Kanton Tessin

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Republik und Kanton Tessin
Repubblica e Cantone Ticino
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: TI
Amtssprache: Italienisch
Hauptort: Bellinzona
Grösster Ort: Lugano
Beitritt zum Bund: 1803
Fläche: 2812 km²
Website: www.ti.ch
Bevölkerung
Einwohner: 346'539[1] (31. Dezember 2013)
Dichte: 123 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 27,4 %[2] (August 2013)
Arbeitslosenquote: 4,8 %[3] (November 2013)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

Das Tessin [tɛˈsiːn] (italienisch Ticino [tiˈtʃiːno], lombardisch Tesin [teˈsiːn], französisch Tessin, rätoromanisch Tessin), amtlich ital. Repubblica e Cantone Ticino («Republik und Kanton Tessin»), ist ein italienischsprachiger Kanton der Schweiz. Der Hauptort ist Bellinzona, der einwohnerstärkste Ort ist Lugano. Das Tessin bildet eine der vier Schweizer Landeskulturen und stellt den grössten Anteil der italienischsprachigen Schweiz. Der Kanton ist mit der Grossregion Tessin identisch. Darüber hinaus zählt der Kanton zur schweizerisch-italienischen Metropolregion Tessin.

Geographie[Bearbeiten]

Zusammen mit den vier Bündner Südtälern Bergell (Val Bregaglia), Calancatal (Val Calanca), Misox (Val Mesolcina) und Puschlav (Val Poschiavo) bildet es die italienisch(sprachig)e Schweiz (Svizzera italiana).

Das Tessin macht den grössten Teil der italienischen Schweiz aus. Es liegt auf der Alpensüdseite und ist weitgehend von Italien umgeben; im Norden und Nordosten grenzt es an die Schweizer Kantone Graubünden, Wallis und Uri. Die Fläche beträgt 2812 Quadratkilometer, was 7 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz entspricht. Etwa ein Viertel des Gebiets gilt als unproduktiv und ein Drittel davon ist bewaldet. Wichtige Akzente setzen die beiden grossen Seen Langensee (Lago Maggiore oder Verbano) und Luganersee (Lago di Lugano oder Ceresio).

Gewässer[Bearbeiten]

Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Tessin (Ticino), der auf der Südseite des Sankt-Gotthard-Massivs am Nufenenpass entspringt, das Bedrettotal (Val Bedretto) und die Leventina (Valle Leventina) in Richtung Südost durchfliesst, um dann, ab der Kantonshauptstadt Bellinzona nach Westen durch die Magadinoebene fliessend, in den Langensee zu münden.

Blick über den Lago Maggiore von Locarno aus

Hauptzuflüsse auf diesem Weg sind der Brenno aus dem Bleniotal (Valle di Blenio) und die Moësa aus dem bündnerischen Misox. Auch der übrige Teil des nördlich des Monte Ceneri gelegenen Kantonsteils (Sopraceneri) wird in den Lago Maggiore entwässert, nämlich durch die Flüsse Maggia und Verzasca. Der südliche Kantonsteil (Sottoceneri) entwässert grösstenteils in den Luganersee und von dort über die Tresa ebenfalls in den Langensee, dessen Abfluss – wiederum «Ticino» genannt – wenig unterhalb der Stadt Pavia in den Po mündet.

Teile des südlichsten «Zipfels» der Schweiz, des Mendrisiotto, entwässern zwar ebenfalls letztlich in den Po, aber nicht über den Tessin. Aus dem Muggiotal kommend durchfliesst die Breggia den Talkessel von Chiasso und vereinigt sich im Comer See mit dem Wasser der Adda. Das westliche Mendrisiotto wird vom Flüsschen Gaggiolo durchflossen, welches unter dem Namen «Rio Ranza» (auch «Rio Ranzo» oder «Rio Lanza») bei Malnate in der italienischen Provinz Varese in die Olona mündet.

