Tetraeder (Bottrop)
Das Haldenereignis Emscherblick, kurz Tetraeder, ist ein in Form einer dreiseitigen Pyramide erbauter und frei begehbarer Aussichtsturm auf der Halde Beckstraße in Bottrop-Batenbrock. Die Stahl-Konstruktion mit einer Seitenlänge von 60 m ruht auf vier 9 m hohen Betonpfeilern und befindet sich auf der Kuppe der ca. 120 m über NN. hohen Halde an der Beckstraße.[1] Die Halde hat eine Prominenz von etwa 90 Metern zum Umgebungsniveau. Bei klarer Sicht kann man das Wahrzeichen der Stadt Bottrop vom Essener Hauptbahnhof aus erkennen.
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Bauwerk [Bearbeiten]
Der Aussichtsturm wurde als Landmarke der IBA Emscher Park vom Architekten Wolfgang Christ aus Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Tragwerksplaner Klaus Bollinger (Bollinger + Grohmann, Frankfurt) entworfen und von der Rüter GmbH, Dortmund errichtet. Das Haldenereignis Emscherblick wurde am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 1995, eröffnet.
Die Konstruktion besteht aus 210 Tonnen Stahl und Rohren in einer Länge von 1,5 km. Die Stahlkonstruktion ruht auf vier Stahlbetonsäulen, so dass sie vom Boden abgesetzt ist und besonders nachts, wenn der Tetraeder leuchtet, einen schwebenden Eindruck macht. Der Düsseldorfer Künstler Jürgen LIT Fischer hat die Lichtskulptur 'Fraktal' an der Spitze des Tetraeders gestaltet. Die Kuppe der Halde wurde nach einem Entwurf von Wolfgang Christ als linsenförmige Vertiefung modelliert. Vom Mittelpunkt des abgesenkten Plateaus aus verschwindet die Industrie- und Stadtlandschaft des nördlichen Ruhrgebietes aus den Augen. Man ist mit sich, dem künstlichen Berggestein aus 1200 m Tiefe und dem Himmel über sich alleine. Die schwarzen und z.T. scharfkantigen Steine sollen die Erinnerung an die schwere Arbeit unter Tage wachhalten.
In die Hauptkonstruktion sind Treppen und in verschiedenen Höhen Aussichtsplattformen eingehängt: Die erste Plattform in 18 m Höhe erreicht man über eine als Hängebrücke gebaute Treppe, steil hinauf geht es zur zweiten Plattform in 32 m Höhe. Die dritte Plattform in 38 m Höhe besteht aus einem Ring mit 8 m Durchmesser, welcher eine Neigung von 8° aufweist; sie ist über eine Wendeltreppe zu erreichen. Die Treppen und Podeste sind an Stahlseilen beweglich in der Konstruktion aufgehängt, dadurch kann es bei stärkerem Wind zu Schwankungen kommen. Die Plattformen und Treppen bestehen aus Lichtgittern und Lochplatten mit freiem Blick nach unten.
Halde und Landmarke [Bearbeiten]
Die Halde selbst ist durch ein dichtes Wegenetz erschlossen und kann in verschiedenen Steigungswinkeln erklommen werden. Der direkte Weg nach oben führt über eine Treppe mit 387 Stufen. Der Berg besteht aus taubem Gestein, was auf der unbepflanzten Gipfelfläche sehr schön wahrgenommen werden kann. Vier Panoramatafeln beschreiben Details der Aussicht über das Ruhrgebiet. Auf der Nachbarhalde befindet sich als weitere Attraktion das Alpincenter Bottrop.
Der Tetraeder ist aufgrund der exponierten Lage und Höhe eine wichtige Landmarke der Region. Von oben hat man einen weiten Rundblick über das Industrierevier Ruhrgebiet. Bei guter Sicht ist der etwa 40 km entfernte Rheinturm in Düsseldorf zu erkennen. So wie andere Ruhrgebietshalden ist der Tetraeder Teil der Route der Industriekultur.
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Tetraeder vom Gasometer Oberhausen aus gesehen
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Blick von der Schurenbachhalde über Prosper-Haniel bis zum Tetraeder
Mathematische Struktur [Bearbeiten]
Das Objekt ähnelt einer Sierpinski-Pyramide – auch genannt Sierpinski-Schwamm, also dem dreidimensionalen Analogon des Sierpinski-Dreiecks. Im ersten Schritt wird das Tetraeder in vier kleinere Tetraeder unterteilt, zwischen denen sich in der Mitte ein Oktaeder bildet. Im zweiten Schritt würden diese vier Tetraeder in derselben Weise aufgeteilt werden – in der Skulptur bleibt allerdings einer der drei unteren Tetraeder beim ersten Schritt stehen.
