Teresa Carreño

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Pianistin Teresa Carreño (Porträtaufnahme des Hofphotographen Julius Schaarwächter, um 1903)
Teresa Carreño im Alter von acht Jahren am Flügel
Villa Teresa in Coswig
Teresa Carreño auf einem Plakat (oben rechts)

María Teresa Carreño García de Sena (* 22. Dezember 1853 in Caracas; † 12. Juni 1917 in New York) war eine venezolanische Pianistin und Komponistin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Teresa Carreño war zu ihrer Zeit eine weltberühmte Pianistin, sie galt als bedeutendste ihrer Zeit. Häufig wurde sie als „Kaiserin des Pianos“ und „Walküre des Pianos“ bezeichnet.

Ihr Vater, Manuel Antonio Carreño, war ein venezolanischer Politiker, zeitweise war er Außen- und Finanzminister. Er war ein begabter Amateurpianist, außerdem der Verfasser des im spanischen Sprachraum weitbekannten und vielfach aufgelegten Benimmbuches Compendio del manual de urbanidad y buenas maneras, einer Art spanischer Knigge. Ihre Mutter war Clorinda García de Sena y Toro, deren Vater Musiker war. Ihr Großvater väterlicherseits, José Cayetano Carreño (1774–1836), war ein bedeutender venezolanischer Komponist. Den ersten Klavierunterricht erhielt sie von Ihrem Vater. Später war der deutsch-venezolanische Pianist Julio Hohené ihr Lehrer.

1862 emigrierte die Familie wegen einer Revolution in die USA, wo Teresa in New York Unterricht bei Louis Moreau Gottschalk erhielt. Am 28. November 1862 gab sie als Neunjährige ihr erstes Konzert in der New Yorker Irving Hall, 1866 spielte sie im Weißen Haus vor Abraham Lincoln.

Im selben Jahr ging sie nach Paris, wo sie Klavierunterricht bei Anton Rubinstein und dem Chopin-Schüler Georges Matthias erhielt und auch Konzerte in ganz Europa gab. Berühmtheit erlangte sie vor allem durch ihre Europatournee 1889 bis 1890; am 18. November 1889 gab sie ihr Debüt in Berlin.

Von 1873 bis 1875 war sie mit dem Komponisten Émile Sauret verheiratet, von 1876 bis 1885 mit dem italienischen Bariton Giovanni Tagliapietra. Mit Tagliapietra leitete sie eine italienische Oper in Caracas, in der sie auch als Sängerin auftrat. Aus dieser Ehe ging am 24. Dezember 1882 die Tochter Teresita Tagliapietra-Carreño hervor, die ebenfalls eine bedeutende Pianistin wurde. Am 7. Januar 1885 wurde der Sohn Giovanni geboren.

In dritter Ehe war sie von September 1892 bis Oktober 1895 mit Eugen d’Albert verheiratet, mit dem sie in ihrer Villa Teresa im sächsischen Kötitz, heute Coswig, lebte. Mit ihm hatte sie zwei weitere Töchter, Eugenia (* 27. Sept. 1892) und Hertha (* 26. Sept. 1894). Ab 1902 war sie mit Arturo Tagliapietra, dem Bruder ihres zweiten Ehemannes, verheiratet und lebte, wenn sie nicht auf Reisen war, in Berlin am Kurfürstendamm. Neben ihren Konzertreisen durch Europa, Amerika und Australien trat sie als Komponistin von brillanten Klavierstücken hervor und komponierte auch ein Streichquartett.

Aus ihrer Schule gingen bedeutende Pianisten – wie Edward MacDowell (1861–1908) und Télémaque Lambrino (1878–1930) – hervor. Rudolf Maria Breithaupt (1873–1945) widmete ihr sein modernes methodisches Klavierwerk „Die natürliche Klaviertechnik der Meisterin Teresa Carreño". Teresa Carreño hat am 2. April 1905 insgesamt 18 Werke für das Reproduktionsklavier Welte-Mignon aufgenommen, darunter eine damals und heute als phantastisch gespielt empfundene Aufnahme der Waldstein-Sonate von Beethoven. Ihre Tochter Teresita spielte 1906 ebenfalls für Welte-Mignon Aufnahmen ein.