Vegetation[Bearbeiten]

Unter der reichhaltigen Flora besonders erwähnenswert sind die ausgedehnten Wälder von Edelkastanien. Sie gibt es sonst nur noch in wenigen Gegenden der Welt in dieser Reinheit und Fläche. Zudem gedeihen im Tessin unzählige Palmen, Zypressen und andere Mittelmeerpflanzen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Per 31. Dezember 2013 lebten im Tessin 346'539 Einwohner[1] (4,3 Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung). Die jährliche Zuwachsrate betrug in der Zeitspanne 1870–1940 nur 0,45 Prozent, stieg jedoch daraufhin stark an bis zu 2,3 Prozent. 2013 wuchs die Bevölkerung nur noch dank der Migration, der natürliche Saldo betrug -215, 2.842 Geburten standen 3.057 Todesfällen gegenüber. Betrug der Anteil der unter 15-Jährigen 1910 noch 30,2%, so ist er heute auf 13,7% zurückgegangen. Umgekehrt ist die Lebenserwartung gestiegen, für Frauen auf 85,7 Jahre und für Männer auf 81 Jahre.

Es leben 94.366 ausländische Bewohnende hier, was einem Anteil von 27.2 Prozent entspricht; 55.796 sind Italiener (16,1%), 8.277 Portugiesen (2,4%), 3.614 Deutsche (1,0%), 2.978 Serben (0,9%) und 2.060 Kroaten (0,6%). 2.187 ausländische Personen wurden eingebürgert, fast die Hälfte davon waren Italiener.[4]

Sprachen[Bearbeiten]

Im Tessin ist Italienisch die Amtssprache. 87,7 Prozent haben Italienisch als Hauptsprache, 5,3 Prozent Deutsch, 1 Prozent Französisch und 6,4 Prozent andere Sprachen.[5] 83,1 Prozent der Einwohner sind italienischer Muttersprache, und die Bevölkerung fühlt sich mit seinem Nachbarn kulturell stark verbunden. Ein grosser, allerdings im Abnehmen begriffener Teil der Bevölkerung spricht daneben lokale Dialekte, die zum Lombardischen gehören («Ticinées»). Da die norditalienischen Dialekte der Lombardei (inklusive italienischsprachiger Schweiz), des Piemont, Liguriens und der Emilia-Romagna einen galloromanischen Hintergrund besitzen, ähneln sehr viele Ausdrücke dem Französischen, und auch nasale Laute sowie palatale «ö» und «ü» sind häufig. Im Tessiner Dialekt heisst es zum Beispiel:

Die Kathedrale San Lorenzo in Lugano, Bischofskirche des Bistums Lugano, das den Kanton Tessin umfasst

«un om al gheva dü fiöö» [un ˈom al gˈeva dy(ː) ˈfjøː], auf Standard-Italienisch würde man sagen: «un uomo aveva due figli» (ein Mann hatte zwei Söhne). «Herz» heisst im Dialekt «cör» [køːr], ähnlich wie das französische «cœur» [kœr] und nicht wie das italienische «cuore» [kwɔre]. Und «500 Schweine» (cinquecento maiali) heisst auf Tessinerisch «cinc-cent ciügn» [ʧinˈʧeːn(t) ˈʧyɲ].

Der dialektale Wortschatz und die Volkskultur des Tessins und Südbündens werden vom Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana dokumentiert.

Eine Besonderheit stellt die Walsergemeinde Bosco/Gurin dar, in der Deutsch die Hauptsprache ist (nicht zu verwechseln mit Amtssprache).

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

69,3 Prozent der Tessiner Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Kirche an; 4,4 Prozent zählen zu einer protestantischen Konfession;[6] jeweils etwa 2 Prozent sind einer christlich-orthodoxen oder einer islamischen Gemeinschaft zuzurechnen.

«Entvölkerung der Bergtäler»[Bearbeiten]

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Tessin ein ländlich geprägter Kanton. Mitte des 19. Jahrhunderts lebte ein Drittel der Bevölkerung in Dörfern über 600 m, heute sind es 7 Prozent.

Verfassung und Politik[Bearbeiten]

Der Sitz der Kantonsregierung in Bellinzona

Die aktuelle Kantonsverfassung datiert vom 14. Dezember 1997 (mit seitherigen Änderungen).[7][8]

Legislative[Bearbeiten]

Das Kantonsparlament, der Grosse Rat (Gran Consiglio), hat 90 Mitglieder, die alle vier Jahre in einem einzigen Wahlkreis nach dem Proporzwahlrecht gewählt werden.

