Tengchong

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Lage des Kreises Tengchong (rosa) in Baoshan (gelb)
Götterrestaurierung in Heshun bei Tengchong

Tengchong (chinesisch 腾冲县) ist ein Kreis der bezirksfreien Stadt Baoshan (保山市) in der chinesischen Provinz Yunnan. Der Sitz der Kreisverwaltung ist die Großgemeinde Tengyue (chinesisch 腾越镇).

Der Kreis liegt auf 1.655 m Höhe über NN und ist einer der Endpunkte der Heihe-Tengchong-Linie, die in Heihe (in der Provinz Heilongjiang) beginnt. Er hat eine Fläche von 5.845 km² und etwa 620.000 Einwohner (2004).

Administrative Gliederung[Bearbeiten]

Der Kreis Tengchong setzt sich aus fünf Großgemeinden, zwölf Gemeinden und einer Nationalitätengemeinde zusammen. Diese sind:

Ethnische Gliederung der Bevölkerung Tengchongs (2000)[Bearbeiten]

Beim Zensus im Jahre 2000 wurden in Tengchong 593.925 Einwohner gezählt.

Name des Volkes Einwohner Anteil
Han 551.754 92,9 %
Lisu 12.792 2,15 %
Dai 12.698 2,14 %
Hui 6.607 1,11 %
Bai 2.814 0,47 %
Va 2.390 0,4 %
Achang 1.801 0,3 %
Jingpo 1.617 0,27 %
Yi 611 0,1 %
Sonstige 841 0,14 %

Historischer Überblick[Bearbeiten]

Tengchong ist in China bekannt für seine Vergangenheit als Fernhandelsort und eine bedeutende Station an der südlichen Seidenstraße ins nahe Birma und nach Indien. Im 19. Jhd. spiegelte sich die Bedeutung des Ortes u. a. dadurch wider, dass die britische Regierung durch ein Konsulat in Tengchong vertreten war, da der Handel Tengchongs mit dem damals britischen Birma von großer Bedeutung war.

Im Zweiten Weltkrieg war Tengchong ein Aktionsgebiet für die Flüge der Flying Tigers, einer amerikanischen Staffel, die hier den Luftkampf gegen die Japaner während der japanischen Besetzung Südostasiens führte.

Die Altstadt Tengchongs (Tengyue) wurde im Zweiten Weltkrieg bei Kämpfen zwischen den japanischen Besatzern (Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg) und einheimischen Widerstandkräften beinahe vollkommen zerstört. In den letzten Jahren wurden Teile der Altstadt im traditionellen Baustil rekonstruiert.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Neben der traditionell dominierenden Landwirtschaft im Kreis Tengchong spielen Industrie und Dienstleistung eine vergleichsweise geringe, aber zunehmend bedeutendere Rolle. In Tengyue selbst gibt es nur wenige Betriebe von mehr als lokaler Bedeutung, darunter eine Pharma-Fabrik und eine Fabrik für die in der Provinz beliebten Reisnudeln aus Tengchong, die so genannten Ersi (chin. 饵丝).

Der Umschlag von Jade aus Myanmar ist ein wichtiger Bestandteil des Service-Sektors. Der Ort bezeichnet sich als Chinas erste Jadestadt (chin. 中国第一翡翠城). Das Angebot an Jade jeglicher Qualität und Verarbeitung ist entsprechend umfangreich. Weiterhin ist auch der Handel und die Verarbeitung von Schmucksteinen wie Rubinen und Saphiren aus Myanmar bedeutend.

Sehr positiv entwickelt sich der Tourismus in Tengchong. Der Kreis verfügt über eine Fülle von Sehenswürdigkeiten, die überregional verstärkt vermarktet und immer bekannter werden. Mit einer gelungenen, in China selten zu findenden balancierten Betonung des ökologischen und historischen Aspektes wurden die touristischen Ressourcen des Kreises niveauvoll erschlossen: Der Kreis Tengchong hat sich dem Ökotourismus verschrieben und legt Wert auf die Erhaltung der natürlichen und historischen Umgebung.

Tourismus und Verkehr[Bearbeiten]

Aushängeschild des Ökotourismus ist die Gebirgskette Gaoligongshan (chin. 高黎贡山) auf dem Gebiet des Kreises, die zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. In diesem abgelegenen Ausläufer des Himalaya findet sich eine einzigartige Flora mit vielen nur hier endemischen Pflanzen.

Gaoligongshan

Einige weitere natürliche Besonderheiten des Kreises sind der landesweit einmalige Vulkan-Park (chin. 火山公园), in dem man die Gipfel einer Reihe schlafender Vulkane besteigen kann, das Moorgebiet Beihai sowie der 40 Meter hohe Wasserfall Dishuihe mitten im Stadtgebiet von Tengchong.

Viele Gäste aus der Region und aus ganz China ziehen die geschmackvoll gestalteten Anlagen der Thermalbäder und Schwefelquellen und Geysire in Rehai (chin. 热海) an, einige Kilometer außerhalb Tengchongs gelegen.

