Terrence Malick

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Terrence Malick (2011)

Terrence Malick (* 30. November 1943 in Waco, Texas) ist ein US-amerikanischer Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent, dessen Ruf als Poet des Kinos auf nur sechs Filmen beruht. Sein Film The Tree of Life (2011) wurde mit der Goldenen Palme der 64. Filmfestspiele von Cannes ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten]

Anfänge und Debütfilm[Bearbeiten]

Als Sohn eines leitenden Angestellten in einem Ölkonzernes wuchs er in Waco, Texas und in Oklahoma in ländlichem Milieu auf, bis er einen Studienplatz für Philosophie an der Harvard University erhielt. Nach dem Abschluss erhielt er ein Rhodes-Stipendium für die Universität Oxford, wo er seine Doktorarbeit über Martin Heidegger und Ludwig Wittgenstein begann. Diese brach er aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Dissertationsbetreuer Gilbert Ryle ab und kehrte in die Vereinigten Staaten zurück, wo er in New York City zeitweise als freiberuflicher Journalist arbeitete. Zur selben Zeit erhielt er auch eine Anstellung am Massachusetts Institute of Technology, wo er einen Filmkurs belegte. Hier wurde sein Interesse am Filmemachen geweckt und er wechselte 1969 an das neu gegründete Center for Advanced Film Studies des American Film Institute in Los Angeles.[1]

Sein Filmstudium finanzierte er mit der Überarbeitung bestehender Drehbücher unter anderem von Deadhead Miles, Drive, He Said, Pocket Money und Dirty Harry, bei letzterem wurde aber keine seiner Änderungen im endgültigen Drehbuch berücksichtigt. 1969 erschien Malicks englische Übersetzung von Heideggers Schrift Das Wesen des Grundes . Noch im gleichen Jahr entstand sein 17minütiges Erstlingswerk Lanton Mills, eine ungewöhnlich komödiantische Demontage des klassischen Western-Genres mag einer der Gründe dafür sein, dass der Film nie veröffentlicht wurde. Die Besetzung bestand aus den erfahrenen Darstellern Warren Oates und Harry Dean Stanton.

1972 schrieb er zusammen mit John Gay das Drehbuch für den modernen Western Zwei Haudegen auf Achse mit Paul Newman und Lee Marvin in den Hauptrollen.

Im selben Jahr begann er auch mit den Arbeiten an seinem Debütfilm Badlands – Zerschossene Träume, bei dem er sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte. Um dem möglicherweise störenden Einfluss eines Filmstudios zu entgehen, sammelte er das Filmbudget von verschiedenen kleineren Investoren zusammen und gründete für den Film mit der Badlands Company eine eigene Produktionsgesellschaft. Obwohl er durch den Verzicht auf die finanzielle Unterstützung eines Studios nur über ein begrenztes Budget von etwa 500.000 US-Dollar verfügte, konnte er für die männliche Hauptrolle den aufstrebenden Schauspieler Martin Sheen und für die weibliche Hauptrolle Sissy Spacek gewinnen.

Der Film wurde 1973 fertiggestellt und im Oktober desselben Jahres veröffentlicht. Der Film wurde von den Kritikern als bester Debütfilm eines amerikanischen Regisseurs seit Orson WellesCitizen Kane gefeiert. Badlands erzählt mit einem von Arthur Penns Bonnie und Clyde und Sam Peckinpahs Getaway inspirierten Drehbuch die Geschichte von Charles Starkweather und Caril Ann Fugate, die 1958 in Nebraska und Wyoming eine Serie von brutalen Morden begingen. Kritiker loben die einfallsreiche Kameraarbeit eines weiteren Debütanten, nämlich des Kameramanns Tak Fujimoto, die das menschenleere Land der Badlands den Gewalttaten der Hauptfiguren gegenüberstellt. Der Film hatte einen großen Einfluss auf spätere Regisseure und Drehbuchautoren wie Tony Scott, Oliver Stone und Quentin Tarantino. Oliver Stone drehte mit Natural Born Killers eine Hommage an Badlands; von Quentin Tarantino stammte das Originaldrehbuch.

