Teltowkanal

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Teltowkanal
B-Tempelhof 10-2012 - Teltowkanal.jpg
Gemeinde: Berlin; Kleinmachnow; Stahnsdorf; Potsdam
Der Teltowkanal in Berlin-Tempelhof
Baubeginn: 1900
Inbetriebnahme: 1906
Länge: 38,39 km

Der Teltowkanal (TeK) ist ein 38,39 Kilometer langer Kanal in Berlin und dem südlichen Berliner Umland, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt wurde. Er verbindet die Spree-Oder-Wasserstraße (Dahme, Nebenfluss der Spree) mit der Unteren Havel-Wasserstraße (Potsdamer Havel). Als Bundeswasserstraße der Wasserstraßenklasse IV mit Einschränkungen verläuft der Kanal durch die Bundesländer Berlin und Brandenburg und bildet teilweise ihre Landesgrenze. Rechtlich gehören zum TeK noch die Bundeswasserstraßen: Griebnitzkanal (ehem. Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal), Zehlendorfer Stichkanal und Britzer Verbindungskanal (zur Spree) (ehem. Britzer Zweigkanal).[1][2][3] Zuständig für die Verwaltung ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin.

Lage[Bearbeiten]

Wasserstraßen in der Region Berlin mit dem Teltowkanal

Der Teltowkanal ist für die Schifffahrt eine Südumgehung Berlins. Die Fließrichtung geht von Ost nach West. Die Kilometrierung zählt von West nach Ost; sie beginnt am östlichen Ende der Glienicker Lake bei Potsdam-Klein Glienicke mit km 0,00 und endet bei Kilometer 37,84 zwischen Köpenick und Grünau an der Dahme.[1]

Der Kanal beginnt rechtlich am westlichen Ende der Glienicker Lake, von der Potsdamer Havel abzweigend, bei km −0,55 und führt durch den Griebnitzsee, der zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam-Babelsberg liegt und zum Flusssystem der Havel gehört. Am Ostende des Griebnitzsees zweigt der Griebnitzkanal nach Nordosten zum Großen Wannsee ab. Nach Passieren der Eisenbahn- und S-Bahn-Strecke Berlin–Potsdam bei Kohlhasenbrück und der Autobahn A 115 bei Dreilinden erreicht er den Ort Stahnsdorf und anschließend Kleinmachnow mit dem Machnower See und der geschichtsträchtigen „Neuen“ Hakeburg. Westlich bei km 8,34 befindet sich die einzige Kanalstufe, die Schleusenanlage Kleinmachnow, mit einer mittleren Fallhöhe von 2,86 m.

Von Neu-Babelsberg bis Kohlhasenbrück sowie zwischen Berlin-Zehlendorf und der Stadt Teltow bildet der Kanal die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg. Bei km 13,49 zweigt der Zehlendorfer Stichkanal nach Norden ab. Von dort verläuft der Teltowkanal über Lichterfelde, Steglitz, Lankwitz, Tempelhof, Neukölln und Treptow nach Grünau. Am Kanalkilometer 28,30, der Kreuzung beim Hafen Britz-Ost, zweigt der Neuköllner Schifffahrtskanal als Landeswasserstraße nach Norden ab und der Britzer Verbindungskanal nach Osten zur Spree-Oder-Wasserstraße (Treptower Spree).

Wer in die Spree-Oder-Wasserstraße fahren wollte, musste ab 1990 den Teltowkanal beim Hafen Britz-Ost verlassen und seine Fahrt auf dem 3,39 Kilometer langen Britzer Verbindungskanal zur Spree-Oder-Wasserstraße fortsetzen. Der weitere Verlauf des Teltowkanals war zwischen km 34,1 und km 36,6 gesperrt, da hier erst noch große Mengen stark kontaminierten Schlamms aus DDR-Zeiten beseitigt werden mussten. Seit April 2000 ist dieses Teilstück (anders als oft angegeben) wieder befahrbar, so dass man nun auch hier zur Spree-Oder-Wasserstraße weiterfahren kann.

