Teppich von Bayeux

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Der so genannte Teppich von Bayeux [baˈjø] ist kein Teppich, sondern eine in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstandene Stickarbeit auf einem fast 70 Meter langen und 50 Zentimeter hohen Tuchstreifen. Sie wird heute im städtischen Museum in Bayeux in der französischen Normandie aufbewahrt. Eine Kopie findet sich im Stadtmuseum von Reading.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Beschreibung

Edvvard Rex
König Edward
Darstellung auf dem Teppich von Bayeux

Die bunten Stickereien schildern die Geschichte der Eroberung Englands im Jahre 1066. Präzise ist das Werk der Textilkunst zwischen 48 und 53 Zentimetern breit und 68,38 Meter lang, ursprünglich maß es wohl über 70 Meter, einige Teile sind jedoch verloren gegangen. Es handelt sich nicht um einen Teppich, da mit diesem Begriff eine Knüpf- oder Wirkarbeit assoziiert wird, sondern um acht miteinander verbundene Leinenstücke, auf welchen die Motive mit verschiedenfarbigen Wollfäden gestickt worden sind. Die Ränder sind mit Ornamenten und Tierdarstellungen geschmückt, am oberen Rand sind vielfach erläuternde lateinische Inschriften der dargestellten Ereignisse und Personen eingestickt.

Wilhelm der Eroberer auf dem Teppich von Bayeux, links und rechts seine Halbbrüder Odo von Bayeux und Robert

Die kombinierte Darstellung von Bildern mit Text ist im ausgehenden 11. Jahrhundert im angelsächsischen, flandrischen und nordfranzösischen Raum häufig belegt, aus dezidiert normannischer Herkunft vor 1066 aber nicht bekannt. Der Herstellungsort dürfte die Abtei St. Augustinus in Canterbury in Südengland sein, da es bildliche Parallelen in Darstellungen des Abendmahls auf dem Teppich gibt mit der Darstellung des Abendmahls im Gospel Book of St. Augustine, welches sich im 11. Jahrhundert im Kloster St. Augustine befunden haben soll. Die jeweiligen Parallelen führen zu der Annahme, dass der Künstler Zugang zu diesen Büchern hatte oder mit diesen zumindest auf der künstlerischen Ebene vertraut war. Auch bedient er sich einiger Stilmittel wie „zeigende Finger“, „gebeugte Schultern“, „gestikulierende Figuren“, die an die Darstellungen des Utrechter Psalter angelehnt sind und in Südengland, insbesondere in Canterbury, im 11. Jahrhundert prominent waren.

So dürfte der Teppich um 1070, definitiv aber spätestens 1082 angefertigt worden sein. Und die Arbeit an dem Teppich dürfte etwa zehn Jahre gedauert haben.

Normannische Reiterei auf dem Teppich von Bayeux

Die in Bild und Text dargestellte Eroberung Englands durch den Normannenherzog Wilhelm den Eroberer enthält etwa 60 einzelne Szenen, die auch die Vorgeschichte zeigen und mit der Schlacht von Hastings am 14. Oktober 1066 enden, in der er über Harold II. siegte. Sie geben Aufschluss über die damalige Ausrüstung der normannischen und angelsächsischen Kämpfer, von denen viele auf dem Teppich ein knielanges Kettenhemd und einen Nasalhelm tragen.

Der Halleysche Komet auf dem Teppich von Bayeux (rechts oben)

Der Teppich zeigt aber auch zahlreiche andere interessante Details, so z. B. die erste bekannte bildliche Darstellung des Kometen Halley, der um die Zeit der dargestellten Ereignisse den sonnennächsten Punkt erreichte.

Seit 2007 gehört der Teppich zum UNESCO-Programm "Memory of the World" (Weltdokumentenerbe).

[Bearbeiten] Die Entstehung des Teppichs

Es ist nicht gesichert, aus welcher Intention der Teppich gestickt wurde. Ging man lange davon aus, dass der Teppich unter der Aufsicht des Bischofs von Bayeux und Halbbruder Wilhelms, Odo von Bayeux (auch Odon genannt), geschaffen wurde, so mehren sich heute auch Stimmen, dass der Teppich unter englischer oder französischer Aufsicht geschaffen wurde.

Odo wurde als Auftraggeber des Teppichs angesehen, da er in entscheidenden Szenen besonders herausgestellt wird, so z. B. wie er inmitten der Schlacht junge Kämpfer ermutigt und sich in voller Rüstung direkt an den Kämpfen beteiligt (jedoch unterscheidet sich seine Kettenrüstung farblich von denen der anderen Ritter, was Forscher darauf schließen ließ, dass es sich um eine Art Lederanzug handelte, ebenso trägt Odo statt eines Schwertes eine mächtige Keule, da es Geistlichen verboten war, mit einer Klinge Blut zu vergießen).

Vom ausgehenden Mittelalter ist bezeugt, dass der Teppich rund um das Kirchenschiff der Kathedrale von Bayeux gehängt wurde. Man nahm also an, dass der Teppich direkt für die Ausstattung der Kathedrale geschaffen wurde. Diese These ist jedoch zweifelhaft, da mittlerweile angenommen werden kann, dass der Teppich nicht mit der Flucht der Engländer vom Schlachtfeld, sondern mit der Krönung Wilhelms in Westminster Abbey endete. Würde dieses fehlende Stück des Teppichs ergänzt, wäre er zu lang, um rund um das Kirchenschiff der Kathedrale gehängt zu werden. Zudem ist im Teppich die Stadt Bayeux zwar erwähnt, jedoch wird dort – im Gegensatz zu anderen Städten – keine Kirche gezeigt. Man geht also davon aus, dass Bayeux zum Zeitpunkt des Entstehens keine größere Kirche hatte.

