Tepedelenli Ali Pascha

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Ali Pascha (1819)

Tepedelenli Ali Pascha (albanisch Ali Pashë Tepelena oder auch Ali Pasha Tepelena; griechisch Alí Pasás Αλή Πασάς; türkisch Tepedelenli Ali Paşa; auch Ali Pascha von Janina oder Löwe von Ioannina genannt; * um 1741 in einem Dorf bei Tepedelen; † 5. Februar 1822 bei Yanya) war ein osmanischer Pascha albanischer Abstammung und beherrschte große Teile des damals osmanischen Albaniens und Griechenlands.

Leben[Bearbeiten]

Denkmal Ali Paschas in seiner Geburtsstadt Tepelena
Sultan Mahmut II wird Ali Paschas Kopf übergeben. Lithographie von Johann Nepomuk Geiger 1860

Ali Pascha wurde als Sohn des Paschas Veli Pascha von Delvina und der Chamko in der Gegend um Tepelena im heutigen Südalbanien geboren.[1] Nach dem Tode seines Vaters 1763 wurde er Kopf einer Diebesbande, die von Epirus bis Thessalien operierte. So verbrachte er die folgenden 20 Jahre seines Lebens. Etwa 1766 heiratete er Emine Aslan-Pashali, die Tochter von Ali Kaplan Pascha. 1787/88 nahm er die Tochter von Tahir Pascha, Zeliha Aslan-Pashali zur Frau.[2] Mit etwa 30 Jahren genoss er das Wohlwollen des Sultans, nachdem er seine Diebesbande verraten hatte und den Soldaten des Sultans ihre Lage verriet. Durch diese Informationen erhielt er 1787 das Paschalik von Trikala in Thessalien. Und 1788 folgte dasjenige von Janina.[3]

1797 unternahm er einen Angriff auf Himara, das von den christlich-orthodoxen Sulioten gehalten wurde. Mehr als 6000 Menschen starben und Ali Pascha siegte über die Sulioten. Für diesen mutigen Akt erhielt er von der Hohen Pforte den Beinamen Aslan (Löwe). Die Sulioten gaben sich jedoch nicht geschlagen und bis 1803 setzte Ali Pascha den Krieg gegen sie fort, als die Sulioten aufgaben und damit den Weg nach Korfu freigaben.[4]

Seit 1807 herrschte Ali Pascha von Ioannina aus faktisch unabhängig von der Hohen Pforte, obwohl er jährlich einen bestimmten Tribut nach Konstantinopel schickte. Ali Pascha verfügte über eine große Zahl bewaffneter Kämpfer und beherrschte um 1810 Südalbanien, Epirus, Thessalien und das südwestliche Makedonien. Seine Armee umfasste um 1815 ca 100.000 Mann. Er paktierte mit den Aufständischen der griechischen Unabhängigkeitsbewegung. Für seine Untreue wurde er 1820 von Sultan Mahmud II. geächtet. Im Oktober erschien eine osmanische Armee vor Ioannina. Ali Pascha versuchte im Januar 1821 vergeblich die Belagerung zu durchbrechen und blieb über ein Jahr in seiner Festung eingeschlossen. Am 5. Februar 1822 wurde er bei einem Treffen mit Abgesandten des Kriegsministers Kurschid Pascha auf der Insel im See von Ioannina ermordet. Seine drei Söhne wurden hingerichtet, seine griechische Frau Vassiliki wurde inhaftiert. Sie starb 1835 in Messolongi. Nach seinem Tod trennte man den Kopf von Ali Paschas Leiche, konservierte diesen mit Salz und sandte ihn nach Istanbul. Dort wurde der Kopf für eine Weile auf den Zinnen des Topkapı-Palast zur Schau gestellt, bevor der Kopf in der Nähe des Silivritors außerhalb der Stadt begraben wurde. Im Grab bei der Fethiye Camii Moschee in Ioannina wurde sein Körper beigesetzt.

