Teleclub

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Teleclub-Logo (2006)

Teleclub ist einer der ersten Bezahlfernsehsender Europas. Der Sender wurde 1982 in der Schweiz gegründet und strahlte von 1984 bis 1991 sein Programm auch in Deutschland aus. Teleclub kann heute nur noch in der Schweiz empfangen werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Mai 1982 ging Teleclub im Zürcher Kabelnetz mit einer Versuchslizenz auf Sendung und gehört damit zu den ältesten Bezahlfernsehsendern Europas. Anfänglich zeigte der Sender jeweils um 20:15 und 22:15 Uhr einen Spielfilm, die monatliche Gebühr betrug 28 Schweizer Franken. Nach der Erteilung einer definitiven Sendekonzession begann Teleclub im Mai 1984 mit dem offiziellen Betrieb. Via Eutelsat wurde das Programm an Kabelnetze in der Schweiz, Deutschland und Österreich zugeführt. Der Abopreis blieb unverändert, hingegen bot Teleclub neu 180 Erstausstrahlungen jährlich, die auf drei bis sieben Sendeplätze täglich verteilt wurden. Die Sendezeiten waren von Montag bis Donnerstag 17:30 bis etwa 23 Uhr, Freitag bis etwa 0:30 Uhr. Samstags begann der Betrieb um 15:30, sonntags bereits um 10:30 Uhr. Zwischen den Filmen bot Teleclub ein umfangreiches uncodiertes und damit kostenloses Programm. Es bestand neben einer Eigenwerbesendung ("Info-Show") auch aus Dokumentation, Funsport und Comedy. Bis 1985 hatte Teleclub in der Schweiz 40'000 Abonnenten.[1]

Ab 1. November 1986 wurde in Hannover das Programm (Abonnementpreis monatlich von 29 DM) in Deutschland lokal ausgestrahlt, konnte jedoch bis Ende 1987 nur rund 700 Abonnenten gewinnen. Wegen der geringen Zuschauerresonanz stiegen die bisherigen Gesellschafter Bertelsmann (30 %) und Springer (30 %) im Januar 1988 aus der Teleclub GmbH aus und überliessen Leo Kirch mit der Beta-Taurus-Gruppe die Verantwortung für das Unternehmen.[2]

Via Satellit wurde das Programm bis 1987 vollständig unverschlüsselt ausgestrahlt. Der Grund: Teleclub überliess die Wahl des Verschlüsselungssystems den Kabelnetzbetreibern, weshalb das Sendesignal erst in der Kabelkopfstation verschlüsselt wurde.

Im Frühling 1990 baute Teleclub sein Programm in der Schweiz massiv aus. Erstmals stieg der Abopreis auf 30 Franken. Dafür zeigte der Sender nun jährlich 300 Filme und verlängerte die Sendezeit auf täglich 14 Stunden (10:30 bis etwa 0:30 Uhr).

Anfang 2006 wurden in der Schweiz zum ersten Mal die Fernseh-Übertragungsrechte für die erste Schweizer Fussball- und Eishockey-Liga an Cinetrade und Teleclub vergeben. Dies bedeutete, dass das Schweizer Fernsehen nur noch eine geringe Anzahl Fussball- und Eishockey-Spiele (die Zusammenfassungen bei "Sport Aktuell" und dem "Sport Panorama" ausgeschlossen) und Sat.1 Schweiz überhaupt keine Fussball-Spiele mehr ausstrahlen konnten. Sat.1 Schweiz handelte mit Teleclub allerdings ein Abkommen aus, das sie vorerst für die Saison 2006/07 berechtigte, eine Sonntagsbegegnung pro Woche live zu zeigen. Dieses gilt seit der Saison 2007/08 jedoch nicht mehr. Stattdessen baut Teleclub seine Sportberichterstattungen massiv aus.

Aufteilung[Bearbeiten]

Am 28. Februar 1991 zog sich Teleclub aus den Nachbarländern zurück: In Deutschland und Österreich startete auf dessen Frequenzen Premiere, Teleclub konnte ab sofort nur noch von in der Schweiz wohnhaften Kunden abonniert werden. Trotzdem blieb das Programm über Satellit verschlüsselt empfangbar. Teleclub verblieben nach der Aufteilung 85'000 Schweizer Kunden – wie viele Abonnenten das Programm heute hat ist unklar, da seit längerem keine aktuellen Zahlen kommuniziert werden.

Piraterie[Bearbeiten]

Teleclub war regelmässig ein Opfer der Piraterie. Bereits Mitte der 1980er Jahre wurden in der Schweiz illegale Dekoder für den Empfang via Kabel verkauft. Als Teleclub Ende der 1980er Jahre sein Satellitensignal verschlüsselte, konzentrierten sich die Piraten auf den Vertrieb ihrer Dekoder ausserhalb der Schweiz. Anfang der 1990er Jahre wurden in Fachzeitschriften in Deutschland und Österreich für umgerechnet 100 bis 200 Deutsche Mark Dekoder als Massenware angeboten, rechtlich liess sich gegen den Vertrieb in Ländern ausserhalb des offiziellen Sendegebietes damals wenig unternehmen.