Manche Wissenschaftler sehen den Patron des Teppichs in Eustace II. von Boulogne und den Zweck des Teppichs als Geschenk für Odo und mögliche Wiedergutmachung eines Angriffes Eustaces auf Dover, das zu Odos Einflussbereich gehörte. Somit wird der Beginn der Arbeiten auf ca. 1067 datiert. Diese These wird durch die Hervorhebung Eustaces – eigentlich relativ unbedeutend – und Odos – als Empfänger des Geschenks – im Teppich gestützt. Auch werden Verbindungen zum möglichen Autor des Rolandsliedes, das um die gleiche Zeit in der Gegend um Boulogne entstanden sein soll, deutlich.

Wieder andere sehen die Abtei St. Augustins in Canterbury als Urheber des Teppichs, da manche Figuren (so die Normannenritter Wadard und Vital) enge Verbindungen zu dieser Abtei hatten und als Gönner auftraten. Die beiden Ritter werden im Teppich erwähnt, obwohl sie beide in der Schlacht bei Hastings keine größeren Taten vollbracht hatten.

Auch über die Bedeutung einzelner Szenen ist man sich uneins: Sehen manche Harolds Fahrt in die Normandie als Auftrag König Eduards des Bekenners, Wilhelm die Entscheidung zu verkünden, die ihn zum Nachfolger des alten Königs bestimmte, so sehen andere in der Fahrt den Versuch Harolds, seinen Bruder Wulfnoth und seinen Neffen Hakon aus normannischer Haft zu befreien. Aus diesem Grund verschiebt sich auch die Sichtweise: Während nach der ersten Version Harold als Eidesbrecher dargestellt wird – was nahe legt, dass der Teppich aus normannischer Sicht geschaffen wurde – erscheint in der zweiten Version Wilhelm als machthungriger Herzog, der Harold zum Eid zwingt und die Gefangenen nicht freigibt – was eindeutig die englische Sichtweise unterstützt. Hierbei sollte allerdings auch beachtet werden, dass eine Geiselhaft hoher Adeliger zum Erzwingen eines Zieles oder zur Einhaltung einer Absprache mittelalterlichem Rechtsbrauch entsprach. Der englischen Provenienz steht wiederum entgegen, dass ein derartiger Teppich, der Wilhelm als machthungrige Person darstellt, unter dessen Herrschaft wohl kaum geduldet worden wäre.

Eine weitere Szene ist ebenso umstritten: In der Darstellung der Krönung Harolds ist der Erzbischof von Canterbury, Stigand, als Coronator ausdrücklich erwähnt, obwohl nicht gesichert ist, ob er diese überhaupt vornahm. In normannischen Quellen wird durch seine Person daher gerne die Rechtmäßigkeit der Krönung angezweifelt, da er im Zuge der Reformbewegung der römischen Kirche als Simonist angeklagt wurde. Mediävisten nennen Stigand allerdings gerne auch als Beispiel, dass um die Mitte des 11. Jahrhunderts der Simonievorwurf vor allem mit polemischen Absichten benutzt wurde, um jemandem gezielt zu schaden. So soll der normannische Chronist Wilhelm von Malmesbury „alle möglichen Leute als Simonisten“ denunziert haben, „vor allem Erzbischof Stigand von Canterbury, der sich als Repräsentant der angelsächsischen Partei nach der Eroberung nicht halten konnte, obwohl seine kirchliche Amtsführung keinen Anstoß erregt hatte. Selbst sein Nachfolger Lanfranc wurde von Eadmer als Simonist verdächtigt.“[1] Dies würde für eine normannische bzw. normannisch-freundlich gesinnte Provenienz sprechen.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gerd Tellenbach: Die westliche Kirche vom 10. Jahrhundert bis zum frühen 12. Jahrhundert (Die Kirche in ihrer Geschichte, Bd. 2, Lieferung F1). Göttingen 1988, S. F145.

[Bearbeiten] Literatur

  • [Die derzeit maßgebliche Edition] Martin K. Foys: The Bayeux-Tapestry on CD-ROM, Scholarly Digital Editions, Woodbridge (Boydell & Brewer) 2002, ISBN 0-9539610-4-4
  • Andrew Bridgeford: 1066, The Hidden History of the Bayeux Tapestry, London 2004, ISBN 1-84115-040-1.
  • Eric Maclagan: The Bayeux Tapestry, London and New York, Penguin Books 1943 (King Penguin Book K 10)
  • Mogens Rud: Der Teppich von Bayeux und die Schlacht bei Hastings, 2. Ausgabe, 1. Aufl. Christjan Eljers, Kopenhagen 2004, ISBN 87-7241-358-1.
  • David M. Wilson: "Der Teppich von Bayeux." Parkland, Köln 2003 (Reprint/Sonderausgabe der OA aus dem Ullstein/Propyläen Verlag von 1985), ISBN 3-89340-040-0.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Teppich von Bayeux – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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