Die drei Söhne Ali Paschas hießen:[5]

  • Ahmet Muhtar Pascha, Pascha mit zwei Rossschweifen (um 1768 – um 1822)
  • Veli Pascha, Pascha mit drei Rossschweifen (um 1773 – um 1822)
  • Salih Pascha, Pascha mit zwei Rossschweifen (um 1800 – um 1822)

Grab[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 begann die Theologische Fakultät der Yalova Universität alle 3500 historischen Grabsteine auf dem Zeytinburnu-Ayvalık-Friedhof in Istanbul zu registrieren. Hierbei stieß man 2006 auf einen Grabstein von Ali Pascha. Ab dem 11. Februar 2013 trat die albanische Regierung mit der Türkei wegen der Rückgabe von Ali Paschas Kopf in Verhandlungen.[6][7]

Ali Pascha in der Kunst[Bearbeiten]

  • Der englische Dichter Lord Byron hielt sich 1809 einige Zeit als Gast am Hof Ali Paschas auf.
  • Als Opernfigur hat ihn Albert Lortzing in seinem Einakter Ali Pascha von Janina verewigt.[8]
  • Im Buch „Der Graf von Monte Christo“ wird Ali Pascha und die Belagerung von Ioannina durch die Türken erwähnt. Seine fiktive Tochter Haydee spielt eine wichtige Rolle.
  • In Aristotelis Valaoritis' epischem Gedicht Frau Frosyni (griechisch Ἡ Κυρὰ Φροσύνη, 1859) tritt ein dämonischer Ali Pascha als Widerpart der Protagonistin auf.
  • Sabri Godo: Ali Pashë Tepelena. Artemida, Tirana 1970 (historischer Roman)
  • Im Roman „Der Schandkasten“ von Ismail Kadare ist Ali Pascha einer der Rebellionsführer der Albaner gegen das osmanische Joch.
  • Mór Jókai: Die letzten Tage der Janitscharen. Roman („A Janicsárok Végnapjai“). Corvina Verlag, Budapest 2003, ISBN 963-13-5229-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frederick F. Anscombe: Albanians and „mountain bandits“ (PDF; 3,8 MB). In: Frederick F. Anscombe (Hrsg.): The Ottoman Balkans, 1750–1830. Wiener, Princeton NJ 2006, ISBN 1-55876-382-1, S. 87–113.
  • Samson Cerfberr de Medelsheim (Ibrahim-Manzour-Effendi): Mémoires sur la Grèce et l'Albanie pendant le gouvernement d'Ali-Pacha, Paris 1826, 2. Auflage, Paris 1827. Online
  • Claude Fauriel: Die Sulioten und ihre Kriege mit Ali Pascha von Jannina nebst den neugriechischen Volksliedern, welche sich auf diese Kriege beziehen. Verlag Peucher, Breslau 1834 (populäre zeitgenössische Darstellung).
  • Katherine E. Fleming: The Muslim Bonaparte. Diplomacy and orientalism in Ali Pasha's Greece. Princeton University Press, Princeton NJ 1999, ISBN 0-691-00194-4.
  • Llambro Ruci: Ali Pashë Tepelena. Tiran apo reformator? Rrëfime, dokumente dhe këngë historike. Shtëpia e Librit Ombra GVG, Tirana 2002, ISBN 99927-779-0-7.
  • Dennis N. Skiotis: From Bandit to Pasha: First Steps in the Rise to Power of Ali of Tepelen, 1750–1784. In: International Journal of Middle East Studies. Bd. 2, 1971, ISSN 0020-7438, S. 219–244.
  • Ilir Ushtelenca: Diplomacia e Ali Pashe Tepelenes (1786–1822). s. n., Tirana 1996.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ali Pasha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Cajetan Graf Alcaini: Biographie des Wesirs Ali-Pascha von Janina. Wien und Pest 1823, S. 3f. (Online-Version, abgerufen am 3. März 2014).
  2.  Ekrem Vlora: Lebenserinnerungen: 1912 bis 1925. Band 2, München 1973, S. 269.
  3.  Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 978-99956-11-68-2, Pashallëqet e Mëdha të Shkodrës dhe Janinës, S. 40.
  4.  Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 978-99956-11-68-2, Pashallëqet e Mëdha të Shkodrës dhe Janinës, S. 41.
  5. Samson Cerfberr de Medelsheim (Ibrahim-Manzour-Effendi): Mémoires sur la Grèce et l'Albanie pendant le gouvernement d'Ali-Pacha, Paris 1826, 2. Auflage, Paris 1827, S. 232
  6. Albania Wants Paşa's Head Back
  7. Tepedelenli Ali Paşa (türk.)
  8. Works. In: The Albert Lortzing Website. 18. Juli 2009, abgerufen am 7. Oktober 2012 (englisch).