Tempel des Amun-Re (Karnak)
Der Tempel des Amun-Re ist der zentrale Teil des Amun-Bezirkes in Karnak, welcher seinerseits den Mittelpunkt eines größeren Komplexes von Kultbauten, den Karnak-Tempel, bildet. Seit der 18. Dynastie bauten die Pharaonen kontinuierlich an und um und versuchten, sich zu übertreffen.
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Der Tempel [Bearbeiten]
Mit seinen insgesamt zehn Pylonen, der größte ca. 113 Meter breit und ca. 15 Meter dick bei einer geplanten Höhe von ca. 45 Meter, und einer Gesamtfläche von ca. 30 Hektar (530, 515, 530 und 610 Meter Seitenlänge) ist der Tempel des Amun-Re der größte Tempel Ägyptens.[1] Er enthielt neben dem Tempel des Amun-Re noch den Tempel des Chons, den Tempel der Opet, den Tempel des Ptah, den Tempel des Amenhotep II. und verschiedene Stationskapellen für die Götterbarke, wie die Weiße Kapelle und die Rote Kapelle.
In der Antike verband eine Allee, die beidseitig von 365 Sphingen[2] gesäumt war, den Amun-Tempel mit dem ca. 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. Diese Straße endete am 10. Pylon des Tempels.
Eine weitere Sphingenallee mit zwei Reihen zu 66 Sphingen[2] verbindet den Amun-Tempel mit dem Mut-Bezirk. An nordwestlicher Seite befindet sich ein Nilhafen, mit dem die Gottesstatue das Westufer besuchen konnte. Hinter dem Eingangspylon öffnet sich der Tempel zu einem großen Hof. Dahinter schließt sich der Säulensaal (Hypostyl) an. In Fortsetzung der Achse kommt man zum Allerheiligsten. Diese Bereiche waren überdacht. Der Tempel war außerdem so konstruiert, dass der Boden in Richtung des Allerheiligsten ansteigend und das Dach abfallend war. Der Säulensaal hinter dem Hof gehört zu den bedeutendsten Bauwerken, die aus ägyptischer Zeit erhalten sind.
Viele Teile sind durch die Zeit oder von den Pharaonen selber im Rahmen einer damnatio memoriae zerstört worden. Selbst heute, mit ausgebleichten Ruinen, bildet der Karnak-Tempel einen überwältigenden Anblick.
2. Pylon [Bearbeiten]
Der von Haremhab erbaute 2. Pylon bildete vom Ende der 18. Dynastie bis zur Zeit von Nektanebos I. die Eingangsfront des Tempels. Seit Beginn der 18. Dynastie befand sich an der Stelle ein als Anlegestelle dienendes Hafenbecken, das Haremhab zuschütten und weiter westlich neu anlegen ließ. Die beiden einst 14 Meter starken und 35 Meter hohen Pylontürme sind nur bis zur Hälfte ihrer Höhe erhalten geblieben. Für den Bau wurden Blöcke der abgerissen Aton-Tempel von Pharao Echnaton (z.B. Gem-pa-Aton) als Füllmaterial verwendet.[3]
Vor dem Eingangsbereich standen zwei monumentale Statuen aus Granit, von denen allein die südliche vollständig erhalten ist. Sie zeigt den König mit Doppelkrone in Schreitpose. Von der anderen existiert nur der Basissockel mit den Füßen. Im Innern des Tordurchgangs standen zwei Götterstatuen. Henri Chevrier entdeckte 1954 bei Aufräumarbeiten am eingestürzten Nordflügel sämtliche Bruchstücke einer Kolossalstatue aus Rosengranit. Die 13 Meter hohe Statue wurde wieder aufgerichtet und zeigt wahrscheinlich Ramses II., zwischen dessen Beinen seine Tochtergemahlin Meritamun steht.[3]
Zweck der Tempelanlage [Bearbeiten]
Nach der Erhebung Amun-Res von Theben zum Lokalgott und später zum Reichsgott, begannen die Herrscher des frühen Mittleren Reiches mit dem Bau eines Tempels, der über Jahrtausende hinweg zum heutigen Tempelkomplex erweitert wurde, wo die Amun-Priesterschaft den täglichen Tempeldienst ausübte. Auch für die Gattin des Amun, die Göttin Mut, und für ihren gemeinsamen Sohn Chons wurden Tempel errichtet, zusammen bildeten sie die Triade von Theben.