Die Universitätsbibliothek Freiburg und das Augustinermuseum in Freiburg besitzen mehrere 1905 von ihr eingespielte Notenrollen für die Welte-Mignon-Reproduktionsklaviere mit Werken von Schumann, Liszt, Chopin und Beethoven sowie eigenen Kompositionen. Im April 1983 wurde in Caracas das nach ihr benannte Teatro Teresa Carreño (Complejo Cultural Teresa Carreño – Teresa Carreño Cultural Complex) eröffnet.

Trivia[Bearbeiten]

Häufig wird ihr die Komposition der venezolanischen Nationalhymne Gloria al bravo pueblo zugeschrieben, doch dies ist falsch. Sie komponierte allerdings zwei Chorwerke mit nationalem Charakter: Himno a Bolívar und Himno a El Ilustre Americano.

Werke[1][Bearbeiten]

Klavierwerke[Bearbeiten]

  • Valse Gottschalk, Op. 1
  • Caprice-Polka, Op. 2
  • Corbeille des fleurs, Valse, Op. 9
  • Polka de Concert, Op. 13
  • Fantaisie sur Norma, Op. 14
  • Ballade, Op. 15
  • Plainte, première élégie, Op. 17
  • Partie, deuxième élégie, Op. 18
  • Elegien, Op. 20, Plaintes au bord d'une tombe (4. Elegie)
  • Elegien, Op. 21, Plaintes au bord d'une tombe (4. Elegie)
  • Fantaisie sur L'Africaine, Op. 24
  • Le Printemps, Op. 25
  • Un Bal en Rêve, Op. 26
  • Une Revue à Prague, Op. 27
  • Un rêve en mer, Méditation, Op. 28
  • Six Etudes de Concert, Op. 29
  • Mazurka de salon, Op. 30
  • Scherzo-Caprice, Op. 31
  • Deux Esquisses Italiennes Op. 33
    • Venise, Nr. 1
    • Florence, Nr. 2
  • Intermezzo Scherzoso, Op. 34
  • Le Sommeil de l'enfant, Berceuse, Op. 35
  • Scherzino, Op. 36
  • Highland (Souvenir de l'Escosse), Op. 38
  • La fausse note, Fantasie-Valse, Op. 39
  • Staccato-Capriccietto Op. 40
  • Marche funebre (1866)
  • Kleiner Walzer für Pianoforte (Mi Teresita) [Petite Valse (Teresita)], (1898)
  • Saludo a Caracas (1885)
  • Vals Gayo

Werke für Chor und Orchester[Bearbeiten]

  • Himno a Bolívar (1883 oder 1885)
  • Himno a El Ilustre Americano (1886)

Sonstige Werke[Bearbeiten]

  • Streich-Quartett für 2 Violinen, Viola, Violoncello, h-Moll (1895)
  • Serenade für Streichorchester (1895)

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Maria Breithaupt, Die natürliche Klaviertechnik der Meisterin Teresa Carreño, Kahnt: Leipzig 1905.
  • Juan Bautista Plaza: Teresa Carreño. Caracas: Tip. americana, 1938.
  • Marta Milinowski: Teresa Carreño; „By the grace of god“. (Nachdr. d. Ausg. New Haven 1940). New York: Da Capo Pr., 1977.
  • Rosario Marciano: Teresa Carreño, eine Lebens- u. Wirkungsgeschichte. Kassel: Furore-Verl., 1990. ISBN 3-927327-04-2.
  • Mario Milanca Guzmán: Quién fue Teresa Carreño? Caracas: Alfadil Ed., 1990. ISBN 980-6273-00-1.
  • The art of piano pedaling: two classic guides. Anton Rubinstein and Teresa Carreño. Introductions by Joseph Banowetz and Brian Mann. (Reprint, 1st work, Originally published: Leipzig: Bosworth, 1897. – Reprint, 2nd work, Originally published: Cincinnati: J. Church, 1919). Mineola, N.Y.: Dover Publications, 2003. ISBN 0-486-42782-X.
  • Obras de Teresa Carreño (enthält Werkverzeichnis). Caracas: Ediciones del Ministerio de Educacion, 1974.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teresa Carreño – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Werkverzeichnis repräsentiert den Forschungsstand vom Juli 2007 unter Ausschöpfung der unter Literatur angegebenen Werke