Malick schrieb im folgenden Jahr das Drehbuch für den Gangsterfilm Gravy Train mit Stacy Keach und Frederic Forrest in den Hauptrollen, zog sich aber in den folgenden vier Jahren vom Filmemachen zurück.

„In der Glut des Südens“[Bearbeiten]

Erst 1978 kehrte er mit In der Glut des Südens, in dem es ebenfalls um Gesetzesbrecher auf der Flucht handelt,auf die Kinoleinwand zurück. Bekannte Schauspieler waren Richard Gere, Brooke Adams und Linda Manz. Mit Néstor Almendros an der Kamera führte er ein visuelles Experiment durch: Die Außenszenen wurden in der sogenannten Magic Hour gedreht, der kurzen Zeitspanne des Sonnenauf- bzw. -untergangs, die den Himmel in einen rötlichen Farbton, auch Golden Light genannt, taucht. Um diesen Effekt nicht zu stören, wurde auf künstliches Licht beim Ausleuchten der Szenen verzichtet. Diese Vorgehensweise hatte aber auch den Nachteil, dass die Dreharbeiten sehr langwierig wurden, da die Zeit, die zum Filmen genutzt werden konnte, nur etwa 30 Minuten pro Tag betrug.

Der aufwendigen Kameraarbeit setzte Malick eine verhältnismäßig einfache Dreiecksliebesgeschichte entgegen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Texas spielt: Die beiden Farmarbeiter Bill (Richard Gere) und Abby (Brooke Adams) flüchten vor der Polizei nach Texas, wo sie Arbeit bei einem reichen Farmer (Sam Shepard) finden. Als sich der todkranke Farmer in Abby verliebt, beschließen die beiden, dies auszunutzen, um an sein Vermögen zu kommen. Malick hatte für diese Geschichte ein ausgefeiltes Drehbuch erarbeitet, das er allerdings nach einiger Zeit verwarf und stattdessen die Schauspieler ihre Dialoge improvisieren ließ. Mit In der Glut des Südens verarbeitete Malick Eindrücke seiner Jugend als Hilfsarbeiter auf einer Farm in Texas. Das Ergebnis war ein besonders visuell eindrucksvoller Film. In der Dokumentation Visions of Light hob der Regisseur Martin Scorsese diesen Film mit der Aussage hervor, man könne jedes Einzelbild dieses Films vergrößern und als Gemälde in einem Museum ausstellen. Die Oscar-Juroren waren von der Kameraarbeit ähnlich beeindruckt und verliehen Néstor Almendros den ersten und einzigen Oscar seiner Karriere. Malick wurde 1979 als bester Regisseur bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet.

Danach zog Malick sich wieder zurück. Als Grund hierfür vermutete John Travolta seine Enttäuschung über die Einmischung der Produktionsfirma Paramount Pictures in die Besetzung und den Schnitt des Films.

Er bekam ca. eine Million Dollar als Vorschuss für seinen nächsten Film über den Ersten Weltkrieg, dieser wurde aber nicht fertiggestellt. Er zog nach Paris, wo er zurückgezogen lebte und Kontakt mit Journalisten und Produzenten vermied. Zeitweise wurde vermutet, er filme in Mexiko mit einem Team die dortigen Sonnenaufgänge. Dies verstärkte die Legendenbildung um seine Person und seine Filme. Bis Mitte der 1990er Jahre existierte in der Öffentlichkeit kein aktuelles Foto von ihm.