Teleclub konnte diesem Treiben erst ein Ende bereiten, als er 1992 das Verschlüsselungssystem seines Satellitensignals änderte. Teleclub war noch bis 2001 via Satellit (zuerst via Astra, dann via DFS-Kopernikus) empfangbar. Seither wird Teleclub nur noch via Kabel angeboten - die Zuführung erfolgt über ein Richtstrahlnetz der Swisscom. Für Besitzer von Satellitenempfängern vertreibt Teleclub seither auch in der Schweiz Abonnements von Sky Deutschland (ehemals Premiere AG) - hingegen zu anderen Tarifen und mit anderen Paketzusammensetzungen als in Deutschland.

Digitalisierung[Bearbeiten]

Seit 1. Mai 2002 verbreitet Teleclub sein Programm digital. Das analoge Signal wurde sukzessive aus den Kabelnetzen zurückgezogen. Das Ursprungsprogramm nennt sich heute "Teleclub Cinema", ein zweiter Kanal mit älteren Filmen wird unter den Namen "Teleclub Star" gesendet. Im Teleclub-Digitalpaket werden ausserdem derzeit 15 externe Sender - meist aus dem Hause Sky Deutschland - angeboten. Die Abogebühr beträgt je nach Paket zwischen 39,90 (TeleclubBasic) und 69,60 (TeleclubBasic + FamilyWorld + MovieWorld + SportsWorld) Franken. Teleclub weist darauf hin, dass „die Pay-Per-View-Kanäle von Sky Deutschland (Sky Select) aus lizenzrechtlichen Gründen in der Schweiz nicht abonniert werden können“.

Gleichzeitig mit der Digitalisierung begann ein Rechtsstreit zwischen Teleclub und dem grössten Schweizer Kabelnetzbetreiber, der Cablecom. Anfänglich verweigerte Cablecom die digitale Ausstrahlung von Teleclub, erst Ende 2002 konnte Teleclub mittels Gerichtsentscheid die Einspeisung erwirken. Dieser Gerichtsentscheid wurde zwar später wieder entkräftet, Teleclub digital blieb aber auch in den Netzen der Cablecom aufgeschaltet. Der Zwist wurde neu entfacht, als Teleclub im Herbst 2005 sein Angebot von damals 12 auf 17 Sender erhöhte. Cablecom verhinderte jedoch in seinen Netzen den Ausbau. Hintergrund des neuerlichen Streits dürfte auch die indirekte Beteiligung der Swisscom an Teleclub sein, die im Bereich der Telefonie und des Internets schon heute die grösste Cablecom-Konkurrentin ist. Dieser Streit wurde mittlerweile beigelegt, so dass Cablecom-Kunden alle 17 Programme empfangen können. Seit dem 24. Juli 2007 kann zudem das Angebot von Teleclub auch direkt via Cablecom bestellt werden.

Nebst dem wurde das Programmangebot auf total 30 Sender, elf weitere Sportsender und die beiden Disney-Kanäle Disney Junior (davor Playhouse Disney) und Disney XD (früher Toon Disney), für Kunden von Swisscom TV (früher Bluewin TV) erweitert. Die vielen Sportkanäle deshalb, damit sämtliche Schweizer Fussball- und Hockey-Spiele parallel zueinander ausgestrahlt werden können.

Teleclub Kanäle (17)

Zukunft mit Swisscom[Bearbeiten]

Hauptaktionär von Teleclub ist die Firma Cinetrade AG des Schweizers Stephan Sager. Neben Cinetrade ist auch das Schweizer Medienunternehmen Ringier beteiligt. Frühere Aktionäre waren unter anderem die Schweizer Rediffusion oder die Kirch-Gruppe. Sager, seit Anbeginn bei Teleclub, werden hervorragende Beziehungen zu den Filmstudios nachgesagt - er selbst aber tritt in der Öffentlichkeit selten auf, gibt so gut wie nie Interviews. 2005 hat sich die Swisscom an Cinetrade beteiligt und betreibt gemeinsam mit dieser Firma 2006 ein eigenes IPTV-Angebot. Dieses wurde am 1. November 2006 als Bluewin TV lanciert und im November 2009 in Swisscom TV umbenannt.[3] Über diese Plattform werden neben FreeTV-Sendern auch die Teleclub-Programme und ein "Video on Demand"-Angebot verbreitet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.blm.de/apps/documentbase/data/pdf1/24-26_pay-tv.pdf
  2. Aktuell '89, S. 223, ISBN 3611000353
  3. Swisscom, Medienmitteilung vom 19. November 2009