Tempel von Garni

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Garni (armenisch Գառնի) ist ein Tempelkomplex in der Provinz Kotajk in Armenien, ungefähr 32 km südöstlich von Jerewan bei der Kleinstadt Garni gelegen.

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung datieren auf das dritte vorchristliche Jahrtausend und gruppieren sich um eine leicht zu verteidigende Schleife des Azat. Im 8. Jahrhundert vor Christus eroberte der urartischen König Argishti I. das Gebiet. Die erste schriftliche Erwähnung einer Festung, die über Garni thront, stammt von römischen Geschichtsschreiber Tacitus aus der Mitte des ersten Jahrhunderts v. Chr. Eine Ausgrabung der Überreste erfolgte erstmals 1909–1910, die sowjetische Archäologen 1949 fortführten. Die Ausgrabung ergab, dass die genannte Festung bereits viel früher als Sommerresidenz für die armenischen Königshäuser der Orontiden und Artaxiden errichtet wurde, wahrscheinlich im 3. Jahrhundert v. Chr.[1][2] Die Festung von Garni (lateinisch Gorneas) war der letzte Zufluchtsort des Mithradates, wo er und seine Familie von seinem Stiefsohn und Neffen Rhadamistos ermordet wurden.[3] Mehrere Gebäude konnten innerhalb des befestigten Gebietes identifiziert werden, z.B. der zweigeschössige Sommerpalast, ein Bäderkomplex, eine Kirche aus dem Jahr 897 n.Chr.,[2] ein Friedhof[1] und das bekannteste und besterhaltene Gebäude, ein graeco-römischer Tempel von ionischer Komposition.

Der Bäderkomplex im nördlichen Teil des Ausgrabungsgeländes verfügt über ein gut erhaltenes Hypokaustum und auf einem seiner Gänge ein Mosaik von klar hellenistischem Typus.[4] Es beinhaltete Darstellungen griechischer mythologischer Figuren wie Tethys, Oceanus, Thetis (Mutter des Achilleus). Die Begleitinschrift wurde in Koine verfasst: ΜΗΔΕΝ ΛΑΒΟΝΤΕΣ ΗΡΓΑΣΑΜΕΘΑ (wir arbeiteten ohne etwas dafür zu erhalten).

Mosaik am Boden des Badehauses in Garni

Die systematische Ausgrabung der Stätte hat sechs Siedlungsschichten zu Tage befördert. Die ältesten Spuren stammen aus der jungsteinzeitlichen Periode. Eine Schicht aus der Bronze- und Eisenzeit wird von drei klar mittelalterlichen Schichten gekrönt.[1] Der Befestigungsring ist aus großen Basaltblöcken zusammengefügt, die bis zu sechs Tonnen wiegen. Die Ringmauern wurden in einer Länge von 314 m freigelegt und offenbaren einige rechteckige Türme, von denen zwei an das antike Eingangstor angeschlossen sind.[1]

Seitenansicht

Der Tempel befindet sich am Rande einer natürlichen Erhebung. Er wurde 1909–1910 ausgegraben.[1] Es wird vermutet, dass der Tempel von König Tiridates I. erbaut wurde, wahrscheinlich mit Geld, dass er von Kaiser Nero während seines Besuchs in Rom erhalten hatte. Im Jahr 1945 wurden griechische Inschriften bezüglich der Erbauung des Tempels von Martiros Saryan auf dem Friedhof gefunden. Die Inschriften deuteten auf Tiridates als Erbauer des Tempels hin. Die Inschriften meinen wahrscheinlich Tiridates I. von Armenien, wohingegen einige Historiker wie Hakob Manandyan meinen, es handele sich um Tiridates III. von Armenien.