Malick erhebt die Natur in all seinen Filmen zu einem Protagonisten, der im stetigen Wechselspiel mit den Figuren ihre emotionale Befindlichkeit zu spiegeln vermag und der zurückgenommenen äußerlichen Filmhandlung eine poetische Tiefe verleiht. Den Gegensatz zwischen schöpferischer Natur und destruktiver Kultur, die Zerstörung des Paradieses durch Gewalt und Profitgier, dramatisiert Malick nach einer 20-jährigen Schaffenspause in seiner philosophischen Reflexion über den alle Werte erschütternden Krieg: Der schmale Grat-The Thin Red Line (1998).

Oscar-Nominierung und Triumph in Cannes[Bearbeiten]

Es dauerte 20 Jahre, bis er sich wieder dem Filmemachen widmete. 1995 kursierten Gerüchte über eine Rückkehr von Malick, aber als 1996 sein ehemaliger Agent und jetziger Geschäftsführer Mike Medavoy von Phoenix Pictures Probeaufnahmen für Malicks nächsten Film ankündigte, sorgte dies in Hollywood für Aufsehen. Filmstars wie Kevin Costner, Brad Pitt, Johnny Depp und Ethan Hawke bewarben sich um eine Rolle in diesem Film, und so musste Malick diesmal keine Kompromisse bei der Besetzung eingehen. Die Hauptrollen besetzte er mit etablierten Schauspielern wie Sean Penn, Nick Nolte, Adrien Brody und James Caviezel und einige weitere tauchten in Cameos auf.

Am 23. Juni 1997 begann Malick in Australien mit den Dreharbeiten zu Der schmale Grat, einem Kriegsfilm über die Schlacht um Guadalcanal während des Pazifikkrieges. Entgegen der üblichen Praxis beim Filmemachen sollte der Komponist Hans Zimmer die Filmmusik anhand des Drehbuchs schreiben und nicht wie sonst üblich anhand der Rohfassung des Films.

Das von Malick verfasste Drehbuch basiert dabei auf dem autobiographischen Roman von James Jones, der bereits 1964 von Andrew Marton mit Keir Dullea und Jack Warden verfilmt worden war. In den sechsmonatigen Dreharbeiten entstanden unter Malicks Regie etwa fünf Stunden an Filmmaterial. Ursache für die außergewöhnlich lange Dauer der Dreharbeiten war Malicks erneuter Versuch, bei natürlichem Licht zu drehen, auch wenn es hier nicht die Ausmaße von In der Glut des Südens annahm. Laut einem Interview mit James Caviezel soll Malick diese Vorgehensweise den Produzenten verschwiegen haben, um diese nicht abzuschrecken.

Auf den Internationalen Filmfestspielen von Berlin wurde ihm im folgenden Jahr für Der schmale Grat der Goldene Bär verliehen. Bei der Oscar-Verleihung konkurrierte der Film u. a. mit Steven Spielbergs Kriegsdrama Der Soldat James Ryan und dem romantischen Historiendrama Shakespeare in Love. Malicks Film ging trotz sieben Nominierungen leer aus.

Wider Erwarten zog sich Malick diesmal nicht vom Filmemachen zurück. Er produzierte 1999 den Dokumentarfilm Endurance über die Karriere des äthiopischen Langstrecken-Läufers Haile Gebrselassie von dessen Kindheit in Äthiopien bis zum Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta.

Malick konzentrierte sich nun auf seine Arbeit als Filmproduzent. Dafür gründete er 1999 mit Edward R. Pressman die Produktionsgesellschaft Columbine Productions, die im selben Jahr mit Sony einen Vertrag über die Entwicklung von drei Filmen bis zum Jahr 2002 abschloss. Daneben war er auch bei dem italienisch-russischen Spielfilm Der Kuss des Bären an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt.

Da er öffentliche Auftritte meidet, war es eine große Überraschung, als er 2004 auf der Berlinale unangemeldet zu einer Aufführung von In der Glut des Südens erschien.