Steinarrangements „Aliens“ [Bearbeiten]
Durch Neuarrangieren verschiedenfarbiger Schottersteine legte der Bottroper Fred Fischer von 2004 bis Anfang 2009 unterhalb des Tetraeders mehrere große stereotype Darstellungen von „Außerirdischen“. Nachdem auch andere Landmarken aus der Zeit der IBA Emscher Park, zum Beispiel die Halde Brockenscheidt der Zeche Waltrop mit dem Spurwerkturm des Künstlers Jan Bormann[2], von Bürgern umgestaltet wurden, forderte der Regionalverband Ruhr im Jahr 2008 ein Gutachten an, nach dessen Aussage dies rechtlich nicht erlaubt war.[3] Nach einer in den öffentlichen Medien leidenschaftlich geführten Debatte um Für und Wider der ungenehmigten Aktionen einzelner Bürger[4][5], ließ der Regionalverband Ruhr am 18. Februar 2009 die 'Figuren' unterbaggern.[6]
Im August 2011 ließ Fred Fischer die Aliens wieder aufleben, mit Genehmigung des Regionalverbandes Ruhr. Die Aktion ging auf eine Absprache zwischen dem Künstler und dem RVR zurück. Der RVR hatte versprochen einen anderen Ort für die Kunstinstallation zu finden, nachdem dies nicht gelungen war einigte man sich auf eine temporäre Aktion mit Textilbahnen am Originalplatz.[7]
Der Tetraeder im Film [Bearbeiten]
Der Bottroper Tetraeder ist Schauplatz einiger Szenen in Dietrich Brüggemanns Film Renn, wenn du kannst.[8]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ GPS Messung unterhalb des Tetraeders
- ↑ Auch Landmarken machen das Revier zur Kulturadresse, WAZ vom 1. August 2007
- ↑ Onlineausgabe: Wolfgang Berke: Über alle Berge, Klartext Verlag, Essen, 2010, S.127f.
- ↑ Artikel auf dem Portal der WAZ Mediengruppe
- ↑ Forumsdiskussion auf dem Portal der WAZ Mediengruppe
- ↑ Die Aliens machen den Abflug, WAZ vom 17. Februar 2009
- ↑ Der Westen: Die Aliens sind wieder da, 17. August 2011
- ↑ http://www.swr.de/kultur/film/renn-wenn-du-kannst/-/id=3240/nid=3240/did=6489720/hh84wj/index.html
Weblinks [Bearbeiten]
- Beschreibung dieses Panoramapunkts als Teil der Route der Industriekultur
51.5276.96Koordinaten: 51° 31′ 37″ N, 6° 57′ 36″ O
Besucherzentrum und Ankerpunkte (von West nach Ost): Museum der Deutschen Binnenschifffahrt | Innenhafen Duisburg | LVR-Industriemuseum Oberhausen | Landschaftspark Duisburg-Nord | Gasometer Oberhausen | Aquarius-Wassermuseum | Villa Hügel | Nordsternpark | Welterbe Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein | Zeche Ewald | Chemiepark Marl | Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen | Henrichshütte | Jahrhunderthalle Bochum | Umspannwerk Recklinghausen | Deutsches Bergbau-Museum | Zeche Nachtigall | Schiffshebewerk Henrichenburg | DASA | Kokerei Hansa | Zeche Zollern II/IV | Hohenhof | Freilichtmuseum Hagen | Lindenbrauerei Unna | Maximilianpark Hamm
Themenrouten (aufsteigend nach Nummern): 1. Duisburg: Stadt und Hafen | 2. Industrielle Kulturlandschaft Zollverein | 3. Duisburg: Industriekultur am Rhein | 4. Oberhausen: Industrie macht Stadt | 5. Krupp und die Stadt Essen | 6. Dortmund: Dreiklang Kohle, Stahl und Bier | 7. Industriekultur an der Lippe | 8. Erzbahn-Emscherbruch | 9. Industriekultur an Volme und Ennepe | 10. Sole, Dampf und Kohle | 11. Frühe Industrialisierung | 12. Geschichte und Gegenwart der Ruhr | 13. Auf dem Weg zur blauen Emscher | 14. Kanäle und Schifffahrt | 15. Bahnen im Revier | 16. Westfälische Bergbauroute | 17. Rheinische Bergbauroute | 18. Chemie, Glas und Energie | 19. Arbeitersiedlungen | 20. Unternehmervillen | 21. Brot, Korn und Bier | 22. Mythos Ruhrgebiet | 23. Parks und Gärten | 24. Industrienatur | 25. Panoramen und Landmarken | 26. Sakralbauten | per Rad
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