Die geringste Brückendurchfahrtshöhe bei mittlerem Wasserstand liegt bei 4,50 Meter. Die maximal zulässige Abladetiefe beträgt 2,00 m bei einer Wassertiefe von 2,60 m, außer im Abschnitt Kanalkilometer 34,10–37,84. Hier ist nur eine Abladetiefe von 1,75 m zugelassen. Die Wasserspiegelbreite beträgt mindestens 37 m.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Teltowkanal wurde auf Initiative des Landrates des Kreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, erbaut. Für den westlichen Kanalteil wurde zu großen Teilen das Bett des Bäkefließes, der ehemaligen Telte genutzt, das vom Fichtenberg in Berlin-Steglitz zum Griebnitzsee verlief. Bis auf zwei kleine Teilstücke in Steglitz und im Naturschutzgebiet Bäketal Kleinmachnow ist die Bäke vollständig verschwunden. Die Lanke, die Lankwitz den Namen gab und am Birkbusch in die Bäke mündete, diente den Ingenieuren gleichfalls als Bett für den Kanal.

Der erste Spatenstich erfolgte am 22. Dezember 1900 in Babelsberg, in Betrieb genommen wurde der Kanal am 2. Juni 1906 durch Kaiser Wilhelm II., der ihn auch als erster mit seiner Yacht Alexandria im Bereich der Kleinmachnower Schleuse befuhr. Die komplette Fertigstellung des Kanals zog sich, wegen bautechnischer Probleme in Lichterfelde, noch einige Monate hin. Der Kanal war zur Entlastung des regen und wegen der Schleusen zeitaufwendigen Schiffsverkehrs im Zentrum Berlins geplant, brachte eine Wegeverkürzung beim Verkehr zwischen Elbe und Oder von rund 16 km, sollte neue Industrie- und Wohnungsansiedlungen vor den Toren Berlins ermöglichen und gleichzeitig als Vorfluter den Regenwasserabfluss der an ihm gelegenen Vororte Berlins aufnehmen. Zeitweise waren dabei bis zu 2550 Arbeiter beschäftigt, davon die Hälfte Ausländer aus Osteuropa. Der Britzer Verbindungskanal und der Neuköllner Schiffahrtskanal waren bereits mit eingeplant.

Treidellok im Betrieb am Teltowkanal [4]

Da sich herausstellte, dass der Kanal für den konzipierten Verkehr unterbemessen war, wurde – auch zur Schonung der Ufer – ein Treidelverkehr eingerichtet. So wurden die damals üblichen Schleppkähne im Kanal durch elektrische Treidellokomotiven gezogen. Dazu waren im Bereich der Häfen Brücken für den durchgehenden Treidellokverkehr errichtet worden. Zur Unterhaltung der Wasserstraße, des Treidelbetriebs und zur Wartung der Lokomotiven richtete die Teltowkanal-Bauverwaltung zwischen den Kanalkilometern 11,35 und 11,54 in Schönow einen Bauhafen und Bauhof ein, aus dem 1924 die Teltow-Werft hervorging. Zur Stromversorgung errichtete das Ingenieurbüro Havestadt & Contag – zuständig für alle Kanalbauten – auf dem Bauhof eine „Elektrische Centrale“, das spätere Kraftwerk Schönow. Der elektrische Treidelbetrieb wurde nach 1945 nicht wieder aufgenommen.

Treidellok als Denkmal

Als Denkmal werden an der Emil-Schulz-Brücke im Verlauf der Königsberger Straße eine Lokomotive und der Bugteil eines Schleppkahns ausgestellt. Alternativ zur Treidelbahn experimentierten die Betreiber in den Anfangsjahren des Kanals auch mit dem elektrisch betriebenen Schleppschiff Teltow, das System bewährte sich jedoch nicht.

