Dom des Heiligen Sava

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Dom des Heiligen Sava (Храм светог Саве/Hram svetog Save)

Der Dom des Heiligen Sava (serbisch: Храм светог Саве/Hram svetog Save; deutsch auch Kathedrale des Heiligen Sawa) ist ein monumentaler serbisch-orthodoxer Kirchenbau in Belgrad. Er ist per Stand 2013 die größte Kirche Südosteuropas und eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. Der Dom ist dem ersten serbischen Erzbischof und Nationalheiligen Serbiens Hl. Sava (1175–1236) geweiht. Er wurde auf dem im südlichen Belgrader Stadtzentrum gelegenen Plateau des Vračar, einem 134 Meter hohen Hügel und auf dem Platz errichtet, wo Sinan Pascha 1595 die sterblichen Überreste des Heiligen Sava verbrennen ließ. Die Kirche gehört zur Erzparechie von Belgrad und Karlovci der Serbisch-orthodoxen Kirche.

Grundsätzliches[Bearbeiten]

Die Architektur des Doms ist den neobyzantinischen Strömungen verpflichtet, die zwischen 1920 und 1941 die Kirchenarchitektur Serbiens bestimmten. Der Entwurf Bogdan Nestorovićs und Aleksandar Derokos gehörte zwischen 1926 und 1935 zu den meistdiskutierten Themen in der Architektur- und Kunstszene Jugoslawiens und war Brennpunkt der stark polarisierten Diskussionen von Befürwortern moderner und traditioneller Kunstrichtungen. Als hochsymbolisches nationales Projekt, das anfangs zumindest auch deklarativ den gesamtjugoslawischen Staat repräsentieren sollte, wird heute in der Krypta der Kirche ein Museum der serbisch-orthodoxen Kirche, eine Erinnerungskapelle an Fürst Lazar und die Grablege der Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche integriert.[1] Für die Innen- und Außendekoration der Kirche sind kostbare Materialien eingesetzt worden, die neben den Dimensionen des Bauwerks zur langen und komplexen Baugeschichte und den hohen Kosten beitrugen. Unter den noch anstehenden Arbeiten werden in den 2010er Jahren unter anderen die Kämpfer-Kapitelle der Eingangssäulen mit aufwendigen Steinskulpturen, die Eingangstüren mit Bronzereliefs, die Innenwände mit Mosaiken und der Boden mit Granitintarsien ausgelegt. Die Fassade ist vollständig mit weißem Marmor verkleidet, Konsolen und die Friese sind durch schwarze und rote Granitsimse akzentuiert.

Das gänzlich von einem Park eingenommene Plateau des Vračar (Plateau des hl. Sava – Svetosavski Plato) beherbergt neben dem Dom auch die Nationalbibliothek Serbiens.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Ursprüngliche Planung 1926–1935[Bearbeiten]

Die Kathedrale bei Nacht

An dem im Königreich Jugoslawien ausgeschriebenen zweiten Wettbewerb für den Tempel des Heiligen Savas beteiligten sich 1926 insgesamt 22 Architekten. Der bestplatzierte Beitrag stammte von Bogdan Nestorović, dessen Arbeit einen zweiten Platz belegte. Mit der Ausrichtung des Zweiten Byzantinologischen Kongresses 1927 in Belgrad wurde die vorherrschende Strömung einer der mittelalterlichen Byzantinische Kunst verpflichtete Kirchenarchitektur in Serbien nochmals verstärkt.[2] 1931 wurden Nestorović und Aleksandar Deroko daher zu einer Überarbeitung der Entwürfe im Sinne dieser neobyzantinischen Tendenzen beauftragt und zu den Architekten der Kirche bestimmt. Der Tempel des Heiligen Sava sollte dabei aus der Transformation und Synthese der eingereichten Konkursentwürfe Nestorović und Derokos entstehen.

Mit dieser Entscheidung setzte sich jedoch auch die scharfe Polemik um den Baustil des Gebäudes fort, die sich seit 1930 in extrem gegensätzlichen Vorstellungen von Architekten, Bildhauern und Medien im Königreich Jugoslawien entwickelt hatte und 1932 kulminierte. So waren an den Diskussionen insbesondere alle führenden Künstler und Architekten des Landes beteiligt.[3] Der Bildhauer Toma Rosandić plädierte beispielsweise für ein Denkmal, während Ivan Meštrović in dem Gebäude den Jugoslawischen Pantheon verwirklicht haben wollte.[3] Letztlich setzte sich die Fraktion der Befürworter eines Gebäudes im sogenannten Serbisch-byzantinischen Stil durch.