Geysir bei Rehai

Eine weitere bekannte Sehenswürdigkeit ist das Dorf Heshun (chin. 和顺), ein in reizvoller Landschaft liegendes Freilichtmuseum, in dem Gäste eine Reihe von herrschaftlichen Häusern ehemaliger Fernhändler-Dynastien, Ahnenaltare und Tempel besichtigen können. In Heshun befindet sich die größte private Bibliothek Chinas im Gebäude der Alten Bibliothek sowie das Haus des Philosophie-Lehrers Mao Zedongs, Ai Siqi.

Im Gebiet des Kreises Tengchong leben eine Reihe von nationalen Minderheiten, wie Hui, Achang, Dai und Lisu. Häufig sieht man in Tengchong Angehörige der Minderheiten ihren alltäglichen Geschäften in traditionellen Trachten nachgehen. Vielfach finden in der Stadt Vorführungen traditioneller Tänze und Zeremonien der Minderheiten statt.

Die Verkehrsanbindung Tengchongs an den Rest Chinas ist seit der Eröffnung des lokalen Flughafens Tuofeng-Airports (chin. 驼峰机场)im April 2009 sehr gut. Die Kreisstadt lässt sich nun am schnellsten per Flugzeug über den Flughafen der Provinzhauptstadt Kunming mit Direktflügen erreichen. Die Flugzeit beträgt etwa 50 Minuten. Zuvor waren die Flughäfen Dehong/Mangshi (chin. 德宏/芒市) und Baoshan die nächsten erreichbaren Airports. Von den Flughäfen Dehong/Mangshi und Baoshan kann Tengchong per Bus erreicht werden. Die Fahrzeit von Dehong/Mangshi nach Tengchong beträgt etwa drei Stunden, von Baoshan nach Tengchong vier Stunden. Der Flughafen von Tengchong wird voraussichtlich in naher Zukunft auch von anderen chinesischen Flughäfen (im Gespräch unter anderem Beijing, Chengdu, Guangzhou und Shanghai)sowie internationalen Destinationen (z. B. Yangon/Rangun in Myanmar) aus angeflogen werden.

Einen Eisenbahnanschluss hat Tengchong derzeit nicht; es wird aber über die Einrichtung einer Bahnlinie in den Westen Yunnans diskutiert. Die Anreise mit dem Bus nach Tengchong kann auch aus der Provinzhauptstadt Kunming erfolgen. Die Fahrzeit beträgt 12 Stunden. Auf der Strecke gibt es Tages- und Nachtverbindungen.

Spezialitäten[Bearbeiten]

In der Provinz Yunnan ist Tengchong bekannt für seine Spezialitäten, besonders kleine Gerichte für zwischendurch. Zumeist aus Getreiden hergestellte Snacks wie Ersi (chin. 饵丝) Juanfen (chin. 卷粉), Xidoufen Baba (chin. 细豆粉粑粑), Cafen (chin. 擦粉) und Kaobaba (chin. 烤粑粑) werden mit einer Vielzahl von Zutaten garniert, die den Snacks eine erhebliche Schärfe verleihen. Beliebte Zutaten sind zum Beispiel Koriander, Zwiebeln, Chiliöl, Chilipulver, Sichuan-Pfefferöl, Mohnöl, Sesamöl, geröstete Korianderstrunken (in Öl eingelegt), geröstete Erdnüsse etc.

Weitere typische Spezialitäten und Grundlagen für Gerichte der vielfältigen lokalen Küche sind zum Beispiel Jizong, eine Baumpilzart, sowie Zongbao, eine bitter schmeckende Nadelbaumfrucht. Gerne wird für Fleischgerichte das so genannte Schwarze Huhn verwendet (chin. 乌鸡).

Generell herrschen in der lokalen Küche deftige, scharfe und saure Gerichte vor. Beliebt sind auch einige Gerichte mit bitterem Geschmack, während süße Speisen eher selten sind. Essig und diverse Öle werden reichlich verwendet.

Lokale Speisen werden in der Regel durch eine Vielzahl einheimischer und teilweise nur vor Ort erhältlicher Gewürze veredelt. Ein Beispiel sind Schlafmohnsamen, die auf Grund ihrer Beziehung zur Heroin-Erzeugung außerhalb des Kreises Tengchong nicht ungeröstet besessen werden dürfen und auch kaum zu finden sind. In Tengchong hingegen sind die Samen eine übliche Zutat für Speisen.

Drogenhandel[Bearbeiten]

Auf Grund seiner Grenzlage zu Myanmar, einem Erzeugerland von Heroin und Opiaten, ist der Kreis ein Haupttransitgebiet für den Drogenhandel. Auch die Anzahl von Drogenabhängigen ist in Tengchong überdurchschnittlich hoch.

Pass- und Personenkontrollen durch die chinesische Grenzpolizei finden daher an allen wichtigen Durchgangsstraßen statt, teilweise auch weit von der Grenze entfernt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

25.02510298.489198Koordinaten: 25° 2′ N, 98° 29′ O