Baugeschichte [Bearbeiten]
Mittleres Reich [Bearbeiten]
Das bisher älteste aufgefundene Bauteil im Amun-Bezirk von Karnak ist eine oktagonale Säule von Antef II. mit der Nennung des Gottes Amun-Re.
Sesostris I. baute den ersten größeren Tempel aus Kalkstein. Er maß 37,4 x 39,6 m und war von einer Umfassungsmauer aus Ziegeln umgeben. An der Front befanden sich Statuenpfeiler, der vordere Teil des Tempels war von Säulenhallen umgeben. Laut Arnold befand sich dort wahrscheinlich ein heiliger Garten. Im hinteren Teil befanden sich drei hintereinander gelegene Kulträume. Innerhalb der Umfassungsmauer gab es mehrere Stationskapellen, darunter die Chapelle blanche (Weiße Kapelle).
Neues Reich [Bearbeiten]
18. Dynastie [Bearbeiten]
Zu Beginn der 18. Dynastie wurde das Kultzentrum des Amun stark ausgebaut, beginnend mit Amenhotep I.. Thutmosis I. ergänzte Pylon 4 und 5, eine schalenförmige Umfassungsmauer sowie ein 21,8 m hohes Obeliskenpaar. Thutmosis II. baute westlich davon den sogenannten Festhof an. Größere Baumaßnahmen gab es erneut unter Hatschepsut und Thutmosis III.:
- Eine größere, mit Türmen befestigte Ziegelmauer.
- Ein Vortempel mit Barkensanktuar, der sog. Chapelle rouge (Rote Kapelle), die Anfang des 21. Jahrhundert rekonstruiert wurde, sowie der Annalensaal.
- Ein 30,43 m hohes Obeliskenpaar zwischen dem 4. und dem 5. Pylon. Thutmosis III. ließ im Rahmen seiner damnatio memoriae die Obelisken ummanteln, damit sie nicht mehr sichtbar waren. Paradoxerweise trug dies zur Erhaltung bei.
- Zwischen der Roten Kapelle und dem 5. Pylon wurde ein 6. ergänzt.
- Ein heiliger See wurde angelegt oder ein bereits existierender See vergrößert.
- An der Südachse, Richtung Mut-Bezirk, wurden die riesigen Pylonen 7 und 8 errichtet. Am 7. Pylon ist Hatschepsut mit 4 Kolossalstatuen vertreten, am 8. Pylon sind zwei Sitzbilder und ein Paar Obelisken von Thutmosis.
- Östlich des Sesostris-Baues errichtete Thutmosis das Achmenu.
- An der Prozessionsstraße nach Luxor entstanden sechs Stationskapellen.
Amenhotep III. verlängerte die Tempelachse nach Westen und Süden. Er zerstörte zahlreiche kleinere Kapellen und Denkmäler der 12. Dynastie und frühen 18. Dynastie, die sich auf dieser Achse befanden, und verbaute sie im Fundament. Er fügte den 3. Pylon[4] mit acht etwa vierzig Meter hohen Flaggenmasten an. An der südlichen Achse schloss er mit dem 10. Pylon ab, vor dem zwei kolossale Statuen des Pharao aus Quarzit standen. Wahrscheinlich wurde im Rahmen dieses gewaltigen Bauprogramms auch die Prozessionsstraße zum Mut-Tempel und nach Luxor erneuert und mit 60 Sphingen versehen.
In der Amarna-Zeit wurde die kontinuierliche Bebauung unterbrochen. Amenophis IV. (Echnaton) baute zu Beginn seiner Regierungszeit südlich des Amun-Bezirkes ein Aton-Heiligtum, dass unter Haremhab jedoch zerstört und als Füllmaterial verbaut wurde.
Haremhab baute den 9. und 10. Pylon an der Südachse. Er ergänzte den Amun-Tempel um den 2. Pylon im Westen, der 35 m hoch und 98 m breit war; hierzu verwendete er Steine aus dem zerstörten Aton-Heiligtum.
Eine Säulenhalle (Hypostyl), oft auch als Kolonnade bezeichnet, wurde von Sethos I. zwischen dem 2. und 3. Pylon begonnen und unter Ramses II. vollendet.