Nestorovićs erster Entwurf lehnte sich ursprünglich sehr eng an das Konzept, Fassadengestaltung und Silhouette der Klosterkirche Gračanica an.[4] In seiner weiteren Überarbeitung wurde dieses Modell an den monumentalen klassischen byzantinischen Stil des 6. Jahrhunderts im Zeitalter des Kaisers Justinian I. angenähert. Aleksander Derokos eigener Entwurf, der dem direkten Vorbild der Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, der Hagia Sophia im heutigen Istanbul verpflichtet war, bot damit die eigentliche Ausgangsbasis der Synthese aus beiden Konzepten. Als Zentralkuppelbau unterscheidet sich der finale Nestorović-Deroko Entwurf nur noch im Grundriss von dem der Hagia Sophia, dass hier keine Verschmelzung von Basilika und Zentralbau gewählt wurde. Anklänge an den serbisch-byzantinischen Baustil des Mittelalters sind aus der Hinzufügung von vier Glockentürmen in Form von kleinen Kuppeln um die Zentralkuppel als Fünfkuppeltypus, sowie in der Art der Kreuzarme, die Anleihen der Raška-Schule und einer obligaten Marmorverkleidung gegeben. Diese Stilelemente treten aber insgesamt im Gesamteindruck zurück.

Nach mehreren Jahrzehnten Planung und etlichen Wettbewerben wurde der Bau 1935 begonnen. Durch den Zweiten Weltkrieg kam es zu einem Baustopp bis 1985. Erst 1989 konnte die Kuppel fertiggestellt werden, und 2004 war die offizielle Einweihung des Bauwerks. 2007 waren die Arbeiten im Außenbereich abgeschlossen, innen ist die Kirche bis auf eine kleine Altarecke im Rohbauzustand (Stand 2013). Die Verkleidung des größtenteils in Beton erstellten Innenraums mit Mosaiken und Kacheln war im Sommer 2013 noch nicht fertiggestellt, Stadtführer sprechen von einem endgültigen Bauabschluss im Jahr 2010. Ursprünglich waren neben dem Tempel ein neues Patriarchenpalais, eine theologische Fakultät und ein kirchliches Museum, allesamt im Stil der Neorenaissance, geplant, die aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Neubauten nach dem Krieg wahrscheinlich nicht zu verwirklichen sind. Mit Wiederbeginn des Baus 1985 übernahm der damals renommierteste Belgrader Architekt Branko Pešić die Leitung, der den Bau in Betonbauweise fortsetzte und auch das Äußere des Tempels modernisierte.

Wiederaufnahme der Bauarbeiten 1985[Bearbeiten]

Alle Steinskulpturen wie die Biforien sind nach Zeichnungen Aleksandar Derokos ausgeführt
Außenansicht, Haupteingang 2013

Das Bauwerk wurde bis 1941 nur bis zu einer Höhe von maximal 12 m errichtet. Der Zweite Weltkrieg, wie die neuen kommunistischen Machthaber unterbanden danach jeden Weiterbau. Mit der grundsätzlichen Freigabe durch die Sozialistische Regierung Serbiens 1985 wurde ein neuer Architekt bestellt um den Tempel zu vollenden. Branko Pešić, der zuvor das Hochhaus der Beograđanka im Stadtzentrum geplant hatte, musste den Kirchenentwurf in Teilen modifizieren, hielt sich aber überwiegend an den letzten finalen Entwurf Nestorovićs. Es fehlten die im Krieg abhanden gekommenen statischen Konstruktionszeichnungen und alle Projekte der Bauausführung.[3]

Insbesondere veränderte Pešić die Dimensionen der Kuppel, deren Durchmesser von 32,63 m auf 35 m vergrößert wurde. Die Kuppel wurde um 5 m erhöht und die Dimensionen des Kuppelkreuzes wuchsen von 6 auf 12 m. Die Fassade erhielt als Anpassung an die ästhetische Moderne durch Weglassen einiger schmückender Details einheitlicheres Aussehen. Sie wird mit rotem Granit an den Friesen, Gesimsen und Pilastern akzentuiert.[5]

Die im Entwurf Nestorović' vorgesehene Krypta mit 1 600–1 800 m² Fläche, einer Kapelle des Heiligen Fürsten Lazar und dem Schatzhaus des Heiligen Sava wurde während des Baubeginns der Kirche 1935 nicht mit ausgeführt. Pešić ließ sie in den vorgesehenen Dimensionen in das begonnene Bauwerk nachträglich integrieren.[6]

Dimensionen und Details[Bearbeiten]