Verfassungsänderungen unterliegen dem obligatorischen Referendum und sind damit zwingend der Volksabstimmung zu unterbreiten. Dem fakultativen Referendum unterliegen Gesetzeserlasse bzw. -änderungen, rechtsetzende Dekrete mit allgemeinverbindlichem Charakter, Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als einer Million Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 250'000 Franken sowie rechtsetzende Staatsverträge, wenn dies innert 45 Tagen nach der Veröffentlichung im Amtsblatt von mindestens 7000 Stimmberechtigten oder von einem Fünftel der Gemeinden verlangt wird.

Das Volk kann in Form einer Volksinitiative selbst Gesetze und Gesetzesänderungen vorschlagen, wenn 7000 Stimmberechtigte innert 60 Tagen nach Veröffentlichung des Begehrens im Amtsblatt einen dahingehenden Vorschlag unterstützen. Initiativen auf Verfassungsänderungen bedürfen der Unterstützung von 10'000 Stimmberechtigten.

Seit der Wahl vom 10. April 2011 verteilen sich die Sitze wie folgt:

Partei
italienischsprachige Bezeichnung deutschsprachige Bezeichnung Sitze Sitzverteilung Wähleranteil in %
Partito liberale radicale ticinese (PLRT) FDP.Die Liberalen (FDP) 23
1
7
14
19
23
5
21
14 19 23 21 
Von 90 Sitzen entfallen auf:
Tessiner Kantonsratswahlen vom 10. April 2011
Wahlbeteiligung: 58.49%
 %
30
20
10
0
25,15
22,84
20,53
15,07
7,61
5,45
1,27
2,08
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2007
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,16
+6,65
-2,64
-3,89
+3,46
+0,88
+0,36
-0,66
Lega dei Ticinesi (Lega) Liga der Tessiner (Lega) 21
Partito popolare democratico (PPD) Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 19
Partito socialista svizzero (PS) Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 14
I Verdi Ticinesi (VERDI) Die Tessiner Grünen 7
Unione democratica di centro (UDC) Schweizerische Volkspartei (SVP) 5
Movimento per il socialismo (MPS) Bewegung für den Sozialismus 1

Exekutive[Bearbeiten]

Der Staatsrat (Consiglio di Stato) ist die Regierung des Kantons. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die alle vier Jahre in einem einzigen Wahlkreis vom Volk direkt nach dem Proporzwahlrecht gewählt werden. Aus ihren Reihen wählen die Mitglieder des Staatsrates jeweils für ein Jahr den Präsidenten.

15'000 Stimmberechtigte können verlangen, dass eine Volksabstimmung über die Absetzung des Staatsrats stattfindet. Der Grosse Rat kann selbst ein Mitglied des Staatsrates mit der absoluten Mehrheit seiner Stimmen abberufen.

Seit der Wahl vom 10. April 2011 verteilen sich die Sitze wie folgt:[9]

Staatsrat Funktion Partei Departement
Manuele Bertoli Presidente del Consiglio di Stato
Präsident des Staatsrates
SP/PS Dipartimento dell’educazione, della cultura e dello sport
Departement für Erziehung, Kultur und Sport
Norman Gobbi Vicepresidente del Consiglio di Stato
Vizepräsident des Staatsrates
Lega Dipartimento delle istituzioni
Departement für Inneres, Justiz und Polizei
Claudio Zali Consigliere di Stato
Staatsrat
Lega Dipartimento del territorio
Departement für Bau, Umwelt und Verkehr
Laura Sadis Consigliera di Stato
Staatsrätin
FDP/PLR Dipartimento delle finanze e dell’economia
Departement für Finanzen und Wirtschaft
Paolo Beltraminelli Consigliere di Stato
Staatsrat
CVP/PPD Dipartimento della sanità e della socialità
Departement für Gesundheit und Soziales

Judikative[Bearbeiten]