20. Dynastie [Bearbeiten]
Ramses III. baute vor dem 2. Pylon einen Stationstempel. Er restaurierte ebenfalls den Chons-Tempel im Amun-Bezirk.
Dritte Zwischenzeit [Bearbeiten]
22. Dynastie [Bearbeiten]
Scheschonq I. baute den Platz vor dem 2. Pylon zu einem geschlossenen Säulenhof mit Toren im Norden, Süden und wahrscheinlich auch Westen um.
25. Dynastie [Bearbeiten]
Im geschlossenen Säulenvorhof von Scheschonq I. errichtete der athiopische König (Pharao) Taharqa den berühmten Säulenkiosk. Dieser bestand aus einer Doppelreihe von je fünf 21 Meter hohen Papyrussäulen.
Spätzeit [Bearbeiten]
30. Dynastie [Bearbeiten]
Die wichtigsten unter Nektanebos I. im Amun-Bezirk errichteten Bauten waren die 21 Meter hohen Umfassungsmauern, die im Osten, Norden und vor dem Chons-Tempel mit monumentalen Toren versehen wurden. Diese Tore wurden jedoch erst unter den Ptolemäern Ptolemaios III. Euergetes I. und Ptolemaios IV. Philopator I. beschriftet und dekoriert.
Literatur [Bearbeiten]
- Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst. Patmos, Düsseldorf/ Zürich 2000, ISBN 3-491-96001-0.
- Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-215-1.
- Ludwig Borchardt: Zur Baugeschichte des Amonstempels von Karnak. Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1905. Olms, Hildesheim 1964, (= Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Aegyptens Bd. 5, Teil 1).
- S. Donadoni: Theben, Heilige Stadt der Pharaonen. Hirmer, München 2000, ISBN 3-7774-8550-0.
- Beatrix Gessler-Löhr: Die heiligen Seen ägyptischer Tempel - ein Beitrag zur Deutung sakraler Baukunst im Alten Ägypten (= Hildesheimer ägyptologische Beiträge . Bd. 21). Gerstenberg, Hildesheim 1983, ISBN 3-8067-8080-3; Zugleich: München, Univ., Diss., 1975.
- Wolfgang Helck: Kleines Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0.
- Thomas Kühn: Das Haus des Amun in Karnak. In: Gabriele Höber-Kamel (Hrsg.): Karnak – Wohnstätte der Götter (= Kemet Heft 1/2001), Kemet-Verlag, Berlin 2001, ISSN 0943-5972, S. 9–22.
- Auguste Mariette: Karnak, étude topographique et archéologique, avec un appendice comprenant les principaux textes hiéroglyphiques découverts ou recueillis pendant les fouilles exécutées à Karnak. Paris 1875; Heinrichs, Leipzig 1875; Neudruck d. Ausg. Leipzig 1875: LTR-Verlag, Wiesbaden 1982, ISBN 3-88706-095-4.
- Eberhard Otto: Osiris und Amun: Kult und heilige Stätten. Hirmer, München 1966.
- R. A. Schwaller de Lubicz: Temple of Karnak. Thames & Hudson, London 1999, ISBN 0-500-01923-1.
- Alberto Siliotti: Luxor, Karnak and the Theban Temples. American University in Cairo Press, Cairo/ New York 2002, ISBN 977-424-641-1.
- Richard Wilkinson: Die Welt der Tempel im alten Ägypten. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-18652-4.
Weblinks [Bearbeiten]
- Le centre franco-égyptien d'étude des temples de Karnak (CFEETK, auf französisch)
- Ausgrabungen im Tempel des Amun-Re, pylon 5 und 6 (CFEETK, auf französisch)
Anmerkungen [Bearbeiten]
- ↑ Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten S. 111
- ↑ a b Errechnet von F. Traunecker; siehe Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten. S. 114–115.
- ↑ a b Thomas Kühn: Das Haus des Amun in Karnak, 2001, S. 12–13.
- ↑ Die Zählung der Pylonen erfolgt in der Reihenfolge, wie sie letztendlich standen, nicht wie sie gebaut wurden. Man kann also nicht unbedingt Rückschlüsse über das Baujahr treffen, jedoch über den Standort.
25.71837232.658341Koordinaten: 25° 43′ 6″ N, 32° 39′ 30″ O