Kuppel und Halbkuppel der Konche
Kapitell mit Kämpfer

Die Kirche ist eines der größten Gotteshäuser der Welt, mit 91 m × 81 m zu 77 m × 71 m und einer Grundfläche von 3 255 m² zu 7 570 m² entspricht sie ungefähr den Dimensionen der Hagia Sophia in Istanbul, hat aber einen größeren Kuppeldurchmesser (35 m zu 31 m) und eine größere Scheitelhöhe der Kuppel (68 m zu 56 m).[7] Die Krypta nimmt auf einem Niveau von 6 m eine Fläche von 1 600 m² ein. Die drei Galerien im ersten Niveau über den drei Kreuzarmen der Konchen besitzen eine Gesamtfläche von 1 276 m². Auf ihnen finden die Chöre während der Gottesdienst-Liturgie ihren Platz. Insgesamt sollen maximal 12.000 Menschen in der Kirche Platz haben.[7] Der innere Kuppeldurchmesser erreicht 35,15 m und ist damit etwas größer als derjenige der Hagia Sophia. Das vier Tonnen schwere vergoldete Kreuz der Hauptkuppel ist insgesamt 12 m hoch. Die Kirche hat 8 Glockentürme, 4 gruppieren sich als Kuppeln um die Hauptkuppel, jeweils zwei um drei der vier Konchen. Auf allen finden sich vergoldete Kreuze, die nach der Vorgabe im großen Kreuz geformt wurden.

Ausstattung[Bearbeiten]

Steinerne Biforien und Teile der Wandverkleidung der Kirche. Mit den Mosaiken wurde ab 2012 begonnen.

Die Innendekoration und Ausarbeitung der Steinskulpturen des Bauwerkes hatte in den 1930er Jahren Aleksandar Deroko entworfen. Nach seinen Vorgaben werden Reliefs der Kapitelle und Biforen gefertigt. An allen Eingangstüren der Kirche werden bronzene Reliefs angebracht, für die Lünetten oberhalb der Türen sind Mosaiken vorgesehen. Über die mit Aluminium verzierten Fenster und Rosetten werden Steinskulpturen montiert.

Zu den umfangreichen Arbeiten, neben der mehrere Jahre in Anspruch nehmenden Ausführung der Mosaiken, gehören die Montage der steinernen Wanddekoration, die Galerien sowie die Kapelle in den Vorräumen und eine steinerne Taufkapelle. In der Krypta wird die Begräbniskirche des Heiligen Märtyrers Lazar den zentralen Platz einnehmen. Die Krypta ist als kultureller Treffpunkt für Konzerte und die Ausstellung der Schatzkammer der Serbisch-Orthodoxen Kirche vorgesehen. Während der Naos der Kirche mit Mosaiken ausgeschmückt wird, sind für die Krypta Fresken geplant. Die Wände werden außerdem mit Travertin und Kalkstein bedeckt.

Für die Mosaiken der Kirche und die gesamte Inneneinrichtung ist der Architekt Dragomir Acović verantwortlich.

Die 49 Glocken des Doms stammen aus der österreichischen Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck. Vier Glocken sind normale Läuteglocken, die übrigen 45 sind Bestandteil eines Carillons. Die größte Glocke mit einem Durchmesser von 2,04 m wiegt 6 128  kg, die zweitgrößte 3 650 kg. Die kleinste Glocke mit 20 cm Durchmesser hat etwa 11 kg. Für die Zeitmessung besitzt das Läutewerk einen Empfänger für die Atomuhr in Stuttgart.[8]

Statuen in der Umgebung[Bearbeiten]

Die Statue des hl. Sava, die sich vor dem Dom befindet, ist ein Geschenk der russisch-orthodoxen Kirche. Die Statue des Karađorđe unweit des Doms wurde 1974 aufgestellt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kathedrale des Heiligen Sawa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen/ Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Riznica pod zemljom, Politika, 25. Januar 2009
  2. Aleksandar Kadijevic:EVOKACIJE I PARAFRAZE VIZANTIJSKOG GRADITEQSTVA U SRPSKOJ ARHITEKTURI OD 1918 DO 1941 (PDF; 332 kB). GODINE
  3. a b c Branko Pešić, 1988: Spomen Hram Sv. Save na Vračaru u Beogradu 1895–1988. In: Sveti Arhijeriejski Sinod Srpske Pravoslavne Crkve, Belgrad. S. 32
  4. Tanja Damljanović: Dva hrama za dve konfesije - traganje za moderno-vizantijskim (PDF; 1,4 MB), 2005, In: Nasleđe, br. 6, str. 77-84
  5. Popio sam dve rakije Interview mit dem Architekten Branko Pešić, NIN, 5. September 2002.
  6. Zanos, pa zastoj - Podizanje Hrama Svetog Save NIN, 12. September 2002.
  7. a b Branko Pešić, Feuilleton der Večernje novosti, 9. Mai 2004.
  8. Homepage der Kathedrale mit Architekturdaten, (nur serbisch; aber die Zahlen kann man lesen); der Google-Übersetzer liefert für den fraglichen Passus Folgendes: „bei den westlichen Türmen wurden 49 Glocken, 4 schwenkbare und 45 in einem "svirajućih" (Glockenspiel) eingebaut“, abgerufen am 4. Oktober 2013.