Die Zivilgerichtsbarkeit wird durch die Friedensrichter (Giudice di Pace; Schlichtungsbehörde), die Pretori (in erster Instanz) und das Appellationsgericht (Tribunale di appello; in zweiter Instanz) ausgeübt, die Strafgerichtsbarkeit durch das Strafgericht (Tribunale penale cantonale) und die Pretura penale (beide in erster Instanz), das Appellationsgericht (Corte di appello e di revisione penale; in zweiter Instanz) und den Jugendrichter. Das Geschworenengericht wurde 2011/2012 nach Inkrafttreten der schweizerischen Strafprozessordnung, die keine Prozesse nach dem Unmittelbarkeitsprinzip mehr vorsieht, in eine aus Strafrichtern und Laien zusammengesetzte und über Akteneinsicht verfügende Kammer des Strafgerichts umgewandelt.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird durch drei besondere Kammern des Appellationsgerichts, die als Verwaltungsgericht (Tribunale cantonale amministrativo), Versicherungsgericht (Tribunale cantonale delle assicurazioni) und als Steuergericht (Camera di diritto tributario) fungieren, sowie durch das Enteignungsgericht (Tribunale delle espropriazioni) ausgeübt.

Die Richter werden mit Ausnahme der vom Volk gewählten Friedensrichter vom Grossen Rat gewählt; ihre Amtszeit beträgt jeweils zehn Jahre. Die Aufsicht über die Richter wird durch den Richterrat (Consiglio della magistratura) ausgeübt, der sich aus vier vom Grossen Rat und drei von den vollamtlichen Richtern gewählten Personen zusammensetzt.

In Bellinzona hat ferner das Bundesstrafgericht (Tribunale penale federale) seinen Sitz.

Gemeinden, Kreise und Bezirke[Bearbeiten]

Die politischen Gemeinden (comuni) sind im Rahmen des kantonalen Staats- und Verwaltungsrechts autonom. Sie erfüllen die allgemeinen öffentlichen Aufgaben auf lokaler Ebene. Die Bürgergemeinden (patriziati) und die römisch-katholischen sowie evangelisch-reformierten Kirchgemeinden sind ebenfalls öffentlich-rechtlich anerkannt und je für Angelegenheiten der Ortsbürger bzw. der Kirchen zuständig.

Die Kreise (circoli) sind heute lediglich noch Friedensrichtersprengel. Im Rahmen der Verwaltung spielen sie keine Rolle mehr und werden dementsprechend in der Kantonsverfassung nicht mehr erwähnt.

Die Bezirke (distretti), die weitgehend mit den verschiedenen Land- und Talschaften des Tessins identisch sind, dienen laut Verfassung zwar der Verwaltungsdezentralisation, spielen aber nur eine ganz marginale Rolle und haben deshalb in erster Linie identitätsstiftende Funktion.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Einkommen und Erwerbssektoren[Bearbeiten]

Das Bruttoinlandprodukt im Tessin betrug im Jahr 2012 21.7 Mia Schweizer Franken.[10], das Pro-Kopf-Einkommen bewegte sich im Jahr 2005 um 41'335 Schweizer Franken (Platz 22 von 26).[11] Im Jahr 2012 lag der Medianlohn von 5.091 Schweizerfranken 17 Prozent unter dem Schweizer Mittel, das 6.118 pro Monat beträgt. Ungefähr 70 Prozent wird im tertiären, 30 Prozent im sekundären und 1,3 Prozent im primären Sektor erwirtschaftet. 2012 waren 157.888 Personen im Dienstleistungsbereich (66 Prozent), 51.394 Beschäftigte in der Industrie (21 Prozent) und 3.397 Arbeitende in der Landwirtschaft (1,4 Prozent) beschäftigt.

