezialitätenrestaurant, sowie ein Maritim-Shop und ein bayerisches Restaurant. Bis 2009 war im Kellergeschoss eine Dauerausstellung des Seefahrers Reinhold Kasten zu sehen.[3]

Namensherkunft[Bearbeiten]

Für den Namen Teepott gibt es mehrere Gründe. Der bekannteste ist, dass der Name dem Volksmund entspringt. Bereits 1928 stand an der gleichen Stelle der Teepavillon. Dieser bekam den Namen Teepott wegen seiner Topfform. Auch ließ sich der Name Teepott für die mecklenburgische Zunge etwas leichter auszusprechen. Für den Neubau im Jahr 1968 wurde der vom Volksmund vergebene Name einfach übernommen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teepott Warnemünde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Uta von Debschitz: Architektur: Ulrich Müthers Ostseeperlen. In: Spiegel online. 17. September 2003.
  2. Ulrich Müther in: Für den Schwung sind Sie zuständig. Dokumentarfilm, 2006.
  3. Kasten-Sammlung auf dem Weg zur Auktion

54.18169312.085629Koordinaten: 54° 10′ 54″ N, 12° 5′ 8″ O