Tepco

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Tepco
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Rechtsform Kabushiki-gaisha (Aktiengesellschaft)
ISIN JP3585800000
Gründung 1. Mai 1951
Sitz Chiyoda, Tokio
Leitung Kazuhiko Shimokōbe (torishimariyaku kaichō, Vorsitzender), Naomi Hirose (torishimariyaku shachō, Präsident)[1][2]
Mitarbeiter 53.036 (31. Dezember 2010)
Umsatz 5,369 Bio. Yen (45,6 Mrd. €, 31. März 2011)
Branche Energieversorgung
Website www.tepco.co.jp

Tepco (Eigenschreibweise TEPCO, von englisch The Tokyo Electric Power Company, Incorporated, jap. 東京電力株式会社, Tōkyō Denryoku kabushiki-gaisha; wörtlich „Elektrische Energie Tokio“, kurz 東電, Tōden) ist ein Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Tokio, Japan, das im Nikkei 225 gelistet ist.

Das Versorgungsgebiet umfasst die Region Kantō mit den Präfekturen Tokio, Gunma, Tochigi, Ibaraki, Saitama, Chiba, Kanagawa, aber auch Yamanashi und Teile der Präfektur Shizuoka östlich des Flusses Fuji.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Kohlekraftwerk Senjū in den 1940ern mit seinen „Gespenster-Schornsteinen“ (お化け煙突, obake entotsu)

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden im April 1939 alle stromerzeugenden Unternehmen in Japan verstaatlicht und 1942 zu neun Staatsunternehmen zusammengefasst. Auf Betreiben von Yasuzaemon Matsunaga, dem Vorsitzenden des Rates zur Reorganisation der Stromindustrie, ließen die Alliierten Besatzungsbehörden diese neun Unternehmen zum 1. Mai 1951 privatisieren, wobei eines davon die Tōkyō Denryoku war. Diese behielten zunächst ihre regionalen Monopole[3] und nach der Liberalisierung des Strommarktes 1995 regionale Quasi-Monopole.[4][5]

Tepco ist der größte Energieproduzent Japans und produziert 27 % der Energie des Landes.[5] Der Konzern hält das Quasi-Monopol im Großraum Tokio, einem Versorgungsbereich von 45 Millionen Einwohnern – mehr als ein Drittel der japanischen Bevölkerung.[6][7]

In der Liste der weltweit umsatzstärksten Unternehmen (Fortune Global 500) kam Tepco im Jahr 2007 auf Rang 136 bzw. für Japan auf Rang 13. Das Unternehmen ist darüber hinaus einer der 30 größten Kohlenstoffdioxidemittenten der Welt. 2007 betrug der Ausstoß der von ihm betriebenen Anlagen 62,0 Millionen Tonnen CO2.

Die Wertpapierkennnummer des Unternehmens an der Tokioter Börse lautet 854307.

Anfang Mai 2012 wurde bekannt, dass das Unternehmen vom japanischen Staat mit einer Billion Yen (9,6 Mrd. Euro) unterstützt und damit de facto verstaatlicht wird. Damit entgeht Tepco der drohenden Insolvenz durch die massiven Entschädigungszahlungen an die Opfer der Atomkatastrophe. Die japanische Regierung übernehme mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, das Unternehmen soll aber nur unter „vorübergehende staatliche Kontrolle“ gelangen. Zuvor war der bisherige geschäftsführende Direktor Naomi Hirose zum neuen Präsidenten und Nachfolger von Toshio Nishizawa ernannt worden. Der bisherige Vorsitzende Tsunehisa Katsumata soll durch Kazuhiko Shimokōbe ersetzt werden.[8][9]

Stromerzeugung [Bearbeiten]

Tepco ist der Betreiber (Stand: 2009) von[10]

Die beiden letztgenannten Kraftwerke befinden sich auf der Insel Hachijō-jima und wurden 1999 bzw. 2000 gebaut.