Von den 296.000 Personen über 15 Jahren sind 179.100 arbeitstätig, die Beschäftigungsrate beträgt 60,5 Prozent und liegt unter dem Schweizer Mittel von 68,3 Prozent. Zusätzlich kommen aber noch über 60.000 Grenzgänger aus Italien im Tessin arbeiten. Trotz Ganztagesschulen ist die Frauenquote bei der Erwerbstätigkeit mit 51,4 Prozent geringer als im Schweizer Mittel, weil viele verheiratete Frauen sich immer noch hauptsächlich Familie und Haushalt kümmern. Die Arbeitsquote beträgt bei den Männer um 70 Prozent, ist aber infolge vieler Frühpensionierungen auch eher tief.[12]

Tourismus[Bearbeiten]

Der Kanton Tessin ist stark vom Tourismus abhängig, 12 Prozent der Beschäftigten (in 183.500 Vollzeitstellen) arbeiten in diesem Sektor und erwirtschafteten im Jahr 2012 2.725 Milliarden Schweizer Franken, was 9,6 Prozent des kantonalen BIP entspricht (Schweiz: 2.6 Prozent). Viele Besucher, vor allem aus der Deutschschweiz und aus Deutschland, kommen in den südlichsten Kanton der Schweiz, um das mediterrane Klima und das italienische Flair, kombiniert mit schweizerischen Sekundärtugenden, zu geniessen. Im Jahr 2012 kamen 21.3 Millionen Gäste ins Tessin, davon waren 58 Prozent Übernachtungsgäste, 20 Prozent Tagesgäste und 41 Prozent andere Personen (Shopping, Casino, Transit). In Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Rustici (Zweitwohnungen) werden beachtliche 36 Prozent der Übernachtungen generiert, was für die lokale Wirtschaft von Bedeutung ist.[13]

Der Lago Maggiore und der Luganersee sowie die Städte Bellinzona, Locarno, Ascona und Lugano zählen zu den wichtigsten touristischen Zentren. Hinzu kommen viele Berge, Täler, Dörfer und Weiler, die meist noch nicht von Touristen überrannt sind und viel von ihrem ursprünglichen Charme mit einer einfachen Bauweise und einer ländlichen, ruhigeren Lebensart erhalten haben.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Kanton Tessin führte seit seiner Gründung einen «Kampf» gegen die geographische Isolierung vom Rest des Landes und brachte enorme finanzielle Opfer für den Ausbau der Passstrassen; dabei blieb er lange machtlos gegen die witterungsbedingten Schliessungen der Alpenübergänge während der langen Winterzeiten.

Mit der Eröffnung des Sankt Gotthard-Bahntunnels im Jahr 1882 wurde erstmals eine ganzjährige Verbindung des Kantons mit der restlichen Schweiz geschaffen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten zwei schneefreie Strassenverbindungen, nämlich der am 1. Dezember 1967 eröffnete San-Bernardino-Strassentunnel im Nachbarkanton Graubünden und der am 5. September 1980 dem Verkehr übergebene Gotthard-Strassentunnel.

Momentan ist zudem der 57 km lange Gotthard-Eisenbahn-Basistunnel im Bau, der die Fahrtzeit von Zürich nach Mailand um ca. eine Stunde auf 2 h 40 min verkürzen und damit eine konkurrenzfähige Alternative zum Flugzeug und zum Auto werden soll. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 2016 wird er voraussichtlich der längste Eisenbahntunnel der Welt sein und die mit dem wachsenden Güter- und Personenverkehr überforderten Gotthard-Strassentunnel und Gotthard-Bahntunnel entlasten.

Weinbau[Bearbeiten]

Die Böden und klimatischen Bedingungen sind im Tessin in zwei Teile zu trennen, zwischen denen der Monte Ceneri steht. Nördlich und südlich des über 500 Meter hohen Passes gibt es Unterschiede in den Luftströmungen und den Geländebeschaffenheiten. Im Norden sind die Böden leicht, sandig, und wasserdurchlässig. Im Süden dagegen ist der Boden schwerer und fruchtbarer. Beide enthalten jedoch die für die Mineralienversorgung der Trauben wichtigen kalkhaltigen Sedimente. Das Tessin ist zu Recht eines der bekanntesten und trotz seiner geringen Grösse wichtigen Weinbaugebiete Europas.

In den 1980er-Jahren erlebte der Weinbau im Tessin einen grossen Aufschwung. Zu verdanken ist das vor allem einigen fortschrittlichen Winzern, die für Qualität mit beschränkter Anbaumenge eintraten, und innovative Weinbaumethoden publizierten. Ein kleiner Teil der Anbaufläche wird noch für Amerikaner-Reben genutzt. Aus ihnen werden Traubensaft und Grappa hergestellt.