Nähe Hafen Lichterfelde mit Masten der Treidelbahn, ca. 1955

Nach 1945 war der Teltowkanal lange Zeit nur über den Britzer Verbindungskanal und den Neuköllner Schifffahrtskanal erreichbar. Nach einer Vereinbarung zwischen der DDR und Berlin (West) wurde der Kanal am 20. November 1981 von Westen her geöffnet. Dem waren umfangreiche Bauarbeiten vorausgegangen, die zu den oben angegebenen Abmessungen führten.

Zum 100-jährigen Jubiläum des Kanalbaus fand zwischen dem 6. und 11. Juni 2006 eine Festwoche an der denkmalgeschützten Schleuse Kleinmachnow und an weiteren Orten längs der Wasserstraße statt.

Sanierung und ehemalige Ausbauplanungen[Bearbeiten]

Nachdem in den 1980er Jahren auf West-Berliner Gebiet die Strecke selbst als Rechteckprofil bzw. als kombiniertes Rechteck-Trapez-Profil ausgebaut wurde, erfolgte nach 1990 auch die Instandsetzung und Ertüchtigung der Uferbefestigungen im Bereich der kreuzenden Brücken.[5]

Ursprünglich war ein weiterer Ausbau des Teltowkanals als sogenannte Südtrasse Berlin im Zuge des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit (VDE) Nr. 17 geplant, um diesen mit Großmotorgüterschiffen (Großes Rheinschiff, 110 Meter Länge) und Großschubverbänden (185 Meter Länge) nutzen zu können. Auch die Schleuse Kleinmachnow hätte hierfür erheblich vergrößert werden müssen. Nach einer Neubewertung des Projekts ist ein Ausbau über die Wasserstraßenklasse IV hinaus jedoch nicht mehr geplant.[6]

Wasserqualität[Bearbeiten]

Der Kanal gilt seit langer Zeit als eines der meistverschmutzten Gewässer Berlins, da mehrere Klärwerke Wasser in den Teltowkanal einleiten. Auf Höhe der Wegedornbrücke leitet das Klärwerk Waßmannsdorf ein, in Kleinmachnow das Klärwerk Stahnsdorf. Außerdem wird von April bis Oktober nahe der Bäkebrücke das Klärwasser des Klärwerks Ruhleben eingeleitet.[7] Das verschmutzte Wasser des Teltowkanals beeinflusst auch die Wasserqualität der Potsdamer Gewässer.

Wegen des zeitweiligen Zuflusses des belasteten Wassers aus dem Griebnitzsee in den Griebnitzkanal wurde in West-Berlin über den Bau einer Schleuse im Bereich der Abzweigung des Griebnitzkanals aus dem Griebnitzsee nachgedacht. Damit sollte der Zustrom des schlechten Wassers durch die Seenkette des Kanals in den Großen Wannsee verhindert werden. Über die Planungsphase kam dieses Vorhaben jedoch nicht mehr hinaus. Bis 1998 wurde vom Klärwerk Marienfelde (km 20,68) gereinigtes Abwasser aus der Kanalisation eingeleitet. Die Keimbelastung war aber immer noch hoch. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Wasserqualität im Teltowkanal deutlich besser geworden. Geangelte Fische sollten aufgrund des erhöhten PCP-Gehaltes nach wie vor nicht verzehrt werden.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teltowkanal – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. Verzeichnis E, Lfd.Nr. 57 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  3. Verzeichnis F der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  4. Abb. von Stern- und Kreisschiffahrt der Teltowkanal AG aus: Peter Wollschläger - Der Bezirk Tempelhof - Eine Chronik in Geschichten und Bildern - Kulturbuch-Verlag Berlin 1964
  5. Berliner Wasserstraßen Trasse Süd. Wasserstraßen-Neubauamt Berlin, abgerufen am 14. Juli 2012.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDrucksache 17/511. Deutscher Bundestag, 26. Januar 2010, abgerufen am 25. Dezember 2012 (PDF; 100 kB).
  7. Abwasserbeseitigungsplan Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

52.44638888888913.470555555556Koordinaten: 52° 26′ 47″ N, 13° 28′ 14″ O