Tempo-30-Zone

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Zone-30-Beschilderung in den Niederlanden

Eine Tempo-30-Zone ist ein Bereich des öffentlichen Straßenverkehrs, innerhalb dessen sich alle Fahrzeuge höchstens mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h fortbewegen dürfen. Zonen dieser Art dienen der Verkehrsberuhigung. Besonders häufig sind sie in Wohngebieten zu finden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Innenstadt von Buxtehude wurde am 14. November 1983 im Rahmen eines Modellversuchs zur ersten Tempo-30-Zone in Deutschland erklärt.[1] In den 1980er Jahren führten zahlreiche deutsche Städte in ihren Wohngebieten Tempo-30-Zonen ein. Beispielsweise richtete die Stadt München ihre erste Tempo-30-Zone (Siedlung am Lerchenauer See) am 19. Januar 1988 ein.

Vielerorts werden seither Straßennetze in Wohngebieten als Tempo-30-Zonen ausgewiesen. Zum Beispiel setzte die Stadt Graz in Österreich am 1. September 1992 die Höchstgeschwindigkeit auf allen Straßen mit Ausnahme der Hauptverkehrsstraßen auf maximal 30 km/h fest. Auch in der Schweiz wurden Tempo-30-Zonen 1989 gesetzlich geregelt und anschließend 1991 erstmals in Zürich eingerichtet.[2] In der Schweiz waren früher Tempo-40-Zonen bekannt.

Zweck[Bearbeiten]

Eine Tempo-30-Zone kann aus folgenden Gründen eingerichtet werden:

  • Erhöhung der Verkehrssicherheit (insbesondere Schulwegsicherheit)
  • Reduzierung von Emissionen (namentlich Abgase und Lärm)
  • Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität

Beschilderung[Bearbeiten]

Die Verkehrsregeln für Tempo-30-Zonen und deren Beschilderung werden in den Straßenverkehrsgesetzen der jeweiligen Länder geregelt und sind weitgehend ähnlich angelegt.

In Deutschland, Österreich, der Schweiz und zahlreichen anderen Ländern wird am Beginn und am Ende einer Tempo-30-Zone jeweils ein entsprechendes Schild aufgestellt.

Die Ankündigung einer Tempo-30-Zone kann zusätzlich zur Beschilderung durch eine auf die Fahrbahn aufgebrachte Flächenmarkierung erfolgen. Diese ist Rot mit weißem Rahmen und einer weiß umrahmten 30 in der Mitte, manchmal aber auch nur die Ziffer 30 in weißer Farbe, wobei aber die Fahrbahnmarkierung ohne das entsprechende Schild alleine keine Bedeutung hat.

Kritik[Bearbeiten]

Eine Studie des Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik an der Technischen Universität Wien im Auftrag des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), des Arbeitskreises der Automobilimporteure und des Bundesgremiums Fahrzeughandel kam zu dem Ergebnis, dass durch Tempo 30 insgesamt keine schlüssigen Emissionsvorteile gegenüber 50 km/h erzielt werden.[3]

Rechtliche Situation in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland werden Tempo-30-Zonen auf Basis des § 45 Abs. 1c der StVO eingerichtet. Der Beginn der Tempo-30-Zone wird mit Zeichen 274.1, das Ende mit Zeichen 274.2 gekennzeichnet. Die Vorfahrt ist innerhalb einer Tempo-30-Zone grundsätzlich durch die Regel „rechts vor links“ (§ 8 StVO) festgelegt, für ältere lichtzeichengeregelte Einmündungen besteht jedoch Bestandsschutz. In Tempo-30-Zonen dürfen darüber hinaus keine benutzungspflichtigen Radwege ausgewiesen werden. Seit dem 1. Februar 2001 müssen in Deutschland Tempo-30-Zonen nicht mehr durch Hindernisse auf der Fahrbahn angekündigt werden. Mit der neu eingeführten Vorschrift des § 39 Abs. 1a StVO wurde festgelegt, dass der Autofahrer innerhalb geschlossener Ortschaften abseits der Vorfahrtstraßen mit der Anordnung von Tempo-30-Zonen jederzeit zu rechnen hat.

Die VwV-StVO führt aus (Rd.-Nr. 37 zu § 45): „Die Anordnung von Tempo 30-Zonen soll auf der Grundlage einer flächenhaften Verkehrsplanung der Gemeinde vorgenommen werden, in deren Rahmen zugleich das innerörtliche Vorfahrtstraßennetz (Zeichen 306) festgelegt werden soll. Dabei ist ein leistungsfähiges, auch den Bedürfnissen des öffentlichen Personennahverkehrs und des Wirtschaftsverkehrs entsprechendes Vorfahrtstraßennetz (Zeichen 306) sicherzustellen. Der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (wie Rettungswesen, Katastrophenschutz, Feuerwehr) sowie der Verkehrssicherheit ist vorrangig Rechnung zu tragen.“ Die Definition eines Vorfahrtsstraßennetzes ist also Voraussetzung zur Einrichtung von Tempo-30-Zonen.

Nach dem schweizerischen Vorbild der Begegnungszonen mit einer Geschwindigkeitsgrenze von 20 km/h werden in Deutschland vermehrt Verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche (auch Tempo-10 oder Tempo-20-Zonen genannt) eingerichtet. In einem solchen Bereich sind alle Verkehrsregeln bis auf die Geschwindigkeitsbegrenzung identisch mit einer Tempo-30-Zone.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tempo-30-Zone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dörte Schubert: Schonzeit für Fußgänger. Wie langsam Buxtehudes Autofahrer mit Tempo 30 zu leben lernen. (Die Zeit, 11/1984)
  2. Tempo 30 - Stadt Zürich
  3. Bernhard Geringer, R. Rosenitsch: Auswirkungen auf die Straßen-Verkehrsemissionen durch die Reduktion der höchstzulässigen Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h (PDF; 1,1 MB) Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK). Mai 2014. Abgerufen am 13. Juni 2014.
  4. Zukunftsmodell Tempo 20?. Telepolis. 2. April 2012. Abgerufen am 4. Dezember 2012.
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