Bildung und Kultur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Im Kanton Tessin sind neun Schuljahre Pflicht. Diese teilen sich in fünf Jahre scuola elementare (Primarschule) und vier Jahre scuola media (Mittelschule) auf. Hat ein Schüler diese neun Schuljahre absolviert, kann dieser freiwillig das liceo, das dem Gymnasium entspricht, oder ähnliche Schularten besuchen. Ab dem 15. Lebensalter darf eine Person eine Arbeit suchen. Das durchschnittliche Einschulungsalter liegt bei sechs Jahren.

Das Tessin besitzt eine Universität, die allerdings nicht als Volluniversität ausgestaltet ist, mit drei Fakultäten der Kommunikations-, Wirtschaftswissenschaften und der Informatik in Lugano sowie einer Architekturfakultät in Mendrisio. Die Universität der italienischen Schweiz (USI/SUP) hat etwa 3000 Studierende. Ferner werden Fachhochschulstudien an der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) angeboten.

Kultur[Bearbeiten]

Jeweils im August findet das Internationale Filmfestival von Locarno statt, auf dem der «Goldene Leopard» verliehen wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Städte und Orte[Bearbeiten]

Bezirke des Kantons Tessin

Die einwohnerstärksten Gemeinden im Kanton Tessin mit über 5'000 Einwohnern per 31. Dezember 2013 lauten wie folgt:[1]

Politische Gemeinde Einwohner
Lugano 62'792
Bellinzona 17'962
Locarno 15'671
Mendrisio 14'789
Giubiasco 8561
Chiasso 8074
Minusio 7251
Losone 6499
Capriasca 6458
Biasca 6164
Massagno 6119
Ascona 5423

Bezirke mit Hauptort[Bearbeiten]

Der Kanton Tessin ist in acht Bezirke (distretti) eingeteilt, diese wiederum in 38 Kreise (circoli):

Sonstiges[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

  • Marcello Sorce Keller, «Canton Ticino: una identità musicale?», Cenobio, LII (2003), April–June, S. 171–184; auch später veröffentlicht in Bulletin – Schweizerische Gesellschaft für Musikethnologie und Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz, October 2005, S. 30–37.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Tessin – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tessin

Literatur[Bearbeiten]