Vorfälle [Bearbeiten]

Die Tepco-Zentrale

Am 29. August 2002 wurde bekannt, dass Tepco 16 Jahre lang Unfälle nicht gemeldet und Reparaturen verzögert hatte. Die entsprechenden Berichte waren gefälscht worden. Daraufhin traten zum 30. September 2002 der das Unternehmen leitende Präsident Nobuya Minami (南 直哉), der Vorsitzende Hiroshi Araki (荒木 浩), einer der Vizepräsidenten Toshiaki Enomoto (榎本 聰明) als auch die beiden Berater Gaishi Hiraiwa (平岩 外四) und Shō Nasu (那須 翔) zurück.[11][12] Eine weitere Folge war, dass alle 17 Kernreaktoren, davon zehn in der Präfektur Fukushima und sieben im Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa, zur Überprüfung heruntergefahren werden mussten. Bis Juli 2004 wurden alle Reaktoren wieder eingeschaltet. Meldungen über Störfälle wurden aber auch 2004 immer wieder bekannt.[13] Ersetzt wurde Nobuya Minami durch Tsunehisa Katsumata.

Infolge des Niigata-Chūetsu-Küstenerdbebens 2007 musste das firmengrößte Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa wegen Erdbebenschäden für 21 Monate abgeschaltet werden, wodurch das Unternehmen erstmals seit 28 Jahren einen Verlust vermelden musste und Katsumata von seinem Posten als Präsident und damit Firmenchef im Juni 2008 zurücktrat, aber Vorsitzender wurde. Abgelöst wurde er durch Masataka Shimizu.[14]

Anfang März 2011 wies die japanische Atomaufsichtsbehörde (NISA) Tepco erhebliche Mängel bei Inspektion und Wartung seiner Kernkraftwerke nach. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi waren insgesamt 33 Geräte und Maschinen[15] seit elf Jahren nie sorgfältig kontrolliert worden, darunter ein Motor und einer von dreizehn Notstrom-Dieselgeneratoren.[16]

Nuklearkatastrophe von Fukushima [Bearbeiten]

Nach dem Tōhoku-Erdbeben und Tsunami vom 11. März 2011 kam es im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zu einer Folge von umfangreichen Anlagenausfällen, insbesondere der elektrischen Energieversorgung, und zu einer mangelnden Kühlung der Reaktorkerne und der in Abklingbecken gelagerten verbrauchten Brennstäbe. Diese Unfallserie führte zu schweren Beschädigungen mehrerer Reaktoren, zu drei partiellen Kernschmelzen und zu Bränden in den Abklingbecken mit erheblichen Freisetzungen radioaktiver Stoffe. Die Ereignisse wurden auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse als „katastrophaler Unfall“ (Stufe 7) eingestuft.[17] Erstmals in der Geschichte Japans wurde ein „nuklearer Notstand“ ausgerufen.

Verschiedene Stellen schätzten die Entschädigungszahlungen infolge der radioaktiven Emissionen auf umgerechnet etwa 10 bis 90 Milliarden Euro.

Am 20. Mai 2011 erklärten Präsident Masataka Shimizu, Vizepräsident Sakae Mutō, Vizepräsident Makio Fujiwara und Direktor Tomijirō Morita den Rücktritt von ihren Posten zum 28. Juni. Als Shimizus Nachfolger wurde der bislang geschäftsführende Direktor, Toshio Nishizawa, genannt. Der Vorsitzende Tsunehisa Katsumata soll dagegen im Amt bleiben.[18] Außerdem verbuchte Tepco im abgelaufenen Geschäftsjahr 885 Milliarden Yen (umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro) vor Steuern an Aufwand und Rückstellungen für die Unfallfolgekosten im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi sowie weitere 1,2 Milliarden Euro für Reparaturkosten in anderen vom Tōhoku-Erdbeben beschädigten Anlagen. Der Gewinn vor Steuern und vor Katastrophen-Sonderaufwand stieg gegenüber dem Vorjahr um 55 Prozent auf umgerechnet 2,7 Milliarden Euro.[19]