Das Bauwerk ist ein Peripteraltempel auf einer begradigten Grundfläche und war wahrscheinlich dem Gott Mihr geweiht. Das Gebälk wird von 24 ionischen Säulen getragen. Anders als bei anderen griechisch-römischen Tempeln besteht es aus Basalt. Einer anderen Auslegung der bestehenden literarischen Zeugnisse sowie Münzfunden zufolge begann der Bau des Tempels 115 n. Chr. Der Anlass zum Bau wäre dann wahrscheinlich die Eingliederung Armeniens als Provinz in das Römische Reich. Der Tempel würde dann wahrscheinlich eine Statue des Kaisers Trajan beherbergt haben.[5] In den letzten Jahren ist eine weitere Theorie entstanden: Demnach sollte der Tempel als Grab einer armenisch-römischen Persönlichkeit angesehen werden, wahrscheinlich das des Sohemus. Wenn dies zutrifft, wurde der Tempel 175 n.Chr. erbaut.[6] Der Tempel wurde 1386 durch Tamerlan geplündert. Im Jahr 1679 wurde er durch ein Erdbeben zerstört.[7] Der Großteil der originalen Bausubstanz verblieb aber bis zum 20. Jahrhundert an Ort und Stelle, was einen Wiederaufbau des Gebäudes zwischen 1969 und 1975 möglich machte.[2]

Nach der Bekehrung Armeniens zum Christentum wurden einige Kirchen und der Palast eines Katholikos innerhalb der Befestigungen gebaut. Diese liegen heute allerdings auch in Ruinen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Aleksandr Mongait: Archäologie in der UdSSR., S. 214–216.
  2. a b c "Garni, Armenia" The Concise Oxford Dictionary of Archaeology. Timothy Darvill. Oxford University Press, 2008.
  3. Cornelius Tacitus, Annales 13, 45, 7–10 [...] ille inruptione subita territum exutumque campis Mithridaten compulit in castellum Gorneas, tutum loco ac praesidio militum, quis Caelius Pollio praefectus, centurio Casperius praeerat. [...] 12, 45, 1–25 Ac primo Radamistus in amplexus eius effusus simulare obsequium, socerum ac parentem appellare; adicitius iurandum, non ferro, non veneno vim adlaturum; simul in lucum propinquum trahit, provisum illic sacrificii paratum dictitans, ut diis testibus pax firmaretur. mos est regibus, quoties in societatem coeant, implicare dextras pollicesque inter se vincire nodoque praestringere: mox ubi sanguis in artus <se> extremos suffuderit, levi ictu cruorem eliciunt atque invicem lambunt. id foedus arcanum habetur quasi mutuo cruore sacratum. sed tunc qui ea vincla admovebat, decidisse simulans genua Mithridatis invadit ipsumque prosternit; simulque concursu plurium iniciuntur catenae. ac compede, quod dedecorum barbaris, trahebatur; mox quia vulgus duro imperio habitum, probra ac verbera intentabat. et erant contra qui tantam fortunae commutationem miserarentur; secutaque cum parvis liberis coniunx cuncta lamentatione complebat. diversis et contectis vehiculis abduntur, dum Pharasmanis iussa exquirerentur. illi cupido regni fratre et filia potior animusque sceleribus paratus; visui tamen consuluit, ne coram interficeret. et Radamistus, quasi iuris iurandi memor, non ferrum, non venenum in sororem et patruum expromit, sed proiectos in humum et veste multa gravique opertos necat. filii quoque Mithridatis quod caedibus parentum inlacrimaverant trucidati sunt.
  4. Sara M. Wages: A Note on the Dumbarton Oaks "Tethys Mosaic", In: Dumbarton Oaks Papers 40, 1986, S. 120: das Mosaik von Garni wird als das östlichste Beispiel dieses Stils eingestuft.
  5. Archäologische Neuigkeiten, Russland, Amerikanisches Journal für Archäologie, Band. 54, Nummer 4, S. 427
  6. R. D. Wilkinson: "A Fresh Look at the Ionic Building at Garni," In: Revue des Etudes Armeniennes 16, 1982, S. 221–244.
  7. Sergiei Balassanian, Armando Cisternas, Mikael Melkumyan: Erdbeben und die Reduzierung seismischer Risiken, Springer 2000, S. 309

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

40.11219744.730379Koordinaten: 40° 6′ 44″ N, 44° 43′ 49″ O