  • Giulio Vismara, Paola Vismara e Adriano Cavanna: Ticino medievale. Storia di una terra lombarda. Armando Dadò Editore, Locarno 1990.
  • Antonietta Moretti: Da feudo a baliaggio. La comunità delle pievi della Val Lugano nel XV e XVI secolo. Bulzoni, Roma 2006.
  • Lara Calderari: Da e verso il Canton Ticino. Scambi artistici tra Quattro e Cinquecento. in «Arte+Architettura in Svizzera», LVIII, 2007, S. 53-61.
  • Gianna Ostinelli-Lumia: «Una reformatione licita e laudabila …». Locarno, i signori svizzeri e i capitoli del 1539–1539. in «Verbanus», Nummer 29, 2008, Alberti, Verbania Februar 2009.
  • Raffaello Ceschi (Hrsg.): Storia della Svizzera italiana. Dal Cinquecento al Settecento. Casagrande, Bellinzona 2000.
  • Emil Camenisch: Storia della Riforma e Controriforma nelle valli meridionali del Canton Grigioni. Engadin Press, Samedan 1950.
  • Pio Cattaneo: Il clima della sommossa leventinese del 1755. in «Rivista storica ticinese», 1. Februar 1938, Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1938.
  • Aldo Petralli: 1798 Un anno storico. Arti grafiche Gaggini-Bizzozero SA, Lugano 1979.
  • Samuel Butler: Alpi e Santuari del Canton Ticino. Armando Dadò Editore, Locarno 1984.
  • Raffaello Ceschi: Ottocento ticinese. Armando Dadò Editore, Locarno, 1986.
  • Roberto Bianchi, Raffaello Ceschi, Andrea Ghiringhelli, Willy Gianinazzi, Fabrizio Panzera: I postumi del 1890. in «Ragioni critiche», Nummer 7-8, Oktober 1990.
  • Willy Gianinazzi: Intellettuali in bilico. «Pagine libere» e i sindacalisti rivoluzionari prima del fascismo. Milano, Unicopli, 1996.
  • Giulio Barni, Guglielmo Canevascini: L’industria del granito e lo sviluppo economico del Canton Ticino.2. Auflage, Marco Marcacci und Gabriele Rossi (Hrsg.), Fondazione Pellegrini-Canevascini, Bellinzona 2009.
  • Siro Borrani: Il Ticino Sacro. Memorie religiose della Svizzera Italiana raccolte dal sacerdote Siro Borrani prevosto di Losone. Tipografia e Libreria Cattolica di Giovanni Grassi, Lugano 1896.
  • Giuseppe Rensi: Una Repubblica Italiana: il Cantone Ticino. (Hrsg) Giancarlo Vigorelli, Editore Armando Dadò, Locarno 1994.
  • Associazione Giovani Ticinesi (Hrsg.): La questione ticinese, con un cenno alla situazione del Canton Grigioni. Fiume, 1923.
  • Bruno Guidi: Araldica. Stemma cantonale. in «Rivista storica ticinese», Nummer 1, Februar 1938, Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1938.
  • Aurelio Garobbio: Gabriele D’Annunzio e i «Giovani Ticinesi»: le vicende de «L’Adula». Editore Centro Studi Atesini, Trento, 1988.
  • Ferdinando Crespi: Ticino irredento. La frontiera contesa. Dalla battaglia culturale dell’«Adula» ai piani d’invasione, Edizioni Franco Angeli. Milano, 2004.
  • Giulio Rossi, Eligio Pometta: Storia del Cantone Ticino (1941), Armando Dadò Ed., Locarno, 1980 (riedizione).
  • Mauro Cerutti: Fra Roma e Berna. La Svizzera italiana nel ventennio fascista, Franco Angeli, Milano, 1986.
  • Graziano Papa: Un irredentista irriducibile, Alla corte di Mussolini, Aurelio Garobbio etnografo, in «Corriere del Ticino», 5–9 e 11 dicembre 1992.
  • Davide Dosi: ll cattolicesimo ticinese e i fascismi: la Chiesa e il partito conservatore ticinese nel periodo tra le due guerre mondiali. (2. Band von 25 Religion, Politik, Gesellschaft in der Schweiz), Editore Saint-Paul, Lugano, 1999.
  • Luigi Favero, Graziano Tassello: Cent’anni di emigrazione italiana (1876-1976). Cser, Roma 1978.
  • Giorgio Cheda: L’emigrazione ticinese in Australia, due volumi, Armando Dadò Editore, Locarno 1976; Idem: L’emigrazione ticinese in California., 2 Bände, Armando Dadò Editore, Locarno 1981; Idem: Tra i Migranti di Cà e gli eredi di Rà. Fontana Edizioni, Pregassona 2007.
  • Plinio Grossi: Il Ticino del primo ’800. Idem: Il Ticino di metà ’800. Idem: Il Ticino di fine '800. Idem: Il Ticino del primo ’900. Il Ticino dei ’10. Idem : Il Ticino dei ’20. Idem: Il Ticino dei ’30. Idem: Il Ticino dei ’40. Idem: il Ticino dei ’50. Idem: Il Ticino dei ’60. Idem: Il Ticino dei ’70. Idem: Il Ticino degli ’80. Idem: Il Ticino dei ’90. Idem: Il Ticino dei nomi. Fontana Edizioni, Pregassona.