Für die „Missachtung und Verletzung menschlicher Ethik“ im Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe verlieh die ethecon-Stiftung Ethik & Ökonomie den verantwortlichen Managern und Großaktionären des Konzerns den Internationalen ethecon-Black Planet Award 2011.[20][21]

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Tepco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. 会社概要. Tepco, 25. Juni 2010, abgerufen am 6. April 2011 (japanisch).
  2. Tepco Corporate Information, Profile / Leadership. Tepco, 28. Juni 2011, abgerufen am 14. September 2011.
  3.  Takeo Kikkawa: The Role of Matsunaga Yasuzaemon in the Development of Japan’s Electric Power Industry. In: Social Science Japan Journal. Vol. 9, Nr. 2, 2006, S. 204–206, doi:10.1093/ssjj/jyl032.
  4. Paul Scalise: Whatever Happened to Japan's Energy Deregulation? Research Institute of Economy, Trade and Industry (RIETI), 24. Juni 2009, abgerufen am 10. Mai 2011 (englisch).
  5. a b Japan Energy Data, Statistics and Analysis - Oil, Gas, Electricity, Coal. In: Country Analysis Briefs. U.S. Energy Information Administration, Department of Energy, September 2010, abgerufen am 10. Mai 2011 (englisch).
  6. Hendrik Ternieden: Japans Atomgigant Tepco Filz, Vetternwirtschaft, Fukushima Spiegel Online, 31. März 2011
  7. Kyodo News: Gov't warns of power shortage, utility to ration power by region (13 March 2011 13:55 CET). 13. März 2011, abgerufen am 13. März 2011 (englisch).
  8. Staat hat Mehrheit bei Stimmrechten: Tepco gehört jetzt Japan bei tagesschau.de, 9. Mai 2012 (abgerufen am 9. Mai 2012).
  9. Unternehmen: Neue Spitze bei Japans Atombetreiber Tepco bei focus.de, 8. Mai 2012 (abgerufen am 9. Mai 2012).
  10. III. Electricity Supply Facilities. Tepco, März 2010, abgerufen am 17. März 2011 (PDF; 915 kB, englisch).
  11. 人事措置について. Tōkyō Denryoku, 14. September 2002, abgerufen am 13. März 2011 (japanisch, Presseerklärung).
  12. Heavy fallout from Japan nuclear scandal. In: CNN.com. 2. September 2002, abgerufen am 13. März 2011 (englisch).
  13. Japan: Betreiber fährt nach Skandal Reaktor wieder an. RP-Online vom 7. Mai 2003
  14. Shigeru Sato, James Paton, Yuriy Humber: Tepco Chief Pressured to Quit After Costing Holders $29 Billion. In: Bloomberg. 28. März 2011, abgerufen am 29. März 2011 (englisch).
  15. Reaktorkatastrophe. Fukushima-Betreiber schlampte bei Kontrollen in: Spiegel Online vom 21. März 2011
  16. Fukushima-Betreiber hat bei Kontrollen gepfuscht in: Zeit Online vom 21. März 2011
  17. INES Ratings on the Events in Fukushima Dai-ichi NPS and Fukushima Dai-ni NPS by the Tohoku Regional Pacific Ocean Offshore Earthquake. NISA, 12. April 2011, archiviert vom Original am 12. April 2011, abgerufen am 12. April 2011 (pdf, englisch).
  18. Announcement of Changes of Directors. Tepco, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 21. Mai 2011, abgerufen am 20. Mai 2011 (englisch).
  19. Shimizu Masataka: FY2010 Year-end Earnings Results, Presentation Material. Tepco, 20. Mai 2011, archiviert vom Original am 21. Mai 2011, abgerufen am 24. Mai 2011 (pdf).
  20. Axel Köhler-Schnura (ethecon): Aktionärsfeudalismus beim TEPCO-Konzern in NRhZ-Online, 4. Juli 2012
  21. Kurzvideo - Schmähaward für Reaktorbetreiber Tepco, ZDF: Heute 27. Juni 2012,

35.67025139.758479Koordinaten: 35° 40′ 13″ N, 139° 45′ 31″ O