Mit seinem Film The New World (2005) kehrte Malick in die Geburtsstunde der amerikanischen Geschichte zurück: die Störung des Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur durch den Einbruch der destruktiven englischen Kolonialisten in die elysische Lebenswelt der Indianer. 2006 kam die Liebesgeschichte The New World zwischen dem britischen Entdecker John Smith (Colin Farrell) und der Indianerprinzessin Pocahontas (Q’orianka Kilcher) in die Kinos, zu der er auch das Drehbuch schrieb. Zuvor war er als Regisseur des Biopics Che über Che Guevara, mit Benicio Del Toro in der Titelrolle, vorgesehen. Er verließ dieses Projekt aber vorzeitig. Die Regie übernahm danach Steven Soderbergh.

Im Jahr 2008 drehte Malick The Tree of Life, zu dem er auch das Drehbuch schrieb. Der Film wurde, nachdem er ursprünglich 2009 avisiert worden war, 2011 im Wettbewerb der 64. Internationalen Filmfestspiele von Cannes uraufgeführt und mit dem Hauptpreis des Filmfestivals, der Goldenen Palme, ausgezeichnet.[2] Der „bildgewaltige[n] Hymnus auf das Leben und die Entstehung allen Seins“[3] stellt einen elfjährigen Jungen (gespielt von Hunter McCracken, im Erwachsenenalter von Sean Penn verkörpert) in den Mittelpunkt, der in den 1950er Jahren in Texas aufwächst. Während die Mutter (Jessica Chastain) ihn lehrt, die Welt mit seinem Herzen zu sehen, legt sein Vater (Brad Pitt) Wert darauf, immer zuerst an sich zu denken, um den Sohn auf die harte Realität vorzubereiten.[4] Der Film wurde 2012 für drei Oscars nominiert, darunter in den Kategorien Film und Regie. Im selben Jahr erhielt er für seinen nachfolgenden Spielfilm To the Wonder mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams und Javier Bardem in den Hauptrollen seine erste Einladung in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig.

Malick ist seit 1998 in dritter Ehe mit Alexandra Wallace verheiratet und lebt in Austin (Texas).[5]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

Produzent[Bearbeiten]

Drehbuchautor[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kai Mihm: Balladen von einer verschwindenden Welt. Terrence Malick als Chronist der amerikanischen Seele. In: Marcus Stiglegger (Hrsg.): Splitter im Gewebe. Filmemacher zwischen Autorenfilm und Mainstreamkino. Bender Verlag, Mainz 2000.
  • Hannah Patterson (Hrsg.): The Cinema of Terrence Malick: Poetic Visions of America. Wallflower Press, Februar 2004, ISBN 1-903364-75-2 [englisch].
  • Michelle Koch: [Artikel] Terrence Malick. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 471–473 [mit Literaturhinweisen].
  • Jennifer Bleek:[6] Blick und Welt. Filmästhetische Konstruktionen beim frühen Terence Malick. Wilhelm Fink Verlag, September 2009, ISBN 978-3-7705-4788-3.[7]
  • Dominik Kamalzadeh, Michael Pekler: Terrence Malick. Schüren Verlag, Mai 2013, ISBN 978-3-89472-819-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Terrence Malick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ign.com/articles/2002/02/19/featured-filmmaker-terrence-malick
  2. vgl. Zusammenfassung bei indiewire.com, 22. Mai 2011 (aufgerufen am 22. Mai 2011)
  3. vgl. Ostwald, Susanne: Das Leben geschaut bei nzz.ch, 18. Mai 2011 (aufgerufen am 22. Mai 2011).
  4. vgl. Inhaltsbeschreibung bei film-zeit.de (aufgerufen am 22. Mai 2011).
  5. vgl. Terrence Malick. In: Internationales Biographisches Archiv 12/2009 vom 17. März 2009, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 17/2010 (aufgerufen via Munzinger Online)
  6. Rezension
  7. http://archiv.ub.uni-marburg.de/ep/0002/article/viewFile/381/333