  • Maurizio Binaghi, Roberto Sala: La frontiera contesa. I piani svizzeri di attacco all’Italia nel rapporto segreto del colonnello Arnold Keller (1870–1918). Edizioni Casagrande, Bellinzona 2008.
  • Antonio Gili (Hrsg.): Il Ticino fra le due guerre, 1919-1939. Alla prova dei totalitarismi e dell’emergenza economica e sociale. Associazione Carlo Cattaneo, Castagnola 2008.
  • Mario Maccanelli: Ticino terra di personaggi illustri. Fontana Edizioni, Pregassona 2009.
  • Plinio Grossi: Ticino nero. Delitti. Sciagure. Truffe. Tumulti. Idem: Ticino giallo. Rapine. Omicidi. Attentati. Raggiri. Fontana Edizioni, Pregassona, 2009.
  • Giulio Foletti (Hrsg.): L'inventario dei beni culturali del Canton Ticino 1909-2009. Territorio e monumenti. Dipartimento del territorio. Ufficio dei beni culturali, Bellinzona 2009.
  • René Favier, Serge Tomamichel, Juline Coppier, Yves Kinossian, Marco Marcacci (Hrsg.): Une école à la mesure des Alpes? Contribution à une histoire de l’enseignement secondaire. PUG, Grenoble 2009.
  • Libero Gerosa (Hrsg.): Chiesa cattolica e Stato in Svizzera. Atti del convegno della Conferenza dei Vescovi svizzeri (Lugano, 3–4 novembre 2008). Armando Dadò Editore, Locarno 2009.
  • Vincenzo Pacillo: Stato e Chiesa Cattolica nella Repubblica e Cantone Ticino. Profili giuridici comparati. EuPress FTL, Lugano 2009.
  • Ivo Giulietti, Ignazio Cassis: Il medico cantonale. Dalla sua istituzione ai giorni nostri 1924-2008. Storia medica ticinese, Taverne, 2009.
  • AA.VV.: Percorsi di ricerca. Working papers. Laboratorio di Storia delle Alpi-LabiSAlp. Nummer 1, 2009, Nummer 2, 2010.
  • Angelo Rossi, Tessere. Saggi sull'economia ticinese. Fondazione Pellegrini-Canevascini, Bellinzona 2010.
  • Michele Albertini: Una nuova legge per l’archivistica del Cantone Ticino. in «Bollettino della Società Storica Locarnese», Nummer 14, Tipografia Pedrazzini, Locarno 2011, S. 7–16.
  • Raffaello Ceschi (Hrsg.): Storia del Cantone Ticino., 2 Bände, Stato del Cantone Ticino, Bellinzona 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2013 (PDF; 132 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2013 (PDF; 618 kB). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Pressedokumentation vom 9. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. Gerhard Lob: Fast 40 Prozent Einpersonenhaushalte. Das Statistische Jahrbuch des Kantons Tessin 2015 ist soeben erschienen. Es stellt eine reichhaltige Quelle an Informationen über den Südkanton dar. Tessiner Zeitung 10. April 2015
  5. Annuario Statistico Ticinese 2015
  6. Annuario Statistico Ticinese 2015
  7. Verfassung von Republik und Kanton Tessin. vom 14. Dezember 1997 (Stand am 11. Juli 2006). Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch), abgerufen am 26. Januar 2015 (Übersetzung).
  8. Costituzione della Repubblica e Cantone Ticino (del 14 dicembre 1997). Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 26. Januar 2015 (italienisch).
  9. Il Consiglio di Stato. Republik und Kanton Tessin, abgerufen am 26. Januar 2015 (italienisch).
  10. Gerhard Lob: Im Tessin werden knapp 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts durch den Tourismus erwirtschaftet. Diese Wertschöpfung liegt über dem Schweizer Mittel, aber unter dem Bündner und Walliser Vergleichswert. Tessiner Zeitung TZ 20. Februar 2015, Seite 3
  11. Netto-Volkseinkommen zu Faktorkosten (VE) in Franken pro Einwohner 2004 - 2005p (Memento vom 20. Dezember 2007 im Internet Archive) , Bundesamt für Statistik (BFS)
  12. Annuario Statistico Ticinese 2015
  13. Gerhard Lob: Im Tessin werden knapp 10 Prozent des Bruttoinlandprodukts durch den Tourismus erwirtschaftet. Diese Wertschöpfung liegt über dem Schweizer Mittel, aber unter dem Bündner und Walliser Vergleichswert. Tessiner Zeitung TZ 20. Februar 2015, Seite 3

46.2858.786Koordinaten: 46° N, 9° O; CH1903: 703836 / 126845